174 Log 240724 Tatiana Eichenberger:
Experimentelle Klanglabore des Rundfunks

Tatiana Eichenberger: Experimentelle Klanglabore des Rundfunks. Elektronische Studios der 1950er-Jahre und die Transformation der auditiven Künste ins elektronische Zeitalter, Dissertation 2021

Die vier Gründungsstudios sind Paris, Köln, Mailand, London als vollständig neuartige und eigenständige Institutionen innerhalb der Rundfunkanstalten.
Zwar wurde die Aufnahmetechnik bereits um die vorletzte Jahrhundertwende entwickelt, die Klangmontage mit dem Magnettonband war aber erst ab den 2905er Jahren «voll einsatzfähig», so Eichenberger. „Dieser technische Fortschritt ermöglichte eine bisher nicht gekannte Kontrolle im Umgang mit dem auf einem Tonträger gespeicherten Klangmaterial und somit die Entfaltung der elektroakustischen Künste. Diese Untersuchung nimmt die Möglichkeiten des ästhetischen Experiments unter Bedingungen technischer Medienanordnungen in den elektronischen Studios in den Blick. Sie befragt das Spannungsverhältnis zwischen dem Einsatz technischer Mittel beim Produktionsprozess und den theoretischen sowie ästhetischen Konzepten. Inwieweit und wie fand eine gegenseitige Beeinflussung des experimentellen Umgangs mit den elektroakustischen Mitteln des Rundfunks und der Entwicklung neuer ästhetischer Konzepte und Theorien statt?» (Eichenberger 2021:7) Produktionsprozesse, Aufgabenteilung, Ausbildung, Arbeitsprofile wurden nach und nach entwickelt, die Studios glichen eher Klang-Laboren. Mit den neuen Instrumenten «Musik», sprich radiophone Werke zu komponieren, glich der Durchführung eines Experiments. Die elektroakustische Klanggestaltung umfasst: «Speicherung, Verfügbarkeit, synthetische Herstellung, Gestaltbarkeit sowie Übertragbarkeit der Klänge […] Im Gegensatz dazu beruht die traditionelle Instrumental- und Vokalmusik, also die mechanische Klangproduktion, auf der Übersetzung und Interpretation von Symbolen und der daraus resultierenden Klangproduktion mit Stimme oder Musikinstrumenten. Dadurch ist ein musikalisches Ereignis ohne die Verwendung von elektroakustischen Medien jeweils an die Präsenz von Menschen gebunden, die das Instrumentalspiel oder Singen beherrschen, wodurch es einen audio-visuellen respektive audio-performativen Charakter besitzt.“ (Eichenberger 2021:8f.)

Was sich durch die Aufnahmetechnik grundlegend verändert: dass anstelle der Imitation der Klangerzeugung und letztlich der Produktion von «Original-Klang», die Imitation der Rezeption und die Reproduktion des Klanges tritt. Für Jonathan Sterne steht die Funktion des Tympanons im Zentrum (Sterne 2003:S.33-35).

Klangübertragung (Umwandlung der Schallwellen in elektrische Signale), also auch Telephonie und Klangspeicherung sind eng verbunden. Klangübertragung ist Kabel gebunden oder drahtlos beim Funk. Mit der Transformation von akustischen Signalen zu elektrischen Signalen ist auch der Umkehrprozess ermöglicht: die elektrische Klanggenerierung mit ihrer enormen Klangpalette. Die Möglichkeit die Klänge zu übertragen, verändert das Verhältnis von Klang und Körper(Quelle) und damit die Grundvoraussetzung für die «Entfaltung von rein auditiven Künsten geschaffen“  (Eichenberger 2021:11)

Kommentar
die rein(!) auditiven Künste kommen nicht ohne «Körper» aus. Die technischen Körper (Lautsprecher, Headphones) fallen nur solange sie tadellos/fehlerlos funktionieren aus der Rezeption (vgl. Epping-Jäger zur medialen Inszenierung der Nazi-Aufmärsche)

Roland Wittje: The Age of Electroacoustics
Erster Weltkieg bringt einen technologischen Schub: Hören oder Messen? Um zwischen (Kriegs)Geräusch und Störung unterscheiden zu können, werden Messgeräte eingesetzt – Akustik wird zum Teil des „grosstecbnischen Systems der Kriegsführung“, (Wittje bezieht sich hier auf das Konzept der «grosstechnischen Systeme» von Thomas P. Hughes. Vgl. Wittje, Roland: The Age of Electroacoustics. Transforming Science and Sound (=Transformations. Studies in the History of Science and Technology), Cambridge, MA: The MIT Press 2016, S. 7.)
Dieser Entwicklung während des ersten Weltkriegs folgten in den 20er Jahren die Massenmedien: Telephonie, Rundfunk, Tonfilm. Dazu gehört auch das Magnettonband, das 1878 von Oberlin Smith bereits als Erweiterung von Edison Erfindung entworfen wurde, das aber erst 1935 technisch ausgereift war und präsentiert werden konnte (AEG), und das während des zweiten Weltkriegs stetig verbessert wurde (Vormagnetisierung 1940 Walter Weber und Joachim von Braunmühl) (Eichenberger 2021: S.14) Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen diesem technischen Knowhow und den elektronischen Studios der Nachkriegszeit: Abraham André Moles in Paris, Werner Meyer-Eppler in Köln, Pierre Schaeffer in Paris.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Magnettonband als ehem. Kriegsgerät alltagstauglich und die Klangmontage Teil der aufkommenden elektroakustischen Klanggestaltung. Es gab bis dahin nur das Nadeltonverfahren der Schallplatte und das Lichttonverfahren des Tonfilms.
Vorteile des Magnettonbands: „verbesserte Rauschreduktion, beispiellose Wiedergabetreue durch erweiterten Frequenz- und Dynamikbereich, einzigartige Zugänglichkeit durch die sofortige Wiedergabe sowie Flexibilität beim Edieren“. (Eichenberger 2021:14)

„Die neue Art des Hörens, für die im Ersten Weltkrieg die Grundlagen geschaffen worden waren, nämlich nicht nach dem Unterschied zwischen musikalischen Klängen und Geräuschen, sondern nach der Vielfalt der Geräusche selbst zu hören, spiegelten sich in neuen ästhetischen Konzepten in den auditiven Künsten.“ (Eichenberger 2021:15)

  • Gleichwertigkeit aller akustischen Ereignisse
  • eigene (radiophone) Formen
  • Interpretation wird überflüssig
  • Akusmatische Ereignisse schaffen
  • Unterschied elektroakustischer Musik (direkter Umgang mit Klangmaterial) und elektronischer Musikinstrumente (Erweiterung des Klangspektrums, partiturverschiftlicht), (vgl. Definitionen  Eichenberger 2021: 16-17)
  • Akustische Kunst und nicht „Musik“ (Eichenberger 2021:17)

John Cage schreibt bereits 1937:
«The present methods of writing music, principally those which employ harmony and its reference to particular steps in the field of sound, will be inadequate for the composer, who will be faced with the entire field of sound.» in John Cage: „The Future of Music. Credo“, in: Silence. Lectures and Writings, Cambridge, MA: MIT Press 1967, S. 3–7, S. 4.

Die Gründungen der elektronischen Studios fallen mit dem technischen Fortschritt des Magnettonbandgeräts zusammen und die «Unterscheidung zwischen musikalischen und nichtmusikalischen Klängen [war nicht länger] ausschlaggebend, sondern die mannigfaltige Facette der Geräusche, […] wissenschaftlich wie kognitiv zu erfassen» (Eichenberger 2021: S.18)

Weitere Studios:
Sony Corporation in Tokio (1951)
Philips Electric in Eindhoven (1956)
Siemens & Halske in München (1956/1960)
Bell Telephone Laboratories in New Jersey (1957), als privatwirtschaftlich gestützte Unternehmen, die Kompositionsaufträge vergeben (Residencies)

 


Chronologie
Groupe de Recherches de Musique Concrète am 21. November 1951
Studio für elektronische Musik am 26. März 1953
Studio di Fonologia Musicale am 8. Mai 1956
BBC Radiophonic Workshop am 14. April 1958.

Groupe de Recherches de Musique Concrète am 21. November 1951
1942 Studio d’Essai mit Pierre Schaeffer und Jacques Poullin
1948 Leitung von Jean Tardieu (Autor und Dramatiker, Vertreter des absurden Theaters): wird das Studio zum Club d’Essai
1948 5. Oktober: das Concert de bruits wurde auf der chaîne parisienne gesendet
1950 18. März Concert de bruits in der École normale de Paris
1951 Statuten der GRMC vom Direktor des RTF Wladimir Porché genehmigt
1958 Pierre Henri gründet sein eigenes Studio APSOME (Applications de procédés sonores de musique électroacoustique).
1958 Groupe de Recherches de Musique Concrète wird zur Groupe de Recherches Musicales

Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR, Köln
1951es geht darum Effekte für den Rundfunk zu produzieren
1951, 18. Oktober geht das musikalische Nachtprogramm „die Klangwelt der elektronischen Musik) über den Äther
Gründungmitglieder:
Robert Beyer: Musikwissenschaftler, Komponisten und Redakteur Robert Beyer und Herbert Eimert: Musikwissenschaftler, Komponisten und Redakteur, Fritz Enkel: Ingenieur, Werner Meyer-Eppler: Physiker und Phonetiker
1953 26. Mai offizielle Eröffnung
1958 Heinz Schütz verlässt das Studio für elektronische Musik in Köln, gründet sein eigenes Studio

Elektronischen Studios am Radiotelevisione Italiana (RAI)
1954 Projektantrag «Progetto per la costituzione di un ‹Centro Sperimentale di Ricerche Radiofoniche›» durch die Komponisten Bruno Maderna und Luciano Berio
1955 Mai/Juni offizielle Eröffnung
1959 Rücktritt von Luciano Berio als Leiter des Studio di Fonologia

BBC Radiophonic Workshop
1956 am 8. November 1956 unterbreitet der Malcolm Garrard (Organiser Studio Operations (O.S.O.)) dem Leiter der Abteilung Central Programme Operations Brian George der British Broadcasting Corporation (BBC) ein Vorschlag zur Gründung einer Radiophonic Effects Committee (REC).
1958, 14. April offizielle Aufnahme der Tätigkeit des BBC Radiophonic Workshops
1958 Daphne Oram kündigt beim BBC und gründet ihr privates Studio

 


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Umwälzungen / Transformationen: Strukturen der Studios müssen sich erst etablieren, sowohl im Studio (Studioprozesse, Arbeitsteilung, Methoden, die Standardisierung nimmt mit den Jahren zu (Eichenberger 2021: S.24)), wie im Rahmen der Institutionen, Verantwortlichkeiten, Finanzierung). Die Studios sind an einer Schnittstelle der versch. Abteilungen (Musik, Wort, Technik) angesiedelt.
Die elektronische Musik verbindet Musik- und Medienwissenschat: «die im Medienwandel veränderten musikalischen Prozesse und Phänomene» Vgl. Großmann, Rolf: „Die Materialität des Klangs und die Medienpraxis der Musikkultur. Ein verspäteter Gegenstand der Musikwissenschaft?“, in: Auditive Medienkulturen. Techniken des Hörens und Praktiken der Klanggestaltung, hrsg. v. Axel Volmar u. Jens Schröter, Bielefeld: transcript 2013, S. 61–77; S.61.
Vgl. stabilisierte und nicht-stabilisierte Technologien in: Akrich, Madeleine: „The De-Scription of Technical Objects“, in: Shaping Technology/Building Society. Studies in Sociotechnical Change, hrsg. v. Wiebe E. Bijker u. John Law (=Inside technology), Cambridge, MA: The MIT Press 1992, S. 205–224, S. 211.

 


Literatur zu den Studios
Lit. zur Geschichte des Pariser Studios

  • Gayou 2007, langjährige Mitarbeiterin der GRM
  • Clancier, Eliane: Monographie du Club d’Essai de la Radiodiffusion Française (1946-1960), Magisterarbeit, Paris: Université Paris I Departement d’histoire 2002;
  • Héron, Pierre-Marie (Hrsg.): La radio d’art et d’essai en France après 1945 (=Littérature et radio 1), Montpellier: Presses universitaires de la Méditerranée 2006;

Lit. Studio für elektronische Musik in Köln

  • Morawska-Büngeler 1988; Hilberg, Frank/Vogt, Harry (Hrsg.): Musik der Zeit 1951-2001. 50 Jahre Neue Musik im WDR. Essays – Erinnerungen – Dokumentation, Hofheim: Wolke Verlag 2002
  • 2002 wurde zum 50. Jubiläum vom elektronischen Studio der Band von Hilberg und Vogt herausgegeben, der zahlreiche Beiträge von den Mitbeteiligten enthält.

