231 Log 241204-250603
Forschungsfenster V_Feedbacks

  • Kommentare 250331Muda
    Lass andere sagen, was künstl. Foschungs ist und was nicht
    → Selbstzensur…
    Wann hast du aufgegeben gegen Scoring zu sein?
    → Gar nichtAndrea
    Scoring, steht das für Score schreiben/aufzeichnen oder steht es für die Umsetzung des Scores?
  • score erstellen oder umsetzen?
  • Score = Aufzeichnung, Verschriftlichung
  • Scoring = Umsetzung
    → so geht das nicht, sowohl das eine wie das andereC
    Raum wechseln für Perf.
    Die Scores zeigen und nicht herumreichen, wird unruhig
    viel Arbeit, grosses Programm – abgespult
    Perf. von [ort] – mehr auf den Punkt, warum?

 


Feedback CC
Perf

  • Frage: Vortrag und Perf in verschiedenen Räumen?
  • Vortrag war lang (1Stunde)
  • mehr Bewegung! Leute nicht sitzen lassen für Perf, das war grundsätzlich nicht ideal, wie vor einer Bühne zu sitzen
  • Eine grundsätzliche Frage, die geht Perf mit dem Raum um?
  • Bestuhlung – eher nicht. Am Boden sitzen und in der Nähe sein (wie Luzern)
  • Frage ist eher der Übergang vom einen ins andere

Vortrag / Scores:

  • Gut, mit dem Material zu beginnen, dass alle sitzen weniger, alle um den Tisch versammeln
  • näher den Scores, die Scores herumreichen war nicht ideal
  • Wenn etwas auf einem Tisch präsentiert wird, wie wird das gezeigt?
  • Mit den wenigen Leuten um den Tisch herumzustehen wäre sehr wohl möglich gewesen

Schluss:

  • War gut, am Schluss die theoretischen Seiten vertiefen

Was ist ein Log?

  • Das wurde nicht gut erklärt, darum auch die Frage von Andrea
  • Die Logs sind wichtig – auch dazu könnte man Material mitbringen…
  • Der Zettelkasten wurde nicht gut erklärt
  • Liste als Struktur

zu privat?

  • Nein es war interessant
  • Alle etwas näher rücken?
  • Es war kaum lesbar, was gebeamt wurde
  • Zusammenfassungen waren wichtig, gut
  • Abkürzen mit den Beispielen

Rolle als Talkmasterin

  • interessant
  • lebendig
  • viel, aber ok

geschwätzig?
Nein, war es nicht

Perfs im Vergleich I-IV

  • nicht ganz konzentriert
  • Problem der Müdigkeit?
  • abgekürzte Version?
  • wichtig, dass das Gedicht vollständig ausgelegt wird, das ist wichtig!
  • Wellrock war diesbezüglich nicht konsequent und Basel auch nicht
  • Singen: wie sieht das Werkstück als Körper aus?
    wieviel Bewegung kommt dazu, Tanz, singen, POP
    in Basel besser als im Wellrock.
    Singen = das Werkstück in mir singt
    Werkstückt → zur Körperlichkeit finden

Was wurde nachher beim Essen besprochen?

  • Muda, es ist dein Ding, ob du es künstl. Forschung nennst oder nicht, es steht in deiner Macht. Sich nicht sich selbst draus halten, um der Kritik auszuweichen. Künstl. Forschung sucht Konsolidierung, was dazugehört und was nicht, nichts ist unumstösslich, sakrosankt
  • Andrea: scoring heisst einen Score machen oder einen Score ausführen?

250504 Feedback Andrea

  • Was bleibt
  • Zum Vortrag
  • Zur Perf
  • Zshang Perf_Lecture

nicht vergessen: Problem der Anonymisierung
Frage wie Namen im Logbuch auftauchen
AS, A, Andrea, Andrea S

Feedback Andrea

  • mit der Webseite verweilen – gut
  • Perf als Doku – live-Doku

Gertrude Stein:

Elke Erb

  • Sängerin kann dabei sein
  • obwohl ihr Interesse der Entstehung der Sounds gilt
  • Sängerin gelassen & lässig, bedeutend
  • Erinnerung an Giswil (Song)
  • der Körper schwingt mit (angenehm)

Nancy

  • geht in die Geräusche
  • auch im Gesicht
  • Nancy liegt darunter
  • liegt allem zum Grund
  • macht den Mund auf
  • und jetzt geht er weiter auf
  • Nancy hält die Fassade: Mischung v. reden und Gesicht

Christl

  • mit Fantasie begabt
  • deshalb muss nichts ausgeführt werden
  • es ist immer alles schon da
  • vertrauensvoll als Kuratorin
  • Wertschätzung des Prozesses

zB also die Produktionsseite und nicht das Werk
Zusammenhang Lecture-Perf

  • 2 Teile
  • Perf wird auch Teil der Webseite
  • wo ist das Tonband?
  • Txt → Linearität
  • Sprung?

 


Feedback Chris
Vortrag

  • freier, performativ, sich bewegen
  • heitere Bewegung
  • Freiheit im Forschungsfeld als Künstlerin
    eigene Forschung zu interpretieren
    auch räumlich
    spielerisch

Vgl. Cs Erfahrung als Kuratorin im Kasko

  • Helga Broll
  • wann Kasko überhandnimmt, sich reingepresst fühlen
  • Ambivalenz
  • „Theorieachsen“ – Ute Holl schafft den ganzen Diskurs, als Grundlage – Diskurs ist Echo, Diskurs im Hintergrund, versiert, die eigenen Grenzen kennen
  • Erfahrung und Gelassenheit
  • Diverse Interessensgebiete, wissenschaftskritische Arbeit
  • Melancholie der Ausdünnung des Wissensfeldes
  • Verdinglichung ← → Leben

Fazit: kleine Melancholie der Ausdehnung des Wissensfeldes

Perf
aus dem was sich so zuträgt
Elke Erb

  • Schub(?) mit der Vorlage von EE mit KI
  • eigenes Schreiben ausprobieren

Durban

  • Künstlerinnen Buch
  • eine Liste von Eigenschaften & Verfahrensweisen
  •  Merkzeichen Komplex: Künstlerin als Textform(?)

Fazit: Crossmapping, zwei verschiedene Felder zusammenzuführen

 


Fotos und Videos im Archiv

223 Log 250315 Forschungsfenster V

Scores Hespos, Scherchen ergänzen

Einladung
Forschungsfenster Dorothea Schürch | SO 30.3.25 | 18 Uhr | VIA Basel

DOROTHEA SCHÜRCH
FORSCHUNGSFENSTER «SCORE-DENKEN»
Sonntag, 30.3.2025 um 18 Uhr

VIA Studio
Amerbachstrasse 55a, 4057 Basel
Google Maps

I.  Score-Denken: Notationen, schreiben, aufschreiben, zuschreiben, überschreiben, anschreiben ­– eine Auswahl aus den Logbüchern
II.  Präsentation der Datenbank: www.thevoiceandthemachine.com
III.  Kommentieren als Performance:
nach Elke Erb: Es setzt auf mich 2004

Was mit einem ersten Forschungsfenster im Kasko Basel 2016 begonnen hat, findet nun im VIA Studio seine Fortsetzung.
Wir freuen uns auf euch!
Chris Regn und Andrea Saemann

Dorothea Schürch, Aus dem was sich so zuträgt I, Foto © Cornelia Cottiati
〈ort〉 Emmenbrücke, April 24

Dorothea Schürch macht nach den Forschungsfenstern «Leere Stimmen», «L’Anticoncept», «Membran» und «Wunderblöcke» unter dem Titel «Score-Denken» ihre Arbeit in Archiven und mit dem eigenen Archiv zum Thema: das Schreiben und Weiterschreiben ihrer Logbücher Forschungstagebücher), die mittlerweile in einer Online Datenbank gefasst wurden und zugänglich sind. Mit dem Titel Score-Denken bezieht sich Dorothea Schürch auf einen Workshop, den die IGNM gemeinsam mit OOR Salon und Irene Revell im März 2025 im Kunstraum Walcheturm Zürich durchgeführt hat. Mit dem Score-Denken erscheinen die herkömmlichen Aufzeichnungssysteme wie Notation und Recording in neuem Licht.

 


Erster Teil
Einführung

  • MUWI = Scores, Notationen, neu: graphic scores, text scores
  • Selbstverständnis als Musikerin → Notenlesen
  • Sorgen / Sorgfalt, wie diese Zeichen zu interpretieren und umzusetzten sind
  • Gilt auch für Performances Art: Wie werden Performance notiert?
  • Notation und Wiederaufführbarkeit: Performance als Premiere, als Premiere und Derniere, Notation als Grundlage für den Verkauf von Performances ua..
  • scoring oder making a score
  • → Frage: steht scoring sowohl für das Erstellen eines Scores, wie für dessen Umsetzung?
  • freie Improvisation in den 80ger Jahren → Verweigerung von Scores / Noten (vgl. Jazz/Real Book)
  • → Frage: wann hast du diese Haltung aufgegeben?
  • Score Denken wurde in der Ausschreibung des Workshops Diffraction Work verwendet. Der Workshop wurde von der IGNM Zürich in Zusammenarbeit mit OOR Saloon und Irene Redevell im Walcheturm in Zürich im März 25 durchgeführt.
  • «Score» dient als Stichwort zur Auswahl von sechs Logbücher der Datenbank
  • 6 der Eintragungen wurden für das Forschungsfenster V zusammengefasst

 


Präsentation der Scores
Cathy Berberian: Stripsody
Luciano Berio: Sequenza III
Earl Brown: Folio
John Cage: Song Book
Hans-Joachim Hespos:
Pauline Oliveros: Deep Listening
Joko Ono: Grapefruit
Tona Scherchen: Träne

  • Biographische Angaben
  • Catherine Berberian (1925 Massachusetts ­– 1983 in Rom) war eine US-amerikanische Sängerin (Mezzosopran) und avantgardistische Komponistin. Sie gilt als eine der vielseitigsten Sängerinnen der Geschichte.
  • Luciano Berio (1925 in Oneglia – 2003 in Rom) war ein italienischer Komponist, bekannt für seine experimentellen Kompositionen und als einer der Pioniere der elektronischen Musik.
  • Earl Brown (1926 Massachusetts – 2002 New York war ein US-amerikanischer Komponist, Mitglied der sogenannten New York School von Komponisten.
  • John Cage (1912 in Los Angeles –1992 in New York City), US-amerikanischer Komponist und Künstler.
  • Hans-Joachim Hespos (1938 ­–2022) war ein deutscher Komponist und Verleger seiner Werke.
  • Pauline Oliveros (1932 – 2016) war eine US-amerikanische Komponistin und Akkordeonistin.
  • Tona Scherchen, (*1938 Neuchâtel.), is one of the first composers who brought Chinese elements into European avant-garde art music.Tona Scherchen was born into a musical family in Neuchâtel. Her father was conductor Hermann Scherchen and her mother was composer Xiao Shuxian. She spent the first 12 years of her life in Europe, particularly in Switzerland. She arrived in China in 1950 with her mother and her older sister Féfé. In 1956, just a year before China fell into political chaos, she returned to Europe to be with her father in order to pursue further music education. Her teachers included György Ligeti and Hans Werner Henze.
    After the 1960s, Scherchen had become an active composer, titles of her music were frequently seen in contemporary music programmes. Her works were published by prominent publishers, and several articles on her as a composer can be found, although after some appearances in 1980s, she seemingly ceased to catch attention beyond her French circle.
  • Yoko Ono (*1933 Tokyo) ist eine japanisch-amerikanische Künstlerin, Filmemacherin, Experimentalkomponistin und Sängerin. Sie gilt als eine der bedeutendsten Vertreterinnen der Fluxus-Bewegung, Ono Anfang der 1960er Jahre in Künstlerkreisen einen Namen gemacht und trat zunehmend als Friedens- und Menschenrechtsaktivistin auf.

