172 Log 240712
Andrea Saemann: Saemann meets Schneemann – a performance thanks to Carolee Schneemann
Ludwig Jäger: ‚Aura’ und ‚Widerhall’. Zwei Leben des ‚Originals’ Urheberrechtsfragen in der Performancekunst

Urheberrechtsfragen in der Performancekunst
– Andrea Saemann: “Saemann meets Schneemann”
, 2006

Mit einer Perf. hängen zs.

  • Handlung/Perf./Event
  • Fotos/Videos der Perf
  • Relikte der Perf
  • Notizen zur Perf

– wie wird Zitat in der Perf. / im Theater definiert?
– Def. re-enactment, Aktualisierung, re-doing, Wiederaufführung?
– wieviel Ähnlichkeit ist erlaubt, wann stellt sich die Urheberrechtsfrage?
– ist “Meeting Schneemann” (Andrea Saemann) bloss ein Verweis?
– oder gibt es ein genuines Interesse die Interior Scroll im Sinne einer Interpretation zu performen/aufzuführen?
– wie grenzt sich in der Musik Interpretation von Paraphrase ab, von etwas anklingen lassen…
– würden Perfs. den Status “interpretierbarer” Werks erhalten, was änderte sich?
– was beinhaltet «Status eines interpretierbaren Werks»?
– wenn sich Perf.-Kunstwerke wieder aufführen lassen, was bedeutet das für das Original?

«Jene reine Sprache, die in fremde gebannt ist, in der eigenen zu erlösen, die im Werk gefangene in der Umdichtung zu befreien, ist die Aufgabe des Übersetzers.“ (…) „Die wahre Übersetzung ist durchscheinend, sie verdeckt nicht das Original, steht ihm nicht im Licht. Sondern läßt die reine Sprache, wie verstärkt durch ihr eigenes Medium, nur um so voller aufs Original fallen».
Walter Benjamin: Die Aufgabe des Übersetzers, 1923
Walter Benjamin: Die Aufgabe des Übersetzers, 1923.pdf
– Das Original wird durch die Übersetzung «befreit»
– Die im Original gebannte «reine, eigentliche, ursprüngliche» Idee/Licht trifft zurück, verstärkt das Original
– gilt das auch f. «Interpretation», «re-enactment»?

Ludwig Jäger: ‚Aura’ und ‚Widerhall’. Zwei Leben des ‚Originals’ – Anmerkungen zu Benjamins Konzeptionen des Originalen
Abstract: Der Beitrag diskutiert zwei Aufsätze Walter Benjamins, die mit Blick auf die jüngere Original-Kopie-Debatte von großer Bedeutung sind. Benjamin hat in seinem ‚Übersetzer’-Aufsatz von 1923 und in seinem ‚Kunstwerk’-Aufsatz von 1939 zwei Begriffe eingeführt, die von hoher transkriptionstheoretischer Relevanz sind und die dort beide jeweils im Zentrum der Argumentation stehen: ‚Aura’ und ‚Widerhall’. Unter je spezifischer Perspektive fokussiert Benjamin anhand dieser Begriffe ein grundlegendes kunst- und medientheoretisches Problem – das Problem des Verhältnisses von ‚Original’ und ‚Fortleben’ des Originals, wobei ,Fortleben’ einmal als Übersetzung und zum anderen als technische Reproduktion verhandelt wird. Transkriptionstheoretische Überlegungen im Ausgang von diesen in Benjamins Werk zentralen theoretischen Begriffen erlauben es, das Verhältnis von ,Original’ und ,Kopie’ neu in den Blick zu nehmen. (zit.n. Jäger: Abstract, Link siehe oben)

Keywords: Original, Kopie, Widerhall, Walter Benjamin, Aura, Kunstwerk, Reproduktion, Übersetzung, Übersetzbarkeit, Fortschreibung, Transkription, Nachträglichkeit, Vorgängigkeit.

 

Musik
SUISA,  Tantiemen, Musik am Radio ≠ Aufführung eines Stücks
Für die Pressung einer CD muss zwingend eine Anmeldung bei der SUISA vorliegen

171 Log 240703 Schreiben mit Stimmen

ZOOM Sitzung

Tonbandmusik basiert darauf, dass Klänge gleichwertig sind, Musik (Töne) und Stimme werden zu Sounds unter Sounds. Die akustische Welt als musikalisches Material. Tonbandmaschine und Stimme greift als Frage in Leere?