Lit. «Studio di Fonologia» wurde in den folgenden drei Publikationen gründlich aufgearbeitet, die ebenfalls zahlreiche Beiträge von den Zeitzeugen umfassen.

  • Scaldaferri 1997;
  • De Benedictis, Angela Ida: Radiodramma e arte radiofonica. Storia e funzioni della musica per radio in Italia (=Tesi / EDT/De Sono 5), Torino: EDT 2004;
  • Novati, Maria Maddalena/Dack, John (Hrsg.): The Studio di Fonologia. A Musical Journey 1954-1983. Update 2008-2012, Milano: Ricordi 2012;
  • De Benedictis, Angela Ida/Rizzardi, Veniero (Hrsg.): Nuova Musica alla Radio. Esperienze allo Studio di Fonologia della RAI di Milano 1954-1959 = New Music on the Radio. Experiences at the Studio di Fonologia of the RAI, Milan 1954-1959, Roma: RAI ERI 2000;

Lit. zur Geschichte des «BBC Radiophonic Workshop» wurden die folgenden zwei Monographien verfasst, wobei die Publikation von Curtis-Bramwell keine wissenschaftliche ist und über keine Quellennachweise verfügt.

  • Niebur 2010;
  • Curtis-Bramwell, Roy: The BBC Radiophonic Workshop. The First 25 Years. The Inside Story of Providing Sound and Music For Television and Radio 1958-1983 remembered by Desmond Briscoe, London: British Broadcasting Corporation 1983

Eichenberger besucht das BBC Written Archives Centre in Reading sowie im Daphne Oram Archiv der Goldsmith University in London
Weiterführende Literatur

  • Ungeheuer, Elena: Wie die elektronische Musik »erfunden« wurde… Quellenstudie zu Werner Meyer-Epplers musikalischem Entwurf zwischen 1949 und 1955, Mainz: Schott 1992;
  • Custodis 2004;
  • Kautny, Oliver: „Pionierzeit der elektronischen Musik. Werner Meyer-Epplers Einfluss auf Herbert Eimert“, in: Musik im Spektrum von Kultur und Gesellschaft. Festschrift für Brunhilde Sonntag, v. Bernhard Mü.hens, Oliver Kautny, u. Martin Gieseking (=Osnabrücker Beiträge zur Musik und Musikerziehung 1), Osnabrück: Electronic Publishing Osnabrück 2001, S. 315–337;
  • Dallet, Sylvie/Brunet, Sophie: Pierre Schaeffer. Itinéraires d’un Chercheur Bibliographie Commentée de l’oeuvre Éditée de Pierre Schaeffer = A Career in Research. A Commented Bibliography of Published Works, Paris: Centre d’Etudes et de Recherche Pierre Schaeffer 1996; Tournet-Lammer 2006.

Eichenberger betont, dass mit dem «experimentellen Klanglabor» neue Berufe, Geräte, Produktionsweisen, Praktiken, ästhetische und theoretische Konzepte entstanden. Um diese zu kontextualisieren zieht sie die Theorie des Experiments von Hans-Jörg Rheinberger oder die ANT eines Bruno Latour hinzuzieht.

 


Kap. 2 Studio als Experimentalsystem. Entstehung des Neuen, Eigendynamik, Netzwerk

Eichenberger lässt Schaeffer und Stockhausen ua. zu Wort kommen. Die Anfänge sind chaotisch, Unsicherheit, wohin die Experimente führen.
Mit Rheinberger gesprochen: «Die Wissenschaften bewegen sich nicht auf etwas hin, sondern von etwas weg.» Rheinberger, Hans-Jörg: „Experiment, Forschung, Kunst“, in: Jahreskonferenz der Dramaturgischen Gesellschaft, Oldenburg, 26.-29. April 2012, 2012, [29.11.2021], S. 4.
→ Begriffliche Unbestimmtheit

Davies, Hugh: Répertoire International des Musiques Electroacoustiques / International Electronic Music Catalog, Cambridge, MA: MIT Press 1968. Die Angaben im Katalog sind mit Vorsicht zu betrachten, da es sich um eine selektive Auswahl durch die damaligen Studioleiter oder Komponisten handelt, die möglicherweise aus unterschiedlichen Gründen bestimmte Produktionen nicht aufgeführt haben. Trotzdem bildet diese Sammlung eine wertvolle Ausgangslage für die Untersuchung. Der Katalog ist eine Fortsetzung, respektive eine Erweiterung des 1962 vom «Service de la Recherche» des französischen Rundfunks publizierten Katalogs der experimentellen Musik. Vgl. Service de la recherche de la Radiodiffusion-Telévision Francaise: Répertoire international des musiques expérimentales. Studios, oeuvres, équipements, bibliographie, Paris: Service de la recherche de la Radiodiffusion- Telévision Francaise 1962.

London prod. für Radio und TV
Kontinentaleuropa: selbständige Kompositionen
Hörspiel/radiophonen Prod. werden oftmals als strategisches Interesse vorgeschoben.
BBC anfängl. ausschliesslich für Radio und TV
Elektr. / autonome Musik später als Kontinentaleuropa
von den dortigen Entwicklungen gelernt

Die Studios stehen im Austausch, aber sie versuchen sich auch zu profilieren. Insbesondere die BBC baut bei ihrer Gründung auf den Erkenntnissen und Erfahrungen der kontinentalen Studios. In Bezug auf die musique concrète geht es um „die technischen Verfahren der Klangbearbeitung durch Veränderung des Abspielgeschwindigkeit und -richtung, Klangmontage mittels Schneidens und Zusammenfügens sowie Filterung“ (Eichenberger 2021:42). Aber nicht nur Schaeffer/GRM spielen eine Rolle, sondern auch auf die Hörspiel-Oper Nadja Etoilée von André Breton produziert vom französischen Hörspielproduzenten und Komponisten André Almuro, Musik: Maurice Jarre (Eichenberger 2021:42), und auf  Cages Radio Music von 1956 und die Schallplatte Strange To Your Ears. The Fabulous World of Sound with Jim Fassett, des Leiters des CBS-Radio Jim Fassett aus dem Jahr 1953.

Bereits am 6. März 1957 schlug der Produzent Douglas Cleverdon, Assistant Head of Features (A.H.F.) die Vorführungen experimenteller Stücke vor. Anfragen gingen an die Studios in Köln, Mailand und Paris, es wird um Fotographien der Instr. gebeten

 


distributed creation: mit Bezug auf die ANT  wird die aktive Rolle der am Schöpfungsprozess beteiligten Materialien und Technologien betont. Nach Farías/Wilkie 2016, S. 5.

 


Studio als Begegnungsort.
Zusammenarbeit und Wissenstransfer zwischen künstlerischen und technischen Berufen

Team der BBC
Malcolm Garrard Leiter (?) der Abteilung Central Programme Operations,
Daphne Oram: Studio-Managerin im Bereich Music
Timothy Eckersley: Permanent Library Organiser (Archiv)
Douglas Cleverdon: Produzenten des Feature Department
André Almuro: französischer Hörspielproduzent und Komponisten, der seit 1955 mit Cleverdon zusammenarbeitete (Eichenberger 2021:49)

BBC ist sehr breit aufgestellt, der eigentliche Aufgabe der von Garrards Abteilung ist die technische Infrastruktur und der Unterhalt der Studios, verbunden mit dem Auftrag mit den techn. Entwicklungen Schritt zu halten.

Eichenberger spricht von einem «dreipoligen Fundament von rundfunktechnischem Wissen, Erfahrung mit radiophonen Formen und musikalischem Hintergrund“ (Eichenberger 2021:53)

Das gilt auch für das Pariser Studio Groupe de Recherches de Musique Concrète (GRMC), das auf dem Schnittpunkt eines service technique und den émissions artistiques.

1948 gründet Tardieu das Centre d’Etudes Radiophoniques, während sich Schaeffer mit Fragen der Komposition elektroakustischer Musik zuwendet, ab 1949 in Zusammenarbeit mit Pierre Henry

 


Stimme als Modell!

„Beyer schlug vor, die von Meyer-Eppler vorgestellte, für die Stimme verwendete spektrale Modulation – das Umformen des Materials hinsichtlich Stimmlage und Klangfarbe – für musikalische Zwecke anzuwenden.“ (Eichenberger 2021:57)
Nach Ungeheuer, Elena: „Parallelen und Antiparallelen. Meyer-Eppler und die elektronische Musik“, in: Neue Musik Im Rheinland. Bericht von der Jahrestagung Köln 1992, hrsg. v. Heinz Bremer (=Beiträge zur Rheinischen Musikgeschichte 157), Berlin: Merseburger 1996, S. 73–85, S. 74.

 


Studio als Ort der Begegnung
GRMC bietet einen stage als Gelegenheit Komp. einzuladen an: zB. Stockhausen, der intuitive Ansatz der Klangmontage der GRMC entspricht ihm aber nicht, Wechsel nach Köln, die beiden Studios unterscheiden sich methodisch/ästhetisch erheblich.
„Stockhausen [wurde] bald klar, dass die intuitive Komposition mit den Aufnahmen natürlicher Klänge nicht seiner Idee einer kontrollierten Kompositionsmethode entsprach, die er später in der seriellen Musik anstrebte. Stockhausen stand bereits zu dieser Zeit in Kontakt mit Herbert Eimert, der gerade die Einrichtung des elektronischen Studios in Köln initiierte. Der Austausch mit dem Pariser Studio führte hier also zu einer Abgrenzung von dessen Arbeitsmethoden.“ (Eichenberger 2021:59)

Arbeitsteilungen, Studio-Mitarbeiter, Standardisierung, je länger je weniger legen die Komp. selber Hand an

Darmstadt als Ort des Austauschs

Konferenz in Paris der Groupe de Recherches de Musique Concrète
Première décade internationale de musique expérimentale
8. und 18. Juni 1953
Konzerte:

  • dépassement d’orchestre: Orchesterwerke unter der Leitung von Hermann Scherchen
  • son et l’image elektro-ak. Komp. und Filmen
  • son et espace, Jacques Poullin demonstriert seine Instr. zur Verräumlichung von Musik

 


Hybridisierung der künstl. und tech. Berufe
Verknüpfung von technischem und künstl. Wissen
neue Tätigkeitsfelder
keine standardisierte Ausbildung
BBC sucht Studio Manager

  • verbinden Selbständigkeit und Selbstdisziplin und Kreativität
  • anspruchsvoll
  • keine geregelten Abläufe

Ab 1950ger Jahre gibt es versch. technische Universitäten und Hochschulen, die eine Ausbildung zum Tonmeister / Toningenieur anbieten
„In den elektronischen Studios der 1950er-Jahre entstand aus dem Bedarf an einer Verbindung von technischem Wissen mit künstlerischen Fähigkeiten, der hybride Beruf für die elektroakustische Klanggestaltung“ (Eichenberger 2021:76)

 


Autorenschaft in den elektroakustischen Künsten

– Einführung des Urheberrechts im 18Jah.
– geistiges Eigentum
– Konzept der Autorschaft
– versus Konzept der verteilten Erkenntnis (distributed cognition), respektive verteilten Schöpfung (distributed creation) → (Farías/Wilkie 2016, S. 11.)

  • zB, wer hat Schaffer bei seinen Aufnahmen für Études aus chemin-de-fer mitgearbeitet?
  • Paris: Jacques Poullin
  • Köln: Realisatoren (Heinz Schütz für Stockhausen)

BBC: es gibt keine Autorenrechte, nur Beraterhonorare. Wer Autorenrechte beansprucht musste eine Partitur vorlegen. Die Studiomanager galten nicht als Komponisten.
„Solange zu den radiophonen Beiträgen keine Partitur vorhanden war, wurde auch kein Autor aufgeführt. In den Ankündigungen der Radio Times während der ersten Jahre nach der Eröffnung des Studios, scheint es, als ob diese Produktionen gar keine Musik enthielten.“ (Eichenberger 2021:86). Das änderte sich ab 1964 und der Radiophonic Workshop erhielt für die Effects (Sounds) der TV-Serie Quatermass and the Pit die ersten Credits. Andererseits fand Delia Derbyshire als Realisatorin der Mellodieskizze von Ron Grainer für die Episode der TV-Serie Doctor Who keine Erwähnung.