Präsentation der Datenbank

  • Diese Datenbank entsteht im zusammen mit meinem Auftrag an der HKB im Institut Interpretation experimentelle Stimmen der 50ger bis 70ger Jahren zu erforschen, die zu dieser Zeit mit Tonband aufgezeichnet worden sind: Experimentelle Stimmen und Tonbandmaschinen.
  • Die Datenbank in dieser Form ist ein Experiment, das sich erst noch zu bewähren hat. Es ist ein Work in Progress. Sie verändert sich ständig: neue Einträge werden in neue Rubriken gefasst etc. etc.
  • Meine Forschungsfenster I-IV waren schwerpunktmäßig mit experimentellen Stimmen befasst. Es ging um „leere Stimmen,“ also um einen stimmphysiologischen Umgang mit Stimme jenseits der Sprache, um sogenannte vor- und nachsprachlichen Transformationsprozesse der Stimme. Stimmgebung vor der Artikulation und um nachsprachliche Lautlichkeit, in der sich die Bedeutung der Worte verliert trotz der sprachlichen Artikulation.
  • Im Rahmen des Forschungsprojekt bin ich nach Paris, nach San Francisco und nach London gereist, um in den entsprechenden Archiven nach diesen Stimmen zu suchen, um die Konzertorte oder Studios zu besuchen in den diese Stimmen performt und aufgezeichnet wurden. Auch eine Gelegenheit Interviews zu machen zur Geschichte der experimentellen Stimmen und der Entwicklung des Tonbands als Kompositionswerkzeug.
  • Reisetagebücher, Gespräche, Notizen zu Bücher und Publikationen – was immer ich geschrieben habe wurde als Logbuch-Eintrag nummeriert und datiert.
  • Vorstellen der einzelnen Rubriken der Seite

Logbuch-Auswahl
Stichwort SCORE DENKEN

219 Log 250221 Score-Denken
172 Log 240712 Saemann meets Schneemann_Jäger: ‚Aura’ und
141 Log 231001 Grüny: Scores zwischen Aufbruch und Normalisierung
129 Log 230912 Krämer_Aspekte einer philosophischen Theorie der Schrift
129 Log 230912 Assmann Schrift_Gedächtnis_Musik
081 Log 230220 Saidiya Hartman_Critical Fabulation_different bodies

ORD, alle können alles runterladen und verwenden
Alle Quellen überprüfen


Zusammenfassung der Eintragungen

129 Log 230912
Assmann Schrift_Gedächtnis_Musik


Jan und Aleida Assmann

Kulturelles Gedächtnis
Paradigmawechsel in den Kulturwissenschaften
zum kulturellen Gedächtnis gehören die in «teilweise jahrtausendelanger Wiederholung gehärteten» Texte, Bilder und Riten

Jan Assmann (1938–­2024)
Kultur- und Religionswissenschaftler, Ägyptologe
Schrift-Gedächtnis-Musik, 2020

Fokus: Begriff der funktionalen Schriften:
– Sprachzeichen als mnemotechnische Zeichen
– Eigennamen, Sach- und Zahlenwerte
– Besitz und Abgabeverhältnisse
– Schrift dient der Buchhaltung

– politische Repräsentation, Grabkultur, Kult (Assmann, 2020:54)
– Gültigkeit über die Todesgrenze hinaus (Assmann, 2020:55)
– Rezitation im Rahmen des Kults: die Toten werden unsterbliche Mitglieder der Götterwelt


129 Log 230912
Krämer_Aspekte einer philosophischen Theorie der Schrift


Sybille Krämer

Zu einigen Aspekten einer philosophischen Theorie der Schrift

Das was Schrift ist und leisten kann in 4 Geschichtspunkte geordnet
– Räumlichkeit
– das Graphische (Graphismus)
– das operative Potential
– Affinität von Schrift und Maschine (Komputer)

Fokus: Räumlichkeit
Worin liegt die Attraktivität der Schrift, der artifiziellen Flächigkeit?

  • Sonderraum eines zweidimensionalen Raumes, indem alles kontrollierbar wird
  • = Überblick, Vogelflugperspektive
  • In der Partitur nimmt die Musik einen operativen, überblickbaren Raum, es ist zu sehen, was gewesen ist und was kommen wird…
  • Überklang des Klangraums der leiblichen Dreidimensionalität in den Schauraum der artifiziellen Zweidimensionalität, diese Transformation bringt ein neues Potential
  • Schrift ist kreativ, weil man sie auf dem Papier herumschieben kann, umstellen, kopieren, zusammenfassen – abgesehen davon sind Zahlen erst durch die Schrift/Zeichen sichtbar
    = das Potential der Schrift

Es geht um Schriftkonfigurationen.

 


141 Log 231001
Grüny: Scores zwischen Aufbruch und Normalisierung

Christian Grüny:
Scores zwischen Aufbruch und Normalisierung

Fokus:
sprachbasierte Notationen, die von Karkoschka, nur stiefmütterlich behandelt werden. Es geht um die Partitur, als Instanz der präzisen Fixierung der Vielstimmingkeit.

künstlerische Präskriptionen / Scores bezieht

  • Unterschiedliche Konstellationen, die in die Notation eingetragen werden
  • Konstellationen von Konzeption, Interpretation und Rezeption
  • Stichworte: Interdisziplinarität, Heterogenität, Vermittlung, Komplexität

La Monte Young
Composition 1960 #7
to be held for a long time

Yoko Ono (Grapefruit)
Voice Piece for Soprano
scream
‹against the wind›
‹against the wall›
‹against the sky›

 


219 Log 250221 Score-Denken
Score Denken

Workshop «Diffraction Works – Score Workings»
by OOR Saloon in collaboration with Irene Revell
Sunday 2.3.2025 at Walcheturm Zürich
Fotos und Kommentar

 


Zweiter Teil
Performance
Aus dem was sich so zuträgt IV
nach Elke Erb

 


Fotos und Video im Archiv der Verfasserin

 

219 Log 250221 Score-Denken

Workshop «Diffraction Works – Score Workings»
by OOR Saloon in collaboration with Irene Revell
Sunday 2.3.2025 at Walcheturm Zürich

«Diffraction Works – Score Workings»
Ausschreibungstext:
The event focuses on cosmologies of non-separability, attentive and situated listening, joint improvisation, reading and discussion. The format thinks itself diffractive with and through the scores as relational propositions for embodied political negotiations, as temporally non-linear possibilities of gathering otherwise.

Diffraction Works – Score Workings_1
Diffraction Works – Score Workings_2
Diffraction Works – Score Workings_4
Diffraction Works – Score Workings_5
Diffraction Works – Score Workings_5b
Diffraction Works – Score Workings_6
Diffraction Works – Score Workings_7
Diffraction Works – Score Workings_8
Diffraction Works – Score Workings_9
Diffraction Works – Score Workings_10
Diffraction Works – Score Workings_11
Diffraction Works – Score Workings_13
Diffraction Works – Score Workings_14
Diffraction Works – Score Workings_15
Diffraction Works – Score Workings_16
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Irene Revell
Her recent focus has been on the curatorial challenges posed by text instruction scores and related live ephemera, developing the workshop as a curatorial format amidst the wider notion of the embodied curator. She is interested in the development of such curatorial formats that may be iterative, extra-institutional, and of modest scale in terms of labour and other resources, she continues to research the use of text instruction in contemporary practices.
(zit n. Royal College of Art: Irene Revell und OOR Workshop)
weiterführende Links:
Her Noise Archive
Preemtive Listening

Alison Knowles und Annea Lockwood:
Score-Magazin-Projekt «Womens Work» (1975-8)
In 2019 with Primary Information Irene Revell republished Womens Work (eds. Alison Knowles & Annea Lockwood, 1975-8)
Irene Revell und Sarah Shin: Bodies of Sound: Becoming a Feminist Ear (Silver  Press, 2024)


Ausschreibung (Auszug)
How to hold attention collectively for a tiny moment in space-time?
Wie können wir gemeinsame Aufmerksamkeit für winzige Momente bündeln?
Score als temporäre Vereinbarung
niemals eine Einigung, sondern eine Einladung
Schmerz, Unbehagen, Unsicherheit, Missverständnisse werden angesprochen bevor sie auftauchen
ein vereinbarter gemeinsamer Erfahrungsraum

«Score-Denken»
politischen Ästhetik des Textscores
queer-feministisches und dekoloniales Zuhören
Behindertengerechtigkeit und erweiterte Formen der Praxis
Bsp: spekulative feministische Geschichten der Performance-Partitur
Textinstruktions-Arbeiten, vgl. Pauline Oliveros in den frühen 1970er Jahren
Form(en) von Text Scores und ihre Geschichtlichkeit stehen im Vordergrund


250303
Zusammenfassung und weiterführende Kommentare

situatives Hören ←→ analytisches Hören
Vgl. Recorder (Oliveros)
das Mikrophon (die Aufzeichnung) fokussiert nicht
während unser Hören störende Geräusche ausblendet (zB Flugzeuggeräusche)
weghören/wegschneiden/filtern

