213 Log 250104 Kolloquium_Sprachkompositionen
Mauricio Kagel, Hans Wüthrich, Dieter Schnebel und andere

Werner Klüppelholz ist einer der renommiertesten Spezialisten für Sprache und Stimme in der Neuen Musik. In seinem Vortrag geht es um das Verhältnis von Stimme und Linguistik anhand von Sprachkompositionen etwa von Dieter Schnebel, Mauricio Kagel oder Hans Wüthrich. Bei der Umsetzung von Stimme und Sprache in den Kompositionen spielen performative Aspekte ebenso eine Rolle wie mediale Übersetzungen und Erweiterungen. Grammatiken und andere Ordnungssysteme des Sprechens und der Stimme werden dabei ausser Kraft gesetzt und neu strukturiert in musikalische Zusammenhänge übersetzt. Eine besondere Rolle spielen Lautsymboliken, mit denen zwischen den verschiedenen Systemen gespielt werden kann.

Der Vortrag findet im Rahmen des Forschungsprojekts
Schreiben mit Stimmen statt.

 


Themen
– Zusammenhang von Phonetik und NM, die Anfänge der elektronischen Musik im Phonetisches Labor
– Lange Tradition der Avantgarde in Musik und Wissenschaft
– «Kölner Linguisten können an eine lange Tradition anknüpfen. Bereits in den siebziger Jahren hatte der damalige Leiter der Kölner Phonetik, Professor Dr. Georg Heike, mit Karlheinz Stockhausen zusammengearbeitet. Beide waren Schüler des Bonner Wegbereiters der Elektronischen Musik Werner Meyer-Eppler. 2012 griff ein Workshop unter internationaler Besetzung das Thema wieder auf. Inspiration genug für Adli und seine Kollegin, die Phonetikerin PD Dr. Doris Mücke, nun anlässlich des siebzigsten Geburtstags des Komponisten Klarenz Barlow ein Symposium zu organisieren. Barlow, inzwischen Professor im kalifornischen Santa Barbara, ist Köln seit langem verbunden. Er studierte Ende der sechziger Jahre Komposition und elektronische Musik an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln, unter anderem bei Bernd Alois Zimmermann und Karlheinz Stockhausen. In seinen Werken, wie zum Beispiel „Im Januar am Nil“ beschäftigt er sich intensiv mit dem Wechselspiel zwischen Musik und Sprache». zit n. Kölner Universitätsmagazin, 24.11.2016
– „Wenn die angeschnittenen Fragen in diesem Jahr nicht in Deutschland zu einer Realisierung führen, werden sie uns im nächsten Jahr von den USA vorgelegt werden.“ Mit dieser forschen und durchaus verwegenen Drohung forderten Werner Meyer-Eppler und Herbert Eimert vom Intendanten des NWR die Gründung eines Studios für elektronische Musik. Das Schreiben wurde am 18. Oktober 1951 aufgesetzt; noch am selben Abend wurde im Nachtprogramm des Senders eine Gesprächsrunde ausgestrahlt, in der Komponisten, Wissenschaftler und Techniker die Möglichkeiten der elektronischen Musik nicht nur besprachen, sondern anhand einiger Klänge sogar schon vorführten. Noch am nächsten Tag, am 19. Oktober 1951 also, erinnerte Eimert sich später, habe er grünes Licht erhalten für das weltweit erste Studio für elektronische Musik.» (zit. n. Studio Elektronische Musik „Gründungsmythen“ / 19. Oktober 1954: Das erste Tonbandkonzert)
– Brigitte Felderer (1) : «Stimm-Maschinen. Zur Konstruktion und Sichtbarmachung menschlicher Sprache im 18. Jahrhundert», in: Zwischen Rauschen und Offenbarung. Zur Kultur- und Mediengeschichte der Stimme, hrsg. v. Friedrich Kittler, Thomas Macho und Sigrid Weigel, Berlin; de Gruyter, 2002, S.257–278.
Brigitte Federer: Phonorama, eine Kulturgeschichte der  Stimme als Medium, Zentrum für Kunst und Medien, ZKM, Karlsruhe, 2004/2005
John Durham Peters (2) : «Helmholtz und Edison. Zur Endlichkeit der Stimme»in: Zwischen Rauschen und Offenbarung. Zur Kultur- und Mediengeschichte der Stimme, hrsg. v. Friedrich Kittler , Thomas Macho und Sigrid Weigel, Berlin; de Gruyter, 2002, S.291–312.