In Köln sind die elektronischen Werke auf Tonband geschützt (Eichenberger 2021:83), den Technikern wird auch kein Bearbeitungsrecht zuerkannt.

Paris: Schaeffer anerkennt Mit-Urheberschaften zB. für seine Symphonie pour un homme seule (Eichenberger 2021:85).

Die Frage stellte sich, wie die gemeinsame Arbeit im Audio-Studio auch als «kollektive Kreativität» verstanden und honoriert werden kann (Eichenberger 2021:87). Die Autorschaft als „epistemisches Ding“ und die «distributed creation» verteilt sich auf menschliche und nicht-menschliche Akteure (Eichenberger 2021:88).
«Thus, the notion of distributed creation emphasizes creativity as a socio-material and collective process, in which no single actor holds all the cards.» zit. n.  Farías, Ignacio/Hennion, Antoine: „For a Sociology of Maquettes. An Interview With Antoine Hennion“, in: Studio Studies. Operations, Topologies and Displacements, hrsg. v. Ignacio Farías u. Alex Wilkie, London: Routledge 2016, S. 73–88, S. 5.

 


Das Aufnahmen-Studio als Werkstatt
Die elektroakustische Klanggestaltung mit:

  • Gerätepark des Rundfunks
  • experimentellen (zweckentfremdeten) Verwendung der Geräte
  • neu entwickelte Geräte

(Eichenberger 2021:89)
Die Geräte sind nicht passive Werkzeuge, sondern gestalten die Handlungsabläufe mit:
«If we are in this room and we have an idea, but ‚ah, nothing is there, we can’t try it’… no, no! You need the media, the computers, the paint: to have all that material and equipment gathered. This is the idea of the studio as a kind of reservoir […] a place where you have all the things that you usually need. And if something is missing, you see that it is missing, so you have to get it for the next time: okay, we’ll order this and this. This idea of gathering is important.» (Farías/Hennion 2016, S. 75.)

Die Beschaffung der Apparaturen waren mit Kosten verbunden. Die Studios haben unterschiedliche Resourcen.
Die spezielle Anordnung der Apparaturen in den elektronischen Studios entsprach nicht denen der Radiostudios, darum wurden eigene Räume beantragt.

Das Radiostudio in den 1940er Jahren

  • Mikrophon
  • Plattenaufnahmegerät
  • Plattenabspielgerät
  • Mischpult
  • Hallspirale / Hallplatte
  • Filter

Im Sound-Studio braucht es zusätzlich Editiergeräte

Einteilung der Geräte in den Studios der 1950er
3 Kategorien von Geräte zur Erzeugung elektronischer Klänge und Geräusche:

  • Tongeneratoren: Mess- und Prüftechnik wie Schwebungssummer, Frequenzgenerator, Rauschgenerator, Obertongenerator und Rechteckgenerator, andererseits elektrische Musikinstrumente wie, Monochord, Melochord und Ondes Martenot
  • Frequenzfilter wie Tief-, Hoch- und Bandpassfilter, Ringmodulator, Vierpolmodulator, Mischpult, Hallraum sowie Magnettongeräte zur Erzeugung von Nachhall oder Echo oder rhythmisierten Strukturen mit Bandschleife
  • Mikrofone, Verstärker, Lautsprecher, Magnettongeräte sowie Schallplattenabspiel- und -aufnahmegeräte

Paris bleibt bei den Mikrophon-Aufnahmen und deren Weiterverarbeitung
Siehe Gayou 2007, S. 99f.: «Depuis son premier voyage d’études en Allemagne en 1936, Pierre Schaeffer suit les essais réalisés dans ce pays. En 1948 il est informé des travaux de Werner Meyer-Eppler à l’université de Bonn, pour produire des sons de synthèse à l’aide du Bode Melochord et du Trautonium. Schaeffer cherche lui aussi à inventer un instrument, ‹l’instrument de musique le plus général qui soit, [ … ] pour entrer en contact direct avec la matière sonore› et surtout ‹sans électrons interposés›. Mais contrairement aux Allemands qui cherchent dans la direction de la synthèse, Schaeffer conçoit ses recherches à partir d’un enregistrement direct de la matière, via le microphone. Schaeffer est conduit entre autres par ses convictions gurdjieviennes mais aussi par sa formation de base en physique».

 


Experimentelle Nutzung der Apparaturen
Vom designed objet user zum real user

L`objet sonore
Von der Aufnahme zu Bausteinen, zu «isoliertem» Tonmaterial
Verwendung fanden sowohl bestehende (bereits veröffentlichtes) Tonmaterial auf Schallplatten, Feld- und Studioaufnahmen
Es geht darum, die Klänge aus «ihrem semantischen Kontext zu lösen und Klangobjekte zu gewinnen» (Eichenberger 2021:101)

Schaeffers «cloche coupée»
Wird die für die Klanggestalt charakteristische Attaque weggeschnitten, entsteht eine Art mediales Audio-Ereignis. Für Schaeffer die Gestalt gewordene écoute réduite. Das klangliche Nachvollziehen der Ursache wird dadurch verunmöglicht, oder fehlgeleitet. Für Schaeffer klingt die Glocke nun wie eine Oboe. Der Klang ist «entstellt» einzig, weil der Einschwingvorgang fehlt. Das Tonband-Fragment hat eine technische Gestalt, entscheidend ist, dass der Anfang weggeschnitten wurde. Ein Bruch zum Ausgangsmaterial könnte nicht grösser sein.
Ohne Einschwingvorgang würde nie etwas hörbar werden: Stille.
Nur eine Aufnahme kann mitten im Klangprozess abgespielt werden. Es ist also zutiefst ein «sekundärer» (Benjamin?) Prozess, etwas Zweites, Nachträgliches, etwas das folgt, das das Erste, die Aufnahme, voraussetzt. Einzig im Kontext der musique concrète ist das überhaupt eine Diskussion, denn im Bereich der elektronischen Musik werden die Klänge synthetisch erzeugt und die Klanggestalten sind ein eigenes Arbeitsfeld.

Synthetische Klänge
Tongeneratoren: Sinus-, Rechteck-, Dreieck- und Sägezahnschwingungen, weisses oder farbiges Rauschen. Tonfrequenzgeneratoren produzieren ohne eine Verstärkung keine Klänge
elektronische Musikinstrumente
Schwebungssummer
Melochord
Vocoder
Trautonium (Scala)
Die Kontrolle über die Prod. der Klänge zu haben war wichtig, zB Stockhausen verzichtet darauf vorprogrammiertes Material (wie das Trautonium?) zu verwenden.
„A musical instrument is a system, closed system that permits a certain number of possible actions. With this I mean that whenever you think or you project your thought, your musical thought to an musical instrument you project your thought to the constraints of the as well as to the possibilities of the instrument.“ Zit. n. Teruggi, Daniel: Do We Need New Machines to Make New Music?, 12.1.2012, [29.11.2021/ nicht mehr zugänglich].

Radiophone Produktionen
Beachte: BBC Workshop verfügte nicht über ein spezialisiertes Studio

Techniken der elektroakustischen Klanggestaltung
(Eichenberger 2021:107)
Schnitttechniken:
Wiederholung (musique concrète, sillon fermé, Bandschleife)
Geschwindigkeitsänderung
Richtungsänderung
Synthetische Klänge
Zusammensetzung und Zerlegung der Klänge

«Das radiophonic poem: «Private Dreams and Public Nightmares» des Londoner Studios beginnt mit einer Wiederholung einer Floskel aus einem nach oben glissandierenden und einem zweiten abschliessenden Glockenklang. Dieser verleiht dem Stück eine charakteristische monotone Stimmung, die durch die ebenfalls monotone, die Worte «round and round» sprechende Stimme in die Atmosphäre einführt. Im gesamten Stück erscheint diese wiederholte Floskel immer wieder, wodurch eine Art Leitmotiv entsteht. Sehr ähnlich wurde eine Wiederholung auch die Produktion Morgenröte des Kölner Studios eingesetzt. Die Wiederholung von zwei gongartigen Klängen prägt die gesamte Produktion und trägt dadurch ebenfalls einen leitmotivischen Charakter. Dieser Klang bildet eine verbindende Grundlage für das weitere klangliche Geschehen in anderen Schichten.» (Eichenberger 2021:101)

„Ein kreativer Einsatz von Filtern ist in Private Dreams and Public Nightmares des BBC Studios zu beobachten. Für jede der Stimmen, die die drei Ichs der schlafenden Person – das dösende, das ängstliche und das rationale Ich – darstellen, wird eine unterschiedliche Filterung eingesetzt. Jedoch auch die Stimmen in sich werden je nach Zustand gefiltert. Die erste Stimme, das dösende Ich, fällt im Verlauf immer tiefer in den Schlaf. Diese wird durch einen Tiefpassfilter moduliert, sodass sie immer entfernter und verschwommener wahrzunehmen ist. Durch den kreativen Einsatz werden die Filter in den Studios – wie dieses Beispiel zeigte – dem ursprünglichen Zweck entgegengesetzt verwendet.“ (Eichenberger 2021:112)

Kontakte von Stockhausen
Stockhausen extremisierte die Technik der Geschwindigkeitsänderung. Die kleinsten Tonfragmente, eher Impulse als Töne, klebte er zu einer Tonbandschleife zs. Aus einem Band von etwa einer Stunde blieben nach einer 128fachen Beschleunigung etwa 16 Sekunden. So entstand ein Klang nach dem anderen: «Das war das Ergebnis eines Tages. So habe ich die meisten Klänge für KONTAKTE gemacht», berichtete Stockhausen (Eichenberger 2021:109)

Gesang der Jünglinge (1954)
ungefähr in der Mitte des Stück liess Stockhausen die leitmotivische Phrase «Preiset den Herrn» das einzige Mal rückwärts laufen (Eichenberger 2021:111)
→SCHREIBEN MIT STIMMEN: Die Sprache wird immer als Sprache erkannt, auch wenn kein Wort zu verstehen ist. (Eichenberger 2021:111)

 


Das Magnettonband als zentrale Einheit des Studios
Das Tonband kommt sehr vielfältig zu Anwendung

  • alle Stücke sind auf Tonband aufgezeichnet
  • Tonband als Partitur, das die Komposition festhält
  • Tonband als Endprodukt
  • Tonbandmaterial zur Klangmaterial, Bauelemente
  • Tonbandmaschine als Werkzeug zur Klanggestaltung

Das von den Deutschen entwickelte Tonband, war neu für die Alliierten.
Aufzeichnungskopf und Abspielkopf liegen nebeneinander und ermöglichen ein unmittelbares Abspielen des Aufgenommenen
Bandmaterial lässt sich gut schneiden und zusammenkleben (Eichenberger 2021:115)

Kölner Studio für elektronische Musik schliesst 2001
Die Toningenieure versuchen die Studioarbeit als tacit knowledge zu vermitteln

  • Volker Müller
  • Heinz Schütz

zB Übersetzschaltung mehrer Tonbandgeräte (Eichenberger 2021:117f)
Studio: Interaktion menschlicher und nicht-menschlicher Akteure in einem offenen System
Ausloten der technischen Grenzen der Geräte für Klangeffekte (Eichenberger 2021:119)
= inkorrekte Handhabung (zB für Halleffekte)
Klangmaterial kann in modularer Weise eingesetzt werden, zb. Material von Eppler, das sogar im Mailänder Studio wieder auftauchte (Eichenberger 2021:121)

Paris
1951 meldet Schaeffer drei in der Funktionsweise erweiterte Magnettonbänder beim Patentamt an. (Eichenberger 2021:123)
Grundtechniken der musique concrète: Schnitt, Geschwindigkeitsänderung, anfänglich noch mit Plattenspielern realisiert
Neben dem Tonband als zentrale Einheit wurden kamen aber auch eigens für die Klanggestaltung entwickelte Geräte zum Einsatz: morphophon und magnétophone à vitesse multiples, das später phonogène chromatique oder phonogène clavier (mit Tasten), oder phonogène à coulisse (kontiuierliche Geschwindigkeitsveränderung) genannt wird (Paris) (mehr siehe: Eichenberger 2021:125). Es geht um die Automatisierung von Abläufen, wie das 1954 entwickelte morphophon mit Tonbandschleifen (Eichenberger 2021:127). 1951 Magnétophon à bandes multiples (dreispurig, zur Montage, zur Synchronisierung der Klänge). Bis dahin ist alles monophone Geräte, die Geräte ermöglichten einer mehrkanaligen, räumlichen Wiedergabe, als Vorstufe des potentiomètre d’espace (pupitre d’espace), der «einen direkten Kontakt mit dem Publikum herzustellen und den Eindruck menschlicher Gegenwart während der Aufführung der Werke zu vermitteln» versuchte, so Poullin, (Poullin 1955:101).
Insgesamt patentierte Paris zwischen 1951-54 fünf neue Geräte drei davon zur Klanggestaltung und für zwei, nämlich für das phonogène und das pupitre d’espace steht das Instrumentalspiel Modell.
Weil, so Eichenberger, die musique concrète nicht ein rein auditives Ereignis gedacht sei:
„Die die Apparatur bedienende Person dirigiert sozusagen die aus den Lautsprechern kommenden Klänge. Der performative Charakter war genau das, was die neue akusmatische, rein auditive Kunst von der traditionellen instrumentalen und vokalen Musik differenzierte. Das Pariser Studio versuchte die neue elektroakustische Kunst durch die Simulation eines Interpreten dem Publikum näher zu bringen, da die Musik – und somit auch die musique concrète – im traditionellen Verständnis als ein performatives und nicht als rein auditives Ereignis betrachtet wurde.“ (Eichenberger 2021:128).