Musik
Diffraction: es geht nicht um Musik, sondern um geteilte Aufmerksamkeit für WINZIGE Momente
Partitur reduziert auf das Wesentliche
Video/Tape zeichnen ALLES auf
Fokus – stellt sich nachträglich, was ist wichtig?

der Score wird vorgetragen
um den Score auszuführen wird der Score vorgelesen
der Score, ungleich einer Partitur, kann nicht gleichzeitig gelesen und aufgeführt werden
der Score wird vorgetragen
wie spricht man zu 40 Leuten?
Versammlung vor dem Walcheturm unter der grossen Platane
in einem Kreis stehen
geschlossene Augen
eine Predigerin, die keine sein will und die sich unverhofft in dieser Rolle findet
liest vor
ausgestellt sein

Besucher/Zuhörer
Versch. Besuchende (IGNMVorsitzender(?), Mitveranstalter IGNM, Kurator Walcheturm)
Zuschauen/Besuch/Public werden ignoriert
eigentlich gibt es kein «aussen», es wird nichts geprobt, es sind keine Proben, weil es auch keine Aufführung gibt.
Bzw. keine Aufführung für ein Publ.
es geht ums Machen
merkwürdig unangenehm der Besuch
wird ignoriert
ansonsten wurde alles bedacht: auch eine Ruhezone
Unbeteiligter EH sitzt auf einem Stuhl
Was-ist-los?
der Score wird ausgesprochen leise vorgelesen, suggestiv, zart, empathisch
demonstrativ fein?
Müssten Scores auswendig gelernt werden, damit sie umgesetzt werden können?

Was ist mit den Zeitangaben?
nirgends eine Uhr
1 Minute, 2 Minuten, nur approximativ oder nicht?

auch drinnen sind die Score-Stimmen leise und weich
einschläfernd

Score
…einen Gegenstand in der Nähe in die Hand nehmen
seine Textur, sein Gewicht – was jetzt?
Textur oder Gewicht?
auch vor dem Walcheturm:
sich verbinden mit Tieren, Gräsern, Himmel
mit allen was (nicht?) da ist
oder liebhaben oder nicht lieb
sich verbinden – unverbindlich.
Warum nicht mit den Würmern?
Was kreucht und fleucht unter den Füssen
Vor lauter Auswahl keine Bestimmung, keine Ausrichtung
offen lassen zu offen lassend
im Sternzeichen der Ambivalenz
des Niemanden-mit-einem- Vorschlag einschränken

Space oder Raum oder Möbelierung
Die Räume bequem eingerichtet
eine Ecke um zu chillen, um sich zurückzuziehen
diese Vorsicht kippt zu einem Anzeichen könnte etwas hereinbrechen
Unwohlsein, Überforderung, ein langer Tag
wohlbedacht vieles vorwegnehmen und damit aber auch anwesend machen

Schluss
…dass alle vorbehaltslos mitgemacht hätten
da wäre keine Zurückhaltung spürbar gewesen, wie sonst oft
dass jemand, oft, öfters einzelne…hier, nein
well, es sind viele Leute und die einzelne Zurückhaltung zurückhaltend..

Fachjargon
Kein Fachjargon: decrescendo, pitch, was ist ein pitch?, ein Sound, Ton, Intervall, Puls, Rhythmus, keine musikspezifischen Begriffe herbeiziehen, um eine Partitur zu erklären. S’wird zwangsläufig langfädig, weil alles muss umschrieben werden. «Ich spiele nicht Klavier» they sitzen und drücken die Tasten. Nicht nur spielt they nicht Klavier (und tut es doch), they hört auch nicht was they spielen, damit beschäftigt die Töne zu drücken.
Es soll vermieden werden, dass jemand eine Erklärung braucht: was ist ein decrescendo? Anstatt einzuladen, dass die Leute hörend verstehen, was gemeint ist.

Scoring
Scoring ist allen zugänglich, keine Vorkenntnisse
im Workshop nennen sich die Vortragenden/facilitator
das hingehend ein Begriff der meine Alarmglocken läuten lässt.
Wie auch immer.
Lesend sind die Scores schwellenlos zugänglich
in der Aufführung gibt es doch wieder Dirigat, Zeigen und Zeichen und einige wenige die sich richtig freuen draufzuhauen.

176 Log 240729 Reise UK

Separate Logbücher zu
Trévor Wishart, York
Lily Greenham
Bob Cobbing

BBC Written Archives Centre in Reading

Daphne Oram Archiv Goldsmith University in London
The Daphne Oram Collection is sited in the Special Collections & Archives, Goldsmiths, University of London E14 6NW.
Access is by appointment only.
Search the recordings available in the collection
Book a visit the Special Collections & Archives, Goldsmiths Library, University of London

„…Daphne Oram über praktische Erfahrung mit elektroakustischer Komposition. Zwar hatte sie eine technische Ausbildung an der BBC absolviert, besass jedoch auch einen musikalischen Hintergrund: Als Jugendliche hatte sie Klavier gespielt, sich aber für eine technische statt musikalische Ausbildung entschieden. Neben ihrer Anstellung an der BBC war sie als Komponistin tätig: Ende der 1940er-Jahre experimentierte sie laut eigener Berichte im privaten Rahmen mit dem Tonbandgerät. 1949 komponierte sie ein Stück für zwei Orchester, fünf Mikrophone und manipulierte Aufnahmen und reichte dieses 1950 bei der Musikabteilung der BBC ein – jedoch ohne Erfolg“

Vgl. Oram, Daphne: „Daphne Oram 3. January 1983 – Daphne Oram’s BBC career as it relates to…“, 3.1.1983, Daphne Oram Collection, Goldsmith University London ORAM3/5 – The Radiophonic Workshop – The first 25 years, 1982-1983, S. 1. (Eichenberger 2021:51)

 


240810
«Europe has produced sound poets in the persons of Greta Monach (Netherlands) and Katalin Ladik (Hungary), who released an EP of her work, «Phonopoetica», in 1976. In England, Paula Claire has been working with improvisational sound since the 1960s. Lily Greenham, born in Vienna in 1924 and later based in Denmark, Paris and London, developed a so-called neo-semantic approach during the 1970s. She coined the term ‚Lingual Music‘ to describe her electroacoustic experiments with tape recordings of her voice. During the 1950s she became involved with the Wiener Gruppe (Vienna Group) and was an accomplished performer of sound & concrete poetry by many artists such as Alain Arias-Misson, Bob Cobbing, Gerhard Rühm, and Ernst Jandl. This was due in part to her training as an operatic singer and the fact that she was fluent in eight languages. Lingual Music, a double CD collection of her work, was released posthumously in 2007 by Paradigm Discs in the UK. Her archive is now held at Goldsmiths, University of London.» (Zit n. Sound Poetry)

Sound Poetry UK
A wide-ranging survey of British sound poets and artists from the 1960s to the present, featuring Bob Cobbing, Neil Mills, Liliy Greenham, Chirstopher Logue, Ann Laplantine, and more.

Delia Derbyshire
Archiv von Delia Derbyshire an der John Rylands Research Instutut and Library in Manchester

Katalin Ladik (born Újvidék, 25 October 1942) is a Hungarian poet, performance artist and actress. She was born in Újvidék, Kingdom of Hungary (today Novi Sad, Serbia), and in the last 20 years she has lived and worked alternately in Novi Sad, in Budapest, Hungary and on the island of Hvar, Croatia. Parallel to her written poems she also creates sound poems and visual poems, performance art, writes and performs experimental music and audio plays. She is also a performer and an experimental artist (happenings, mail art, experimental theatrical plays). She explores language through visual and vocal expressions, as well as movement and gestures. Her work includes collages, photography, records, performances and happenings in both urban and natural environments.
Katalin Ladic (facebook)

Poetry Foundation: The Women and the Avant-Garde (part 2)

 

172 Log 240712
Andrea Saemann: Saemann meets Schneemann – a performance thanks to Carolee Schneemann
Ludwig Jäger: ‚Aura’ und ‚Widerhall’. Zwei Leben des ‚Originals’ Urheberrechtsfragen in der Performancekunst

Urheberrechtsfragen in der Performancekunst
– Andrea Saemann: “Saemann meets Schneemann”
, 2006

Mit einer Perf. hängen zs.

  • Handlung/Perf./Event
  • Fotos/Videos der Perf
  • Relikte der Perf
  • Notizen zur Perf

– wie wird Zitat in der Perf. / im Theater definiert?
– Def. re-enactment, Aktualisierung, re-doing, Wiederaufführung?
– wieviel Ähnlichkeit ist erlaubt, wann stellt sich die Urheberrechtsfrage?
– ist “Meeting Schneemann” (Andrea Saemann) bloss ein Verweis?
– oder gibt es ein genuines Interesse die Interior Scroll im Sinne einer Interpretation zu performen/aufzuführen?
– wie grenzt sich in der Musik Interpretation von Paraphrase ab, von etwas anklingen lassen…
– würden Perfs. den Status “interpretierbarer” Werks erhalten, was änderte sich?
– was beinhaltet «Status eines interpretierbaren Werks»?
– wenn sich Perf.-Kunstwerke wieder aufführen lassen, was bedeutet das für das Original?

«Jene reine Sprache, die in fremde gebannt ist, in der eigenen zu erlösen, die im Werk gefangene in der Umdichtung zu befreien, ist die Aufgabe des Übersetzers.“ (…) „Die wahre Übersetzung ist durchscheinend, sie verdeckt nicht das Original, steht ihm nicht im Licht. Sondern läßt die reine Sprache, wie verstärkt durch ihr eigenes Medium, nur um so voller aufs Original fallen».
Walter Benjamin: Die Aufgabe des Übersetzers, 1923
Walter Benjamin: Die Aufgabe des Übersetzers, 1923.pdf
– Das Original wird durch die Übersetzung «befreit»
– Die im Original gebannte «reine, eigentliche, ursprüngliche» Idee/Licht trifft zurück, verstärkt das Original
– gilt das auch f. «Interpretation», «re-enactment»?

