096 Log 230410 Archives sonores de la poésie

Abigail Lang, Michel Murat, Céline Pardo (dir) : Archives sonores de la poésie, les presses du reel, Dijon 2019.

019 Log 221128 Bibliothèque des voix


Céline Pardo, Abigail Lang, Michel Murat : « Introduction : l’héritage sonore des poètes », in : Céline Pardo, Abigail Lang, Michel Murat (dir.), Archives sonores de la poésie, Les Presses du réel, Dijon, 2019, p. 9–18.

des enregistrements à l’archivage

  • Die Dokumente sont menacés d’oubli
  • Spuren drohen zu verschwinden / vergessen zu werden, vorallem die Aufnahmen
  • Charles Cros (Paléophon 1877) / Edison (Phonographen 1878)
  • viele Aufzeichnungen visavis der Masse der Poésie sonore
  • Unterscheide: Poésie sonore ← sonore Archive der Poésie

Robert Browning (1889)
« L’enregistrement cristallise un changement d’époque, un passage de relais symbolique de la mémoire humaine à une nouvelle forme de mémoire externalisé, mais aussi de la poésie comptée-rimée, dont la fonction était originellement mnémotechnique, à une poésie du vers libre puis à une poésie entièrement libérée du vers. »
(Lang, Murat, Pardo (Hrsg) 2019: 10)
– als Rhythmus und Reim als Mémotechnik an Bedeutung verlieren, taucht ein « mémoire externalisé » auf.
– Laut Kittler und Bernstein haben die l’enreigstrements « nouvelles prosodies modernes » hervorgebracht.

In Frankreich gibt es seit 1913 ein Archive de la parole
Aber es findet keine entsprechende Rubrik auf Gallica oder l’ina
Marseille : cipM ist die Ausnahme
in Frankreich findet sich kein « archive sonore spécifique à la poésie »
vlg Artikel von Camille Bloomfield bez. Documenten und Archive

Frage der « oralisation de la poésie en France »
(Lang, Murat, Pardo (Hrsg) 2019: 11)
Diese Form von Poésie wird kaum erforscht
Im angelsächsischen Sprachraum ist das anders

  • Harvard Vocarium seit 1933 : als erstes S.Elliot
  • Vocarium steht, wie der Name andeutet für : a collection of voice recordings for use as a study aid in the appreciation of literature → siehe Link zu pdf
  • Woodberry Poetry Room Harward I
  • Woodberry Poetry Room Harward II
  • Columbia, Standford u.a. folgten dem Beispiel
  • In der Library of Congress findet sich ein Rubrik « Archive of Recorded Poetry and Language »
  • Auch Ubu web (fondé par Kenneth Goldsmith 1996)
  • PennSound (cofondé 2005)

Versch. Formen von Archiven sind zu unterscheiden

  • Archives écrites (→ « le dilemme de l’archive écrite, entre conservation et circulation »)
  • Archive sonores (bandes magnétiques)
  • Archive digitales → online oft frei zugänglich, damit multipizieren sich die Orte der Aufbewahrung

Zur Gründung eines entsprechenden Archivs in Frankreich
→ 2016 Symposium in der Sorbonne « Le patrimoine sonore de la poésie »
Das Symposium, für das die Beiträge des vorliegenden Bandes geschrieben worden sind
→ Link

Céline Pardo:  La poésie hors du livre (1945-1965). Le poème à l’ère de la radio et du disque, Paris, Presses de l’Université Paris-Sorbonne, 2015.
«….Éluard, Tardieu, Soupault, Aragon, Pichette, Artaud, Prévert, mais aussi Garnier, Dufrêne, Heidsieck, Gherasim Luca, s’emparent de ces nouveaux moyens de diffusion et d’expression pour dire leurs textes, se mettre en scène, inventer de nouveaux rapports avec le public, de nouvelles formes d’écriture et de présence à l’œuvre. » zit n. Klappentext

OBVIL = observatoire de la vie littéraire
01-03 Juni gibt es ein Symposium zu Emmanuel Hocquard: la poésie mode d’empoi
2017 (fungiert unter actualités)
→ OBVIL (nach dem Vorbild von PennSound) ist in Vergessenheit geraten

Arches et recherche
Es gehe um « les lignes de la voix des grands auteurs » so Tardieu, der den Club d’essai in den 1960er Jahren leitete.
(Lang, Murat, Pardo (Hrsg) 2019: 12)
Auch eine Frage der Archivierung und der Erhaltung der Bestände

Was ist der Stand der Forschung in Frankreich ?

