Small Inner Spaces VII
Audioscoring/Redoing (Phil Minton)

Galerie 26 Chaises
Paris, 18. Mai 2023


Small Inner Spaces VII Audioscoring/Redoing Phil Minton, Foto©CorneliaCottiati

I Intro [00]
II Sinus [8]
III Membran/Kazoo [9]
IV Atmung/close mik/Kazoo [12]
V palatal/ch [16]
VI Audioscore/Phil Minton [17]
VII Autro [24]

Material:
Kazoo plugged
Verstärker
MP3Player in Jackentasche
Audioscore Phil Minton: A Doghnut In One Hand
Dough Song 2, 3, 5, 7, 10, 11
Drainage Mr Wilkins
Dauer: 26`

Audioscoring wurde als praxisorientierte Forschungsmethode zur Analyse von extended vocal technics entwickelt. Im Rahmen meiner Dissertation Audioscoring & leere Stimmen: praxisorientierte Stimmforschung zu lettristischen und ultra-lettristischen Stimmexperimenten wurden Stimmaufnahmen der Ultra-Lettristen untersucht, die direkt mit Mikrophon auf Tonband aufgezeichnet worden sind. Graphische Notationen oder Verschriftlichungen ausgehend vom phoetischen Alphabeth gibt es für die der ultralettirstischen Stücke nicht. Die durch und durch sprachentfremdeten ultra-lettristischen Artikulationen entzeihen sich auch der Verschriftlichung. Abgesehen davon, dass die Notation durch die Aufzeichnung hinfällig wurde, wurde auch nicht von einer erneuten Interpretation oder Wiederaufführung ausgegangen. Im Gegenteil, diese wurde unterbunden. Was bleibt sind die Aufnahmen, die Artikulationen werden nie je wieder ausgeführt. Wozu auch? Mit dem Tonband sind die (vorerst) einmaligen Ereignisse in geradezu unheimlicher Detailtreue wieder und wieder abrufbar, die Einmaligkeit wird unendlich wiederholbar.
Small Inner Spaces VII stand im Zeichen von Covid. Die online Präsentationen der Covid-Jahren waren noch allgegenwärtig. In bester Erinnerung als Mangel-Ereignisse, die brüchigen weil schlecht synchronisierbaren Interaktionen, die fehlende Körperpräsenz, die Miniaturisierung und Verflachung durch die Präsentation am Bildschirm. Instabile Internetverbindungen, Zeitverschiebungen in der Übertragung, kleinste aber höchst irritierende Delays waren an der Tagesordnung. Nach dem Ende der Pandemie hatte der geradezu virulente mediale Mangelcharakter dieser Onlinedarbietungen einen merkwürdig langen Nachhall. Schufen die Stimmen im Kopfhörer, die Artikulationen in unmittelbarer Nähe zum Ohr, die geteilten-ungeteilten Räume nicht einen eigenen medialen Zauber, aus dem man, sobald die ZOOM-Sitzungen vom Bildschirm verschwanden, wie benommen erwachte?
In Small Inner Spaces VII wird Audioscoring nicht als Methode der praxisorientierten Analyse historischer Stimmaufnahmen präsentiert, sondern findet zum ersten Mal eine Anwendung im Bereich zeitgenössischer, experimenteller Stimmen. Inspiriert von den Präsentationsformaten der Pandemie wird Audioscoring jenseits von Interpretation zu einer Option, partiturlose Werke zur Aufführung zu bringen. Aber, im Unterschied zum Reenactment, das im letzten Jahrzehnt grosse Beachtung gefunden hat, im Sinn eines Re-doing oder En-acting.
Meine Anfrage ging an Phil Minton (*1940), London, Vokalperformer und Pionier der Improvisierten Musik. Die Auswahl fiel auf die Stücke Dough Song und Drainage Mr Wilkins der LP A Doghnut In One Hand. Es handelt sich um die erste LP mit Stimmimprovisation in meiner Sammlung.