Ludwig Jäger: ‚Aura’ und ‚Widerhall’. Zwei Leben des ‚Originals’ – Anmerkungen zu Benjamins Konzeptionen des Originalen
Abstract: Der Beitrag diskutiert zwei Aufsätze Walter Benjamins, die mit Blick auf die jüngere Original-Kopie-Debatte von großer Bedeutung sind. Benjamin hat in seinem ‚Übersetzer’-Aufsatz von 1923 und in seinem ‚Kunstwerk’-Aufsatz von 1939 zwei Begriffe eingeführt, die von hoher transkriptionstheoretischer Relevanz sind und die dort beide jeweils im Zentrum der Argumentation stehen: ‚Aura’ und ‚Widerhall’. Unter je spezifischer Perspektive fokussiert Benjamin anhand dieser Begriffe ein grundlegendes kunst- und medientheoretisches Problem – das Problem des Verhältnisses von ‚Original’ und ‚Fortleben’ des Originals, wobei ,Fortleben’ einmal als Übersetzung und zum anderen als technische Reproduktion verhandelt wird. Transkriptionstheoretische Überlegungen im Ausgang von diesen in Benjamins Werk zentralen theoretischen Begriffen erlauben es, das Verhältnis von ,Original’ und ,Kopie’ neu in den Blick zu nehmen. (zit.n. Jäger: Abstract, Link siehe oben)

Keywords: Original, Kopie, Widerhall, Walter Benjamin, Aura, Kunstwerk, Reproduktion, Übersetzung, Übersetzbarkeit, Fortschreibung, Transkription, Nachträglichkeit, Vorgängigkeit.

 

Musik
SUISA,  Tantiemen, Musik am Radio ≠ Aufführung eines Stücks
Für die Pressung einer CD muss zwingend eine Anmeldung bei der SUISA vorliegen

168 Logbuch 240524 Heroines of Sound – Herstories

Sanio, Sabine, und Bettina Wackernagel (Hrsg). „Einleitung“, in: Heroines of sound : Feminismus und Gender in elektronischer Musik. Hofheim am Taunus: Wolke Verlag, 2019, S.16–29.

I am a Feminist, wird zwar zum verkaufstauglichen T-Shirt, but that’s all. 1971 begründet Lina Nochlin mit ihrem Essay Why have there been no great women artists? die feministische Kunstwissenschaft(en, Mehrz.!). In den Musikwissenschaften kommen solche Fragestellungen erst 40 Jahre später auf, erst recht was die Elektronische Musik betrifft. Die elektronischen Klänge als «geschlechtslose Sounds» seien Theorie geblieben, so Sanio und Wackernagel. Hinter den Maschinen wirken die gleichen Machtverhältnisse wie sonstwo im Konzertbetrieb.

mit Beiträge zu
Bebe Barron / Alice Shields
Else Marie Pade
Daphne Oram
Delia Derbyshire/Maddalene Fagandini
Suzanne Ciani → Plop für Coca-Cola (S17)
Laurie Spiegel → Star Wars, Atari, Lego (Sounddesign)
Laurie Spiegel → Music Mouse, an intelligent Music Instrument für Atari7

GRM (Nachtrag (S.21)
Monique Rollin
Christine Groult → christinegroult@free.fr
Beatriz Ferreyra
Clara Mïda
Louïse Bulot
Polen: Musica Electronica Nova / Wroclaw
Elzabieta Sikora lebt in Paris
Jagoda Szmytka

2016 Festivalschwerpunkt zu Stimmen in der Elektronischen Musik
mit Cathy Berberian, Anna Clementi, Ute Wassermann, Dorit Chrysler

Stichwort: Embodiment in der elektronischen Musik

 

141 Log 231001 writing music
Christian Grüny:
Scores zwischen Aufbruch und Normalisierung

Interdisziplinäre Ringvorlesung am Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung, Wien, 3.11.2016 (1)

Grünys Vortrag fokussiert auf sprachbasierte Notationen, die von Karkoschka (2) , nur stiefmütterlich behandelt werden. Es geht um die Partitur, als Instanz der präzisen Fixierung der Vielstimmingkeit. Grünys Vortrag bezieht sich auf «Scores», weil es mehr um eine wie auch immer geartete künstlerische Präskription bezieht. Das Ziel des Vortrags kann nicht eine abgeschlossene Theorie der musikalischen Notation sein.

  • Unterschiedliche Konstellationen, die in die Notation eingetragen werden
  • Konstellationen von Konzeption, Interpretation und Rezeption
  • Stichworte: Interdisziplinarität, Heterogenität
  • Wozu Notation? um komplexere Musik aufzubauen, zu bewahren und zu vermitteln, eine Begrenztheit der Perspektive
  • es geht die Notation als Medium der Vermittlung zw. musikalischer Struktur und ihrer Verkörperung und entscheidend: um Komplexität

Partituren werden immer wieder neu interpretiert, Notentreue – für die musikalische Grafik gilt das nur begrenzt. Zentrale Figur ist John Cage, der mit dem Artikel Experimental Music: Doctrine eine grosse Distanz zur alteuropäischen Musiktradition markiert. Cage stellt die Frage, was composing, performing und listening miteinander zu tun haben. “Die Partitur ist der Knotenpunkt dieser Verschiebungen und der Ort, wo sie bearbeitet werden.”

1950: Cage, Feldman, Brown, Wolff
erste offenen Partituren – grafische Notationen

  • was wird festgelegt?
  • nicht nur Vorgaben für klangliche Strukturen
  • Cage notiert Musik, aber es gibt eine Barriere zum Erklingenden
  • Radikale Spaltung zw schreiben und erklingen
  • was haben sie miteinander zu tun? keine rhethorische Frage
  • 4:33 in Scores in 3 Varianten, die dritte ist rein sprachlich

 

Fluxus Event Scores
George Brecht
war 1958/59 in Cages Kompositionsklasse an der New School.
Auf Brecht geht der Begriff Eventscore zurück
Bsp aus dem Jahr 1960: Motor-Vehicle-Sundown [Event]

 

Funktioniert wie ein trad. Score, der das Material und die Umgangsweise definiert.
Später bezieht sich George Brecht mit seinen Scores auf Alltägliches:

 

Suitcase

worin liegt das Event?
funktionieren diese Events wie Ready-mades?

Ready-Made-Event von Brecht als Synthese von Cage und Duchamp
Grüny: «Scores sind in allen diesen Beispielen das Zentrum, um das herum sich die Instanzen der westliche Kunstmusik gruppieren und von denen sie durcheinandergebracht werden.» Erst wird’s in einen musikalischen Kontext eingebracht – Fluxus-Events werden als Konzerte angekündigt – damit wird dieser Kontext aufgebrochen. Verschiebung der Autorschaft ist am deutlichsten.

  • Sind das noch Werke? minimalistische Setzungen
  • Die Realisierung hat wenig mit Interpretation zu tun, Grüny: «die Realisierung geht weit über den Spielraum hinaus, die einy Interprety auch bei den offensten Partituren eingeräumt werden»
  • Interpretation / Realisierung gehört einer anderen Ordnung an als der Score
  • Ina Blom spricht von der «extrem generality of the instruction form(?) event», versus der «extrem specificity of the realisation of the instruction»(3)

Die Events beliebig wiederholbar und in jeder Wiederholung neu und spezifisch. Nach Kevin Concannon ist unsinnig von einem „Reenactment“ zB von Onos Cut Piece zu sprechen, weil ein Score des Stücks existiert (4) . Für die Perf. von Dan Graham hingegen wäre der Begriff zutreffend. Die Fluxus Performances unterscheiden sich von Performances und den Happenings von Allan Kaprow durch ihre beliebige Wiederholbarkeit.
Fluxus Scores sind Teil des Kunstsystem geworden und nicht des Musikbetriebs. Abramovic hat im Rahmen von Six Easy Pieces «Body Pressure» von Bruce Nauman aufgeführt/performed(?). Body Pressure besteht aus einem Score, reenactment ist daher nicht der richtige Begriff – für die anderen Eays Pieces trifft Reenactment zu. Naumans Score ist Teil des Kunstbetriebs, dort allerdings stiefmütterlich behandelt. Weil etwas wie eine «Uraufführung» in diesem Zusammenhang einem verlorengegangenen Original gleichkommt. Ein Original, das es nur als Dokumentation gibt.
Scores sind Teil der Sache, des Werks. Bei Kaprow ist das anders, die Scores sind «just literatur», nichts als Anweisungen. Das Werk ist das Happening. Kaprow macht «programms».

 

La Monte Young

Composition 1960 #7
to be held for a long time
Composition Nr. 7 fokussiert auf ein einziges Klangereignis.

 

Composition Nr. 9
Zeigt eine Linie auf einem Stück Papier.
Ist das eine Anweisung oder eine Zeichnung?
Mit den Augen der Linie folgen?
Interpretiert von Name Jun Paik unter dem Titel Zen for Head

 

Composition 1960 #10
Draw a straight line and follow it.
Composition Nr. 10 ist eine reine Textkomposition,
wo findet da Musik statt?
was heisst es der Linie zu folgen?

 

 

Yoko Ono (Grapefruit)

Voice Piece for Soprano
scream
‚against the wind‘
‚against the wall‘
‚against the sky‘

 

  • Geht in keine Performancesituation auf, wo ist der Ort der Perf. wo schreit man gegen den Wind. Die Perf. wird nicht als Perf. bemerkt, so schnell geht die Handlung vorbei. Exzentrische Handlungen.
  • Erst der Kontext der Aufführung macht die Perf. sichtbar


Fly!

 

Dan Graham
Performer Audience Sequenz, 1975

  • Der Score steht nicht jedem zur Verfügung, Anweisungen für sich als Performer
  • Es ist folglich kein Score
  • könnte einzig durch Appropriation umgesetzt werden

 


Event Scores als Konstellationen

Entspricht einerseits einem trad. Partitur Modell: vom Komponisten erdacht und festgehalten, vom Interpr. sorgfältig aufgeführt, von den Rezipierenden sorgfältig aufgefasst. Aber in die Scores sind versch. Grade an Freiheiten eingeschrieben. So auch philosophische Frage nach dem Ort des Werks. Wo ist das Werk, bildet es eine ideale Entität im Geiste des Schöpfers, liegt das Werk in der Partitur, oder in den Aufführungen – Differenz der Instanzen zu betonen, so Peter Osborne, ist die «distributive Einheit» der postkonzeptuelle Stand der Kunst

Musik als bewegliche mediale Konstellation steht für ein verändertes Verständnis von Musik. Die Verhältnisse der musikalischen Instanzen müssen für jeden Score neu austariert werden, es handelt sich um mediale Konstellationen. Ausgangspunkt ist ein Begriff von Musik als bewegliche mediale Konstellation und nicht, so Greenberg, Musik als reine Medialität.