  • Georges Lote : L’Alexandrin français, d’après la phonétique expérimentale, Pairs, La Phalange, 1913
  • Robert de Souza 1912 : « les poètes ne savent pas se lire… »
  • So auch Pierre Roger Léon, 1971
  • Prado entwickelt eine Typologie der Diktion

Stand der Forschung in den USA

  • Michael Diavidson 1981 : l’Archive for New Poetry (University of San Diego) bildet die Grundlage für audio-critisism
  • Charles Bernstein : Close listening. Poetry and the performdes word.

(Lang, Murat, Pardo (Hrsg) 2019: 15)

  • La dimension orale de la poésie
  • « La lecture à voix haute facilite l’accès »
  • Neue Beziehung zwischen son et sens
  • Soziologisch gesehen, so Bernstein, « se constitue dialogiquement par la reconnaissance dt l’échange au sein d’une communauté d’égaux » Bernstein distanziert sich von der romantischen Perspektive des Oralen als : « réspiration, la voix, la parole ».
  • Für Bernstein ist das Gedicht ein Ensemble von « performances textuelles et orales »
  • Close listening → close reading (new critisism, Ivor Armstron Richard, William Empson, vgl auch Derrida : Ulysses Grammophon)

Leseempfehlung : Roubaud : Dire la poésie

 


Daniel Kane : « Paul Blackburn et son magnétophone Wollensack », in : Céline Pardo, Abigail Lang, Michel Murat (dir.), Archives sonores de la poésie, Les Presses du réel, Dijon, 2019, p. 107-118.
Ausgangspunkt : die CD All Poets Welcome : the Lower East Side Poetry Scene in the 1960s, Berkley, University of California Press, 2003.

  • Athmosphäre der Lower East Side 1960
  • Fondatrice pour la poésie américaine
  • Wo : Les Deux Magots, Le Métro, Poetry Project de la Saint Marks Church
  • Interviews der AkteurInnen
  • was sie auszeichnet : « une tradition poétique centrée sur l’oralité »
  • Es handelt sich um Aufzeichnungen öffentlicher Lesungen und Gespräche, Radiosendungen

Recherche in den Archiven von Paul Blackburn in der Mandeville Special Collections Library der Universität von Kalifonien San Diegeo
(Kane 2019: 108)

 


Textmaterial im Archiv

077 Log 230213 Paris
Übersicht über Dokumente_Fazit

Aufenthalt in Paris November-Dezember
Interviews Dezember 2022

Archiv Recherche

  • Mediathek IRCAM
  • Bibliothek Centre Pompidou
  • Archiv der Galerie Oudin
  • Bibliothèque national de France (BnF)
  • Archive écrites de la Radio France
  • Ina Mediathek

Recherche ultra-lettristischer Aufführungsorte

  • Salle Sociétés des Savantes
  • Rose-Rouge I&II
  • Relais de l’Odeon,
  • Tabou
  • Théâtre de France Odéon
  • Théâtre du Vieux Colombier
  • Chez Moineau


Stadtplan mit Archiv-Dispositiv
Logbuch:

    • 01– 63 (Nov-Dez 2022)
    • 71– 76 (Jan 2023)

  


Schreiben mit Stimmen

Stimmen bilden keine eigene Kat. der objects sonores
GRM ist das Studio der Studios in Europa. Wer etwas auf sich hielt als Komponist, sei vorbegekommen. In der Nachfolge entstanden Studios in Köln, London, Mailand, so Debade
→ weiterführende Einträge 040-041 Log 221220 (siehe oben)