 

 

Small Inner Spaces VI
Animal Musical

«Insub.polytopies»
Bernex, Genf
2022/23

Christophe Berthet, ss
Cyrill Bondi, vibr
Raphael Ortis, voc
Rodolphe Loubatière, perc
Violetta Motta, flute
Dorothea Schürch concept, conducting
Dauer: 22:27

Animal Musical (Bandcamp)

081 Log 230220
Saidiya Hartman
Critical Fabulation_different bodies

Saidiya Hartman (*1961), Amerikanische Literaturwissenschaftlerin
Zum Begriff «critical fabulation»:
“By playing with and rearranging the basic elements of the story, by re-presenting the sequence of events in divergent stories and from contested points of view, I have attempted to jeopardize the status of the event, to displace the received or authorized account, and to imagine what might have happened or might have been said or might have been done.”
(Hartman: «Venus in two Acts», in small axe 26, June 2008, p 1–14, p.11)
Saidiya Hartman: Venus in Two Acts_critical fabulation.pdf

«Historical archives are sites of violence, omitting or erasing the voices of the marginalized. To counter this archival silence, Saidiya Hartman (2008) has proposed critical fabulation as a method of retelling the past that »troubles the line between  history and imagination». Zit. n. Critical Fabulation: Re-narrating History Against the Archival Grain, Historikerinnen Netzwerk Schweiz.

Slavery, Critical Fabulation verbindet sich mit Monster­–Hauntings
und nicht mit den stummen Avantgardistinnen der 1960er

Critical Fabulation ←→ desirable past
Critical Fabulation am Firmament: don’t close the gap
„Her inclusion in «Venus» of the narratives omitted in Lose Your Mother, with the caveat that such narratives push beyond the boundaries of the archive, leads to the concept of narrative restraint, «the refusal to fill in the gaps and provide closure.»
(Hartmann 2008:12 / Wikipedia)

Kim de l‘Horizon
Blutbuche: channeling
different bodies
ob im Zug, der Verspätung hat
beim Interview im TV (mit Denis Schenk)
bei sich zuhause, das sind → different bodies.
Starhawk lernt zu channelen

  • (psycho)analytisch: Sprache = Bewusstsein vergl mit
  • channeling: Vertrauen statt Bewusstsein (?)

Impro = different body business
zu oft nach dem Konzert den Rückstoss nicht abfangen können
leer ausgegangen, destruktive Kräfte

 


MB am Tel
Schubert’s Winterreise (Mühlhouse), Hans Zender

statt Romantik/romantische Lieder Popsongs?
Sam Smith: Too Good at Goodbyes

 

078 Logbuch 230213
Mara Mills: künstliche Kehlköpfe

Mara Mills: „Medien und Prothesen. Über den künstlichen Kehlkopf und den Vocoder“, in: Hrsg. Daniel Gethmann: Klangmaschinen zwischen Experiment und Medientechnik, Bielefeld: transcript Verlag, 2010, S.127–152.


Stimmcodierung
Pedro the Voder spricht 1939  (Mills 2010:127)
AT&T Technologie überträgt ein rein synthetisches Sprachsignal
Die Sätze wurden aus einer Kombination von Lauten gebildet
Der Voder sieht aus wie eine Heimorgel und wird von einer Voderette gespielt (Mills 2010:128/29)

Voder
Considered the first electrical speech synthesizer, VODER (Voice Operation DEmonstratoR) was developed by Homer Dudley at Bell Labs and demonstrated at both the 1939 New York World’s Fair and the 1939 Golden Gate International Exposition. Difficult to use and difficult to operate, VODER nonetheless paved the way for future machine-generated speech.
Voderette
namenlos, «hörender» Blick, später sieht ihr die Kamera über die Schulter, die Voderette ohne Gesicht, nur die Hände sind noch zu sehen.

Der Voder als beispielhafte posthumane Technologie
Kay Dickinson„`Believe`?: vocoder, digitalized female indentity and camp“ in: Popoular Music 20, 3 (2001), (Mills 2010:129 und 333-347).

Vocoder
Sonja Diesterhöft: Meyer-Eppeler und der Vocoder, TU Berlin
WS 2003/04, Seminar Klanganalyse und -synthese.