Wie werden Fluxus Scores gehandhabt? Es gibt einen markanten Unterschied ob im Kontext von Konzeptueller Kunst oder Neue Musik, wo Fragen nach dem Konzeptuellen, der Medien, der Gehalte in der Musik, nach wie vor als Zumutungen von Aussen verstanden und abgewiesen werden mit einem Verweis auf die Natur der Musik, ihre Komplexität, ihre Eigenart ihre Spezifität. Beachte: Konzeptuelle Kunst ist wesentlich aus der Musik beeinflusst worden.
Laurence Weiner: A SQUARE REMOVAL FROM A RUG IN USE – muss nicht aufgeführt werden. Auch Sol Lewitt hat Konzepte für die «Aufführung» von Wandzeichnungen geschrieben. Die Scores werden als Störfaktoren in Praktiken der Bildenden Kunst eingeschleust und verändern das dortige Feld. Musik ist mehr Aneignung und Transformation als Repräsentation gefragt.
Cage bevorzugte Tudor als Interpr, es geht um Kontrollverlust. Komponisty als Künstly. Deskilling chancenlos. Grüny: «Reflektiertheit kann sich auch auf andere Weise zeigen als in technischer Brillanz, hermeneutischer Finesse und der Produktion von Komplexität. Aber es geht nicht nur um Reflektiertheit, die sich da zeigen muss.» Sondern um etwas das auf Vertrauen und Einverständnis und Good-Will basiert. Die 60er Jahre verwandeln den Score in eine offene Frage.

129 Log 230912 writing music
Sybille Krämer: Aspekte einer philosophischen Therie der Schrift

Ringvorlesung
writing music – Zu einer Theorie der musikalischen Schrift
Interdisziplinäre Ringvorlesung am Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung, 20.10.2016 (1) 
Universität für Musik und darstellende Kunst
Wien 2016/17

 

Sybille Krämer
Zu einigen Aspekten einer philosophischen Theorie der Schrift

Einführung
Zum Schriftkonzept im Sinne der aufgeschriebenen mündliche Sprache
und zum Potential des Schriftkonzepts

Töne erklingen und verschwinden, wie der sprachliche Laut
Existenz, die im Verschwinden besteht
Aufzeichnung wird entscheidende Technik
ist Schrift sekundär?
sekundär = Defizit

  • Debatte Oralität – Literalität
  • Sprache ist ein System (Elemente und Regeln)
  • die Idee der Systematizität ist eine Projektion der Schrift
  • Schrift ist das verschwiegene Modell für Sprache
  • Skriptizismus
  • Ferdinand de Sausurre (1757–1913, Sprachwissenschaftler): die Bedeutung entsteht aus dem differenziellen Prinzip, vgl auch Gunnar Hindrichs (*1971, Philosoph, Basel): Philosophie der Musik

Grundbaustein der Musik ist der Klang. Klang ist nicht allein bestimmt als etwas Hörbares, sondern auch durch das Verhältnis eines Klanges im System der Klänge, die erklingen, also auch bestimmt durch das, was nicht erklingt
= Systemgedanke, die Basis ist nicht die erklingende Musik, sondern die aufgeschriebene Musik

Frage: welche Bedeutung hat die Tatsache, dass die Musik aufgeschrieben / aufgezeichnet wird? Ist die Schrift etwas Bestimmendes und imprägniert sie die Musik? Braucht die Musikwissenschaft eine Oralitätsdebatte?

Was macht Schrift?

  • Zeit: Sukzession, Gegenwartspunkt an Gegenwartspunkt
  • Zeit wird durch Schrift verräumlicht: das Nacheinander der Zeit wird ein Nebeneinander der Buchstaben, räumliche Linearität
  • Schrift = Anordnungsverfahren, niemals nur Linearität, sondern auch Fläche benutzt = zweidimensional
  • Diskretes Zeichen zerschneidet das Kontinuum, Leerstellen, Lücken, Zweidimensionalität
  • Zwei Zeichen können niemals ineinander übergehen
  • Leerstellen ist ein räumliches Phänomen

Worin liegt die Attraktivität der Schrift, der artifiziellen Flächigkeit?

  • Sonderraum eines zweidimensionalen Raumes, indem alles kontrollierbar wird
  • = Überblick, Vogelflugperspektive
  • In der Partitur nimmt die Musik einen operativen, überblickbaren Raum, es ist zu sehen, was gewesen ist und was kommen wird…
  • Überklang des Klangraums der leiblichen Dreidimensionalität in den Schauraum der artifiziellen Zweidimensionalität, diese Transformation bringt ein neues Potential
  • Schrift ist kreativ, weil man sie auf dem Papier herumschieben kann, umstellen, kopieren, zusammenfassen – abgesehen davon sind Zahlen erst durch die Schrift/Zeichen sichtbar
  • = das Potential der Schrift

Das was Schrift ist und leisten kann in 4 Geschichtspunkte geordnet

– Räumlichkeit
– das Graphische (Graphismus)
– das operative Potential
– Affinität von Schrift und Maschine (Komputer)

Schrift ist vergl. wichtig wie die Erfindung des Rads
wie das Rad für Mobilität der Körperlichkeit steht, so die Schrift/artifizielle Flächigkeit für Mobilität und Kreativität

Räumlichkeit der Schrift

These: die Zweidimensionalität als Denkwerkzeug (Kulturtechnik der Verflachung) ist entscheidend. Aber Oberflächlichkeit wird diskreditiert(?) (Tiefgang ist wichtig). Dabei haben wir den inskribierten Flächen so viel zu verdanken (heute Smartphone!)

  • Wissenschaft und Kunst entstehen aus dem artifiziellen Umgang mit Schattenrissen

– Töpfertochter Butades bannt die Gestalt ihres Liebhabers durch den Schattenriss an die Wand.
– Zeitmessung der Sonnenuhr durch Schattenwurf
– das Höhlengleichnis, für Platon ist der Schatten defizitär
= Schatten verwandeln das Volumen in eine Fläche
Gibt es etwas wie Schatten in der Welt des Auditiven?

Graphismus der Schrift

  • Sprache mache den Menschen aus. Kein Wesen im Tierreich hat der Sprache vergleichbares grammatikalisches, semantisch, syntaktisches Verständigungssystem wie der Mensch
    Es gibt die Signalsprachen des Vokalischen.
  • Es gibt nichts dem Bildermachen/Krizeln/Markieren/Oberflächen analoges
  • Einritzen, auftragen als Disposition ist genauso wichtig wie unsere Sprachlichkeit
  • wir sind zweisprachige Wesen
  • Punkt, Linie, Fläche wirken zusammen als Graphismus
  • Linie hat eine Doppelnatur: 1. Geste der Hand wird abgebildet, sie gibt die Geste in der Zeit als Konfiguration im Raum wieder, sie übersetzt 2. steht die Linie für den freien Entwurf, das den Wahrnehmungskonventionen widerstreitet, solche Objekte kann man nicht herstellen, das gibt’s nur zweidimensional.

Linie = Potential der Abbildung + Potential der freien Kreation / Projizieren von etwas das besteht + den Entwurf, der noch in keiner Weise ein Vorbild hat in der Welt (und ev. nie haben wird)

  • Zu Descartes erster (musik)theoretischen Schrift (compendium musicae, dt Übersetzung erst 1978) eine Art Musikdiagrammatik (Quintenzirkel, unzählige musikalische Diagramme) die ästhetischen Eigenschaften des akustischen Erklingens von Musik werden mit visuellen Eigenschaften erklärt (Intervall Ästhetik: die Proportionalität der konsonanten und dissonanten Tonverhältnissen werden in Linienkonfigurationen überführt, konsonant ^= ganzzahlige Verhältnisse
  • Graphismus ist der gemeinsame Ursprung von Zeichnung und Schrift, zb Kritzeln, ist genauso grundlegend wie Sprechen, ev. wie Musizieren?
  • Beachte: Sprache kann man negieren, das Nein, es gibt kein Äquivalent im Graphismus


Operatives Potential der Schrift
Wenn die Schriftanordung räumlich ist, dann ist eine Zeitachsen Umkehr möglich. Der Mediendenker Kittler hat seinen Medienbegriff an diese Gegenheit gebunden. Für Kittler ist der Körper kein Medium. Der Körper ist der Irreversibilität der Zeit mehr oder weniger unentrinnbar unterworfen.

Auf den artifiziellen Flächen haben wir einen Sonderraum entworfen mit der Option die Irreversibilität der Zeit zu bannen.

Über den Spielbegriff nachdenken: Musik ist ein Spiel, Sprache ist ein Sprachspiel. Über Musik nicht in den Kategorien der Sprache nachdenken, das geht für SK nicht, aber Spiel, ja! Spiel heisst etwas lässt sich hin und her bewegen: Lichtspiel auf dem Wasser, die Schraube hat Spiel. Ohne Ziel. Spielräume. Kein zweckorientiertes Produkt. Die artifizielle Fläche lädt ein zum Spiel, Umkehrbarkeit praktizieren und erfahren.


Das Mechanische der Schrift / Affinität von Schrift und Maschine
Alles was diskretisierbar ist, kann auf eine Maschine übertragen werden.

Als erste Programmiererin gilt Ada Lovelace (1815–1852, Mathematikerin, London) (Berechnung der Bernoulli Zahlen). Sie arbeitete mit Charles Babbage an einer universalen Rechenmaschine. Tiefe Verwandtschaft der Schrift mit dem Tabellarischen und dem Diagrammatischen. Schrift ist mehr als eine lineare Aufzeichnungstechnik, sie ist mit der Zweidimensionalität im Bunde. Tiefe Affinität zwischen Schriftlichen und dem Mechanischen


Schluss
Derridas Grammatologie als Dia(?)-Grammatologie weiterentwickeln/entfalten um das Potential der Schrift aufzudecken.
Vieldimensionales Schriftkonzept, in dem die Schrifttechniken in ein grösseres Ganzes einer Kulturtechnik der Verflachung einordnen, dazu gehören auch Grafen und Diagramme, Karten, Tabellen, dazu gehören auch musikalische Schriften.
Schrift bezieht sich auf verschiedenen Referenzobjekte (Sprache, Zahlen, musikalische Zeichen)

Grafische Notation der NM
Die Schrift des Musikalischen
Wie klangliche Innovation und Medieninnovation zusammengehen
Den Alphabetismus der musikalischen Schrift kritisieren:

  • Earl Brown (Kritik der traditionellen Notation), Vorbild sind die Künste, Brown bezieht sich auf Calder, Jackson Pollock, etc.
  • Joseph Schillinger (Klanggeschehen naturwissenschaftl. verzeichnen, Physik, Koordinatenkreuz, bezieht sich auf Descartes)

Descartes und das Koordinatenkreuz macht das Blatt zu einem adressierbaren Raum, Descartes erfindet die analytische Geometrie, Koordinatenkreuz, vorher seine Musikdiagrammatik, geometrische Formen für das Klanggeschehen)
Die Schrift hat die Eigenschaft das Werk hervorzurufen. Urheberschaft an einem Werk, das nicht verschwindet, das tradierbar wird. Der Werkbegriff ist auf engste Weise verwoben mit der Schrift. Mit der Möglichkeit Musik zu schreiben entsteht der Autorenschaft. Zu archaischen Zeiten hatte Musik hatte keinen Autoren. Literatur entsteht mit Autoren, so auch in der Musik. Für Earl Brown werden die Interpreten zu Mitautoren, es gibt nicht zwei identische (gleichklingende) Aufführungen. Brown Subversion des traditionellen musikalischen Notationssystem ist auch eine Subversion der traditionellen musikalischen Autorschaft.