In den Studios der GRM wird mit objects sonores gearbeitet
Die Stimme ist ein object sonore unter objects sonores.
GRM
-Stimm-Werke?
Stimme ist keine eigene Kat. der musique concrète, “mais non!“ Tonbandaufzeichnungen (Mikrophon) ohne Umwege über eine Partitur – Band läuft! – ein lautpoetischer Ansatz (Chopin, Dufrêne und Wolman). Lautpoeten interessieren sich auch für die Stimme, für ihre Physiologie.
Zu fragen, was in diesem Zusammenhang der Umgang mit der Stimme auszeichne, ein Missverständnis – NICHTS! – die Stimme ist ein object sonore unter objects sonores. Die Frage unangebracht. Entscheidend für die musique concrète ist im Gegenteil, die Quellen nicht mitzuhören/mitzudenken, das Stimmmaterial nicht als solches zu verorten. Das woher und wie, soll von der akustischen Gestalt der objects sonores ablenken. Gestalt hören. Die «Morphologie der Klänge» dem von Schaeffer entwickelten Formenkatalog zuordnen zu können, setzt eine Hörschulung voraus. Schaeffer spricht von Solfège. Das kingt manchmal nach Hör-Umerziehung, dogmatisch. Meine Fragen nach der Stimme provoziert  – es wird mir eine Lektion zuteil, weil ich von Geräusch-hören keine Ahnung hätte.
Die GRM-Kompositions-Verfahren in den Anfängen : cut, pitch, loop und reverse. Ziel, aus den Aufnahmen abstrakte akustische Ereignisse zu formen. Die Einschwingvorgänge (attaque) wegzuschneiden verunkenntlicht die Aufnahmen, interessant, erstaunlich! Für die Komposition der Musiue concrète einen theoretischen Überbau entwickeln, die den Vergleich mit allen anderen Musiktheorien der Zeit (Serialismus) nicht scheuen muss. Soll mit den objets sonores ähnlich verfahren werden können, so müssen sich diese in ein Kontinuum einbinden lassen.

Das Potential der Tonbands differenzierte Informationen zur Quelle mit aufzuzeichnen und nicht bloss abstrakte Tonereignisse –jeder nasse Zungenschlag wird mitgehört, gerade das ein Verweis auf die Authentizität der Aufnahme – dieses Potential ist für die musique concète von keinerlei Bedeutung. Ferreyra spricht zwar von der akustischen Reichhaltigkeit der Aufnahme mit dem Mikrophon im Gegensatz zu elektronisch generierten Klängen, aber lehnt aber ein assoziatives Hören ab im Sinn eines Hören-Verstehen eines Klangs und woher er kommt. Die Quelle wird im Zusammenhang der musique concrète zurückgedrängt – das «Alles-Hören» soll keine Rolle spielen. Die Klangereignisse werden durch die Aufnahmen und durch die Bearbeitung dem Kontext entrissen und entfremdet zu abstrakten Hör-Objekten gemacht. Dokumentarische Aspekte werden wenn möglichst verkenntlicht, als würden diese beim Komponieren stören(?). Ausser-musikalischen Informationen werden in der musique concrète an den Rand gedrängt, was immer auf Körper verweist (Inbegriff des Schreibens mit Stimmen) wird ausgeblendet. Die REIN akustischen Ereignisse werden über ein Lautsprecherorchester wiedergegeben. Qualitäten des abstrakten Hörens nach Schaeffer sind Dichte, Gewicht etc.
Ausgerechnet über ein Kompositionsverfahren, das erlaubt die unterschiedlichste Rezeptionsformen (Kognitionsformen? / Wissensformationen?) zu verbinden (hören, lauschen, abhören, anhören, peilen, fokussieren, orientieren, verorten) wird eine abstrakte, auf Klangfarbentheorien begründete Kompositionstheorie übergestülpt.
Trotzdem werden gewisse Spuren der Aufnahmesituation (der Aufnahmequellen und -verfahren) werden insbesondere von Ferreyra sehr geschätzt. An Missmut grenzend, mit einem Ausdruck des kompletten Unverständnisses kommentiert Ferreyra die musique electronique, sei sei als flach: die Klänge mager, Sounds, die sich in keinster Weise mit den objets sonores verbinden liessen, mit der (körperlichen, vollen?) musique concrète.