Der Vocoder (VOicCoder) 1927 (Mills 2010:131)
Von Homer Dudley für die transatlantische Transmission von Signalen entwickelt

  • Geschichte der Sprechmaschinen und der künstlichen Kehlköpfe
  • Gesprochene Sprache hat eine eigene Materialität jenseits des Alphabets
  • Der Sprechakt gliedert sich in die Vorgänge im Kehlkopf und im Ansatzrohr
  • Bewegung der Sprechwerkzeuge = Modulationseffekte (Mills 2010:32)
  • Verfahren zur Simulation von laryngalen Schwingungen mittels elektronischer Schaltungen

Marshall McLuhan

  • Medien erweitern oder simulieren das menschliche Wesen
  • Prothetik oder Selbstamputation

Begriff der Prothese ist problematisch → Disability Studies (Mills 2010:133/50)

  • Denn es handelt sich nicht immer um eine „helfende“ Technik
  • Der wohltätige Ursprungsmythos ist problematisch
  • Schwer zu entscheiden, ob daraus Verletzungen oder eine Befreiung resultieren (Mills 2010:134)
  • Beachte die Etymologie der Wortes Prothese (S150)

John Durham Peters spricht von Medien als von psychotechnischen Praktiken, als angewandte Physiologie (→ „Helmholz und Edison. Zur Endlichkeit der Stimme“ in: Rauschen und Offenbarung)

 

Sprachmodelle und Modulation

  • die Übertragung von elektrischer Energie reicht nicht aus, um Kommunikation sicher zu stellen.
  • Signalverarbeitung wird eine eigene Disziplin (Mills 2010:135/40)

Hist. Kempelen u.a.

  • Bedeutung des Ansatzrohrs (Mills 2010:137)
  • Geschichte der Gehörlosenschulen: Abbé Charles-Michel de l’Épee de Paris
  • Auch Kratzenstein geht anscheinend von Wissen über Gehörlosigkeit aus! (1779) (Mills 2010:138)
  • Charles Wheatsstone 1837 (→ Formanten)
  • Helmholtz Stimmgabeln

 

Analogien elektronischer Instr. und Stimmorgane
Der Vocoder ist 1935 funktionstüchtig (Mills 2010:140)
→ Telephonstimme aus 10 Frequenzbändern
Alle wichtigsten Elemente des Vokalsystems besitzen elektronische Entsprechungen
Problematisch bleibt die Tonhöhe, die „Natürlichkeit“ der Stimme (Mills 2010:141)

Geschichte der künstlichen Kehlköpfe

  • Unabhängigkeit des Kehlkopfs von den Artikulatoren
  • Beginnt 1925 in den AT&T Labs
  • Im 19.Jh wird für die Stimmsynthese Rohrblätter aus Elfenbein, Horn, Silber und Bambus verwendet, das führt zu einem schrillen, piepsigen Klang (Mills 2010:142)
  • Modell von Mackenty, Riesz, Flecher, Lane, Wegel: Western-Electric 1-A, um 1929 und weitere Entwicklungen (Mills 2010:143-47)

Stimme / Metapher der Stummheit / Monotonie
Der Begriff der Stummheit (Mills 2010:148)
„Stumm war zu dieser Zeit ein umfassender Begriff, der sowohl auf Automaten wie auch auf Stummheit und „Dummheit“ der Menschen zu beziehen war. Wie im Falle des Begriffs „Speiseaufzug“ (engl. dumb-waiter) wurde das Wort auch „auf mechanische Vorrichtungen angewendet, die den Platz eines menschlichen Akteurs einnehmen.“
1944 war die Monotonie der mechanischen Stimmen das nachhaltigste Problem

Ingenieure und Historiker der Kryptologie sprechen vom Vocoder als der ersten Anwendung der Pulse-Code-Modulation (PCM) (Mills 2010:149)
Der Vocoder enthält das Kernprinzip der Digitalisierung: die Übertragung von Parametern

  • Folge von Analogiebildungen der menschl. Stimme: erst sind es mechanische Modelle, gefolgt von elektronischen Oszillatoren und Filter, gefolgt von digitalen Codes
  • Die Materialisierung verläuft über die Trennung von Kehlkopf und Modulatoren, die Übertragung von Sprache auf Holz und Gummi zur digitalen „Beschreibung,“ um mit minimalsten Anforderungen gesprochene Sprache hervorzubringen (Mills 2010:150)

Die Vorstellung von „Körper“ wird in das digitale Signal eingebaut und produziert darum körperliche Effekte

Vgl. Kommentar von Dufrêne zu Chopin
Chopin zielt nicht auf die “körperlichen Effekte” (Übertragung) von Stimmaufanhmen im Gegensatz zu Dufrêne

