040 Log 221220 Nicolas Debade
GRM: Inventions/Pierre Schaeffer

Meeting décember 20th 12. 22, 10h-12:15
15:00 Esther Ferrer, Tom Johnson und Maya Bösch
Dokumente vgl. OneDrive und schwarzes Notizbuch

 

Nicolas Debade
Komponist, Musiker, Mitglied der Groupe de Recherches Musicales (GRM) seit 2019, Auszüge aus dem Interview vom 20.12.2022, 10h-12:15, Studios GRM, Paris.
Weiterführendes Material unter 041 Log 221220 und 042 Log 221220

Organization of the studio in the early days of GRM

  • ex. Studio à la rue de l’Université, etc.: plans, photos, correspondence
  • in which archive can the documents be found?
  • GRM radio broadcasts: Titel of the emissions, date of emission,
  • titel (keyword) of the documents (important for INAtheque and BnF)

networking in the early days:

  • how did the GRM connect with the BBC radiophonic workshop, the tape-music movement San Francisco? etc.
  • how did the GRM connect with the musique concrète vocale (support, collaborations)
  • how did the GRM relate to cultural movements in Paris: the Ultra-Lettrist, the situationist

le stage (workshop) of the GRM

  • how was the introduction to the studio work organised?
  • Beatriz Ferreyra’s «stage de trois mois»
  • documents, participants, notes
  • who were the students, how did they find to the GRM, who was attending the workshop?

Work in the studio

  • documents about the magnétophones, the morphogène, the phonogène
  • the morphogène, the phonogène are lost…!?
  • How many were built?
  • documents relating to the research of the „Traité“, of the solfège

concerning working with vocal sounds

  • what was the difference transforming vocal into „musical object“ compared to noises or instrumental sounds?
  • what was the challenge transforming the voice into a „musical object“?
  • was there a interest to explore respiratory sounds, body sounds
  • or was the body being avoided?
  • which voices? (the composers voices?)

Recording outside the studio

  • how may recordings have been made outside the studio?
  • See the discographie of Gil J Wolman Ultra-Lettriste (1929-1995, Paris):
    1950/51 „enregistrement chez M. Billaudot“
    1954 „enregistrement chez l’auteur“

 

GRM-Inventions

Solfège
Le Solfège wurde auf 3 LP veröffentlicht (1968)

Reedition mit Kassetten
der Schuber mit 3 CDs ist vergriffen

Traité des objets sonores
Arbeit am Traité des objets sonores beginnt 1966
published 1968

Pupitre de potentiomètre
pour la diffusion en espace (→ Fotos mit den Metallkreisen)
– crée par Jacques Poullin
= Vorläufer der diffusion spatial
utilisée pour la symphonie pour un homme seul
– video dirigé par la BBC: Schaeffer en action (gestellt)

Morphogène → Delay

Phonogène → Tonhöhenmanipulation (gestuft und gliss)

Tribandeau → Mix
– verwendet von Olivier Messiaen
– Timbres-Durées (1952 -1953)_Score

Video: Timbres Durées (1952)

Magnétophon à 8 pistes
vgl. WDR: Stockhausens études aux 1000 collants = Konkrete Etüde

221231 Schwaderhof
Phonogène, Morphogène verschwanden aus den Studios in die Korridore der GRM und später aus den Korridoren, wo sie auch im Weg standen. Die GRM musste umziehen, die Maschinen wurden entsorgt und

durch Komputer/Algorithmen ersetzt. Gliss und Delay werden nicht mehr mechanische durch höheren Druck/Spannung höhere Töne erzeugt (lässt der Druck nach (Zwerchfellspannung, Luftdruck, Länge des Rohrs?) werden die Töne tiefer. Auch das Echo als Reflexion im Raum, passé. Debade: wird eine Klaviertaste fortwährend neu angeschlagen, gilt diese Tonrepetition bereits als Loop? Wird eine Phrase wiederholt, ist das ein Loop? Ist Loop nicht zwingend die Wiederholung einer Aufgezeicheinnung? Loop das „unbeschwerte“, erinnerungslose, unendlich wiederholbare Abspielen einer Aufnahme durch eine Maschine → anders der Körper(Saiten/Zwerchfell) → Wiederholung führt zu Ermüdung