Micha:

  • auf die Ultra-Lettristen zurückkommend mit neuen Perspektiven
  • Das Thema bleibt überraschend konstant

Poesie sonore: geht von Buchstabenpartituren aus

anders die Ultralettristen:

  • direkte Interaktion / Aufzeichnung mit dem Tonband / Mikrophon
  • die symbolische Schrift überwinden
  • mediale Stimme, es gibt keine Interpretation, die Stimme als mediales Ereignis ist nicht das Resultat, sondern die Konzeption einer neuen medialen Stimm-Physiologie

Wo weiter?

  • Warschau?
    • Micha: Warschau ist DAS Zentrum im Osten
    • Tor zum Westen
    • Patovski: Rundfund
    • Hans Peter Haller und das experimentelle Studio in Deutschland
    • beachte: Ost-West Austausch im Rahmen der internationalen Komponistenseminare im Boswil
  • Tatiana Eichenberger:  Experimentelle Klanglabore des Rundfunks.Elektronische Studios der 1950er-Jahre und die Transformation der auditiven Künste ins elektronische Zeitalter, Dissertation 2021
    • Effekte für Hörspiel als Gründungsbehauptung für die Studios in Europa, also auch Köln und Warschau etc
    • Nicht so BBC! BBC ist anders
  • GRM
    • Beginnt mit Stimmworkshops für Hörspiel-SprecherInnen → Gayou
    • Also auch hier das Hörspiel am Anfang?
  • Trevor Wishard
    • bringt Stimme und Elektronik zusammen

Schreiben mit Stimmen reflektiert mediale Stimmen

  • Hörspiel, wie wird die Stimme inszeniert
  • Nazi: Rundfunk als Propaganda-Instr.
    • Der Führer spricht zum Volk
    • Nach dem Krieg steht die Stimme im Radio unter Verdacht, keine «hohe» Stimme mehr
    • Nazi verstehen die Stimme medial zu inszenieren, und zwar so, dass das deren Hightech-Voraussetzungen unsichtbar bleiben. Das Publ. versteht nicht, wie ihm geschieht: die grosse Stimme
  • Auch Madonna inszeniert sich vor 4Mio Publ. an der Copa Cabana. Die Sicht vom Überflug mit der Drone zeigt den technischen Aufwand

Lit

  • Ute Holl & Tobias Gerber und : Radiophonic Material Bd.II
  • Michel Serre: Musik: Stimme als akustisches Phänomen
  • Neue Zeitschrift für Musik zu Sonic Architecture Symposium von Micha und HKB

Schreiben mit Stimmen

  • ist auch Hörspielgeschichte
  • ist auch Radiogeschichte → Link von Mathieu

Veranstaltungen?
Ausufern von Schreiben mit Stimmen

  • Radiogeschichte als Stimm-Geschichte
    • Mediale Stimmen im öffentlichen Raum
    • Nazi
    • Madonna
  • Interaktion mit dem Mikrophon
    • neue, mediale Stimmphysiologie → Ultralettristen
    • mit Poesie Sonore – mit Partitur
  • Zusammenhang mit urbanen Stimmraum
    • Ultralettristen → Situationisten
    • über die Studios hinaus

 

170 Log 240727 Txt Kollektive

025 Log 221204
Histoires statt History
bricolage et contre-culture 1950–1970

Recherche Kontext der 1960-1970 Jahre
– Bricolage und Contre-Culture
– Histories statt Histoire
– Gegenkonzept zu kontinuerlicher Weiterentwicklung
– unterminieren «le grand récit»
– alternative künstlerische Praktiken
– under-ground
– Politiken der Provokation
– la dénonciation de l’autorité technocratique
– self-made

026 Log 221206
Collaborative Aesthetics_Global Sound Art

– Kollaborationen im Bereich Global(!) Sound Art
→ vlg. Oliveros: Music as a community enterprise
– Musik geht über Musik hinaus
– Engagement, soziales Wissen

240809
Stammeswesen
Bubbles
Tribe
Teamplayerin

 

169 Logbuch 240524 Berlin

Sabine Sanio à Pionierinnen Elektronik
Bettina Wackernagel à Pionierinnen Elektronik
Bo Wiget → Elke Erb
Andrea Neumann
Tomomoi Adachi → Japan / atomo@adachitomomi.com
Anna Clementi
Ute Wasserman

Polen: Musica Electronica Nova / Wroclaw
Elzabieta Sikora lebt in Paris
Jagoda Szmytka

168 Logbuch 240524 Heroines of Sound – Herstories

Sanio, Sabine, und Bettina Wackernagel (Hrsg). „Einleitung“, in: Heroines of sound : Feminismus und Gender in elektronischer Musik. Hofheim am Taunus: Wolke Verlag, 2019, S.16–29.