 


Once/Mills
Der Einfluss von Recording als Kompositionsverfahren wird von Ramòn Sender mit Schönbergs 12-Ton-Theorie verglichen, niemand kommt mehr daran vorbei. Während die GRM für die Arbeit mit dem Tonband ein kompositorisches Korsett schafft, das dieser ebenbürdig sein will, suchen Ramon Sender, Morton Subotnick und Pauline Oliveros den Neuanfang. Statt von Avant-Garde ist von Subkultur, sprich von Counter-Culture die Rede, siehe David Bernstein in CCM Archive and History.

070 Log 221128 David Bernstein_History of Mills College
___Interview 231006 David Bernstein
___Interview 231007_16 Ramón Sender and Judy Levy–Sender

unterschiedl. Rollen der Institutionen:
GRM ←→ Radio France
San Francisco Tape Music Center ←→ Mills College.

 


Fazit I
Musique concrète versus Ultra-Lettrismus versusmusique concrète vocal
Als Kompositionsverfahren zielt die musique conrète auf einen abstrakten Klangraum. Die Körperlichkeit der Recordings ist entscheidend und wird hochgehalten gegenüber den flachen, maschinengenerierten elektronischen Klängen. Hingegen nicht geschätzt wird das Eindringen aussermusikalischer Referenzen. Körperliche, volle Klänge ja, assiziatives Hören nein.
Die Ultra-Lettristen benutzten keine eigenen Studios. Mit ihren Aufzeichnungen generieren sie offene, ambivalente Bezugsfelder zwischen Sprache, Stimmphysiologie und Körper. Die Bearbeitung der Aufnahmen ist transparent, nachvollziehbar. Der Prozess grenzt an dokumentarische Verfahren.
Die musique concrète vocal eines Henri Chopin interessiert sich nicht für die Bezugsysteme des Körpers und überschreibt dessen Spuren durch zahlreiche Overdubs.

Fazit II
Schreiben mit Stimme wird mehr und mehr zu einer Recherche bezüglich des Magnétophons als kompositorisches Werkzeug. Das Tonband ermöglicht Stimme, Sprache, Körpergeräusche aufzuzeichnen, es registriert sämtliche akustische Informationen des Körpers, es drängen sich Fragen bezüglich Ein- oder Ausschlüsse aussermusikalischer Bezugsysteme in der Musik der 50er und 60er Jahre auf.

 

075 Log 230124 Simone Rist

Prägend für Leben und Werk der in Frankreich geborenen Sängerin und Schauspielerin, Regisseurin und Autorin Simone Rist ist die Begegnung mit Pierre Schaeffer im Rahmen der GRM (Groupe de Recherches Musicales). Ihre Zusammenarbeiten mit den Komponisten Josef A. Riedl, Berio, Luigi Nono, Pierre Boulez und allen voran John Cage und Merce Cunningham begründeten ihre Karriere als Konzertsängerin Neuer Musik.

Worldcat
Neue Musik Zeitung:
Rückblende: Vor 50 Jahren – 1971/01: Cage gibt das Komponieren auf
Mehr Sprachen, mehr Theater: Simone Rist

ZHDK-MIZ
Riedl
Galeriegeschoss: YT_16919
Untergeschoss: YS_1102
Ferreyra
Galeriegeschoss; YT_17034
PURA online
FERREYRA, B.: Rios del sueno / Medisances / L’Orvietan / Vivencias / Cantos de antes (La riviere des oiseaux) (Ferreyra)

 

Merci beaucoup pour vos bons vœux pour la nouvelle année, une bonne et heureuse année à vous aussi.
Suite à votre remarque, je me suis adressé à Radio Frankfurt pour demander des enregistrements de vous. J’espère avoir des nouvelles bientôt. Vous serez peut-être intéressée de savoir que de nombreux enregistrements de vous sont répertoriés sous ce lien :
Worldcat

[…]

Auf Empfehlung von Simone Rist geht eine Anfrage Radio Frankfurt
Radio Frankfurt Kontakt
keine Antwort