Mailand
panello die permutatione, 1955/56 durch den Ingenieur Alfredo Lietti (Eichenberger 2021:129f).

Klanglabore, Klang als Wissensordnungen, neue ästhetische Konzepte/Theorien
Komposition als Klangforschung und umgekehrt (Eichenberger 2021:134).
Die 1950er Jahren zeichnen sich deshalb auch durch ein grosses Interesse für die Grundlagenforschung zu theoretischen und ästhetischen Fragen aus, in Paris zusammen mit dem Physiker und Philosophen Abraham André Moles, in Köln mit dem theoretischen Kenntnissen des Physiker und Phonetiker Meyer-Eppler

Schaeffer publiziert 1952 À la recherche de la musique concrète, sein Tagebuch aus den Jahren 1948-1952 mit der Leitidee eine „Geräuschsymphonie“ zu komponieren (Eichenberger 2021:135). 5 Études de bruits, 1948: «Ainsi naissent les classiques de la musique concrète.» (Schaeffer 1952: 28)
«[…] j’ai renoncé à mon propos initial, à toute idée de ‹ Symphonie ›. Le titre d’ ‹Étude › conviendrait mieux à mes essais de composition, limités chacun à un domaine particulier.» (Schaeffer 1952: 23)
Für Eichenberger zeigt der Wunsch eine Symphonie zu komponieren, wie stark Sch. in den trad. Hierarchien der Musikwelt verhaftet blieb und die auch Modell für den Kompositionsprozess stand, zB mit der Frage nach dem Instrument der musique concrète, einem universellen Instrument, das sämtliche Klänge und Geräusche der Welt hervorbringen kann.

Der entscheidende Schritt ist die Abtrennung der Tonkabine vom Aufnahmestudio, in der die aufgenommen Klänge abgehört und zusammengeschnitten werden. Mit den Worten von Schaeffer: die gewöhnliche Musik (musique habituelle) ist abstrakt, da sie mittels einer symbolischen (abstrakten) Notation komponiert wird (musique abstraite), während die neue Musik (musique nouvelle) eine konkrete Musik ist, die über die Komposition von bereits vorliegenden Klängen entsteht (musique concrète). Das neue Klangmaterial wird aus den mit Mikrophon aufgezeichneten Klängen gewonnen, indem ua. die Einschwingvorgänge weggeschnitten werden und so eine wesentliche Klangcharakteristik wegfällt und der „Problematik der ‚Explizitheit‘ der Klänge“ (Eichenberger 2021:140) entgegentritt.

Stimmwissen
„Dieses Wissen, dass die Anschlagphase des Klangs einen deutlichen Einfluss auf die Klangfarbe hat und dass dagegen die Verlaufphase [sic] bei bestimmten Instrumenten sehr ähnlich ausfällt, hatte Carl Stumpf bereits 1910 bei den Versuchen mit mehreren Probanden gewonnen. 1926 fasste Stumpf diese Erkenntnisse im Anhang zu seinem Buch Die Sprachlaute unter dem Titel «Über Instrumentalklänge» zusammen“ (Eichenberger 2021:140). Vgl. Stumpf, Carl: Die Sprachlaute. Experimentell-phonetische Untersuchungen nebst einem Anhang über Instrumentalklänge, Berlin: Springer 1926, S. 370, 374f.

Schaeffer kam zu ähnlichen Erkenntnissen in der Beobachtung der dynamischen und klangfarblichen Entwicklung der Klanggestalten.
Im 4. Kapitel der recherche d’une musique concrète entwickelt er eine Esquisse d’un solfège concret in Zusammenarbeit mit dem Physiker und Philosophen Abraham André Moles, dessen Forschungen zu Frequenzen  und der Nachhall. Sie erarbeiteten eine wissenschaftlich fundierte Klassifikation der Klänge vergleichbar der Klassifikation der Instrumente in Instrumentengattungen. Sie scheiterten(?) aber an der Unabgeschlossenheit/Komplexität der Parameter. Schaeffer/Moles schlagen drei Ebenen vor:
plan dynamique für die Dauer im Verhältnis zur Amplitude
plan hamonique/timbres für die Klangfarben
plan mélodique oder tessitures für den melodischen Tonumfang
– für jede Phase Klangverlaufs: attaque, decay, sustain, relaese
ins. 33 Kriterien für 54’000 Kombinationen
Problem: es handelt sich um eine semantische Beschreibung der Klänge (Eichenberger 2021:144), da eine mathematische Beschreibung für die Komposition ungeeignet erscheint. Die neuen „konkreten“ Instrumente wie das Phonogène haben viele dieser Fragestellungen vorweggenommen. In Paris führte die Theorie von der Praxis der Klangkomposition ausgehend in die Klangforschung.

Köln
Von Robert Beyer ausgehend (1928: Das Problem der kommenden Musik), über die Forschungen von Werner Meyer-Epplers, zur Entwicklung der wissenschaftlich unterfütterten seriellen Kompositionsverfahren. Kompositionsprozesse als Klangforschung.
Das Studio entsteht auf Initiative von Beyer und Meyer-Eppler (zu Meyer-Eppler siehe (Eichenberger 2021:148f)
An der Tonmeister Tagung in Detmold in1948 präsentiert Meyer-Eppler die amerikanische Methode der synthetischen Spracherzeugung, den Vocoder. Meyer-Eppler entwirft die theoretischen Grundlagen der kommenden „elektronische Musik“, bevor es eine praktische Möglichkeit gab diese zu erproben (vor der Gründung des Kölner Studios) (Eichenberger 2021:152)
Erste Experimente im kölner Studio (Eichenberger 2021:152f)
Auch Eimerts Entwurf einer Grundlage der elektronischen Musik (1954) operiert mit einer Klassifizierung der Klänge, aber anders als Paris beruht diese auf der Idee der Summierung von Sinustönen (Eichenberger 2021:154).
Stockhausens Studie I 1953: von dem Grundlagenwissen Eppler ausgehend, eine serielle Kompositionsweise (Gleichwertigkeit der Töne), „eine musikalische Ordnung, bis in die mikroakustischen Bereiche der Klangmaterie“ zit n. Stockhausen, Karlheinz: „Arbeitsbericht 53. Die Entstehung der Elektronischen Musik“, in: Aufsätze 1952-1962 zur Theorie des Komponierens. Texte zur elektronischen und instrumentalen Musik, hrsg. v. Dieter Schnebel (=Texte zur Musik / Karlheinz Stockhausen), Köln: DuMont, S.22.
Mehr zur Studie I von Stockhausen (Eichenberger 2021:156-159)

Ästhetische Konzepte der elektro-akustischen / elektronischen Musik
Zwei Felder der wissenschaftlichen Forschungen fliessen in die Entwicklung der elektro-akustischen Musik ein, einerseits Grundlagenforschungen zu Akustik, andererseits Phonetik.
Phonetik ist im Zusammenhang von Schreiben mit Stimmen besonders interessant → Meyer-Eppler

 


El. Musik und STIMMEN:
Wie verbindet Meyer-Eppler seine Forschungen am phonetischen Institut in Bonn(?) mit elektronischer Musik – siehe:

  • Ungeheuer, Elena: Wie die elektronische Musik »erfunden« wurde… Quellenstudie zu Werner Meyer-Epplers musikalischem Entwurf zwischen 1949 und 1955, Mainz: Schott 1992;
  • Nach Ungeheuer, Elena: „Parallelen und Antiparallelen. Meyer-Eppler und die elektronische Musik“, in: Neue Musik Im Rheinland. Bericht von der Jahrestagung Köln 1992, hrsg. v. Heinz Bremer (=Beiträge zur Rheinischen Musikgeschichte 157), Berlin: Merseburger 1996, S. 73–85, S. 74.

Il était une voix: histoire de la radio: [besucht: 9.12.24]: «la radio est un file invisible, qui abolie les distances et relie les humains entre eux»

Entretien avec Francois Bayle
DS : Est-ce que la délocalisation apporte une plus-value?
FB : Oui, tout repose sur la re-localisation, sur la capacité à localiser en exploitant l’imagination. On n’est pas seulement chez soi, on est aussi en contact avec un événement qui a lieu ailleurs. Ça s’appelait le théâtreophone. Des affiches étaient présentes, des bulletins circulaient, des rendez-vous étaient fixés, donc il y avait toute une manipulation sociale, puisque bien entendu pour que ça puisse avoir lieu, il y avait tout un contexte économique et cela devait coûter assez cher. C’était pour le `happy few`.

 


Klang als wissenschaftlicher Gegenstand und klangästhetisches Phänomen
Laut Eichenberger rückt Klang in zweierlei Hinsicht in den Fokus, als wissenschaftlich zu erforschendes Phänomen und als ästhetische Kategorie. In den elektronischen Studios standen die Konzepte und Begriffe des «mechanischen Zeitalters» den Errungenschaften der «Materialisierung des Klanges» gegenüber. Die Fixierung des Klanges ermöglichte dessen exakte Erforschung als physikalischen Phänomens. Andererseits ergaben sich durch Schnitt und Montage neue kompositorische Möglichkeiten in Richtung „auditiver Künste.“ (Eichenberger 2021:161)
Neue elektronische Instrumente wurden seit dem Beginn des 20.Jh. entwickelt und sie erweiterten das Klangfarbenspektrum des Orchesters. Noch begründeten sie keine neue Kunstform, denn, so Robert Beyer, sie schöpften das Leistungsvermögen der Maschine nicht aus (Beyer 1929: 359). Die eigentliche elektronische / elektro-akustische Musik führte weg von der „Imitation der traditionellen Instrumente“ hin zur Arbeit mit dem Tonband. Eine Arbeit, die den Klang aus den Restriktionen eines Notenbild herauslöst, und die sich auch nicht mehr in Form einer Partitur festhalten lässt und der aber auch nicht mehr durch „eine körpergebundene Tonerzeugung“ entsteht. (Beyer 1954: 37)
Schaeffer nennt diese Kompositionsmethode „konkret“, weil sie auf dem unmittelbaren, direkten Umgang mit dem Klangmaterial beruht, während er das Komponieren mittels Notenschrift als abstrakt bezeichnet. Während in der trad. Instrumentalmusik das Problem der Beschreibung der Klangmaterials durch die Bezeichnung der Instrumente und der Tonhöhen gelöst ist, entziehen sich die el.ak. Klänge der semantischen Einordnung, denn die Klangpalette ist unendlich gross. Ein einheitliches Vokabular gibt es bis heute noch nicht. Entsprechend vielfältig sind die Kompositionsverfahren. Einzige Gemeinsamkeit zwischen Köln und Paris: die Idee der Komposition ausgehend von Basiselementen. Physikalisch gesehen gibt es so oder so keine Unterschiede. Daraus ziehen Mailand und London den Schluss, dass es, unabhängig davon wie die akustischen Grundbausteine entstanden sind, um eine konzise ästhetische Gestaltung geht.
Die Kompositionsmethoden waren zu Beginn experimentell/intuitiv (Paris), bzw. der wissenschaftlichen Klangforschung entlehnt (Köln). Die Gerätschaft der Rundfunkstudios wurde zweckentfremdet, so wurden aus Messwerkzeugen Klanggeneratoren. Interpretation wird obsolet, an deren Stelle steht die Zusammenarbeit von Studiotech. und Komp., was Fragen nach der Autorschaft nach sich zieht.