I am a Feminist, wird zwar zum verkaufstauglichen T-Shirt, but that’s all. 1971 begründet Lina Nochlin mit ihrem Essay Why have there been no great women artists? die feministische Kunstwissenschaft(en, Mehrz.!). In den Musikwissenschaften kommen solche Fragestellungen erst 40 Jahre später auf, erst recht was die Elektronische Musik betrifft. Die elektronischen Klänge als «geschlechtslose Sounds» seien Theorie geblieben, so Sanio und Wackernagel. Hinter den Maschinen wirken die gleichen Machtverhältnisse wie sonstwo im Konzertbetrieb.

mit Beiträge zu
Bebe Barron / Alice Shields
Else Marie Pade
Daphne Oram
Delia Derbyshire/Maddalene Fagandini
Suzanne Ciani → Plop für Coca-Cola (S17)
Laurie Spiegel → Star Wars, Atari, Lego (Sounddesign)
Laurie Spiegel → Music Mouse, an intelligent Music Instrument für Atari7

GRM (Nachtrag (S.21)
Monique Rollin
Christine Groult → christinegroult@free.fr
Beatriz Ferreyra
Clara Mïda
Louïse Bulot
Polen: Musica Electronica Nova / Wroclaw
Elzabieta Sikora lebt in Paris
Jagoda Szmytka

2016 Festivalschwerpunkt zu Stimmen in der Elektronischen Musik
mit Cathy Berberian, Anna Clementi, Ute Wassermann, Dorit Chrysler

Stichwort: Embodiment in der elektronischen Musik

 

166 240430 Perf [ort] 

nach Elke Erb
Elke Erb: Es setzt auf mich, 16.10.04, in: Das ist hier der Fall, Suhrkamp.
performance score
Donnerstag 23.April, 19h
[ort] Raum für Performance, Emmenbrücke

 


Notizen verloren / verlegt
Intellektuell und Spiel (Judith)

kein Tabula rasa
Material aus der Apteca: Plastiktasche, Liegetöne (Megaphon, K7)
die Plastiktasche, so der Kommentar von DR, als externes, zusätzliches Lungenvolumen, das hat den Ausschlag gegeben
ein Extra-Grosses Vol mitzubringen, wie praktisch
die Liegetöne, weil ich doch gesungen haben gewollt hätte
auch!: Karaoke-singen ist nicht «in echt»
nicht authentisch, sondern geborgt
darin echt, auch das Gedicht, geliehen
wenn auch: auswendig, by heart!
nicht bloss herbeizitiert
sondern einverleibt im Versäumen und versäumen und versäumen
mit Leib und Seele versäumt
nebenher der Zentralstrasse entlang ins Rückentraining

das Gedicht, geschrieben
extern, Buch, Worte das sotto voce einer allerwelts Stimme
jede die Stimme nicht die richtige, auch EEs nicht?

In der Schriftlich sind Zeilen, Umbrüche, Wortabstände zugegen
jede Zeile eine Zeile, jedes Wort ein einzelnes Wort
das Gedicht ein einziges Ganzes
überlesbar, überfliegbar, überschaubar
zurückblättern

passt zur Perf
kommentieren, ja
grosse Schriftzeichen auf grossen Bogen Papier, ja
Eselsbrücken aufgedeckt, sie sind kaum by heart, aberwitzig und cerebral
ein Versteck

lustig, heiter und mit Etta James ein tiefblauer Schluss

heute wird das Video visioniert
Andrea kommt extra aus Basel
Warum ist die Videodok. ein Balast?
vielleicht ist es immer ein Balast, auch für T., sich zu hören, zu sehen.

 

Elke Erb: “Es setzt auf mich”
Dauer
Schreiben
1 Seite 11:30
2 Seite 12’
3 Seite 7’
= 30:30
still  3:40
laut 3:40

Judith H
Liebe Doro, Hier die Video-und Audiodateien vom (ort) Performanceabend vom 25.4.24. Kamera Christoph Stehlin, Audio Liwai weissichdennachnamennicht.
Klingt immernoch nach deine Arbeit. Dein Mitunsgedankenteilen. Liebgruss Judith

Liebe Judith,
Danke für den Transfer, für alles. der [ort] ist ein guter Ort.
Danke auch an Christoph und alle die mitgewirkt haben.
Super Stimmung, Nachhall so weit wie das Seetal.

