223 Log 250315 Forschungsfenster V
Scores Hespos, Scherchen ergänzen
Einladung
Forschungsfenster Dorothea Schürch | SO 30.3.25 | 18 Uhr | VIA Basel
DOROTHEA SCHÜRCH
FORSCHUNGSFENSTER «SCORE-DENKEN»
Sonntag, 30.3.2025 um 18 Uhr
VIA Studio
Amerbachstrasse 55a, 4057 Basel
Google Maps
I. Score-Denken: Notationen, schreiben, aufschreiben, zuschreiben, überschreiben, anschreiben – eine Auswahl aus den Logbüchern
II. Präsentation der Datenbank: www.thevoiceandthemachine.com
III. Kommentieren als Performance:
nach Elke Erb: Es setzt auf mich 2004
Was mit einem ersten Forschungsfenster im Kasko Basel 2016 begonnen hat, findet nun im VIA Studio seine Fortsetzung.
Wir freuen uns auf euch!
Chris Regn und Andrea Saemann
Dorothea Schürch, Aus dem was sich so zuträgt I, Foto © Cornelia Cottiati
〈ort〉 Emmenbrücke, April 24
Dorothea Schürch macht nach den Forschungsfenstern «Leere Stimmen», «L’Anticoncept», «Membran» und «Wunderblöcke» unter dem Titel «Score-Denken» ihre Arbeit in Archiven und mit dem eigenen Archiv zum Thema: das Schreiben und Weiterschreiben ihrer Logbücher Forschungstagebücher), die mittlerweile in einer Online Datenbank gefasst wurden und zugänglich sind. Mit dem Titel Score-Denken bezieht sich Dorothea Schürch auf einen Workshop, den die IGNM gemeinsam mit OOR Salon und Irene Revell im März 2025 im Kunstraum Walcheturm Zürich durchgeführt hat. Mit dem Score-Denken erscheinen die herkömmlichen Aufzeichnungssysteme wie Notation und Recording in neuem Licht.
Erster Teil
Einführung
- MUWI = Scores, Notationen, neu: graphic scores, text scores
- Selbstverständnis als Musikerin → Notenlesen
- Sorgen / Sorgfalt, wie diese Zeichen zu interpretieren und umzusetzten sind
- Gilt auch für Performances Art: Wie werden Performance notiert?
- Notation und Wiederaufführbarkeit: Performance als Premiere, als Premiere und Derniere, Notation als Grundlage für den Verkauf von Performances ua..
- scoring oder making a score
- → Frage: steht scoring sowohl für das Erstellen eines Scores, wie für dessen Umsetzung?
- freie Improvisation in den 80ger Jahren → Verweigerung von Scores / Noten (vgl. Jazz/Real Book)
- → Frage: wann hast du diese Haltung aufgegeben?
- Score Denken wurde in der Ausschreibung des Workshops Diffraction Work verwendet. Der Workshop wurde von der IGNM Zürich in Zusammenarbeit mit OOR Saloon und Irene Redevell im Walcheturm in Zürich im März 25 durchgeführt.
- «Score» dient als Stichwort zur Auswahl von sechs Logbücher der Datenbank
- 6 der Eintragungen wurden für das Forschungsfenster V zusammengefasst
Präsentation der Scores
Cathy Berberian: Stripsody
Luciano Berio: Sequenza III
Earl Brown: Folio
John Cage: Song Book
Hans-Joachim Hespos:
Pauline Oliveros: Deep Listening
Joko Ono: Grapefruit
Tona Scherchen: Träne
- Biographische Angaben
- Catherine Berberian (1925 Massachusetts – 1983 in Rom) war eine US-amerikanische Sängerin (Mezzosopran) und avantgardistische Komponistin. Sie gilt als eine der vielseitigsten Sängerinnen der Geschichte.