Mit der Karte navigieren in der Stadt. Die Karte wird aufgeführt, wieder umgesetzt in die 3dim? Ist das vergleichbar der Interpretation der Musiknotation in der Aufführung, eine Umsetzung in die 3.dim.
Zeit ist eindimensional, Lebensraum ist 3dim, die Zweidimensionalität ist eine Übersetzung, ist angesiedelt im Dazwischen, das eine in das andere transformieren, sie ist eine Passage, eine die alles verändert. Das Notenblatt verändert alles, auch unser Hören?Die Zeitumkehr kann gedacht werden, aber aufgeführt?
Es geht um Schriftkonfigurationen.
Rechnen konnten früher nur die Mathematiker, mit dem Dezimalsystem wurde rechnen es allen zugänglich zu einer Alltagstechnik. Es geht um Kontrolle und Kreativität, Überschuss und Disziplin
Intransitiver Spielbegriff: etwas spielt: ein Lächeln auf den Lippen, das Spiel der Lichter auf dem Wasser zum intransitiven Musikbegriff: die Saite bewegt sich, Spiel = das Hin und Her einer Bewegung, die Saite schwingt = Quelle des Schalls/Musik
Im Hin und Her der Schwingung schwingt die Vorstellung der reversiblen Bewegung mit: das Vor und Zurück, als könnte die Zeitachse umgedreht werden.

129 Log 230912 writing music
Assmann: Schrift_Gedächtnis_Musik

Ringvorlesung
writing music – Zu einer Theorie der musikalischen Schrift
Interdisziplinäre Ringvorlesung am Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung, 11.10.2016 (5)
Universität für Musik und darstellende Kunst
Wien 2016/17

 

Jan Assman
Schrift. Gedächtnis. Musik

Einführung v. Nikolaus Urbanek
zur Ringvorlesung: Musikalische Schrift / transdisziplinärer Diskurs

  • Abhängigkeit der Schrift von der Rede, Unterordnung unter das gesprochene Wort
  • Schrift = aufgeschriebene Sprache
  • Pendant: musikalische Schrift als aufgeschriebener Klang
  • Schrift als Zeichen für etwas anderes
    unsichtbares, transparentes, transzendentes, neutrales, durchsichtiges Medium zur Archivierung und Kommunikation des präexistenten Klanges
  • Schrift als Medienwechsel: vom gedanklichen Einfall zur Notation auf dem Papier

Frage: ob Schrift tatsächlich immer nur für etwas anderes steht, ob sie nicht ein Medium eigenen Rechts sei.
Was ist ihr Eigensinn?

  • Ihre Materialität: Stoffe und Werkzeuge des Schreibens
  • Notate sind Sichtbar (Flächigkeit, Räumlichkeit, 2dim.): Schriftbildlichkeit
  • Schrift als Werkzeug der Komposition, durch das Schreiben komponieren

Der Schrift eigen sind: Annotationen, Kommentare, korrigieren, verwerfen, löschen, streichen, verschieben, überschreiben. Es geht darum aus den kreativen, brüchigen, innovativen Situationen der Musikgeschichte in denen über musikalische Schrift nachgedacht wurden, für eine Theorie der musikalischen Schrift zu lernen. Aspekte einer Theorie der musikalischen Schrift:

  • Materialität
  • Ikonizität
  • Performativität
  • Operativität

 


250316 Jan Assmann
Schrift–Gedächtnis–Musik, 2020(6)
– Noten als Schrift, Musik als Schriftkultur
– Schriftentstehung und frühe Schriftkulturen
– Kanonbildung in der musikalischen Schriftkultur

  • Noten als Schrift, Musik als Schriftkultur
    (Assmann, 2020:51–53)
    dt. wird von musikalische Noten SCHRIFT gesprochen
    Schriftbegriff, der sowohl Sprachzeichen wie auch andere Zeichensysteme umfasst
    – dem Unsichtbaren Sichtbarkeit verleiht
    – dem Flüchtigen Dauer
    – Verbreitung (vgl Assmann, 2020:51)
    franz. / engl. von Notation: Schrift meint ausschliesslich die Aufzeichnung von Sprache

notieren / aufschreiben → kurze Notate, Kurzzeitgedächtnis, festhalten von etwas Flüchtigem, etwas sichtbar machen (Alltag)
schreiben → grosse Formen (über Jahre hinweg entwickelt/geschrieben), schöpferischer Vorgang, etwas bis dahin Unkommuniziertes kommunizieren, etwas Neues, das einzig durch Schreiben möglich gemacht wird (Assmann, 2020:52). Schreiben verändert die Welt. Schrift heisst Distribution. Assmann sieht darin den Grund für die globale Verbreitung, ja  Vorrangstellung europäischer Musik, ihren Vorbildcharakter, an dem alle teilhaben wollen, im Sinne von Weltmusik (Assmann, 2020:53).

Die Erfindung der Notenschrift im 11. Jh. im Sinne der Notation (siehe oben) als Gedächtnisstütze reicht zurück in die Antike. Im Mittelalter wird Notation zur Komposition. Mehrstimmigkeit, Polyphonie,

  • Schriftentstehung und frühe Schriftkulturen
    (Assmann, 2020:54–59)
    – frühe Schriftkulturen: Mesopotamien, Summerer, Ägypten
    funktionale Schriften:
    – Sprachzeichen als mnemotechnische Zeichen
    – Eigennamen, Sach- und Zahlenwerte
    – Besitz und Abgabeverhältnisse
    – Schrift dient der Buchhaltung
    – politische Repräsentation, Grabkultur, Kult (Assmann, 2020:54)
    – Gültigkeit über die Todesgrenze hinaus (Assmann, 2020:55)
    – Rezitation im Rahmen des Kults: Verwandlung der Toten in unsterbliche Mitglieder der Götterwelt
    – Fixierung des genauen Wortlauts (Mnemotechnik)
    – Pyramidentexte / sich in das Jenseits einschreiben, Namen, Listen, imaginäre Wirklichkeit

Assmann unterscheidet «funktionale» Schrift von Verschriftlichung von Mythen, Erzählungen, Weisheitslehren als kulturelle Schriftlichkeit (Assmann, 2020:57). Diese Schriftlichkeit dient nicht nur der Fixierung, sondern auch der Dynamisierung der Tradition, Schrift ist nicht nur Behelf.

«Die mündliche Überlieferung, die auf Performanz und Mnemotechnik beruht, kennt keine Archive.»

Archiv und Kanonbildung gehören zusammen. Kanonische Texte: zitierfähige Texte, Autorität der Texte, lebensformende Ansprüche der Texte, hat eine Auslegungskultur zur Folge, Verstehen der Texte, Hermeneutik. Kanonbildung zieht Auslagerungen nach sich (Assmann, 2020:58)

  • Kanonbildung in der musikalischen Schriftkultur
    (Assmann, 2020:59–64)
    – Musik als performative Kunst, die Aufführung ist zentral
    – Schrift spielt eine untergeordnete Rolle
    – Repertoire ist entscheidend: Bestand zur Wiederaufführung bestimmter Werke (Assmann, 2020:60) dem Zeitgeist, Mode unterworfen
    – Kanon: Vorbildlichkeit, Verbindlichkeit
    – Funktion des Kanons: didaktisch, alte Meister als Vorbilder → kompositorische Ausbildung / ästhetisch: Analyse, Kritik / werkgeschichtlicher Diskurs / Intertextualität
    – ersetzt das Prinzip Repertoire den Kanon?
    Schrift wird durch CD, DVD in der Funktion als Archives erweitert (Assmann, 2020:61): → schriftlose Musiken (auch Perf!), gilt auch für Filmwissenschaften.
    – Musikaufführende Institutionen: Klöster, Kirchen, Höfe, Schulen, Akademien
    – Musik-Dokumente-Sammlungen → Archive zu Studienzwecken / Musikwissenschaften
    Johann Christoph Pepusch (1667–1752, London, Komponist ua. der ersten Beggar’s Opera)
    Gottfried van Swieten (1733–1803, Leiter der Hofsbibliothek und der Zensurbehörde, Wien).Kanonisierung = Reflexivwerden von Traditionen (Alois Hahn)
    (Assmann, 2020:61)
    – Selbstthematisierungen einer Gruppe oder eines ausdifferenzierten kulturellen System (Religion, Kunst)
    – Rückhalt durch Rückgriff auf eine normative Vergangenheit (Assmann, 2020:62)
    – Der Tradition der Musik fehlte der Bezug zum klassischen Altertum, was der Etablierung der Musikwissenschaften im Weg stand (Assmann, 2020:62), es kommt zu → imaginativen Konstruktionen von kulturellem Gedächtnis (Assmann, 2020:63). So wurden für Monteverdis Opern das Vorbild der antiken Tragödie bemüht, gilt heute als Versuch der «Nobilitierung» der seconda pratica als neuer Stil, deren effektive Wurzeln in der Commedia dell’arte liegen.Kanonbildung → theoretischer und kommentierender musikästhetischer Diskurs
    – Kritik, Diskurs über Kriterien, über Aufgenommenes und Ausgeschlosssenes, über Maßstäbe
    Gründungszweck der Akademien (Assmann, 2020:63)
    – Bsp: 1726 Gründung der London Academy of Vocal Music, später Academy of Ancient Music.
    Georg Friedrich Händel (1685–1759) unterhält ein eigenes Archiv (aus dem er auch zitiert)»Diese Dynamik von Rückgriff und Innovation kann sich nur in einer Schriftkultur entfalten»
    (Assmann, 2020:64)