 


Tonbandmaschine und Stimme 1950-70

In der musikwissenschaftlichen Analyse der Musik der Nachkriegszeit stehen traditionelle Notationssysteme im Zentrum. Die Werke werden in der Regel anhand von Partituren und deren Erweiterungen in Form von Legenden und Grafiken betrachtet, die eine fortschreitende Innovation des musikalischen Materials suggerieren. Dabei geraten allerdings vor allem die strukturellen Parameter der Musik in den Fokus. So wurden Werke, die sich technischer Verschriftlichungssysteme bedienen, wie sie seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Tonband existieren, ebenso vernachlässigt wie zahlreiche Werke zeitgenössischer Musik, die sich einer ausschliesslich semiotischen Beschreibung strukturell entziehen.
Am historischen Anfang des audiotechnisch-physiologischen Schreibens mit Stimmen stehen unter anderem die Werke der französischen lettristischen Stimmkünstler und Avantgardisten François Dufrêne (1930–1982) und Gil Joseph Wolman (1929–1995), die ihre poésie physique ohne Partitur direkt auf Tonband produzierten. Davon ausgehend werden die historischen Anfänge des Komponierens medialer Stimmen in den Jahren 1950 bis 1980 untersucht, die das komplexe Zusammenspiel von Stimmführung, Umgang mit dem Mikrofon und die technisch-kompositorische Handhabung des Tonbands thematisieren.

Konstellation Mikrophon – Stimme – Tonband
Die Konstellation Mikrophon – Stimme – Tonband entspricht der historischen Konstellation der Phonographie, sie ermöglicht die Stimme ohne Umweg über eine Partitur festzuhalten. Der Phonographie stand der Hör-Sprach-Kreis Modell, also die physiologische Beziehung von Stimme und Ohr.

Die Möglichkeit der technischen Aufzeichnung durch Mikrophon und Tonband avancieren in den 1950er Jahren zum Kompositionswerkzeug. Von den Lettristen und Ultra-Lettristen in Paris, zum San Francisco Tape Music Center in Oakland und zur Soundpoetin Lily Greenham, deren Nachlass in der Special Collection der Goldsmith University in London zu finden ist.

Was es bedeutet Stimme und Tonband ohne Umweg über eine Partitur interagieren zu lassen, tritt in den ultra-lettristischen Werken von Gil Wolman und François Dufrêne am deutlichsten zu Tage. Wolman und Dufrêne, als Teil der lettristischen Bewegung in Paris der 1950er Jahre, haben mit dem Tonband zu experimentieren begonnen und die Buchstabenschrift für überwunden, für obsolet erklärt. Bruch mit den Lettristen. Gründung des Ultra-Lettrismus führte. Wolmans Ziel: die Buchstaben-Einheiten Vokal und Konsonant weiter zu dekomponieren, poésie physique. Für Dufrêne ermöglichte das Tonband die conception und execution zusammenfallen zu lassen, die Aufzeichnung führte zu einem automatisme maximum.