 

Lieux de Recherche Paris 15.10 – 29.12.2022
Lieux de Recherche Paris 15.5.–3.6.2023

 

003 Lieu de Recherche 221029/30
Acousma Festival, maison de la radio, studio 104

 

007 Lieu de Recherche 221107
Studio Véronique Alain, actrice

 

011 Lieu de Recherche 221117
IRCAM Médiathèque

 

015 Lieu de Recherche 221123_25
Magazin/Galerie Souffle continue

 

020 Lieu der Recherche 221128
Galerie Enseigne des Oudin

 

024 Lieu de Recherche 221203 verlinken
Rue Beaurepaire

 

026 Lieu de Recherche 221206
Université Paris 8

 

030 Lieu de Recherche 221214
Archives écrites

 

032 Lieu de Recherche 221212
Archive_BnF

 

038 Lieu de Recherche 221220
Studio_audiostudio as an music instrument_GRM

 

Lieu de Recherche
Mediathèque IRCAM

 

Lieu de Recherche
Simone Rist

 

Lieux de Recherche Paris 15.5.–3.6.2023
[under construction]

077 Log 230213 Paris
Übersicht über Dokumente_Fazit

Aufenthalt in Paris November-Dezember
Interviews Dezember 2022

Archiv Recherche

  • Mediathek IRCAM
  • Bibliothek Centre Pompidou
  • Archiv der Galerie Oudin
  • Bibliothèque national de France (BnF)
  • Archive écrites de la Radio France
  • Ina Mediathek

Recherche ultra-lettristischer Aufführungsorte

  • Salle Sociétés des Savantes
  • Rose-Rouge I&II
  • Relais de l’Odeon,
  • Tabou
  • Théâtre de France Odéon
  • Théâtre du Vieux Colombier
  • Chez Moineau


Stadtplan mit Archiv-Dispositiv
Logbuch:

    • 01– 63 (Nov-Dez 2022)
    • 71– 76 (Jan 2023)

  


Schreiben mit Stimmen

Stimmen bilden keine eigene Kat. der objects sonores
GRM ist das Studio der Studios in Europa. Wer etwas auf sich hielt als Komponist, sei vorbegekommen. In der Nachfolge entstanden Studios in Köln, London, Mailand, so Debade
→ weiterführende Einträge 040-041 Log 221220 (siehe oben)

In den Studios der GRM wird mit objects sonores gearbeitet
Die Stimme ist ein object sonore unter objects sonores.
GRM
-Stimm-Werke?
Stimme ist keine eigene Kat. der musique concrète, “mais non!“ Tonbandaufzeichnungen (Mikrophon) ohne Umwege über eine Partitur – Band läuft! – ein lautpoetischer Ansatz (Chopin, Dufrêne und Wolman). Lautpoeten interessieren sich auch für die Stimme, für ihre Physiologie.
Zu fragen, was in diesem Zusammenhang der Umgang mit der Stimme auszeichne, ein Missverständnis – NICHTS! – die Stimme ist ein object sonore unter objects sonores. Die Frage unangebracht. Entscheidend für die musique concrète ist im Gegenteil, die Quellen nicht mitzuhören/mitzudenken, das Stimmmaterial nicht als solches zu verorten. Das woher und wie, soll von der akustischen Gestalt der objects sonores ablenken. Gestalt hören. Die «Morphologie der Klänge» dem von Schaeffer entwickelten Formenkatalog zuordnen zu können, setzt eine Hörschulung voraus. Schaeffer spricht von Solfège. Das kingt manchmal nach Hör-Umerziehung, dogmatisch. Meine Fragen nach der Stimme provoziert  – es wird mir eine Lektion zuteil, weil ich von Geräusch-hören keine Ahnung hätte.
Die GRM-Kompositions-Verfahren in den Anfängen : cut, pitch, loop und reverse. Ziel, aus den Aufnahmen abstrakte akustische Ereignisse zu formen. Die Einschwingvorgänge (attaque) wegzuschneiden verunkenntlicht die Aufnahmen, interessant, erstaunlich! Für die Komposition der Musiue concrète einen theoretischen Überbau entwickeln, die den Vergleich mit allen anderen Musiktheorien der Zeit (Serialismus) nicht scheuen muss. Soll mit den objets sonores ähnlich verfahren werden können, so müssen sich diese in ein Kontinuum einbinden lassen.