 


Jan und Aleida Assmann
Kulturelles Gedächtnis
Paradigmawechsel in den Kulturwissenschaften
zum kulturellen Gedächtnis gehören die in «teilweise jahrtausendelanger Wiederholung gehärteten» Texte, Bilder und Riten

 


Jan Assmann: Die Stimme der Hyeroglyphen. Stimme oder Gedächtnig? Die Schrift als Erweiterung der menschlichen Grundaustattung», in: Brigitte Felderer (Hrsg.): Phonorama. (S.23–

108 Logbuch 230526
Chez Beatriz

Der Zug hatte Verspätung, der Anschluss wurde nicht abgewartet. Der Beamte hinter dem Schalter ist von seinem Handy absorbiert. Was ich wolle? Was um Himmelswillen? Der Anschluss weg, na und? Der nächste Zug in zwei Stunden, Ankunft 14h in Serqueux…! Es ist 10h. Kaum zu fassen, um 5h aus den Federn und bereits gestrandet. Vor dem Bahnhof steht ein Bus, der Chauffeur meint freundlich, er würde bereits in einer Stunde nach Serqueux fahren. Der Schalterbeamte wusste von nichts. Zug ist Zug, Bus ist Bus. Kaffee im Rest. gegenüber. Viele, unzählige Baustellen und Engpässe, auch der Bus verspätet sich. Meine Anrufe und auf meine SMS bleiben unbeantwortet. Als der Bus endlich vor dem Bahnhof in Serqueux vorfährt, sehe ich gerade noch, wie Beatriz griesgramig wie ein Bauer in ihren Wagen steigen will. Beatriz! Fahrt ins Hinterland, nach der letzten Abbiegung auf einen Feldweg, müssen zwei Gatter geöffnet und wieder zugemacht werden. Der Weg wird struppiger und struppiger, der Wagen mäht sich durch’s hohe Grass und kommt vor einem verwildertes Landhaus zu stehen. Es würde streng nach Katzen riechen. Vor dem Haus ein Karette und ein grosser Plastikkübel. Steine sind aus der Treppe zum Eingang herausgebrochen worden. Die Arbeit ist liegen geblieben. Anweisungen würden so kompliziert ausfallen, dass es einfacher sei, selbst anzupacken oder es bleiben zu lassen. Atemnot. Wir setzen uns sofort ins Studio, nur spärlich fällt grünes Licht durch ein Fenster. Für einen Tisch hat es keinen Platz. Alles ist überstellt – ein Audiostudio halt, viel Equipment, Kabel, Lautsprecher, Tonbandspulen. Sie braucht eine Lupe um den Text, den ich ihr zum Gegenlesen mitgebracht habe zu entziffern. Mit jeder Zeile kommt B. mehr ins Erzählen und erzählt und erzählt. Den Text kannst du vergessen, zuviele Anmerkungen wären nötig. Ich werde ihr den Text schicken und sie machen lassen (müssen). Ob ich Salat wolle oder zum Chinesen? Ein Blick in die Küche – Salat, wo soll hier der Garten sein? unter den wuchernden Kerbeln? Doch besser zum Chinesen – lass uns fahren. Ich werde B. einladen. Sie will erst nichts davon wissen. Wir bestellen Schweinefleisch mit Purée (für sie) und Pommes (für mich). Als hätten wir seit Tagen nichts mehr gegessen. Kohldampf, riesige Portionen. Baguette wird aufgetischt. B. steckt die Brote ein, für mich, sie habe nichts solches im Haus. Am nächsten Morgen sind die Anschnitte tatsächlich mein Frühstück. Sie isst Reiswaffeln, Brot mache dick. Die Katzen haben struppiges Fell und klebrige Nasen. Es sollen über zwanzig sein. Verschwunden, sie mögen keinen Besuch. Das kleine schwarze Nesthäken ist nur noch Haut und Knochen, so abgemagert. Es braucht Medikamente. Was das kostet! Die Pillen muss B. halbieren, wie soll das gehen, so kleine Dinger, wie ärgerlich. B.s Bad mit Spiegelschränken, Klo, Bidet, Waschmaschine, Badewanne, zwei fellbraune Teppichvorleger auf dem gemusterten Boden, ein Windspiel mit Wäscheklammern und Wäscheleinen. Fehlt das Stubenmädchen, das alles im Schuss hält, poliert, wie auf den Fotos des Palazzo Ferreyra in Argentinien. Als könnte es jederzeit wieder sein. Warum sie keine Feministin sei, wo sie doch immer wieder sich darüber mokiere, wie die Herren, die im Großen und Ganzen alles Stümper seien, die Welt beanspruchen würden. In Mexico wäre sie Feministin, da wäre es klarer. Das Gespräch, das ich transkribiert hätte, mit den vielen Verdoppelungen, das sei merkwürdig, dieses Suchen nach Worten. B. rümpft die Nase. Was ihr wichtig sei, seien keine grossen Sachen (siehe unten). Am Ende des Tages sitzen wir auf den Treppenstufen vor der Türe und B. erzählt mir, dass ihre Tante über 15 Jahre in ihrer Obhut gelebt habe, nachdem sie von den Ärzten aufgegeben worden sei. Heil- und Balance-Kräfte im Haus. Pendeln – vielleicht liesse sich was machen für meinen Rücken? Erzähle von Mütterchen, wieviel Traurigkeit zum Vorschein kommt, so schwer ums Herz, neben B. in der Abendsonne – Geschichten, die nicht ins Logbuch gehören: “das behälst Du für dich!”
Das Auto ist schmutzig, oder besser staubig, torfig, als käme es aus einem Erdloch. Dunkler Staub, stinkt nicht. Auf dem Beifahrersitz liegt eine Decke, damit ich meine Kleider nicht verdrecke. Die Decke, ein Schaffell?, ist mittlerweile aber sehr unansehlich. B. trägt eine graue Trainerhosen und über dem schmuddeligen Wollpullover eine schwarze Öljacke und Cloggs, sie ist bleich. Es macht nicht den Anschein, als würde sie viel im Garten draussen arbeiten. Wo der Garten doch so viel zu tun gäbe, wie B. betont. Soviel, dass sie im Sommer nicht komponieren kann. Manchmal bekommt sie keine Luft. Es ist das Herz. Und der Kopf ist auch nicht mehr der alte. Sie darf nicht vergessen ihre Medikamente zu nehmen. Sie pendelt die Medikamente und das Essen aus – zu Hause, nicht im Restaurant. Die Türen zum Atelier und zum Schlafzimmer musst du hinter dir zumachen, dass die Katzen nicht reinschleichen, sie sind schnell! Sie verstecken sich in der hintersten Ecke und reissen alle Kabel herunter. Hinter der Türe des Schlafzimmers hängt ein Gewehr. Im Atelier ein Revolver. Sie sei eine gute Schützin. Ihre Cousins hätten sie schiessen gelernt. Sie hätte sofort besser getroffen als die dummen Jungs. Die hätten gestaunt, wie sie den Stein, der an einem langen Seil pendelte mit dem ersten Schuss getroffen habe. Während die Jungs – B. erklärt mir Kimme und Korn – das Gewehr hin und her geschwenkt hätten. Sie hätte den toten Punkt der Pendelbewegung abgewartet und abgedrückt. Als junge Frau hätte sie Ärger mit dem Betreiber der Schiessbude bekommen, weil sie sämtliche im Aufwind tanzenden Luftballone heruntergeholt habe. Sie zielt und trifft. Köpfchen, eine ruhige Hand, schlau, fokussiert. Eine grosse Sammlung an DVDs – was sind das für Filme? Sie sei nur an Gewalt interessiert, hasse Romantik, das wäre alles eine grosse Lüge. Gewalt sei ehrlich. Kung-Fu als Einstiegsdroge.
Von der Landstrasse auf den Feldweg, hinter dem Feldweg das Kuhgatter, hinter dem Kuhgatter meterhohes Gras, Kerbeln, das Auto pflügt sich durch das Grün, kommt neben Brombeeren zum Stehen.

Telephon von B. einen Tag nach dem Besuch bei ihr (230527):
Sie hätte soeben erfahren wer neben Bayle und ihr noch mit dem Magnétophon arbeitet


Jean Schwartz (*1939)
Compositeur français né le 20 mai 1939 à Lille.
Formé au Conservatoire de Versailles, Jean Schwarz joue de la percussion dans différents groupes de jazz professionnels avant d’intégrer le GRM (Groupe de Recherches Musicales) de 1969 à 1999. Il est aussi ingénieur CNRS au département d’ethnomusicologie du Musée de l’Homme de 1965 à 1999, et professeur au Conservatoire de Gennevilliers (1979-1997), où il crée la classe d’électroacoustique. Il fonde et dirige également Celia Records, maison d’édition produisant ses musiques.
Jean Schwarz compose des pièces pour bande magnétique seule (Symphonie pour bande, 1975), des œuvres mixtes (Gamma Plus pour synthétiseurs joués en direct et bande, 1979), des musiques de scène et de ballet, notamment pour la chorégraphe Carolyn Carlson (Year of the horse, 1978 ; Dall’Interno, 1998), ainsi que de nombreuses musiques de film (Providence d’Alain Resnais, 1976 ; Eaux profondes de Michel Deville, 1981). Il enrichit sa palette sonore au contact d’autres artistes et musiciens et tente des expériences de confrontation entre musiciens improvisateurs de jazz et éléments musicaux préenregistrés sur bande (Surroundings, 1980 ; And Arround, 1981). Ses œuvres font souvent référence à la musique extra-européenne, au jazz ainsi qu’au monde équestre.