Stichworte:
– Composer-Performer (Wolman, Dufrêne)
– Composer-Instrumentalisten (Pauline Oliveros, Ramon Sender, Morton Subotnik SFTMC)
– Aufführungsformate: Lausprechermusik Schallplatten-Editionen
(Revue OU), Events statt Konzerte, ungewöhnliche Aufführungsorte
Diffusionscore (Smalley), Konzepte, Manuale (statt Partituren)
– performatives Verständnis der (musikalischen/sound/akustischen) Ereignisse: longdurational, endurance (zB Vol)
– Musik als Ordnungs- und nicht primär als akustische Struktur

 

Vor- und nachsprachliche Transformationsprozesse
Nachsprachlich: Auf die mit Buchstaben verschriftlichte Stimme folgt ein nachsprachlicher Transformationsprozess (Dekomposition der Sprache). In den Stimmlauten bleiben die Buchstaben, also die Sprache gegenwärtig.

Vorsprachlich: Die Konstellation Stimme-Mikrofon-Tonband gilt exemplarisch als Schreiben mit Stimmen. Mit der technisch-physiologischen Stimme entsteht ein medialer Stimmkörper, der die Schallfeld der Stimme verändert und zum Beispiel durch Amplifikation vergrössert. Für Stimm-Aufnahmen charakteristisch ist die Inszenierung der körperlichen Nähe durch die Platzierung des Mikrofons vor dem Mund (oder im Mund) und dem Hörbarmachen der Atemgeräusche aus. Das direkte Zusammenspiel von Mikrophon und Phonation im Rachenraum ermöglicht auch Effekte einer Stimme ohne Ansatzrohr. Die technische Verschriftlichung ist perfekt in die Stimmgebung (in den Hör-Sprach-Kreis als Voraussetzung jedes Lautwerdens der Stimme integriert und erweitert diese zu einem audiotechnisch-physiologischen Artikulationsorgan. Die Körperspannungen (Tonus), die mit den stimmphysiologischen Prozessen zusammengehen, werden aber nicht aufgezeichnet. So steht die maximale authentische Aufzeichnung der Stimme auch für deren tonuslose Wiedergabe. Dieser Widerspruch charakterisiert die technisch-physiologischen Stimmen.

 

Kommentar Werner Klüppelholz:

  • Schreiben mit Stimmen  Neues Hörspiel als «akustische Gattung unbestimmten Inhalts»
  • Klaus Schöning (*1936 Rastenburg), leitender Redakteur des Studios Akustische Kunst des WDR, Dramaturg, Regisseur
  • Martin Maurach: Das experimentelle Hörspiel. Eine gestalttheoretische Analyse. Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag, 1995.
  • Produktionsmöglichkeit von Musik für das (neue) Hörspiel als Grundlage/Argument zur Gründung der Elektronischen Studios (auch Schaeffer)

Michael Harenberg

  • Elena Ungeheuer → zur wissenschaftlichen Orientierung der Neuen Musik
    Elena Ungeheuer: Wie die elektronische Musik «erfunden» wurde … Quellenstudie zu Werner Meyer-Epplers Entwurf zwischen 1949 und 1953, Mainz: B. Schott’s Söhne, 1992, inkl. CD.
  • Wolfgang Hagen (1950–2022), Medienwissenschaftler und Radioredaktor
  • Gottfried Michael Koenig (1926–2021) deutscher Komponist, Mitarbeiter im Studios für Elektronische Musik in Köln, grosse Verdienste in der Prod. von Gesang der Jünglinge

 

 

 

 

208 Log 241224 Medienwissenschaftliche Perspektive_Wissensfelder

241218
Treffen am Institut für Medienwissenschaft, Universität Basel mit Ute Holl (3) und Tobias Gerber (4)

– Titel «Tonbandmaschine und Stimmen 1950-70» lässt auf einen bestimmten Zeitraum schliessen, aber die Sammlung der Logbücher läuft queer dazu
– Auf was bezieht sich die 1970?
– Auf prä/post Punk?
– parallel zu dieser (?) Geschichte der Stimme und Tonband läuft die Erfindung der künstlichen Stimme im Sinne eines Kurzschlusses von Stimme und Alphabets
– Voder 1939
– Vocoder
haben nichts zu tun mit Singen und Sagen, die Buchstabenentwicklung hat ihre eigene Logik und Rückkoppelung auf die Stimme (Technikgeschichte in den USA)