- Luciano Berio (1925 in Oneglia – 2003 in Rom) war ein italienischer Komponist, bekannt für seine experimentellen Kompositionen und als einer der Pioniere der elektronischen Musik.
- Earl Brown (1926 Massachusetts – 2002 New York war ein US-amerikanischer Komponist, Mitglied der sogenannten New York School von Komponisten.
- John Cage (1912 in Los Angeles –1992 in New York City), US-amerikanischer Komponist und Künstler.
- Hans-Joachim Hespos (1938 –2022) war ein deutscher Komponist und Verleger seiner Werke.
- Pauline Oliveros (1932 – 2016) war eine US-amerikanische Komponistin und Akkordeonistin.
- Tona Scherchen, (*1938 Neuchâtel.), is one of the first composers who brought Chinese elements into European avant-garde art music.Tona Scherchen was born into a musical family in Neuchâtel. Her father was conductor Hermann Scherchen and her mother was composer Xiao Shuxian. She spent the first 12 years of her life in Europe, particularly in Switzerland. She arrived in China in 1950 with her mother and her older sister Féfé. In 1956, just a year before China fell into political chaos, she returned to Europe to be with her father in order to pursue further music education. Her teachers included György Ligeti and Hans Werner Henze.
After the 1960s, Scherchen had become an active composer, titles of her music were frequently seen in contemporary music programmes. Her works were published by prominent publishers, and several articles on her as a composer can be found, although after some appearances in 1980s, she seemingly ceased to catch attention beyond her French circle. - Yoko Ono (*1933 Tokyo) ist eine japanisch-amerikanische Künstlerin, Filmemacherin, Experimentalkomponistin und Sängerin. Sie gilt als eine der bedeutendsten Vertreterinnen der Fluxus-Bewegung, Ono Anfang der 1960er Jahre in Künstlerkreisen einen Namen gemacht und trat zunehmend als Friedens- und Menschenrechtsaktivistin auf.
Präsentation der Datenbank
- Diese Datenbank entsteht im zusammen mit meinem Auftrag an der HKB im Institut Interpretation experimentelle Stimmen der 50ger bis 70ger Jahren zu erforschen, die zu dieser Zeit mit Tonband aufgezeichnet worden sind: Experimentelle Stimmen und Tonbandmaschinen.
- Die Datenbank in dieser Form ist ein Experiment, das sich erst noch zu bewähren hat. Es ist ein Work in Progress. Sie verändert sich ständig: neue Einträge werden in neue Rubriken gefasst etc. etc.
- Meine Forschungsfenster I-IV waren schwerpunktmäßig mit experimentellen Stimmen befasst. Es ging um „leere Stimmen,“ also um einen stimmphysiologischen Umgang mit Stimme jenseits der Sprache, um sogenannte vor- und nachsprachlichen Transformationsprozesse der Stimme. Stimmgebung vor der Artikulation und um nachsprachliche Lautlichkeit, in der sich die Bedeutung der Worte verliert trotz der sprachlichen Artikulation.
- Im Rahmen des Forschungsprojekt bin ich nach Paris, nach San Francisco und nach London gereist, um in den entsprechenden Archiven nach diesen Stimmen zu suchen, um die Konzertorte oder Studios zu besuchen in den diese Stimmen performt und aufgezeichnet wurden. Auch eine Gelegenheit Interviews zu machen zur Geschichte der experimentellen Stimmen und der Entwicklung des Tonbands als Kompositionswerkzeug.
- Reisetagebücher, Gespräche, Notizen zu Bücher und Publikationen – was immer ich geschrieben habe wurde als Logbuch-Eintrag nummeriert und datiert.