 

Michel Chion (*1947)
Komponist, Autor und einer der einflussreichsten Theoretiker für Filmton und Klangkunst. Nach einem Studium der Literatur und Musik trat er 1970 dem von Pierre Schaeffer gegründeten Groupe de Recherches Musicales (GRM) bei, wo er sich intensiv mit Musique concrète und elektroakustischer Komposition beschäftigte. Neben zahlreichen radiophonen Werken und Hörspielen – darunter La Tentation de Saint Antoine – schuf er Klangkompositionen wie Requiem und Tu, in denen er Sprache, Geräusch und Musik zu komplexen akustischen Collagen verband. International bekannt wurde Chion vor allem durch seine Schriften über das Verhältnis von Ton und Bild im Film, etwa L’audio-vision (1990), in denen er zentrale Begriffe wie „acousmatique“ und „synchresis“ prägte. Als Dozent für Filmton, audiovisuelle Theorie und Klangkunst lehrte er an der Université Paris III (Sorbonne Nouvelle) und prägte Generationen von Filmschaffenden und Wissenschaftlern. Sein Werk verbindet künstlerische Praxis und theoretische Reflexion und hat sowohl in der Musik- als auch in der Filmwissenschaft bleibenden Einfluss hinterlassen.
Michel Chion: Guide des Objects Sonores Paris, Bechet Chastel, 1994.


Michèle Bokanowski (*1943)
Compositrice française née le 9 août 1943 à Cannes.
Née dans un milieu musical, Michèle Bokanowski étudie les lettres et la philosophie et s’oriente vers la composition après la lecture de À la recherche d’une musique concrète de Pierre Schaeffer. Formée auprès de Michel Puig et d’Éliane Radigue, elle effectue un stage au Service de la recherche de l’ORTF (1970) et participe à un groupe de recherche sur la synthèse du son.
Entre 1972 et 1984, elle compose essentiellement pour le concert (Pour un pianiste, Trois chambres d’inquiétude, Tabou) et le cinéma (musique des courts-métrages de Patrick Bokanowski et de son long métrage L’Ange), puis elle réalise également des musiques pour la télévision, le théâtre et la danse. Compositrice de musique électroacoustique, elle manie habilement les techniques de la boucle, de la réinjection et de la scénarisation des coupes de montage. Ses sons concrets, évocateurs et poétiques, résonnent dans une ambiance mystérieuse où toujours l’expressivité prime.


Marco Marini (1961)

Marco Marini étudie la batterie avec Richard Paul Morellini au Centre Musical Créatif Nancéen. Batteur dans différentes formations de musiques actuelles (rock, jazz, variétés, fanfare…), il pratique les percussions, le chant, la manipulation d’objets hétéroclites et devient compositeur musicien-comédien au sein de la compagnie Materia Prima. Il réalise des installations sonores et développe ses compositions pour les arts dramatiques et chorégraphiques.
Diplômé en composition électroacoustique du Conservatoire Pantin, il se spécialise dans ce domaine et poursuit son travail de collaboration avec différents artistes et compagnies de théâtre et de danse. Musicien pluridisciplinaire, orientant sa recherche vers le live électronique et les nouvelles interfaces, il développe notamment un travail d’improvisation et de composition sur une interface textile pour son Agrigento, créé au Musée d’art moderne André Malraux du Havre lors d’une rétrospective consacrée à Nicolas de Staël (2014). Citons encore Étude aux cuics et couacs, œuvre électroacoustique créée au festival Synthèses de Bourges (2004) ; Cellostries, pour violoncelle et acousmonium, création par Aude Romary au festival Musique Action de Vandœuvre-lès-Nancy (2014) ; De Parmegiani sonorum, œuvre électroacoustique commandée par l’Ina-GRM et créée à la Maison de la radio (2020).
Après huit années de collaboration aux côtés de Christine Groult au Conservatoire de Pantin, Marco Marini reprend la direction de la classe de composition électroacoustique en 2015. Il a également collaboré avec Sébastien Béranger autour d’actions pédagogiques, à la Muse en Circuit, centre national de création musical.

 

230527
wer heute mit dem Magnétophone arbeitet:
Jérome Noetinger

Gurdjeffs Einfluss auf Schaeffer

  • Gruppe statt Club (bereits wo gelesen → Gayou?)
  • Sillons fermés, Schaeffer hätte plötzlich etwas anderes gehört als die Repetition
  • Wahrnehmung erweitern: B. vermutet, dass das nur durch Schaeffers Auseinandersetzung mit Gurjieff möglich geworden ist.

Véroniques Hinweis auf den Film von
Peter Brook zu Gurdjieff

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Nach dem Morgen voller Abschweifungen, der langen Siesta nach den Rindshackbraten – freut sich B., dass wir wieder ihre Musik hören. 8 kleine Genelek hängen im Studio.

– l’autre, …ou le chant de marécages 1983 für ACIC
das berühmte Stimmen-Happening

– Ésprits de la terre, 2022 GRM
Uraufführung war letzten Herbst im acousma festival, toller Anfang!

– Demeure acquatic, 1967 GRM
Geneviève Asse (peintre) a propose le titre
erstes Stück, sie wusste gar nichts mit Titeln anzufangen…

Stücke mit Stimmen:
Echos mit der Stimme von Mercedes Cornu
Eine Hommage an ihre Nichte, die bei einem Motorradunfall ums Leben kam
Nun kann sie, die Sängerin werden wollte, für alle Zeiten weitersingen
Ein wunderbares Stück!

– Canto ne antes (chant d’avant)
mit Simone Rist und Roger Cocchini für A.P.R.E.M.
Simone fragen, was ist mit der Ursonate? B. hat Simone beim Üben aufgenommen

– Canto des loco (chant du fou), 1974 GMEB
Petit pouce des magazine, die Kinderstimme aus der Filmmusik zu Homo sapiens
Homo sapiens, 1972-74
55’ Tonspur zum Film von Fiorella Marini (Nichte von Rosselini)
Den Film schauen wir zum Abschluss gegen 20h
Das war viel! froh mich ins Zimmer zurückziehen zu können.
Kommentare einen Tag später zum Umgang mit dem Spulentonband

  • Faire les sons
  • La manipulation â main c’est important
  • Mais l’organisation (montage) avec l’ordinateur est moins compliquer
  • La côté pratique du magnétophon est chiant
  • Le son est très personel, il y a des instants qu’elle a ultilisé dans sa maison (?)
  • Écouter la purée (Parmegani (qui est malade) sitzt in der Küche neben dem Kochherd, begeistert sich für das Boubff des Kartoffelstocks)
  • Dans le movement des mains = movement de l’écoute
  • La manipulation avec la souris de l’ordinateur est absolument different
  • Suivre le son avec les mains
  • Suivre l’écoute
  • Frotter la bande magnétique sur la tête de lecture du Revox
  • Ces mouvement – les sons qui vivent
  • C’est ça qu’on sent
  • Les mouvements des mains en direct
  • On entend toute suite une relation directe du sons
  • C’est normal, c’est naturel
  • Il faut frotter abec les mains la bande magnétique contre la tête de lecture vite, ou pas vite
  • Movement fait partie du son
  • Les mains qui font ça
  • ON NE VOIT RIEN
  • Avec le movement on sent comment le son change
  • Avec l’ordinateur on n’a pas ça
  • Chaque fois elle ferme les yeux pour écouter
  • Quand elle n’a pas d’hautparleur (comme en Argentine) elle travaille avec les casques

Elle pense, ella n’a qu’à dire des choses évidents, simples. Schaeffer habe die Sillon fermé nur unter dem Einfluss der Übungen von Gurdjieff finden können ^= changemant de la perception. Gefällt’s oder gefällt es nicht, verwirrt sein oder nicht, unsicher oder nicht – was soll daran schwierig sein? Kein Dings draus machen – mental – brrbrr – tourner – fait arreter la moulinette! Essaye und muss du sehen, es gelingt nicht, von 30’ ev. 30’’, das geht nicht einfach so ^= Arbeit an sich selbst. Jahrelang. Sie war auch Gurdjieffs Schülerin und Schaeffer sowieso. B. hat abgebrochen, nachdem etwas passiert ist…? Liest die Journals de la Mère de Sri Aurubindo – erst vorwärts und dreissig Jahre rückwärts mit dem letzten der 13 Bände beginnend. Es passieren Dinge. La maison qui tue – sie wohnt in einem Haus, das tötet. Ein Freund hätte sie auf das Buch mit selbigem Titel aufmerksam gemacht, worauf sie sich mit dem Autor in Verbindung gesetzt hat. Rigoler comme des foux. Wenn Tassen aus dem Fenster fliegen. Der Tante zum Schutz ein Kissen um den Kopf gebunden!

Rezept
Grosse Gurkenstücke, grosse Stücke Karotten und Endivien – Grün von unterm Baum: Löwenzahn, hoffentlich keine Meierisli! Grosse gerippte Blätter. Die Schränke in der Küche haben keine Türen. B. zieht die Rollos hoch. Unzählige Konservendosen, ein grosses Lager – Katzenfutter? Ton, Sardinen. Sie greift nach zwei Dosen Sardellen, öffnet sie und schüttelt den Hinhalt mit dem Oel in die Schüssel. Die Dosen stellt sie auf den Boden, die kleine schwarze Katze, sonst kein Lebenszeichen, springt herbei und leckt das Blech aus. B. zerkleinert die Fische in der Schüssel mit der Gabel und schnippelt das Grün mit der Schere (Henkersmahlzeit), alles mischen. Jede mit einem Tablett auf den Knien essen wir den Salat auf dem Sofa vor dem Kamin. Sommer: das Sofa mit dem Rücken zur Feuerstelle. Die Katzen springen herbei. Es braucht einiges zartes Geschupse, dass sie nicht aus unseren Teller fressen. Der Fisch! Der Salat schmeckt köstlich. Auch das Grünzeug! – Meierisli

Dokumentation: George I. Gurdjieff (1866–1949)
Paris 1920: Hauptstadt der Künsty und der Heimatlosen
Café de la Paix das “Büro” von Gurdjieff
Prioré d’Avant, 70km vor Paris, nahe Fonatine bleau? bleu? blô?
Gemeinschaft mit Schülern, Verwandten und Gelehrten aus alle Welt (Catherine Mainsfield)
Gurdjieff-Movements – Konya Performance, 2013

Wisper
230526 Beatriz Partituren_diffusion score

230607
Wie kommt’s? der Titel zum Portrait
ANTIDIÁSPORA Beatriz Ferreyra – Video

weiterführende Links:
003 Log 221029/30 Acousma Festival Konzert mit Beatriz Ferreyra
005 Log 221105 Beatriz Ferreyra_QO2 workspace, Brussels, 2019
006 Log 221106 Musicque Concrète_Morphology_Typology_Theorie
008 Log 221108 Beatriz Ferreyra_frühe Werke
017 Log 221128 Interview-Fragen Beatriz Ferreyra
020 Log 221129 Interview Beatriz Ferreyra
108 Log 230824 Entretiens avec Beatriz Ferreyra