Eine eigene Wissensgeschichte / Mediengeschichte
Schnitt / Cut spielt keine Rolle
Wie wird die Stimme gehört?
Mikrophon und Stimme
→ der Titel «Tonbandmaschine und Stimmen 1950-70» führt in die Irre

Theorie Ansätze:

→ Wissensfeld(er) abgrenzen

  • Phonetik?
  • Technische Stimme
  • Vermessung der Stimme (Tonband als Messgerät)
  • Wie man die Stimme nachbauen kann

Sich diesem Gebrauch, dieser Vermessung der Stimme widersetzen

  • unterschiedlichsten Positionen kommen zusammen
  • ….gegen die Plausibilität, gegen die Falschheit, neue Räume aufmachen
  • …welche Effekte neuen Sounds oder Alphabet(bezogenheit?) als Detournement…, neue Sprachprozesse, zurück zur Stimme → Grammatologie / Schrift unterwirft / überschreibt(?) den Körper
  • Tonband-Sprache-Stimme → Textbezug, Schrift
  • Burroughs?
  • neue Schriftbezüge
  • Was ist das Feld?
  • Unterschiede zwischen den Ansätzen
  • Institutionen, Klangquellen, Loop, Verfremdung, Erweiterung der Institute
  • Körper sind historisch
  • Sprechen ändert sich fundamental (vgl. Telephon)
  • Mikrophon-Körper-Stimme ein gegenseitiges Transformationsverhältnis
  • unterschiedlichste Verfahren
  • zB von der Malerei herdenken und nicht von der Radiophonie(?)

 


231204
CdG zu thevoiceandthemachine

  • Privates Archiv
  • Vergleiche Schuhschachteln von Wittgenstein: es gab versch. Themenbereiche
  • Themenbereiche fehlen
  • Warum soetwas online stellen?
  • um zu zeigen, wie ich arbeite?
  • Was ist das für eine Ästhetik: Darboven!
  • Warum ist’s so? Weil sehr verschiedene Materialien zusammenkommen
  • Alles auf einer Ebene verbinden
  • Alles gleichwertig, obwohl verschiedenen Kategorien zugehörig.

D: ein Keyword versammelt alle einschlägigen Beiträge, um zu schreiben…
CdG: ist das aber auch wahr?

  • Hilft die Suchfunktion, der Algorithmus zu schreiben?
  • Nimmt der Algorithmus die Arbeit ab?
  • Ist es nicht so, dass du in der durch das Keyword generierten Sammlung wieder eine Auswahl triffst?
  • Ist es ein Tool, wird es noch ein Tool?
  • Ist das deine Art zu arbeiten?
  • Was ist das für ein Bild?
  • Es gibt doch eine Art Halbwertszeit der Einträge in das Logbuch, bis diese “verdaut” werden, dann ist es soweit und du musst schreiben. Die Maschine kann endlos speichern, die Maschine kann alles aufbewahren, die Maschine kann endlos schreiben. Aber du musst schreiben. Ist dieses Archiv hilfreich?
  • Was bringt die Logik?
  • Ist es eine Logik der Hygiene(?), alles zu berücksichtigen, nichts darf verloren gehen.

CdG hatte auch das x-fache an Material gesammelt für ihr PhD, davon hätten sich mehrere PhD schreiben lassen, so ist’s

  • Geht es um ein privates gespeichertes Potential (CdG: Potenz)

250102
nicht MUWI, was dann?
Eric Drott: «The Politics of Presque rein», (Adlington) → Mâche, weil die Aufgabenstellung ‘Komposition’ heisst, oder NM, oder Konzert, darum gibt es kein Entkommen aus den ‘Modi’ (naive/informiertes Hören) = Kunst-Kontext

191 Log 240912_241119 aus dem was sich so zuträgt I

aus dem, was sich so zuträgt
nach Elke Erb
performance score

Elke Erb: Es setzt auf mich, 16.10.04, in: Das ist hier der Fall, Suhrkamp.