Weiterführende Links
029 Log 221208_230306 Entretien avec Simone Rist
108 Log 230824 Entretien avec Beatriz Ferreyra

 

 

073 Log 230124 Wolman

Barbara Wolman
Anfrage bezüglich Audioaufnahmen
sie sagt nur 1x nein

keine Antwort

Mail/Unterlagen im Archiv

042 Log 221220 Nicolas Debade
GRM_Zeitkonzepte_aussermusikalische Bezüge

Nicolas Debade
Komponist, Musiker, Mitglied der Groupe de Recherches Musicales (GRM) seit 2019, Auszüge aus dem Interview vom 20.12.2022, 10h-12:15, Studios GRM, Paris.
Weiterführendes Material unter 040 Log 221220 und 041 Log 221220

pensée musicale
Zeit-Konzepte

  • la situation granulaire
  • Bergson / Einstein
  • intuition
  • potentiel

puis qu’on parle de la musique:

  • code
  • pensée musicale: versch. Modes d’existence, die sich nicht ineinander übersetzen, sondern nur diplomatisch (Latour) vermitteln lassen
  • point de vue recherche / technique

Zeitverständnis
wie Zeit (re)präsentiert
wie wird Zeit «gemacht»
Umgang mit Zeit → Umgang mit Körper/Leib?

Bleibt das Magétophone in der Zeitachse unbearbeitet → Integrität der Zeitachse → Aufzeichnung = realer Zeit
nicht als Repräsentation realer Zeit
zu Beginn ist es kein symbolischer Prozess
Erst in einem zweiten Schritt wird das Tonbandmaterial zu einem Sound-Partikel
mit dem Cut-up  verändert sich der Status der Schrift von der Aufzeichnung, zum Materialvorrat (vgl. Tonvorrat)
Soundpartikel (Tonbandmaterial) → Index (Icon, Symbol)?
Technische Schriften sind Indices?
Die integrale Aufzeichnung steht für einen «realen» Vorgang, eine mechanische Datenschrift, die Komposition für eine fiktionale, verdichtete, gestaltete Zeit?

 

pensée musicale
aussermusikalische Bezüge
Vgl. Diss. S.175
Theodor W. Adorno (1903–1969) geht in seinem Essay On popular music731 auf die Problematik phonographischer, sonischer Materialaspekte ein, welche dokumentarische, ereignishafte und biographische, also aussermusikalische Bezüge mit der Interpretation eines Werks vermengen. Auch Pierre Schaeffer erörtert im Rahmen seiner Theorie zur Musique concrète die Fragen nach dem Status der objets sonores, für die er im Gegensatz zu Adorno eine Autonomie als reine Klangobjekte beansprucht.
Ähnliche Fragestellungen werden im Rahmen von „sonic materialism“ des Philosophen Christoph Cox (*1965) diskutiert, hier zu Schaeffers Klangobjekte als autonome Ereignisse:

Pierre Schaeffer […] aimed to show in his analysis of the objet sonore, the sonorous object, which, he maintained, has a peculiar existence distinct from both its source and the listening subject. The sonorous object, Schaeffer insisted, is not the instrument that produces it, not the medium in or on which it exists, and not the mind of the listener. Sounds are ontological particulars and individuals rather than qualities of objects or subjects. And this is why works of musique concrète are not representations – of objects in the world or of worldly sounds – but presentations of sonorous objects. (Cox 2011:156) (1)

Klangobjekte sind individuelle Objekte, die die Klangwelt nicht repräsentieren, sondern die sich präsentieren, so Cox. Zum Konzept der objets sonores gehört auch Schaeffers Theorie der écoute réduite, 734 ein von allen aussermusikalischen Vorstellungen befreites Hören, das ausschliesslich auf die akustische Gestalt der Ereignisse fokussiert. Diese Art des Zuhörens hat sämtlichen assoziativen Ballast abgeschüttelt. Cox formuliert in Anlehnung an Schaeffer:

[…] we can experience a sound without experiencing its source, and the source without the sound. So while sources generate or cause sounds, sounds are not bound to their sources as properties. Sounds, then, are distinct individuals or particulars like objects. […] If sounds are particulars or individuals, then, they are so not as static objects but as temporal events.(Cox 2011:156) (2)