Das Potential der Tonbands differenzierte Informationen zur Quelle mit aufzuzeichnen und nicht bloss abstrakte Tonereignisse –jeder nasse Zungenschlag wird mitgehört, gerade das ein Verweis auf die Authentizität der Aufnahme – dieses Potential ist für die musique concète von keinerlei Bedeutung. Ferreyra spricht zwar von der akustischen Reichhaltigkeit der Aufnahme mit dem Mikrophon im Gegensatz zu elektronisch generierten Klängen, aber lehnt aber ein assoziatives Hören ab im Sinn eines Hören-Verstehen eines Klangs und woher er kommt. Die Quelle wird im Zusammenhang der musique concrète zurückgedrängt – das «Alles-Hören» soll keine Rolle spielen. Die Klangereignisse werden durch die Aufnahmen und durch die Bearbeitung dem Kontext entrissen und entfremdet zu abstrakten Hör-Objekten gemacht. Dokumentarische Aspekte werden wenn möglichst verkenntlicht, als würden diese beim Komponieren stören(?). Ausser-musikalischen Informationen werden in der musique concrète an den Rand gedrängt, was immer auf Körper verweist (Inbegriff des Schreibens mit Stimmen) wird ausgeblendet. Die REIN akustischen Ereignisse werden über ein Lautsprecherorchester wiedergegeben. Qualitäten des abstrakten Hörens nach Schaeffer sind Dichte, Gewicht etc.
Ausgerechnet über ein Kompositionsverfahren, das erlaubt die unterschiedlichste Rezeptionsformen (Kognitionsformen? / Wissensformationen?) zu verbinden (hören, lauschen, abhören, anhören, peilen, fokussieren, orientieren, verorten) wird eine abstrakte, auf Klangfarbentheorien begründete Kompositionstheorie übergestülpt.
Trotzdem werden gewisse Spuren der Aufnahmesituation (der Aufnahmequellen und -verfahren) werden insbesondere von Ferreyra sehr geschätzt. An Missmut grenzend, mit einem Ausdruck des kompletten Unverständnisses kommentiert Ferreyra die musique electronique, sei sei als flach: die Klänge mager, Sounds, die sich in keinster Weise mit den objets sonores verbinden liessen, mit der (körperlichen, vollen?) musique concrète.

 


Once/Mills
Der Einfluss von Recording als Kompositionsverfahren wird von Ramòn Sender mit Schönbergs 12-Ton-Theorie verglichen, niemand kommt mehr daran vorbei. Während die GRM für die Arbeit mit dem Tonband ein kompositorisches Korsett schafft, das dieser ebenbürdig sein will, suchen Ramon Sender, Morton Subotnick und Pauline Oliveros den Neuanfang. Statt von Avant-Garde ist von Subkultur, sprich von Counter-Culture die Rede, siehe David Bernstein in CCM Archive and History.

070 Log 221128 David Bernstein_History of Mills College
___Interview 231006 David Bernstein
___Interview 231007_16 Ramón Sender and Judy Levy–Sender

unterschiedl. Rollen der Institutionen:
GRM ←→ Radio France
San Francisco Tape Music Center ←→ Mills College.

 


Fazit I
Musique concrète versus Ultra-Lettrismus versusmusique concrète vocal
Als Kompositionsverfahren zielt die musique conrète auf einen abstrakten Klangraum. Die Körperlichkeit der Recordings ist entscheidend und wird hochgehalten gegenüber den flachen, maschinengenerierten elektronischen Klängen. Hingegen nicht geschätzt wird das Eindringen aussermusikalischer Referenzen. Körperliche, volle Klänge ja, assiziatives Hören nein.
Die Ultra-Lettristen benutzten keine eigenen Studios. Mit ihren Aufzeichnungen generieren sie offene, ambivalente Bezugsfelder zwischen Sprache, Stimmphysiologie und Körper. Die Bearbeitung der Aufnahmen ist transparent, nachvollziehbar. Der Prozess grenzt an dokumentarische Verfahren.
Die musique concrète vocal eines Henri Chopin interessiert sich nicht für die Bezugsysteme des Körpers und überschreibt dessen Spuren durch zahlreiche Overdubs.