Ich hoffe Du und Christoph kommt mal in den Schwaderhof.
Für ein Abendessen mit Seeblick – jetzt leben wir auf einer Baustelle, einfach grässlich (und interessant).

Bis bald!
Herzlich
Doro

164 Log 231007_16 Interview
Ramón Sender and Judy Levy–Sender

October 7th 2023, via ZOOM
October 16th 2023
3922 23rd Street, San Francisco

Interview with Ramón Sender and Judy Levy–Sender, pdf

Ramon Sender (*1934 Spain) is a composer of electronic music, well-known writer of fiction and memoirs, communal archivist and artist and has been working as Clown Zero. He studied piano with George Copeland and composition with Elliott Carter, Harold Shapiro in New York, with Robert Erickson at the San Francisco Conservatory of Music and at Mills College with Darius Milhaud. Together with Morton Subotnick he founded The San Francisco Tape Music Center in 1962. Judy Levy-Sender worked as a SFUSD teacher of ESL-Bilingual education to junior and senior high schooler, she is a ‘wrartist’ drawing and writing lines ‘whimsical and otherwise’.
Ramon Sender is one of the founding members of the San Francisco Tape Music Center (SFTMC), alongside Pauline Oliveros and Morton Subotnick. The Sonic Series, a precursor to the SFTMC, was conceived as a presentation format for Robert Erickson’s composition class. These were “bring your own speaker” concerts. According to Sender, listening to loudspeakers only, something would have been missing, which is why the Sonic Series were multimedia events. In the SFTMC, tape music was experimentally staged.

Ramon Sender (*1934 Spanien) Komponist elektronischer Musik, Schriftsteller, Archivar und Künstler, Auftritte als «Clown Zero». Er studierte Klavier bei George Copeland und Komposition bei Elliott Carter, Harold Shapiro in New York, bei Robert Erickson am San Francisco Conservatory of Music und am Mills College bei Darius Milhaud. Zusammen mit Morton Subotnick gründete er 1962 das San Francisco Tape Music Center.
Judy Levy-Sender arbeitete als SFUSD-Lehrerin für ESL-Zweisprachigkeit in der Mittel- und Oberstufe und ist eine „Künstlerin“, die „skurrile und andere Linien“ zeichnet und schreibt.
Ramon Sender ist neben Pauline Oliveros und Morton Subotnick eines der Gründungsmitglieder des San Francisco Tape Music Center (SFTMC). Die Sonic Series als Vorläufer des SFTMC waren ursprünglich ein Präsentationsformat im Rahmen der Kompositionenklasse von Robert Erickson. Als «bring your own speaker» Konzerte waren die Sonic Series von Beginn an multi-mediale Ereignisse – pure Lautsprechermusik, da hätte etwas gefehlt, so Sender. Im SFTMC wurde mit Tonbandmusik szenisch experimentiert.

 

 

141 Log 231001 writing music
Christian Grüny:
Scores zwischen Aufbruch und Normalisierung

Interdisziplinäre Ringvorlesung am Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung, Wien, 3.11.2016 (1)

Grünys Vortrag fokussiert auf sprachbasierte Notationen, die von Karkoschka (2) , nur stiefmütterlich behandelt werden. Es geht um die Partitur, als Instanz der präzisen Fixierung der Vielstimmingkeit. Grünys Vortrag bezieht sich auf «Scores», weil es mehr um eine wie auch immer geartete künstlerische Präskription bezieht. Das Ziel des Vortrags kann nicht eine abgeschlossene Theorie der musikalischen Notation sein.

  • Unterschiedliche Konstellationen, die in die Notation eingetragen werden
  • Konstellationen von Konzeption, Interpretation und Rezeption
  • Stichworte: Interdisziplinarität, Heterogenität
  • Wozu Notation? um komplexere Musik aufzubauen, zu bewahren und zu vermitteln, eine Begrenztheit der Perspektive
  • es geht die Notation als Medium der Vermittlung zw. musikalischer Struktur und ihrer Verkörperung und entscheidend: um Komplexität

Partituren werden immer wieder neu interpretiert, Notentreue – für die musikalische Grafik gilt das nur begrenzt. Zentrale Figur ist John Cage, der mit dem Artikel Experimental Music: Doctrine eine grosse Distanz zur alteuropäischen Musiktradition markiert. Cage stellt die Frage, was composing, performing und listening miteinander zu tun haben. “Die Partitur ist der Knotenpunkt dieser Verschiebungen und der Ort, wo sie bearbeitet werden.”