 


Pierre Schaeffer

 


Nachlass Pierre Schaeffer
Schaeffers Journal de Bord findet sich in seinem Nachlass in der
La collection de l’IMEC Schaeffer, Pierre (1910-1995)
in der Abbaye d’Ardenne
Nachlass Pierre Henry
Der Nachlass von Pierre Henry wird von der BnF verwaltet

 


221223
GRM steht für objects sonores als autonome Klanggestalten
Stimmen keine eigene Kategorie
GRM : Enregistrements als Grundlage
IRCAM: live electronics, numérique

Vgl. Dissertation: Dorothea Schuerch_Audioscoring und Leere Stimmen (S.204) :
Der Begründer des Strukturalismus, der französische Ethnologe Claude Lévi-Strauss (1908–2009), verwendet den Ausdruck „privilegierte Kategorie von Geräuschen“ im Zusammenhang der Diskussion musikalischer Zeichensysteme. Er analysiert den Umgang mit Geräuschen in der Konkreten Musik, die diese in ein System von Differenzen einzubinden versuchen würden. Die Wahrnehmung der Geräusche, so Lévi-Strauss, werde dominiert durch den „gebieterischen Anspruch[], den eine privilegierte Kategorie von Geräuschen [] stellt: die der artikulierten Sprache“, zit. n. Claude Lévi-Strauss, Mythologica I. Das Rohe und das Gekochte (=suhrkamp).

Vgl. Dissertation: Dorothea Schuerch_Audioscoring und Leere Stimmen (S.216) :
Vergleiche auch die Ausführungen von Lévi-Strauss zu den alphabethischen und mathematischen physikalischen Verzifferungen. Grundsätzlich unterscheidet er zwei Artikulationsebenen: Eine erste kulturell verankerte Ebene der Zeichensysteme und eine zweite des Stils, der Sensibilität. Zeichensysteme mit nur einer Artikulationsebene „stolpern am Sinn vorbei“. Seiner Ansicht nach setzt Sprache die Interaktion der beiden Artikulationsebenen voraus (zit. n. Lévi-Strauss, Mythologica I, S. 41.) Nur der alteuropäische Alphabetismus ist in seinem Sinn ein Zeichensystem, nicht aber die aus den mathematisch-physikalischen Verzifferungen resultierenden Systeme. Zeichensysteme mit nur einer Ebene verfallen einer Utopie, ein Zeichensystem auf nur einer Artikulationsebene zu schaffen. „Wie tief auch der Abgrund sein mag, der konkrete und serielle Musik voneinander trennt, so stellt sich doch die Frage, ob sie, indem die eine an der Materie ansetzt, die andere an der Form, nicht der Utopie des Jahrhunderts verfallen, nämlich ein Zeichensystem auf nur einer Artikulationseben schaffen zu können“, zit. n. Lévi-Strauss, Mythologica I, S. 42.

 


221226
Schaeffer’s Netzwerk

  • grosses Netzwerk ausgehend vom studio d’essay
  • alle besuchten die rue de l’université
  • Debade BBC Radio Workshop nach einem Besuch bei Schaeffer gegründet

Schaeffer unterrichtete 1948-53 in Africa

  • Stichwort (De)kolonialisation
    Schaeffer hilft(?) unabhängige Radiostationen aufzubauen
  • politische Parteinahme?
  • Schaeffer ist ein homme d’académie, ein homme d’insitution
  • Schaeffer kehrt 1957/58 aus Afrika zurück und gründet die GRM
  • zu den ersten Studierenden (?) gehören: Luc Ferrari, Ivo Malec, Jacques Poullin, Pierre Henry (verlässt später das Studio, es gibt eine eigene sound library von Henry).
  • Bayle, Parmegiani, Carucchi, Ferrari, Xenakis, Mireille Chamass-Kyrou

Schaeffers travaille de recherche

  • Arivée du sons enregistré dans la musique
  • Traité + solfège des objects sonores
  • spielen Schaeffer’s Recherchen heute noch eine Rolle
  • die Recherche is still of interest, elle est redécouverte
  • → phenomenological aspect of listening
  • Documentation dieser Hör-Praxis

Schaeffer wird zum directeur de la recherche de l’ORETF befördert und verlässt die GRM