 


Zwischen Radiophonie und Elektronik
Die Studios sind an den Rundfunkanstalten angegliedert und gehen aus den Wort- und Musikabteilungen hervor. Während Paris, Köln und Mailand eigenständige Studios und autonome musikalische Möglichkeiten der Kompositionen zum Ziel hatten, wählte BBC in Abgrenzung zu den kontinental europäischen Studios einen Weg zwischen radiophoner Kunst, die als Massenware abgestempelt war, als Musik für die Kulissen, als funktionale Kunst und elektroakustischer, als autonomer Musik (nach Eichenberger 2021:169f.) Der BBC Radiophonic Workshop produzierte viele experimentelle Features und Dramas, als genuinen radiophonen Formen, vielmehr als das Hörspiel, das sich mit Roman-Adaptationen beschäftigte. (nach Eichenberger 2021:175) Vergleichbar den Radio-Prod. von Brecht, Hans Flesch, Weill, Paul Deharme, Garbirel Germinet, Jean Tardieu zu vergleichen, die im französischen Rundfunk eigene Abteilungen beanspruchten.
Zum dt. Hörspiel als „totales Schallspiel“ und dem „Neuen Hörspiel“, Begriff von Klaus Schöning 1968 (vgl. Eichenberger 2021:175f)

Kontroverse zw. funktionaler und autonomer Musik
BBC Radiophonic Workshop
Die BBC Radiophonic Workshop ignorierte die sogenannte Manchester Avantgarde mit Alexander Goehr, Harrison Birtwistle, Peter Maxwell Davies, Richard Rodney Bennett and Cornelius Cardew – die den Austausch in Darmstädter Ferienkursen suchten. Die BBC geriet, so Eichenberger, in die kulturelle Isolation. (vgl. Eichenberger 2021:178f)
Dabei spielte die aus heutiger Sicht bizarre Kontroverse zwischen den Abteilungen Entertainment und Music eine entscheidende Rolle. (vgl. Eichenberger 2021:182f)
Diese spiegeln die Folgen des Umbruchs dadurch, dass die trad. grundsätzliche Verschiedenheit von Ton und Geräusch wegbricht und neu gewebeartige Klangschichtungen realisierbar werden, die durch Montage und Mischung entstehen, eine undefinierbare Klangwelt.

Edgard Varèse
Komponisten wie Varèse sehen sich mit der Frage konfontiert „is this music?“. Er spricht deshalb von „organized sound“. Er bezeichnte sich nicht als Musiker, sondern als «a worker in rhythms, frequencies, and intensities» Varèse, Edgard: „The Liberation of Sound“, in: Perspectives of New Music 5/1 (1966), hrsg. v. Wen-Chung Chou, S. 11–19, S. 18.

Köln
Hein Schütz trennte sich in Folge einer ähnlich gelagerten Kontroverse vom Kölner Studio und eröffnete sein eigenes Tontrickstudio, auch Robert Beyer verlässt das Studio.
Herbert Eimert: „Was ist elektronische Musik?“, in: Melos 20/1 (1953), S. 1–5.
„Daneben sind noch die Film- und Hörspielstudios zu erwähnen, die zwar keine musikalischen Absichten verfolgen, aber zuweilen sehr findig in der Herstellung Musiqueconcrète-ähnlicher Klangkulissen sind. Hörspiel und Film sind in der Tat ästhetisch, mehr noch soziologisch wichtige Schrittmacher für die widerstandslos in das Ohr eindringenden neuen Klangbilder. Wer allerdings glaubt, man sollte sie hierhin abschieben und allein dort belassen, wo sie als surrealistische Nebeneffekte abgefangen und paralysiert werden, der würde den gewaltigen immanenten Gestalttrieb solcher Klänge verkennen […].“ (zit. n. Eimert 1953: 3) (vgl. Eichenberger 2021:179f).

Paris
Interessanterweise fällt für Eimert auch die musique concrète unter die Herstellung von Klangkulissen, obwohl Schaeffer’s explizites Ziel die abstrakte auditive Dimension der Klänge zur Geltung zu bringen:

«[…] arracher le matériau sonore à tout contexte, dramatique ou musical, avant de vouloir lui donner une forme. Si j’y parvenais, il y aurait une musique concrète. Sinon, il n’y aurait que truquage et procédés de mise en onde.» (zit n. Schaeffer 1952: 46f)

Unter der interim Leitung der GRMC (Groupe de Recheches de Musique Concrète) von Pierre Henrys 1953 kam es zu zahlreichem interdisziplinärem Zusammenarbeiten mit Radio, Film und Theater. Mit der Rückkehr von Schaeffer priorisierte dieser die Klangforschung, Henry verliess das Studio und es kam zur Gründung der GRM (Groupe de Recherches Musicales) (vgl. Eichenberger 2021:181)

Mailand
Produktives Verhältnis von autonomer und angewandter Prod.. Die Hörspielstudie ritratta de citta, 1954, die ein Gleichgewicht zwischen Sprache und Klang suchte, bleib aber die Ausnahme und die Bereiche Hörspiel und Komposition gingen getrennte Wege. (vgl. Eichenberger 2021:181f)

Was ist Musik?
Ihre Klanggestalt, ihre maschinelle Produktionsweise und die Art und Weise wie die elektroakustische Musik aufgeführt wurde (Lautsprecher), veränderten die Vorstellungen von Musik.
So tauchen im Zusammenhang mit der elektroakustischen Musik (aber nicht nur – siehe Christoph Cox zu Sound Art) notorisch die Rufe nach einer Neu-Definition von Musik auf (siehe Varèse/Cage).

Der Soziologe Antoine Hennion (*1952) formuliert das Dilemma so: es existieren weder DIE Musik noch Die Gesellschaft, weil diese interdependent sind.
Hennion, Antoine: „Rewriting History from the Losers’ Point of View: French Grand Opera and Modernity“, in: Opera and society in Italy and France from Monteverdi to Bourdieu, hrsg. v. Victoria Johnson, Jane F. Fulcher, u. Thomas Ertman (=Cambridge studies in opera), New York, NY: Cambridge University Press 2007, S. 330–350, S. 330f.

John Cage schlug bereits 1937 vor, von Musik neu als von „organisation of sound“ zu sprechen.
Cage, John: „The Future of Music. Credo“, in: Silence. Lectures and Writings, Cambridge, MA: MIT Press 1967, S. 3–7, S.3.
Die Anfänge der elektroakustischen Studios fallen in diese Zeit, entsprechend gab es viele Skandale, so unter anderem die Aufführung von Schaeffers Orphée 53, 1953 an den Donaueschinger Musiktagen, aber auch Stockhausens Gesang der Jünglinge fiel bei der Uraufführung durch. Aber auch das dritte Programm der BBC Radiophonic Workshop machte negative Schlagzeilen.

 

109 Log 230528
Entretien avec François Bayle

30.5.2023 31, Rue de la Harpe, Paris

François Bayle (né en 1932 à Tamatave à Madagascar) est un compositeur de musique concrète et électroacoustique. Il a étudié avec Olivier Messiaen, Pierre Schaeffer et Karl-Heinz Stockhausen. Des 1968 il a été membre du GRM (Groupe de Recherches Musicales) dont il a été le directeur de 1975 à 1997. Il est à l’origine des termes « acousmatique » et de l’invention de « l’acousmonium »

Entretien avec François Bayle 30.5.2023.pdf

Résumé
L’entretien avec le compositeur François Bayle déploie une réflexion solidement ancrée dans la théorie des médias sur l’écoute acousmatique, la perception sonore et les conditions épistémologiques de la musique électroacoustique. Au centre se trouve la situation acousmatique en tant que disposition perceptive spécifique, dans laquelle la séparation entre la source sonore et l’événement sonore n’est pas comprise comme un déficit, mais comme une condition productive d’une écoute intensifiée et non visuelle. Bayle décrit l’écoute acousmatique comme une forme de « vision intérieure », dans laquelle le corps de l’auditeur est intégré à un champ sonore spatialement et temporellement délimité de manière ouverte.

Un axe théorique essentiel de l’entretien porte sur le rôle des technologies d’enregistrement. Bayle interroge le statut de l’enregistrement sonore en tant que trace prétendument objective et souligne sa médialité constitutive : les dispositifs d’enregistrement ne produisent pas seulement des documents, mais transforment l’événement sonore lui-même. L’enregistrement apparaît ici comme un acte esthétique qui reconfigure la perception, la temporalité et la matérialité.

 

108 Log 230824
Entretiens avec Beatriz Ferreyra

30.10.2022 maison de la radio (Festivals Acousma)
29.11.2022 par téléphone

Beatriz Ferreyra (*1937, Cordoba, Argentine) compositrice de musique électroacoustique. Elle est l’auteure d’une vaste oeuvre comprenant des compositions de musique électroacoustique, de la musique de film et des contributions théoriques à la musique concrète.

Beatriz Ferreyra (Wikipedia)
Beatriz Ferreyra (ZKM)
Beatriz Ferreyra (Graz)

Entretiens avec Beatriz Ferreyra (pdf)

Résumé
L’entretien avec la compositrice Beatriz Ferreyra offre une perspective relevant à la fois de la théorie des médias et de la perception sur la musique concrète depuis les années 1960. Ferreyra décrit son travail au sein du Groupe de Recherche Musicale (GRM) non pas principalement comme une activité compositionnelle au sens traditionnel, mais comme une pratique médiatique. Dans le prolongement du concept d’objet sonore de Pierre Schaeffer, la voix — tout comme les sons du quotidien, les bruits d’animaux ou de machines — est traitée comme un objet sonore à part entière, dont la signification ne découle pas de son origine, mais de sa morphologie, de son mouvement et de son effet spatial. Le travail avec les objets sonores est toutefois compris chez Ferreyra explicitement comme une pratique appareillée : le son n’existe que dans la mesure où il peut être enregistré, découpé, répété et distribué dans l’espace. La perception ne suit donc pas une signification intentionnelle, mais la logique propre du médium.

Ferreyra souligne par ailleurs la nécessité d’une pratique de l’écoute entraînée et non visuelle, capable de saisir le son au-delà des attributions sémantiques ou instrumentales, dans le sens de l’écoute acousmatique définie par Michel Chion. Il est question d’une situation d’écoute dans laquelle la séparation entre le son et sa source est techniquement imposée : il en résulte des « sons sans corps », la visibilité étant systématiquement neutralisée ; l’oreille opère ainsi au sein d’une réalité produite par les médias. La dissociation du son et de sa cause est comprise comme une condition productive d’une perception intensifiée et imaginative. Pour Ferreyra, la composition ne procède pas d’une planification abstraite, mais d’une perception immédiate et concrète, ainsi que d’une interaction manuelle directe avec la bande magnétique.

Auszüge
Beatriz Ferreyra: Klänge als Klangmorphologien verstehen

«Ce qui m’intéressait, c’était de rassembler le violon, le son du piano, le cri d’un oiseau, le chien, la voiture, etc., en tant que langage, en tant que morphologie, et d’explorer comment ils fonctionnaient dans l’espace. Que ce soit un chien, un piano, une batterie ou une lettre, il peut y avoir quelque chose en commun, quelque chose qui les relie. Ce n’est pas l’instrument de musique, l’oiseau ou la voiture en soi qui est important, mais plutôt les sons et la manière dont ces trois éléments peuvent être combinés et interagir ensemble, peu importe que ce soit une voiture, un son ou une voix.»

Musik ist nicht länger ein Feld «à part», sie beansprucht nicht mehr länger einen Sonderstatus in der auditiven Welt:

«…la musique ne se trouve pas dans les visualisations de leur ordinateur, mais dans ce qu’on entend. Il est nécessaire de fermer les yeux, d’écouter et de composer en ayant les yeux fermés.»