1950: Cage, Feldman, Brown, Wolff
erste offenen Partituren – grafische Notationen

  • was wird festgelegt?
  • nicht nur Vorgaben für klangliche Strukturen
  • Cage notiert Musik, aber es gibt eine Barriere zum Erklingenden
  • Radikale Spaltung zw schreiben und erklingen
  • was haben sie miteinander zu tun? keine rhethorische Frage
  • 4:33 in Scores in 3 Varianten, die dritte ist rein sprachlich

 

Fluxus Event Scores
George Brecht
war 1958/59 in Cages Kompositionsklasse an der New School.
Auf Brecht geht der Begriff Eventscore zurück
Bsp aus dem Jahr 1960: Motor-Vehicle-Sundown [Event]

 

Funktioniert wie ein trad. Score, der das Material und die Umgangsweise definiert.
Später bezieht sich George Brecht mit seinen Scores auf Alltägliches:

 

Suitcase

worin liegt das Event?
funktionieren diese Events wie Ready-mades?

Ready-Made-Event von Brecht als Synthese von Cage und Duchamp
Grüny: «Scores sind in allen diesen Beispielen das Zentrum, um das herum sich die Instanzen der westliche Kunstmusik gruppieren und von denen sie durcheinandergebracht werden.» Erst wird’s in einen musikalischen Kontext eingebracht – Fluxus-Events werden als Konzerte angekündigt – damit wird dieser Kontext aufgebrochen. Verschiebung der Autorschaft ist am deutlichsten.

  • Sind das noch Werke? minimalistische Setzungen
  • Die Realisierung hat wenig mit Interpretation zu tun, Grüny: «die Realisierung geht weit über den Spielraum hinaus, die einy Interprety auch bei den offensten Partituren eingeräumt werden»
  • Interpretation / Realisierung gehört einer anderen Ordnung an als der Score
  • Ina Blom spricht von der «extrem generality of the instruction form(?) event», versus der «extrem specificity of the realisation of the instruction»(3)

Die Events beliebig wiederholbar und in jeder Wiederholung neu und spezifisch. Nach Kevin Concannon ist unsinnig von einem „Reenactment“ zB von Onos Cut Piece zu sprechen, weil ein Score des Stücks existiert (4) . Für die Perf. von Dan Graham hingegen wäre der Begriff zutreffend. Die Fluxus Performances unterscheiden sich von Performances und den Happenings von Allan Kaprow durch ihre beliebige Wiederholbarkeit.
Fluxus Scores sind Teil des Kunstsystem geworden und nicht des Musikbetriebs. Abramovic hat im Rahmen von Six Easy Pieces «Body Pressure» von Bruce Nauman aufgeführt/performed(?). Body Pressure besteht aus einem Score, reenactment ist daher nicht der richtige Begriff – für die anderen Eays Pieces trifft Reenactment zu. Naumans Score ist Teil des Kunstbetriebs, dort allerdings stiefmütterlich behandelt. Weil etwas wie eine «Uraufführung» in diesem Zusammenhang einem verlorengegangenen Original gleichkommt. Ein Original, das es nur als Dokumentation gibt.
Scores sind Teil der Sache, des Werks. Bei Kaprow ist das anders, die Scores sind «just literatur», nichts als Anweisungen. Das Werk ist das Happening. Kaprow macht «programms».

 

La Monte Young

Composition 1960 #7
to be held for a long time
Composition Nr. 7 fokussiert auf ein einziges Klangereignis.

 

Composition Nr. 9
Zeigt eine Linie auf einem Stück Papier.
Ist das eine Anweisung oder eine Zeichnung?
Mit den Augen der Linie folgen?
Interpretiert von Name Jun Paik unter dem Titel Zen for Head

 

Composition 1960 #10
Draw a straight line and follow it.
Composition Nr. 10 ist eine reine Textkomposition,
wo findet da Musik statt?
was heisst es der Linie zu folgen?

 

 

Yoko Ono (Grapefruit)

Voice Piece for Soprano
scream
‚against the wind‘
‚against the wall‘
‚against the sky‘

 

  • Geht in keine Performancesituation auf, wo ist der Ort der Perf. wo schreit man gegen den Wind. Die Perf. wird nicht als Perf. bemerkt, so schnell geht die Handlung vorbei. Exzentrische Handlungen.
  • Erst der Kontext der Aufführung macht die Perf. sichtbar


Fly!