Donnerstag 23.April, 19h, [ort] Raum für Performance, Emmenbrücke

Timeline (Video im Archiv der Verfasserin)
Transkription

Intro
00:00 mit Tragtasche (externes Lungelvol.) regungslos., Stille, Tasche vor Gesicht
01:00 Impuls, Knitter
01:13 Tasche auf Boden: es will nicht (wie in Polen)
02:15 Tasche öffnen und einrichten
02:53 in die Tasche starren, da ist was
03:26 Ton ist zu hören, Megaphon mit Buch raus (Vol)
03:52 Mega mit Buch platzieren und mitsingen zurück zur Tasche, weiternuschen, Publ sieht nicht was, dauert!
05:30 zweiter Ton (Tonband) und raus und Tonband in Ecke platzieren und Vol einstellen
06:04 weitersingen und in Tasche
06:20 stehen und singen
07:03 K7 stoppt: das isch cheibe schnäu fertig gsi…
K7 Gerät neu platzieren (ohne Ton)

Ansage
07:39 eigentlich hani es Gedicht do mitbrocht
Das hani uswändig gelehrt
Es isch einfach do i mir inne (Hände auf den Brustkorb)
Genau, es duuret 3-e-haub Minute
Das issch eigentlich nid so lang
Nächer hanis ere Fründin ufgseit, nächer het si gseit, das isch vil zlang
Das isch vil zlang
Nächer hani dänkt i nimm-es trotzdäm mit
Es isch nid einfach so als Datefile i mir inne
Das rüefe mir jez schnäu ab, oder
So zwischüe-gspeicheret, so..
Sondern es isch eso, es het so einzelni Teile dinne die hei mir wahnsinnig guet cha
Die si schneuer parat
Und zum Bispiel ei Zile heisst:
Ähm, sich versäumen und versäumen und versäumen
das hani sofort uswändig chönne
U nächer zum Bispiu grad vor dere Zile isch öppis so komplizierts zum Uswändiglehere
Das uswändig leher, das gschirbe hat het si sich säuber chlei versuumet
Me chunnt äm Gedicht o chlei uf Spur
Und es git no ä angeri Zile, woni guet cha, di heisst:
Es ist nicht sicher, ob es eine Chance hat
Do dermit isch gmeint s ganze Gedicht
Auso wenn de afasch: si fot ja nid mit eim Titel a und dänkt so das macher mer jez hür fertig (klatscht in die Hände), sonder es isch so öppis wo mängisch dir ine chunsch und nächer versuumschti wider und nächer isches äbe nid klar üb jedi Zile ä chance het
Es ist nicht sicher, dass es eine Chance hat
Offengelassen haben, ob es eine Chance hat
Wird zu seinen Vorzügen gehören, wenn es eine Chance hat
Scho nume so Züg usswändig lehre isch kompliziert, oder
Aber es isch e guete Gedanke
Grad, dass me nie weiss isch jez fertig oder nid isch eigentlich es guets Zeiche aber gliichzitig isch me äbe nie fertig (packt den weissen Karton aus dem schwarzen Müllsack und legt diesen bei Seite und lässt mit dem K7-Gerät den zweiten Ton laufen)
Das Gedicht het sehr ä schöne Titu

Geht zur Wand und schreibt ihn als Buchstaben gross auf die Mauer (still)
(Vgl. iranisches Märchen – Titel wird nicht ausgesprochen, ist auf dem Textstreifen zu lesen), wird hochgehalten: Es setzt auf mich)
Es buucht mi scho, aber i has nume uswändiglehrt
Legt das Papier auf den Boden und markiert den Boden mit einem Tape, das sich schlecht abrollen lässt:

Das wird jetzt langfädig…
Es isch nid sicher öb’s a Chance het
I ha das unbedingt wöue ufbruuche (zeigt das Tape)
Das finge ni wichtig, dass me’s nid scho furtgheit obwohl’s so alt isch
Aber es sich nid sicher öb’s e Chance het
Beugt sich zum Boden und versucht das Tape anzubringen, hilft sich mit dem Schuh
Ähh,, es het sich säuber ke Chance gä, es isch z.churz
Das isch jo der Trick: das doch mit falsche Sache rächnet und grad chasch aaschliesse (nimmt ein zweites Tape aus der Tasche)
–Publ: es isch nie fertig
Wie?, genau, de chasch no go poschte go

Tape fertig, Titel

Wo simer gsi?
Publ: bi der Chance
Ja genau, das isches (sucht in den Papieren die richtige Textzeile), legt sie aus und liest sie vor und wartet: ähmm
Das isch no interessant bimene Gedicht: du chasch alles usswändig lehre, du chasch alles usswändig lehre, aber mängisch isches hert
De isch d Frog, isches hert wäge dir oder isches hert wüus Gedicht säuber Sprüng macht: du geisch mit em Gedicht nöime ane (macht Schritte) und plötzlech biegt’s ab (wendet sich abrpt ab)
Das isch natürlich schwirig so z springe, es ich natürlich eifacher wüus es sich reimt und immer zgliiche und du geisch immer witer und witer
Drum giit’s immer wider Zile wo super puet go wi zum Bispiu:
Sonst wird das nichts
So wird es vielleicht gut
So wird es eine Fee, die kommt wie eine Gnade
Das chunnt chli nach der Chance ungefähr hie (legt das Papier mit einem geissen Abstand auf den boden)
Do isch no öppis, das isch mit dere Fee
So richtig wine Fee füele i mi ja nid
Aber es isch es schööns Wort, oder
Fee, Fee
Guet das chni mer merke, es chunnt es Wort wo schön isch, woni nid so gärn ha, aber wo trotzdem schön isch
Vo der Fee isch no meh d Red (nimmt das Papier und zitert die Zeilen auswendig, während das Publ. diese lesen kann)
Die nicht verlockt kommt, nur wie hinbeordert, ungewiss, unsicher kommt, sich hintrollt, trottet deppdumm zu ihm hin, dem Wartenden

(freut sich, dass die Zeilen gelungen sind und legt das Papier auf den Boden)

Isch guet, oder?
Das isch äbe das Wartende, das isch das do obe (zeigt auf den Titel), das isch das do obe und wartet äbe, es fot grad so a:
Es setzt auf mich
Ähmm
Da ist ein Werkstück, wartet
Werkstück in mir wartet
(geht zu den Papieren und sucht die Zeilen)
Judith het aaglüte und het gseit: öbi nid wue cho und vo denn a het’s gwartet. I ha no nid gwüsst was, aber es het afo warte, i ha no chlei Ziit, i ha no chlei Ziit, aber es fot afa warte und warte und was isch no bim Warte und das isch ganz müehsam, das isch nämlich, das isch öpper wo us Dütschland isch und in Berlin läbt und
In mir heischt es zürnt es
Spürt, wirkt, werktstückt.
Und du weisch no gar nid was
Und nächer isch no das mit der Chance
(deutet auf die entsprechende Zeile auf dem Boden)
Und de geits bi mir aube direkt – do hani nid so müei
Sucht in den Papieren und findet es nicht: wo isch das mit dem Versäumen?
Ja, auso, das chuunt de no
Wenn das alles am Passiere isch
de dänksch, gschider chlei lo sii lo
(kramt in den Papieren…)

Es ist nicht sicher, ob es eine Chance hat

Sowohl im Ganzen als auch in Einzelzügen
Wartend, offenlassend
(Weiss nicht mehr weiter, wiederholt die letzte Zeile)

Wartend, offenlassen
(schlielt auf den Text in der Hand)
Seins ist das Präsens-Partizip-Prinzip, die Verlaufsform
(zu den Kindern im Publ)
Also bschiisse sött me eigentlich nid
Das hilft gaaar nüt
z nöchschte Mou chunnsch wider ämene angere Ort nid drüber
du muesch es uushaute, aber trotzdem
…die Verlaufsform
De schliessd das do a
(ordnet die Papiere am Boden)
Sonst wird das nichts
Und de chunnt Fee
die chunnt cho häufe
zu ihm hin dem Wartenden