Fazit II
Schreiben mit Stimme wird mehr und mehr zu einer Recherche bezüglich des Magnétophons als kompositorisches Werkzeug. Das Tonband ermöglicht Stimme, Sprache, Körpergeräusche aufzuzeichnen, es registriert sämtliche akustische Informationen des Körpers, es drängen sich Fragen bezüglich Ein- oder Ausschlüsse aussermusikalischer Bezugsysteme in der Musik der 50er und 60er Jahre auf.

 

038 Lieu de Recherche 221220
Studio_GRM
Paris, 12.20.2022

036 Log 221218 Lieux Lettristes

La Rose rouge
1947 → 53, rue de la Harpe / 76, rue de Rennes
disparaît en 1956

Rose rouge, rue de la Harp

Rose Rouge, rue de Rennes

 

Le Tabou
33 de la rue Dauphine
à l’angle de la rue Christine
gegründet 1947

 


Salle Sociétés des Savantes

8, Rue Danton


Relais Odéon
132 Bd Saint-Germain, 75006 Paris


TNP, Palais de Chaillot
Place du Trocadéro
24 mars 1963
la Pathétique de Wolman
poésie lettriste, récital


Théâtre national de l’Odéon
Place de l’Odéon
18 février, 1964
La poésie et la musique lettristes et aphoniste

 

 

Théâtre le Vieux Colombier
21 Rue du Vieux Colombier
75006 Paris
1969 Liberté de parole, 36 heures d’action poétique permanente



 

 

 

 

035 Log 221217
Dufrêne_Artaud_Debord

19.04.1973 France culture: François Dufrêne et la poésie sonore
François Dufrêne: «..Artaud était beaucoup plus efficace pour employer un mot facile que un tas de gens qui font dans le mixage et dans le tripotage, […] Artaud sentait physiquement ce qu’il disait et tous ces gens-là sent assez peu les choses physiquement, sont des intellectuelles […] mais il est certain que tout mon effort porte sous le physique et sous la spontanéité et sur l’oublie de ma culture»

Renverser le monde
Michel Mension
…..Guy Debord aimait bien nos inégalités
Debord dépasser le cadre surréalisme
résoudre le rapport entre l’art, la vie et la politique
remplacement de l’art par une succession de situations

 


Archive, dh. Publikationen, auch kleinere Auflagen, Zeitschriften, Einladungskarten, Fotokopien aus Büchern, Zeitschriften

  • IRCAM Mediathèque
  • Maison de la Radio
  • Galerie Oudin: Chopin siehe 20 Log 221128_29
  • Galerie 26 Chaises
  • Souffle Continue
  • Galerie Loeve (Acquaviva)
  • Archives écrites de la radio
  • BnF
  • INAthèque: Radio

Notizen zu Aufnahmeprozessen, zur Organisation der Studios, zur Arbeit mit Mikrophonen
→ Nachlässe Schaeffer, Dufrêne, Chopin

 


Rencontres:

  • Beatriz Ferreyra
  • Simone Rist
  • Jonathan Prager
  • GRM: Nicola Debade

 


écritures automatique / Schreiben mit Stimmen

  • Studio wird für jede Aufnahme eigens eingerichtet = Begriff d. Instruments
  • trial and error Vorgehen
  • Audio-Equipment- und Hör-Konstellationen
  • Notizen zu den Vorbereitungen
  • Keine Interpretation/Aufführung, sondern Diffusion statt (oder als) Verkörperung
  • layering, reverse playing, cutting, splizing, das speed up/down nicht zurückverfolgen lässt (transparent) – die Arbeitsprozesse überschreiben sich
  • Schnittvorlagen Cage: Williams Mix
  • Stockhausen Vorgaben f. Gesang der Jünglinge
  • Einzigartige Audiotracks, verdinglicht, folglich multiplizierbar.
  • Hier der single Audio-Track, dort die egomane Interpretation – die einzigartige Aufzeichnung, die wieder und wieder das Gleiche abspult/hervorbringt
  • Die abrufbare Einzigartigkeit setzt deren Multiplizität voraus
  • Stockhausen: dass sich seine Studioarbeit von der Refl. seiner Praxis markant unterschieden hätte (M.)
  • Henri Chopin zu seiner Studiopraxis: niemand wird auf Grund dieser Beschreibungen Chopins Verfahren aufgreifen, wiederholen. Nicht im Sinn der Interpretation. Interpretation ist nicht gewünscht, vorgesehen, Interpretation wird unmöglich –
  • Audioscoring gibt Auskunft über das Wie….
  • Original (hat mit Konsequenzen zu rechnen)