- Vorstellen der einzelnen Rubriken der Seite
Logbuch-Auswahl
Stichwort SCORE DENKEN
219 Log 250221 Score-Denken
172 Log 240712 Saemann meets Schneemann_Jäger: ‚Aura’ und
141 Log 231001 Grüny: Scores zwischen Aufbruch und Normalisierung
129 Log 230912 Krämer_Aspekte einer philosophischen Theorie der Schrift
129 Log 230912 Assmann Schrift_Gedächtnis_Musik
081 Log 230220 Saidiya Hartman_Critical Fabulation_different bodies
ORD, alle können alles runterladen und verwenden
Alle Quellen überprüfen
Zusammenfassung der Eintragungen
129 Log 230912
Assmann Schrift_Gedächtnis_Musik
Jan und Aleida Assmann
Kulturelles Gedächtnis
→ Paradigmawechsel in den Kulturwissenschaften
zum kulturellen Gedächtnis gehören die in «teilweise jahrtausendelanger Wiederholung gehärteten» Texte, Bilder und Riten
Jan Assmann (1938–2024)
Kultur- und Religionswissenschaftler, Ägyptologe
Schrift-Gedächtnis-Musik, 2020
Fokus: Begriff der funktionalen Schriften:
– Sprachzeichen als mnemotechnische Zeichen
– Eigennamen, Sach- und Zahlenwerte
– Besitz und Abgabeverhältnisse
– Schrift dient der Buchhaltung
– politische Repräsentation, Grabkultur, Kult (Assmann, 2020:54)
– Gültigkeit über die Todesgrenze hinaus (Assmann, 2020:55)
– Rezitation im Rahmen des Kults: die Toten werden unsterbliche Mitglieder der Götterwelt
129 Log 230912
Krämer_Aspekte einer philosophischen Theorie der Schrift
Sybille Krämer
Zu einigen Aspekten einer philosophischen Theorie der Schrift
Das was Schrift ist und leisten kann in 4 Geschichtspunkte geordnet
– Räumlichkeit
– das Graphische (Graphismus)
– das operative Potential
– Affinität von Schrift und Maschine (Komputer)
Fokus: Räumlichkeit
Worin liegt die Attraktivität der Schrift, der artifiziellen Flächigkeit?
- Sonderraum eines zweidimensionalen Raumes, indem alles kontrollierbar wird
- = Überblick, Vogelflugperspektive
- In der Partitur nimmt die Musik einen operativen, überblickbaren Raum, es ist zu sehen, was gewesen ist und was kommen wird…
- Überklang des Klangraums der leiblichen Dreidimensionalität in den Schauraum der artifiziellen Zweidimensionalität, diese Transformation bringt ein neues Potential
- Schrift ist kreativ, weil man sie auf dem Papier herumschieben kann, umstellen, kopieren, zusammenfassen – abgesehen davon sind Zahlen erst durch die Schrift/Zeichen sichtbar
= das Potential der Schrift
Es geht um Schriftkonfigurationen.
141 Log 231001
Grüny: Scores zwischen Aufbruch und Normalisierung
Christian Grüny:
Scores zwischen Aufbruch und Normalisierung
Fokus:
sprachbasierte Notationen, die von Karkoschka, nur stiefmütterlich behandelt werden. Es geht um die Partitur, als Instanz der präzisen Fixierung der Vielstimmingkeit.
künstlerische Präskriptionen / Scores bezieht
- Unterschiedliche Konstellationen, die in die Notation eingetragen werden
- Konstellationen von Konzeption, Interpretation und Rezeption
- Stichworte: Interdisziplinarität, Heterogenität, Vermittlung, Komplexität
La Monte Young
Composition 1960 #7
to be held for a long time
Yoko Ono (Grapefruit)
Voice Piece for Soprano
scream
‹against the wind›
‹against the wall›
‹against the sky›
219 Log 250221 Score-Denken
Score Denken
Workshop «Diffraction Works – Score Workings»
by OOR Saloon in collaboration with Irene Revell
Sunday 2.3.2025 at Walcheturm Zürich
Fotos und Kommentar
Zweiter Teil
Performance
Aus dem was sich so zuträgt IV
nach Elke Erb