 

Dan Graham
Performer Audience Sequenz, 1975

  • Der Score steht nicht jedem zur Verfügung, Anweisungen für sich als Performer
  • Es ist folglich kein Score
  • könnte einzig durch Appropriation umgesetzt werden

 


Event Scores als Konstellationen

Entspricht einerseits einem trad. Partitur Modell: vom Komponisten erdacht und festgehalten, vom Interpr. sorgfältig aufgeführt, von den Rezipierenden sorgfältig aufgefasst. Aber in die Scores sind versch. Grade an Freiheiten eingeschrieben. So auch philosophische Frage nach dem Ort des Werks. Wo ist das Werk, bildet es eine ideale Entität im Geiste des Schöpfers, liegt das Werk in der Partitur, oder in den Aufführungen – Differenz der Instanzen zu betonen, so Peter Osborne, ist die «distributive Einheit» der postkonzeptuelle Stand der Kunst

Musik als bewegliche mediale Konstellation steht für ein verändertes Verständnis von Musik. Die Verhältnisse der musikalischen Instanzen müssen für jeden Score neu austariert werden, es handelt sich um mediale Konstellationen. Ausgangspunkt ist ein Begriff von Musik als bewegliche mediale Konstellation und nicht, so Greenberg, Musik als reine Medialität.

Wie werden Fluxus Scores gehandhabt? Es gibt einen markanten Unterschied ob im Kontext von Konzeptueller Kunst oder Neue Musik, wo Fragen nach dem Konzeptuellen, der Medien, der Gehalte in der Musik, nach wie vor als Zumutungen von Aussen verstanden und abgewiesen werden mit einem Verweis auf die Natur der Musik, ihre Komplexität, ihre Eigenart ihre Spezifität. Beachte: Konzeptuelle Kunst ist wesentlich aus der Musik beeinflusst worden.
Laurence Weiner: A SQUARE REMOVAL FROM A RUG IN USE – muss nicht aufgeführt werden. Auch Sol Lewitt hat Konzepte für die «Aufführung» von Wandzeichnungen geschrieben. Die Scores werden als Störfaktoren in Praktiken der Bildenden Kunst eingeschleust und verändern das dortige Feld. Musik ist mehr Aneignung und Transformation als Repräsentation gefragt.
Cage bevorzugte Tudor als Interpr, es geht um Kontrollverlust. Komponisty als Künstly. Deskilling chancenlos. Grüny: «Reflektiertheit kann sich auch auf andere Weise zeigen als in technischer Brillanz, hermeneutischer Finesse und der Produktion von Komplexität. Aber es geht nicht nur um Reflektiertheit, die sich da zeigen muss.» Sondern um etwas das auf Vertrauen und Einverständnis und Good-Will basiert. Die 60er Jahre verwandeln den Score in eine offene Frage.

131 Log 231006
David Bernstein Interview

October 6th, 2023
Littlefield Concert Hall
Mills College/Northeastern Campus

Professor of Music David Bernstein is an acclaimed scholar in Western Music Theory and current musicology. He is the editor of the renowned book on early electronic music: The San Francisco Tape Music Center: 1960s Counterculture and the Avant-Garde. Professor Bernstein has also served as the Head of the Music Department at Mills College.

Interview David Bernstein 231006.pdf
Abstract
David Bernstein rollt die Geschichte des San Francisco Tape Music Center (SFTMC) nach dem Umzug von der Divisadero Street ins Mills College auf. Das neu gegründete Center for Contemporary Music (CCM) am Mills College bezeichnet Bernstein als “ground zero” der experimentellen Musik der Westküste. Kompositionen mit Tonbandmaschinen und elektronischen Gerätschaften stehen im Zentrum einer Musik als “community enterprise,” von improvisatorischen Praktiken und “thinking in multiple temporalities.” Mit der Übernahme des Mills College durch die Northeastern University gehört das der Vergangenheit an.

David Bernstein revisits the history of the San Francisco Tape Music Centre (SFTMC) after its move from Divisadero Street to Mills College. Bernstein describes the newly founded Centre for Contemporary Music (CCM) at Mills College as the ‘ground zero’ of experimental music on the West Coast. Compositions with tape machines and electronic devices are at the centre of music as a ‘community enterprise,’ of improvisational practices and ‘thinking in multiple temporalities.’ With the takeover of Mills College by Northeastern University, this is now a thing of the past.