 

ENREGISTREMENTS SONORES

  • 1950 41Åã5 / 10 (3′20), enregistrement chez M. Billaudot, juin.
  • Vous ne pourrez rien pour l’homme seule (4′00), enr. chez M. Billaudot, novembre.
  • 1951 Improvisation – mégapneumes (6′30), enr. chez M. Billaudot, mai.
  • 1953 Vive l’Internationale (4′30), enr. chez l’auteur, 1e janvier.
  • 1954 Le double doute – mégapneumes (2×7′), enr. chez l’auteur, 3 juin.
  • 1957 C’est la fin – mégapneumes (14′), enr. chez l’auteur.
  • 1958 Le monologue int.rieur – mégapneumes (29′), enr. chez l’auteur, décembre.
  • 1959 La Fiancée du pirate – mégapneumes (12′), enr. chez l’auteur, avril.
  • 1961 Improvisation – mégapneumes (12′), enr. ORTF (Du lettrise . l’aphonisme, Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris, 2e Biennale von Paris), octobre.
  • 1963 Improvisation – mégapneumes (9′30), enr. studios Barclay, 24 mars. L’homme sans voix et la femme sans tête (7′30), enr. ORTF (3e Biennale de Paris, 1e novembre.
  • 1964 Improvisations – mégapneumes (11′), enr. Radio Canada, 7 mars. Deux t.moins de moins (2′30), enr. Radio Canada, duo avec François Dufrêne.
  • 1965 Un coup pour rein (4′20), enr. Radio Canada, 13 novembre. Tu vas la taire ta gueule (5′30), enr. Radio Canada, 13 novembre.
  • 1966 Le crirythme et le mégapneume (contrefaible) (15′00), duo avec François Dufrêne.
  • 1967 La m.moire – mégapneumes 67 (3′12).
  • 1972 Ralentissez les cadances – mégapneumes (2′25), sans date. Wolman et son double (la gr.ve g.n.rale) (31′), (certainement avec Jean-Louis Brau) Gil Wolman et ses Callas (3′17)(1)

DIFFUSIONS

  • 1960 „Le monologue intérieur“, Anthologie de la poésie experimentale, festival d’art d’avant-garde, Galerie des Quatre Saison, Paris, 22 novembre.
  • 1968 „Beyond the World“, émission sur la troisième chaîne de la BBC, 25 juillet.
  • 1972 „Mégapneumes 67” [extrait], Pour une rencontre, Théâtre Le Palace Paris, 17 mai.
  • 1979 „Le crirythme et le mégapneume (contrefaible)” (15′00), Concert mainfeste, soirée François Dufrêne, Porte de la Suisse, Paris, 13 novembre. (2)

INAtheque
Du dadaisme à la poésie sonore: Raoul Hausmann, Henri Chopin

 

 

033 Log 221213
Archives sonores de poésie

Bonjour
Nous ne gérons plus ce projet, il faudra s’adresser à leur équipe:
https://asp.huma-num.fr/s/archives-sonores/page/projet
Cordialement,
Motasem

On Mon, 12 Dec 2022 at 11:03, dorothea schuerch <doch@hispeed.ch> wrote:
Bonjour
Thank you very much for your reply.
Unfortunately you have not contacted me again.
I would like to visit the archives sonores de poésie.
My stay in Paris is coming to an end, on 12/29. i travel back to Switzerland.

I hope to hear from you again,
Dorothea Schürch

> ….[Angaben gelöscht] hat am 02.12.2022 18:42 CET geschrieben:
> Hi Dorothea Schürch,
> Thanks for contacting us!
> We will answer you soon.
> Sincerely,
> Archives sonores de poésie
> https://asp.huma-num.fr/

 


Punkt 10h an der rue du Général Mangin
keine Nummer von Mme Jessica?
keine Nummer von Jean-Batiste Garcia?
komme ich über die Security Zone je hinaus?