Die Fee isch scho da obe nöime
(zeigt auf die ersten Zeilen des Gedichts)
Da ist ein Werkstück, wartet
Werkstück in mir wartet
Beinahe täglich kommt wer oder was, lenkt ab
(holt die entsprechenden Papierstreifen und legt sie hin)
die Art Ablänkig isch zum Teil o chlii gewollt
me suecht’s ja geradezue, aber es isch e ganz bestimmti Art
Keine Lockung, kaum guten Muts
Ich bin die Fee für es, kommt die Fee
Hofft es lebt es auf
Die Fee gibt ihm dies und das aus ihrem Gang
Was für einem Gang? Dem Allgemeinen

Es chunnt so langsam i Fahrt und nächer isch jo dFrag, was isch das fürne Gang?
Dem Allgemeinen…
In dem dort, in dem allgemeinen Gang der Dinge
Angetroffenen und abgefallenen
Vom Ablauf der es übergeht
Bekommt es dies und das, so wäre es gut (schüttelt die Hände: zweifelhaft, ob es gut kommt)

auso es sich es so, dass do ä Ablauf isch
und da Ablauf macht das es nid verschwindet
«er übergeht es», zeigt auf die Zeile
Irgendöppis blibt
Irgend etwas bleibt
Legt den entsprechenden Streifen auf den Boden

So wäre es ja gut
(wiederholt) So wäre es ja gut
Do isch öppis verlore gange
Das chunnt pu immer wider vor
Das öppis verolregeit
Do chönnt me säge
Das chönnt me uf die anger Site due,
legt das Papier auf der anderen Seite des Klebebands auf den Boden
das si Zile wo schwirig si
do het’s no angeri sache
aha auso
(kramt in den Papieren)

Zeigt auf die Zeile am Boden
Do hani ä Fähler gmacht
Do sägeni immer öppis fautschs
In mir stochert es, heischt es
Setzt in abträgliche Spannung
(nimmt den entsprechenden Streifen):
Abtragen tut gut
Wenn ich mich ihm zuwende, tut mir gut
Obwohl es gut…
Abtragen tut gut
Dass ich mich ihm zuwende, tut mir gut
Obwohl es guttut, lockt es nicht
(zeigt den Streifen, ohne vorzulesen)

Jetz chunnt nomou e Lieblingsstell vo mir:
Fremdgehen nebenher
Einem Thema nachgehen, das nicht seins ist, des Werkstücks
Doch, im Hintergrund, im Versäumen

Nimmt den Streifen und platziert ihn
Das het mir o sehr guet gfalle
Das hani gärn glehrt
U de gits ou Sache, di fingeni ender schwiriger
Da git’s a passage mit dem Wort Formel, obwohl i das Wort Formel im Gägesatz zur Fee hani d’Formle eigentlich gärn, das findeni äs schöns Wort, aber ja…
Kramt in den Papieren und legt den Streifen auf der «anderen» Seite hin

Auo dä Satz dahie, isch nid so mis Ding gsi, aber i chane scho:
Ein Prozess aus nichts als mir
Indem ich nicht entscheide, scheinbar.
Aber i hane uswändig glehrt, wüu wenn de öppis machsch de muesches durezie
De musch nächer nid…, de het’s hie no
(zurück zu den Streifen, nimmt ein paar davon in die Hand
Liest sie und wägt ab…

Ja dä Gang.
Aus dem was sich so zuträgt, zufällig
Das Werkstück lebt das auf
Das ist ein Werkstück zwischen Tod und Leben
Wie zwischen Berg und Tal

Legt den Streifen auf die «falsche» Seite
Warte,,,, weiss nicht so recht wohin mit dem Streifen und legt ihn sonstwo auf den Boden