Sie komponiert mit geschlossenen Augen, ohne Plan, ein Klang ergibt den anderen

» Jeder Klang für sich ist nicht sehr interessant – aber wenn man die alle in gewisser Weise kombiniert, ist das ein Wunder! Wenn Sie also jeden einzelnen Klang betrachten, dann sind, das sehr einfache Klänge, nicht sonderlich interessant. Es ist die Kombinatorik, die es macht! » Zitat aus der Sendung des WDR: Femmes au GRM, Logbuch 99

Dorothea Schürch (DS) : Nous parlons des années 1960 et 1970
          Beatriz Ferreyra (BF) : Je travaillé au GRM (1) évidement avec la bande magnétique des années soixante. J’ai commencé quand ils étaient encore à la rue d’université, dans les années soixante-deux, soixante-trois. Je suis entrée avec Edcardo Canton (2) , qui était un de ces compositeurs GRM qui était à cet époque-là en Europa. Il m’a dit, qu’il donnait une pièce dans un concert à Paris. C’est dans ce concert c’est là que j’ai entendu la musique électro-acoustique pour la première fois. C’étaient des concerts collectifs de Pierre Schaeffer.

             DS : Qu’est-ce que cela veut dire des concerts collectifs ?
             BF : Les compositeurs de GRM avaient fait chacun une pièce : il y avait Schaeffer, Pierre Henry – je crois Pierre Henry était encore là, je me souviens plus – Pierre Henry, Edcardo Canton, Ivo Malec (3) , Bernhard Parmegiani (4) , François Bayle (5) , Luc Ferrari (6) . Ils ont fait chacun une pièce. Et quand j’ai entendu ça, j’ai demandé à Edcardo Canton si je pouvais entrer d’entrer au GRM, parce que je senti que cette musique allait très loin.

             DS : Qu’est-ce qui vous a amenée à Paris ?
             BF : Je me suis échappée. Quand j’ai eu vingt-deux ans et que j’étais majeure, j’ai demandé à mon père de me laisser aller à Paris. Il allait tout le temps à Paris. Il a accepté pour un mois – et je suis restée 70 ans. Mon père ne m’a pas aidée au début, mais j’étais très contente dans mon trou à rat, car la famille Ferreyra est très puissante et ils ont un château à Cordoba(7) . Et puis en 1963, nous étions quatre à suivre le stage de trois mois avec Pierre Schaeffer : Akira Tomba (8) , Tona Scherchen (9) , Angel Bauer (10) et moi. Ensuite Pierre m’a prise pour le solfège.
[7] Palacio_Ferreyra
[8] Interférence : de devenir à la création: Entretien avec Akira Tamba

[…]

weiterführendes Material:
Entretien avec Interview mit Simone Rist, 8.12.2022, Paris
Entretien François Bayle, 30.5.2023, Paris

 

107 Logbuch 230520
Stimme versus absolute Musik

Pöllmann, Rainer: Die Musik hinter den Worten. Die Stimme in der zeitgenössischen Musik. Hofheim: Wolke Verlag, 2015.

  • Oppositionsstellung Stimme ← →Absolute (autonome) Musik
  • Stimme und Existenzialismus
  • Keine Stimme ist neutral: Barthes
  • Fazit: zwei Nachkriegsavantgarden eine mit Stimmen und eine ohne Stimme
  • Komponisten und Kompositionen f. Stimme
  • Begriff des Nicht-Sängers (Diedrichsen)

Text im Archiv

101 Logbuch 230426 Hiekel: Aspekte des Köerperlichen

Jörn Peter Hiekel (Hrsg): Body Sounds, Aspekte des Körperlichen in der Musik der Gegenwart, Schott, Mainz 2017.

Inhaltsverzeichnis unter:
088 Log 230313 Hiekel_Aspekte des Körperlichen in der Neuen Musik

 


Jörn Peter Hiekel: “Über die “Wiederkehr des Körpers” in der Musik der vergangenen Jahrzehnte und ihrer Wahrnehmung», in ders.: Body Sounds, Aspekte des Körperlichen in der Musik der Gegenwart, Schott, Mainz 2017. S.10–27

  • Grundlegend für die musikalische Avantgarden der zweiten Hälfte des Jahrhunderts: Abbau der Hierarchien bez. tonalen Sytemen
  • Konzeptuelle Erweiterungen auch bez. Beteiligung und Rezeption von Körpern

Defizite in der Auseinandersetzung mit NM
Emphase (Hiekel 2017:10)
Schumanns Tyrannei des Taktes → rhythmische Gestaltung und Frage nach der Körperlichkeit in der music
auch Stravinsky (sacre du printemps 1913), auch Dadaismus

Prod. von Musik ist immer mit Körperlichkeit/Lieblichkeit verbunden
(Hiekel 2017:11)

  • 1 ungewöhnliche Gesangs- und Spieltechniken
  • 2 Überforcierung v. Eigenschaften und Fähigkeiten
  • 3 Neigungen und Gewohnheiten werden thematisiert
  • 4 allltägliche Körperaktionen
  • 5 Verletzlichkeit des Körpers, Begehrlichkeiten, Widerständigkeiten
  • 6 Körper im Kontrast zu technischen Medien

Aufführung = Verkörperung

Für Hanslick ist die körperliche Dimension Nebensache
(Hiekel 2017:12)

  • An der Partitur orientierte MUWI
  • Alles andere ist Anthropologie oder Psychologie
  • Gegenbewegung, bzw Emanzipationsbewegung, gilt auch für die Theaterwissenschaften, für die Kulturwissenschaften insges
  • → Einfluss der Phänomenologie → turn
  • oder body turn
  • vgl. Schriften von Barthes (Hiekel 2017:13)
  • Adorno wird oft als “der Inbegriff der eindimensionalen und vor allem geschichtsphilosophischen Sicht der Dinge missverstanden” – verwendet den Begriff des “Physiognomischen” und mit den auf “Körpergesten verweisende Denkfigur einer “Mimesis am Gegenstand” “ → Resonanz des Körperlichen

Huber (Hiekel 2017:14ff)
Neuansätze
Boulez (zu Artaud) (Hiekel 2017:16ff)
“wie wenig das Musikhören, Musikmachen oder Musikerfahren auf einfache Beschreibungsmuster zurückzuführen ist” (Hiekel 2017:17)
Darbietung = wie sich die Mitwirkenden einbringen
vgl. Stravinsky: Wer mich eines Widerstands beraubt, beraubt mich einer Kraft → Abwendung von Gewohnheiten

Wirkungen und Grenzüberwindungen
exzessive Kräfte der Musik (Hiekel 2017:18)

  • direkte Körper-Ansprache auch als Anästhetikum!
  • Waldenfels: es geht nicht nur um Überwältgung

Moment der Überraschung, der Fremdheit, der Irritation (Hiekel 2017:19)

  • Rauheit, Undomestiziertheit
  • Lachenmann zu Holliger: physikalisch-physiologisch. Energetisch, kreatürlich, naturalistisch, esistenziell → Expressivität der Anstrengung
  • Medizinische Aspekte von Schluchzen, Erstickungslauten, Schreien

Lachenmann: Vokalwerke mit antiakademischer Energie (Hiekel 2017:20)

  • Musique concrète instrumentale

Hespos: Körperliche Befreiung
Freejazz
Durchdringung der performativen Ebenen (Hiekel 2017:21)
Schnebel, Kagel, Globokar, Aperghis
Waldenfels: Formen von Fremderfahrung (Hiekel 2017:22)
Walsh, Alexander Schubert
Lucier (Hiekel 2017:23)

Körperhaltung und Staunen


Bernhard Waldenfels: „Leibliches Musizieren“, in: Jörn Peter Hiekel (Hrsg.): Body Sounds. Aspekte des Körperlichen in der Musik der Gegenwart, Schott, Mainz 2017, S. 28–43.

  1. Leib und Körper

Unterschied zw. gelebtem Leib (vgl. Husser, Scheler, Plessner) und materiellem Körperding (Waldenfels 2017:28)
– nie reiner Leib, sondern immer auch “Züge eines Fremdkörpers”, also Leibkörper
Formen der Selbstverdoppelung
– Kern der Selbstverdoppelung ist das leibliche Selbst
– „Selbstbezug und Fremdbezug, Selbstheit und Fremdheit gehen ineinander über, sind aber aus einem Guss.“ (Waldenfels 2017:28)
– das führt zu pathologischen Spannungen und Grenz- und Übertragungsphänomenen
– Müdigkeit / alltägliche Ermüdung
– auch Marx unterschiedet Körper und Leib
– Nietzsche und Feuerbach sind Leibphilosophen
– Körper bzw Körperlichkeit muss differenziert betrachtet werden → Leibkörper (Bsp: aus einem Kardiogramm lässt sich nicht ablesen, ob ein Herz aus Freude oder Angst klopft / wir haben keine leibhafte Erfahrung von neurophysiologischen Vorgängen) (Waldenfels 2017:29)

→ Musik-Körper, Klang-Körper muss genauso differenziert werden wie Leibkörper

  1. Auditive Epoché

– Hörbarmachen setzt voraus, „dass normale Hörerfahrung unterbrochen und eingefleischte Hörannahmen suspendiert werden.“
(Waldenfels 2017:29)

  • Urteilsenthaltung
  • Merleau-Ponty: wissen, was wir EIGENTLICH sehen ­(hören), es liegt eine Gehörschulung vor, wir hören WIEDERHOLT
  • kulturabhängige Deutung
  • Waldenfels zur Entgrenzung des Musikalischen, Alltagsmusik: „Mit dem Außermusikalischen hätten wir auch das Musikalische abgeschafft.“ (Waldenfels 2017:30)

nehmt den Komponisten die Bratpfannen aus dem Gepäck…

  1. Klangereignisse

– Klangereignisse „unterlaufen den Gegensatz von Subjet und Objekt“ (Waldenfels 2017:31)

  • Unbestimmheit
  • Toshio Hosokawa → „leiblich fundierte Ökomusik“
  • Westlich: Wasserspiele, Brunnen
  1. Antwortendes Hören

– Klangereignis ist ein „Doppelereignis“
– Auffallen und Aufmerken, Widerfahrnis und Antwort
– etwas zu Ohren kommen ist ein AFFIZIEREN, als würde ich darauf antworten
– dy Höry ist kein eigenständiges Subj,, sondern ein „Patient, dem etwas widerfährt, und einen Respondenten der darauf eingeht, indem er hinhört oder weghört. Er tritt sowohl als Hörer auf wie als Antworter.“
– im griechischen Theater heissen die Schauspieler hyprites (= Antworter)
responsive Differenz: das ist Hörarbeit. Transformativer Charakter (vgl. Freuds Trauerarbeit)
– vgl auch Barthes: punctum und studium (bestechender Eindruck, nachhaltige Verarbeitung)

– „Zeitverschiebung zwischen Pathos und Response. Was uns widerfährt, kommt zu früh, gemessen an unseren Erwartungen und Vorkehrungen, während unsere Antwort zu spät kommt, gemessen an dem, was uns vorauseilt. Diese genuine Vorgängigkeit und Nachträglichkeit, ohne die es keine Überraschung gäbe, entspricht einem leiblichen Verhalten […]“ (Waldenfels 2017:31ff)

– Zeitverschiebung versus Sukzession versus Simultaneität (Waldenfels 2017:32)

  • Klein, Richard: Musikphilosophie, Hamburg, 2014 → Morton Feldman ua. Der Akt des Hörens als Abfolge von Pro- und Retention rückt umso nachhaltiger ins Zentrum der Komposition, je dichter […] das Spielen am Rande des Verstummens angesiedelt ist […] Raum offener Erfahrung […]Ankommen-Lassen […] Sich-betreffen-lassen von dem, was nicht antizipiert werden kann
  1. Bewegtes Hören

– musikalische Kinästhese: Hören und sich Bewegen (Verwandtschaft von Musik und Tanz)
– auch, wie Musik gespielt/gemacht wird
– Rhythmus, auch Biorhythmen: Atmung, Puls (Waldenfels 2017:33)

