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Archives écrites et Musée de Radio France
17-21 avenue du général Mangin
75016 Paris
9. / 15.12. 2023
9:30 und 12:30
Die Revues techniques sind in Folianten zusammengebunden.
Mme Cécile de David-Beauregard geht davon aus, dass die wenigen Stunden heute Morgen nicht reichen, um das Material zu sichten, auch nicht ein Tag. Wir vereinbaren gleich einen neuen Termin.
In den Archives écrites gibt es einen einzigen Recherche-Arbeitsplatz im Kabäuschen am Ende des Flurs. Jeden Tag müssen die Dokumente für die Recherchierenden bereitgestellt werden – sehr aufwändig. Darum ist der Zugang zum Archiv ein kompliziertes Prozedere – auf der Webseite wird das nicht ersichtlich, entsprechend umständlich die Korrespondenz.
15.12.
In der BnF: Situation de la recherche 1960 – hrsg. von service de la recherche de la radio-télévision française, Flammarion Sept.Dez. 1960
→ weiterführende Dokumente im Archiv der Verfasserin
Jahrzehnte an Revuen durchgekämmt zum Stichwort: Magnétophone.
Die Revuen dokumentieren auch das Art Radio- und Strahlen-Fieber: nicht nur die neuesten Geräte der aufkommendende TeleVision finden auf die Titelseite, sondern auch, ganz spektakulär:
- Radiowellen qui guerissent
- Elektroschocktherapie
- Strahlentherapie bei Krebs
- Schönheitstherapie
- Kommunikation zu mobilen Stationen (zB in den Führerstand eines Zugs)
- Camping-Modelle (Mobilität)
- le bras électrique
- détécteur radiographique
- radioacitivté
- Autoradio
- Téléscope
Die «journals» der Studio-Arbeiten der GRM, insbes. von Schaeffer werden im Nachlass von Schaeffer verwaltet. Die Revuen der archives écrites spiegeln die Studioarbeit in der Warenwelt.
→ weiterführende Dokumente im Archiv der Verfasserin
230101
Unterlagen zur Arbeit in den Studio des GRM
Schaeffer, Pierre: A la recherche d’une musique concrète. Paris: Seuil, 1952.
Schreiben mit Stimmen und die Anfänge der Phonographie.
Die Schelllackplatten, Übertragungskonzept = fokussiertes Hören – es gelingt. Das Kratzen der Nadel, das Rauschen der Aufnahme, zweitrangig, denn die Übertragung entfaltet trotzdem (oder gerade deshalb) ihre Wirkung. Dass ein ephemeres Klang-Ereignis reproduziert werden kann, das ist entscheidend. Seine Gestalt ist wiedererkennbar, das ist was zählt. Die Geräusche des Übertragungsmechanismus tangieren den Zauber nicht, «es» ist zu hören. Die Stimme ist wiedererkennbar, gerade auch Sprach-, Sprechfehler. Die Phonographie geht weit über die mechanische Zickzacklinie der Russwalze hinaus. Die krakelige Schrift der Schweineborste, Hasenblase(?), der zarten Membrankaskade, von der Stimme hervorgerufen. Der Effekt des Resultats übersteigt die Gravur, es ist mehr als eine Spur einer mechanischen Bewegung. Die Zickzacklinie lässt sich wiedererwecken, wird ansteckend lebendig, überträgt sich.
Schreiben heisst auch ajustieren des Datenschreibers, Kontrolle der Mechanik des Schreibgeräts, Überwachung der Schrift. Nicht selbst den Griffel führen – Micha, Schreiben nach Flusser heisst eingravieren – sondern die Transformation des Schallereignisses überwachen. Die phonetische Schrift hingegen ist ein Schreiben/scrivere/wirting/einritzen und setzt Buchstabenzeichen voraus. Schreiben und Lesen müssen gelernt werden, Geschicklichkeit und Können, eine charakteristische Handschrift entwickeln, manchmal wird mit Meissel auf Stein hantiert. Mit der Phonographie ändert sich alles, die analytische Transformation des Gehörten in Zeichen und deren Interpretation (lesen) wird überflüssig. Coulmas: Voraussetzung der Schrift ist ein analytisches/grammatikalisches (kognitives) Verständnis der Sprache.
Mit der Datenschrift wird nicht nur Sprache aufgezeichnet, Sprache ist bloss noch ein kleiner Bereich dessen, was verschriftlicht wird. Sprache verliert ihren einzigartigen Status bezüglich Schrift. Das gilt auch für Musik. Das phonographische Schreibgerät zeichnet ohne Unterschied alles Hörbare auf.
Weiterführendes Material:
129 Log 230912 writing music Sybille Krämer: Aspekte einer philosophischen Therie der Schrift
Schriften dienen der Archivierung (hegemonische Archive)
Archiv/Erinnerung:
129 Log 230912 writing music Assmann: Schrift_Gedächtnis_Musik
141 Log 231001 writing music Christian Grüny: Scores zwischen Aufbruch und Normalisierung
Wie viele Schriftzeichensysteme lassen sich unterschieden?
Wie reihen sich die Datenschriften ein?