Ah do isch das Versäumen,
legt den Streifen auf die linke Seite
das hani vori scho gseit
es chöme söttigi Sätz:
Es entsteht Indifferenz, ich nenne sie
Sie entbindet mich und dich
Ja, es geit eigentlich drum, wenn öppis i mir inne isch
Dass es jo de schwirig isch zsäge, es het ä Chance…. das z unterscheide vo mir, das isch nid eso eifach, es tuet guet wemes dervo ret das es säubständig isch, sogar
Seine Substanzen und Angelegenheiten (zeigt auf den Streifen am Boden)
Existieren ohne mich, sonst wären es ja nicht seine eigene
Das muss so sein
Ohne mich, das ist ein Motiv der Hinsicht
Es trennt, es unterscheidet

Zersch’s t u nächer s u, da mues me sech chlei häufe
(zeigt auf den Text)
Das isch ou im Alphabet richtig, auso nid es unterscheide, es trennt, sondern
Schaut sich die Auslegeordnung an, die Hände in die Hüfte gestemmt

Jez het’s do,
Zeigt auf die Lücke zwischen den Streifen am Boden
Ä Lücke gä, süsch chame de do nocheluege i däm Buech
Schnappt sich das Buch und zieht es unter dem Megaphon hervor
Do wär’s schüsch de drinne
Legt das Buch auf den Boden
Es isch würklech so, ich ha das gläse, Judith het aagüte und nächer isches losgange
Eigentlich cha me sech nid würklche rette
U de gits nächer ono öppis woni sehr schön finde
Kramt in der grossen Plastiktasche
Jez muesi no schnäu luege
Kramt tiefer in der grossen Plastiktasche
Öbi das no derbi ha oder nid

Ok
Nimmt den kleinen Bluetooth Lautsprecher aus der Tasche in die Hand
Das Streicher Intro ist zu hören
Geht zum Megaphon und zum Tonbandgerät und stellt die Drones ab
Es ist nur noch Songtrack aus dem Lausprecher in ihrer Hand zu hören
Greift einer der letzten Gedicht-Streifen und fängt an zu singen:

Hoffnungslosigkeiten tagen
Blickt auf das Geschriebene
Frühere, viele auch erloschene Perspektiven
Legt das Blatt am Ende des Gedichts auf den Boden
Hand mit dem Lautsprecher bleibt auf dem Rücken
Tagen….
Offengelassen haben, ob es eine Chance hat
Hoffnungslosigkeiten tagen
Frühere, viele auch erloschene Perspektiven
Erloschene, erloschene Perspektiven…
Bridge
Sie tagen wie das Tageslicht
Ungerufen und unführbar
Sie tagen und tagen und tagen

Legt die unterste Zeile auf den Boden

sich versäumen, versäumen, versäumen
hoffen, dass es eine Chance hat
hmm eine Chance
hoffend, dass eine Chance
fremdgehen nebenher, manchmal
liest die Zeilen auf dem Boden
aus dem Hintergrund

uhh, uhhh
sich versäumen und versäumen und versäumen

Applaus

Erklärungen zum Gedicht und zum Tod von Elke Erb
Es si so en Art Notat usem Alltag, es isch mängisch o chlei skuril
Es isch sehr e eigeti Wäut, wo schribt und schribt und schribt
Das isch immer: es werkstückt, es werkstückt es werkstückt
Zeigt auf die entsprechende Zeile auf dem Boden

Elke Erb!
Applaus

 


Kommentar
Transkription
nicht mehrfach überprüft
Das Gedicht zu wenig konzise zusammengesetzt
zuviele Zeilen sind nicht eingebettet
etwas chaotisch
Schluss nicht schön gesungen (leider)
Singen-tägl. fehlt (hörbar)
Als Unterfangen: REMEMBER EE ist’s toll
gute Stimmung
nicht wie befürchtet zu flapsige Kommentare
Singerei mehr in den Mund nehmen, das wär’s