  1. Eigene und fremde Stimme

– Hören als Mithören, als Sich-hören (Waldenfels 2017:34)
– „Das anfängliche Sich-hören bedeutet nicht, dass ein Subjekt sich selbst zum Objekt macht und […] zu sich selbst zurückkehrt, wie es die Tradition einer Bewusstseinsphilosophie lehrt. Die leiblich-sinnliche Reflexivität ist nicht als reflexiver Akt eines Subjekts zu verstehen, sondern als impliziter Selbstbezug, wie ein in den sogenannten reflexiven Verben […] zum Ausdruck kommt. Aähnlich wie beim Sich-freuen […] habe wir es mit einer Selbstaffektion zu tun, die Momente einer Fremdaffektion einschliesst“

(für Hannah)
Paul Valéry: Cahier: „La douleur est l’extranété d’une sensibilité – une chose existe qui est moi et non moi – autre que moi en moi.“
– auch hier spielt die Zeitverschiebung mit hinein: „Sie hat zur Folge, dass wir als Musizierende wie auch als Sprechende uns selbst vorauseilen, uns selbst überraschen, uns selbst zu Gehör kommen.“ (Waldenfels 2017:35)
– fremde Stimmen: als eine Art Doppelgängereffekt
– sich als jemanden erfahren, der beim Namen gerufen wird
– verbale Halluzinationen
– Fugen als Mehrstimmigkeit
– Mehrstimmigkeit der eigenen Stimme…

  1. gemeinsam hören und musizieren

– „Fremdheit meiner selbst und die des Anderen […] genuines Mitsein miteinander“
Koaffektionen und Kointentionen als Formen der Zwischenleiblichkeit (Waldenfels 2017:36)

  • Husserl: Intersubjektivität
  • Merleau-Ponty: Zwischenleiblichkeit oder intercorporéité
  • Das gilt auch für ein AUDITORIUM
  • Musizieren → gemeinsam im der „Verklammerung von zurückgreifender Retention und vorgreifender Protention, die jede lebendige Zeiterfahrung prägt“ → multi-lokal
  1. Musizierender Leib und Musikalität der Dinge

– „Zum Musizieren gehört ein mediales Womit und Wodurch“
der Leibkörper als Urmedium
– „Körpertechniken, die zu den frühesten Errungenschaften des Menschen zählen, schließen Klangtechniken ein.“ (Waldenfels 2017:37)

  • Instrumente sind mit dem Leib verschränkt, nicht abgetrennt denken, nicht in Opposition zur beseelten Stimme als tote, unbeseelte Werkzeuge denken
  • Der Leib ist ein Ur-Instrument, weil es „kein reines, über sich selbst verfügendes und selbst durchsichtiges Leibbewusstsein“ gibt, „sondern er selbst als Leibkörper mit dinghaften und materiellen Zügen ausgestattet ist.“
  • Der Körper tritt nicht hinzu, er hat keine Aussenseite
  • das Know how steht für verkörpertes Wissen, implizit, stillschweigend (Polany)

– Musikinstrumente: die „Materialität wird in der Musikalität transfomiert“ (Waldenfels 2017:38)

  1. An den Grenzen von Leib und Musik

– wie weit können Musik und Körper angenähert werden?
(Waldenfels 2017:39)
– Spinozas Identitätsformel eines „Ein und Alles“, würde alles zu Musik?
– aber der Leibkörper ist nicht bloss Ort eines Transfers, sondern der Transformation
– Medialität des Leibes
– ändert sich der Status des Leibes durch elektroakustische Musik?
– „Rückführung auf humane Prozeduren nicht mehr zwingend erkennbar“ (Waldenfels 2017:240) (11)
– ästhetische Differenzen musikalischer Formen zu auditiven Gestalten
– Waldenfels: es braucht den Überschuss des Künstlichen, sonst ist alles Musik und die „technologischen Erfindungen von künstlerischen nicht mehr zu unterscheiden.“
– Kunsteinschätzung ist wichtig, sonst wird’s Zeitvertrieb

  1. Unhörbares hörbar machen

– auditives Epoché (Waldenfels 2017:41)

  • Durchbrechen von Hörgewohnheiten
  • Mit Platon: Staunen = Philosophieren

Rezension des Buchs im Archiv

 

 

096 Log 230410 Archives sonores de la poésie

Abigail Lang, Michel Murat, Céline Pardo (dir) : Archives sonores de la poésie, les presses du reel, Dijon 2019.

019 Log 221128 Bibliothèque des voix


Céline Pardo, Abigail Lang, Michel Murat : « Introduction : l’héritage sonore des poètes », in : Céline Pardo, Abigail Lang, Michel Murat (dir.), Archives sonores de la poésie, Les Presses du réel, Dijon, 2019, p. 9–18.

des enregistrements à l’archivage

  • Die Dokumente sont menacés d’oubli
  • Spuren drohen zu verschwinden / vergessen zu werden, vorallem die Aufnahmen
  • Charles Cros (Paléophon 1877) / Edison (Phonographen 1878)
  • viele Aufzeichnungen visavis der Masse der Poésie sonore
  • Unterscheide: Poésie sonore ← sonore Archive der Poésie

Robert Browning (1889)
« L’enregistrement cristallise un changement d’époque, un passage de relais symbolique de la mémoire humaine à une nouvelle forme de mémoire externalisé, mais aussi de la poésie comptée-rimée, dont la fonction était originellement mnémotechnique, à une poésie du vers libre puis à une poésie entièrement libérée du vers. »
(Lang, Murat, Pardo (Hrsg) 2019: 10)
– als Rhythmus und Reim als Mémotechnik an Bedeutung verlieren, taucht ein « mémoire externalisé » auf.
– Laut Kittler und Bernstein haben die l’enreigstrements « nouvelles prosodies modernes » hervorgebracht.

In Frankreich gibt es seit 1913 ein Archive de la parole
Aber es findet keine entsprechende Rubrik auf Gallica oder l’ina
Marseille : cipM ist die Ausnahme
in Frankreich findet sich kein « archive sonore spécifique à la poésie »
vlg Artikel von Camille Bloomfield bez. Documenten und Archive

Frage der « oralisation de la poésie en France »
(Lang, Murat, Pardo (Hrsg) 2019: 11)
Diese Form von Poésie wird kaum erforscht
Im angelsächsischen Sprachraum ist das anders

  • Harvard Vocarium seit 1933 : als erstes S.Elliot
  • Vocarium steht, wie der Name andeutet für : a collection of voice recordings for use as a study aid in the appreciation of literature → siehe Link zu pdf
  • Woodberry Poetry Room Harward I
  • Woodberry Poetry Room Harward II
  • Columbia, Standford u.a. folgten dem Beispiel
  • In der Library of Congress findet sich ein Rubrik « Archive of Recorded Poetry and Language »
  • Auch Ubu web (fondé par Kenneth Goldsmith 1996)
  • PennSound (cofondé 2005)

Versch. Formen von Archiven sind zu unterscheiden

  • Archives écrites (→ « le dilemme de l’archive écrite, entre conservation et circulation »)
  • Archive sonores (bandes magnétiques)
  • Archive digitales → online oft frei zugänglich, damit multipizieren sich die Orte der Aufbewahrung

Zur Gründung eines entsprechenden Archivs in Frankreich
→ 2016 Symposium in der Sorbonne « Le patrimoine sonore de la poésie »
Das Symposium, für das die Beiträge des vorliegenden Bandes geschrieben worden sind
→ Link

Céline Pardo:  La poésie hors du livre (1945-1965). Le poème à l’ère de la radio et du disque, Paris, Presses de l’Université Paris-Sorbonne, 2015.
«….Éluard, Tardieu, Soupault, Aragon, Pichette, Artaud, Prévert, mais aussi Garnier, Dufrêne, Heidsieck, Gherasim Luca, s’emparent de ces nouveaux moyens de diffusion et d’expression pour dire leurs textes, se mettre en scène, inventer de nouveaux rapports avec le public, de nouvelles formes d’écriture et de présence à l’œuvre. » zit n. Klappentext

OBVIL = observatoire de la vie littéraire
01-03 Juni gibt es ein Symposium zu Emmanuel Hocquard: la poésie mode d’empoi
2017 (fungiert unter actualités)
→ OBVIL (nach dem Vorbild von PennSound) ist in Vergessenheit geraten

Arches et recherche
Es gehe um « les lignes de la voix des grands auteurs » so Tardieu, der den Club d’essai in den 1960er Jahren leitete.
(Lang, Murat, Pardo (Hrsg) 2019: 12)
Auch eine Frage der Archivierung und der Erhaltung der Bestände

Was ist der Stand der Forschung in Frankreich ?

  • Georges Lote : L’Alexandrin français, d’après la phonétique expérimentale, Pairs, La Phalange, 1913
  • Robert de Souza 1912 : « les poètes ne savent pas se lire… »
  • So auch Pierre Roger Léon, 1971
  • Prado entwickelt eine Typologie der Diktion

Stand der Forschung in den USA

  • Michael Diavidson 1981 : l’Archive for New Poetry (University of San Diego) bildet die Grundlage für audio-critisism
  • Charles Bernstein : Close listening. Poetry and the performdes word.

(Lang, Murat, Pardo (Hrsg) 2019: 15)

  • La dimension orale de la poésie
  • « La lecture à voix haute facilite l’accès »
  • Neue Beziehung zwischen son et sens
  • Soziologisch gesehen, so Bernstein, « se constitue dialogiquement par la reconnaissance dt l’échange au sein d’une communauté d’égaux » Bernstein distanziert sich von der romantischen Perspektive des Oralen als : « réspiration, la voix, la parole ».
  • Für Bernstein ist das Gedicht ein Ensemble von « performances textuelles et orales »
  • Close listening → close reading (new critisism, Ivor Armstron Richard, William Empson, vgl auch Derrida : Ulysses Grammophon)

Leseempfehlung : Roubaud : Dire la poésie

 


Daniel Kane : « Paul Blackburn et son magnétophone Wollensack », in : Céline Pardo, Abigail Lang, Michel Murat (dir.), Archives sonores de la poésie, Les Presses du réel, Dijon, 2019, p. 107-118.
Ausgangspunkt : die CD All Poets Welcome : the Lower East Side Poetry Scene in the 1960s, Berkley, University of California Press, 2003.

  • Athmosphäre der Lower East Side 1960
  • Fondatrice pour la poésie américaine
  • Wo : Les Deux Magots, Le Métro, Poetry Project de la Saint Marks Church
  • Interviews der AkteurInnen
  • was sie auszeichnet : « une tradition poétique centrée sur l’oralité »
  • Es handelt sich um Aufzeichnungen öffentlicher Lesungen und Gespräche, Radiosendungen

Recherche in den Archiven von Paul Blackburn in der Mandeville Special Collections Library der Universität von Kalifonien San Diegeo
(Kane 2019: 108)

 


Textmaterial im Archiv

095 Log 230405 CdG and Kosmocreation

10-12h CdG Skype
Vgl. Notizen 1-4
Wasser als Trope (Stilmittel, bildhafter Ausdruck) (12)

CdG
Zusammenarbeit mit Tomoco Sauvage
Festival Sonic Acts mit Waterbowls

  • recording water
  • resampling water
  • puls / polyrhythms
  • Eisblöcke, Tropfen, Kermaikschalen, Amplification

mit WSL an der Daylight Academy, Lausanne
Arbeit zu Feuer mit environmental geographer Jay Mistry, London

  • Feuer
  • wildfire
  • scales of fire

Wissen der Wissenschaft

  • Kunst ist Schattenreich dieses Wissens / Kompensation der Wissenschaft, aber ebenso wie diese infiltiert bez….
  • Bsp Begriffe Subjektivität (Kunst) – Objektivität (Wissenschaft) bedingen einander
  • Religiose Fragen hinter sich lassend

Kosmologie → besser Kosmocreation / Kosmogonie → teilhaben, matter, you are (t)here

  • CdG als Wissenschaftsphilosophin (vgl. Isabelle Stengers)
  • Feuer gibt viel zu lernen

Frage bez. Wissenschaft zur Sprache bringen (94 Logbuch 230401 → Monica Galiano)
Jargon der Wissenschaft steht für

  • Positivismus
  • Technologischer Fortschritt
  • Immer mehr Wissen, die Realität immer besser durchschauen, dabei!: wir wissen nicht mehr sondern ANDRERES / anders
  • Ein Wissen das funktioniert, Solange Herz, Spiritualität, Ästhetik “draussen” bleiben
  • Kunst / Kehrseite der Medallie → Problemtik der Produktivität, Vermarktung

MUSIK riesiges Wissensgebiet
Was (nicht) alles dazughört(e):

  • Astronomie
  • Altgebra, Geometrie
  • Verbindung von allem mit allem

daraus entsteht in der “Neuzeit” etwas wie eine akustische Welt

  • empirisch vermessbar
  • Ästhetik ist die Wissenschaft der Wahrnehmung
  • Wahrnehmung als solche hatte vor xxxx Jahren keinen eigenen Wert
  • Pythagoras hat nicht einfach etwas gehört, seine Wahrnehmung war eingebettet in eine Kosmologie (erst dann macht sie Sinn)
  • Musik zeigt, wie wir in der Welt sind und die Welt in uns

Wissensgeschichte
Invisible College versus dogmatisches Wissen (Kirche)

  • Kirche/dogmatisches Wissen ist kein spirituelles Wissen sondern entspring einem totalotären System (Dogma)
  • Das invisible College ist sozuagen der “Club der Wahrnehmung” um dagegen anzukämpfen
  • Wahrnehmung ist geframed: nur Nobel-Männer sind bei den Experimenten von Boyle gegenwärtig
  • post-lapsaische Verfasstheit des Menschen

Vgl. Kunst: Wahrnehmung ist Kunst, ist die Fähigkeit Relationen zu machen/verstehen/sehen

Pauline Oilveros Masterclasses
Oliveros-1: ‚Introduction and Background of Deep Listening‘
Oliveros-2: ‚Story of the Deep Listening Recording, 1988‘
Oliveros-3: ‚Hearing Listening and Movement with Energy Awareness‘

  • Aufzeichnung von Sonic Acts
  • Schärft das Körperbewusstsein
  • CdG hat die Übungen mit Stud. gemacht → wieviel Energie im Raum generiert wird!
  • viel besser hören können
  • CdG wie lässt sich diese Energie chanelling?
  • wieviel Potenz
  • weg von der Sichtbarkeit, bzw. man schaut nach innen
  • keine Wahrnehmung, die sich auf Sichtbarkeit reduziert
  • nach den Übungen etwas wie Ehrfurcht zu spüren
  • CdG schlägt vor auf dem ersten Wort, das den Teilnehmy in den Sinn kommt die Energie auszusitzen/brüten (DAS-Stud Amsterdam sind im Stande mit den sexuellen Energien, die auftauchen umzugehen im Gegensatz zu den Fine und Sonific) / Sexualität kennt keinen gaze, ist queer, aktiv, kreativ, politisch

Starhawk als ecofeministin

  • contemporary witchcraft
  • channeling

077 Log 230213 Paris
Übersicht über Dokumente_Fazit

Aufenthalt in Paris November-Dezember
Interviews Dezember 2022

Archiv Recherche

  • Mediathek IRCAM
  • Bibliothek Centre Pompidou
  • Archiv der Galerie Oudin
  • Bibliothèque national de France (BnF)
  • Archive écrites de la Radio France
  • Ina Mediathek

Recherche ultra-lettristischer Aufführungsorte

  • Salle Sociétés des Savantes
  • Rose-Rouge I&II
  • Relais de l’Odeon,
  • Tabou
  • Théâtre de France Odéon
  • Théâtre du Vieux Colombier
  • Chez Moineau


Stadtplan mit Archiv-Dispositiv
Logbuch:

    • 01– 63 (Nov-Dez 2022)
    • 71– 76 (Jan 2023)

  


Schreiben mit Stimmen

Stimmen bilden keine eigene Kat. der objects sonores
GRM ist das Studio der Studios in Europa. Wer etwas auf sich hielt als Komponist, sei vorbegekommen. In der Nachfolge entstanden Studios in Köln, London, Mailand, so Debade
→ weiterführende Einträge 040-041 Log 221220 (siehe oben)

In den Studios der GRM wird mit objects sonores gearbeitet
Die Stimme ist ein object sonore unter objects sonores.
GRM
-Stimm-Werke?
Stimme ist keine eigene Kat. der musique concrète, “mais non!“ Tonbandaufzeichnungen (Mikrophon) ohne Umwege über eine Partitur – Band läuft! – ein lautpoetischer Ansatz (Chopin, Dufrêne und Wolman). Lautpoeten interessieren sich auch für die Stimme, für ihre Physiologie.
Zu fragen, was in diesem Zusammenhang der Umgang mit der Stimme auszeichne, ein Missverständnis – NICHTS! – die Stimme ist ein object sonore unter objects sonores. Die Frage unangebracht. Entscheidend für die musique concrète ist im Gegenteil, die Quellen nicht mitzuhören/mitzudenken, das Stimmmaterial nicht als solches zu verorten. Das woher und wie, soll von der akustischen Gestalt der objects sonores ablenken. Gestalt hören. Die «Morphologie der Klänge» dem von Schaeffer entwickelten Formenkatalog zuordnen zu können, setzt eine Hörschulung voraus. Schaeffer spricht von Solfège. Das kingt manchmal nach Hör-Umerziehung, dogmatisch. Meine Fragen nach der Stimme provoziert  – es wird mir eine Lektion zuteil, weil ich von Geräusch-hören keine Ahnung hätte.
Die GRM-Kompositions-Verfahren in den Anfängen : cut, pitch, loop und reverse. Ziel, aus den Aufnahmen abstrakte akustische Ereignisse zu formen. Die Einschwingvorgänge (attaque) wegzuschneiden verunkenntlicht die Aufnahmen, interessant, erstaunlich! Für die Komposition der Musiue concrète einen theoretischen Überbau entwickeln, die den Vergleich mit allen anderen Musiktheorien der Zeit (Serialismus) nicht scheuen muss. Soll mit den objets sonores ähnlich verfahren werden können, so müssen sich diese in ein Kontinuum einbinden lassen.

Das Potential der Tonbands differenzierte Informationen zur Quelle mit aufzuzeichnen und nicht bloss abstrakte Tonereignisse –jeder nasse Zungenschlag wird mitgehört, gerade das ein Verweis auf die Authentizität der Aufnahme – dieses Potential ist für die musique concète von keinerlei Bedeutung. Ferreyra spricht zwar von der akustischen Reichhaltigkeit der Aufnahme mit dem Mikrophon im Gegensatz zu elektronisch generierten Klängen, aber lehnt aber ein assoziatives Hören ab im Sinn eines Hören-Verstehen eines Klangs und woher er kommt. Die Quelle wird im Zusammenhang der musique concrète zurückgedrängt – das «Alles-Hören» soll keine Rolle spielen. Die Klangereignisse werden durch die Aufnahmen und durch die Bearbeitung dem Kontext entrissen und entfremdet zu abstrakten Hör-Objekten gemacht. Dokumentarische Aspekte werden wenn möglichst verkenntlicht, als würden diese beim Komponieren stören(?). Ausser-musikalischen Informationen werden in der musique concrète an den Rand gedrängt, was immer auf Körper verweist (Inbegriff des Schreibens mit Stimmen) wird ausgeblendet. Die REIN akustischen Ereignisse werden über ein Lautsprecherorchester wiedergegeben. Qualitäten des abstrakten Hörens nach Schaeffer sind Dichte, Gewicht etc.
Ausgerechnet über ein Kompositionsverfahren, das erlaubt die unterschiedlichste Rezeptionsformen (Kognitionsformen? / Wissensformationen?) zu verbinden (hören, lauschen, abhören, anhören, peilen, fokussieren, orientieren, verorten) wird eine abstrakte, auf Klangfarbentheorien begründete Kompositionstheorie übergestülpt.
Trotzdem werden gewisse Spuren der Aufnahmesituation (der Aufnahmequellen und -verfahren) werden insbesondere von Ferreyra sehr geschätzt. An Missmut grenzend, mit einem Ausdruck des kompletten Unverständnisses kommentiert Ferreyra die musique electronique, sei sei als flach: die Klänge mager, Sounds, die sich in keinster Weise mit den objets sonores verbinden liessen, mit der (körperlichen, vollen?) musique concrète.

 


Once/Mills
Der Einfluss von Recording als Kompositionsverfahren wird von Ramòn Sender mit Schönbergs 12-Ton-Theorie verglichen, niemand kommt mehr daran vorbei. Während die GRM für die Arbeit mit dem Tonband ein kompositorisches Korsett schafft, das dieser ebenbürdig sein will, suchen Ramon Sender, Morton Subotnick und Pauline Oliveros den Neuanfang. Statt von Avant-Garde ist von Subkultur, sprich von Counter-Culture die Rede, siehe David Bernstein in CCM Archive and History.

070 Log 221128 David Bernstein_History of Mills College
___Interview 231006 David Bernstein
___Interview 231007_16 Ramón Sender and Judy Levy–Sender

unterschiedl. Rollen der Institutionen:
GRM ←→ Radio France
San Francisco Tape Music Center ←→ Mills College.

 


Fazit I
Musique concrète versus Ultra-Lettrismus versusmusique concrète vocal
Als Kompositionsverfahren zielt die musique conrète auf einen abstrakten Klangraum. Die Körperlichkeit der Recordings ist entscheidend und wird hochgehalten gegenüber den flachen, maschinengenerierten elektronischen Klängen. Hingegen nicht geschätzt wird das Eindringen aussermusikalischer Referenzen. Körperliche, volle Klänge ja, assiziatives Hören nein.
Die Ultra-Lettristen benutzten keine eigenen Studios. Mit ihren Aufzeichnungen generieren sie offene, ambivalente Bezugsfelder zwischen Sprache, Stimmphysiologie und Körper. Die Bearbeitung der Aufnahmen ist transparent, nachvollziehbar. Der Prozess grenzt an dokumentarische Verfahren.
Die musique concrète vocal eines Henri Chopin interessiert sich nicht für die Bezugsysteme des Körpers und überschreibt dessen Spuren durch zahlreiche Overdubs.

Fazit II
Schreiben mit Stimme wird mehr und mehr zu einer Recherche bezüglich des Magnétophons als kompositorisches Werkzeug. Das Tonband ermöglicht Stimme, Sprache, Körpergeräusche aufzuzeichnen, es registriert sämtliche akustische Informationen des Körpers, es drängen sich Fragen bezüglich Ein- oder Ausschlüsse aussermusikalischer Bezugsysteme in der Musik der 50er und 60er Jahre auf.

 

075 Log 230124 Simone Rist

Prägend für Leben und Werk der in Frankreich geborenen Sängerin und Schauspielerin, Regisseurin und Autorin Simone Rist ist die Begegnung mit Pierre Schaeffer im Rahmen der GRM (Groupe de Recherches Musicales). Ihre Zusammenarbeiten mit den Komponisten Josef A. Riedl, Berio, Luigi Nono, Pierre Boulez und allen voran John Cage und Merce Cunningham begründeten ihre Karriere als Konzertsängerin Neuer Musik.

Worldcat
Neue Musik Zeitung:
Rückblende: Vor 50 Jahren – 1971/01: Cage gibt das Komponieren auf
Mehr Sprachen, mehr Theater: Simone Rist

ZHDK-MIZ
Riedl
Galeriegeschoss: YT_16919
Untergeschoss: YS_1102
Ferreyra
Galeriegeschoss; YT_17034
PURA online
FERREYRA, B.: Rios del sueno / Medisances / L’Orvietan / Vivencias / Cantos de antes (La riviere des oiseaux) (Ferreyra)

 

Merci beaucoup pour vos bons vœux pour la nouvelle année, une bonne et heureuse année à vous aussi.
Suite à votre remarque, je me suis adressé à Radio Frankfurt pour demander des enregistrements de vous. J’espère avoir des nouvelles bientôt. Vous serez peut-être intéressée de savoir que de nombreux enregistrements de vous sont répertoriés sous ce lien :
Worldcat

[…]

Auf Empfehlung von Simone Rist geht eine Anfrage Radio Frankfurt
Radio Frankfurt Kontakt
keine Antwort

Weiterführende Links
029 Log 221208_230306 Entretien avec Simone Rist
108 Log 230824 Entretien avec Beatriz Ferreyra

 

 

073 Log 230124 Wolman

Barbara Wolman
Anfrage bezüglich Audioaufnahmen
sie sagt nur 1x nein

keine Antwort

Mail/Unterlagen im Archiv