Es geht um das klangfarblich orientierte Hören
Adorno spricht von einer Überbetonung des Sonischen, als von einer Überbetonung der Oberfläche, Die sonische (?) Erscheinung der Musik zweitrangig.
→ in Theodor W. Adorno: „On popular music“, in: Essays on Music, University of California Press, Berkley, Los Angeles, London, 2002

Christopher Cox: Beyond Representation and Signification: Toward a Sonic Materialism, in: journal of visual culture, Volume 10 Issue 2, Special Issue: Sonic Arts and Audio Cultures, SAGE Publications (Los Angeles, London, New Delhi, Singapore and Washington DC),  August 2011
Christopher Cox: Beyond Representation_Zusammenfassung

 

 

041 Log 221220 Nicolas Debade
Literatur, Links, Netzwerke

Mail 221220

Nicolas Debade
Komponist, Musiker, Mitglied der Groupe de Recherches Musicales (GRM) seit 2019, Auszüge aus dem Interview vom 20.12.2022, 10h-12:15, Studios GRM, Paris.
Weiterführendes Material unter 040 Log 221220 und 042 Log 221220

Artsonores Médathèque
Pierre Henry at work
La naissance de la musique concrète et électro-acoustique
Music Makers Machines
a brief history of electronic music

Revue Spectres
est une publication annuelle consacrée à l’expérimentation sonore et musicale, coéditée par Shelter Press et l‘Ina GRM – Groupe de Recherches Musicales.
les presses du réel : Spectres

Spectre n004 Mille Voix
2023 wird eine Ausgabe zu Schaeffer herauskommen
La voix comme matière musicale

Spectres n° 01 – Composer l’écoute
présente une série de textes de compositeurs français et étrangers (Félicia Atkinson, François Bayle, Brunhild Ferrari, Stephen O’Malley, Jim O’Rourke, Éliane Radigue, Chris Watson…) qui s’entretiennent sur l’importance de la dimension personnelle dans la pratique de l’expérimentation sonore et musicale.
Cette publication a été pensée comme un prisme et un manuel. Suivant l’arc « traditionnel » de la composition électroacoustique (écouter – enregistrer – composer – déployer – ressentir), chacune des contributions regroupées ici pointe un aspect personnel, fragment de territoire passionnant qu’est celui de l’expérimentation sonore et musicale.
Si le terme de musique expérimentale a pu être assimilé à un genre, voir à un style, il ne faut pour autant pas oublier l’usage initial de ce terme, qui était basé plus sur la démarche que sur la ligne esthétique adoptée. L’expérimental, en effet, est d’abord un esprit, un esprit d’exploration des territoires inouïs, un esprit d’invention qui voit dans la composition musicale plus un voyage vers des terres incertaines qu’une démarche assurée produisant dans le giron de terres balisées et reconnues.

 


Kontext IRCAM
GRM ←→ IRCAM

  • IRCAM Teil des Centre Pompidou
  • IRCAM steht für Informatik
  • Zusammenarbeit mit den Bell Laboratories auch marktorientiertes Produktedesign
  • different reseau
  • different financement
  • GRM financement par redevance (Gebühren)

Kontext Tape Music

  • Suzanne Ciani
  • 1948 Cage & Schaeffer
  • Tape music in NY
    • 1951 Bebe and Louis Barron: Bebe and Louis Barron
    • Cage Williams Mix→ Paul Williams: The Cage Mix
      Demystifying a largely misunderstood chapter in John Cage’s biographical narrative, this article explores the pivotal role architect and philanthropist Paul Williams played in Cage’s life, and for whom Cage named his famous magnetic tape composition Williams Mix(1952–53). Retracing the activities of both men, beginning with their earliest encounter at the experimental Black Mountain College in North Carolina in 1948, this investigation documents for the first time the extent of their mutually devoted relationship. Newly uncovered source material and photographs also reveal the valuable contributions Williams made as primary benefactor and mastermind of the intentional community called the Gatehill Cooperative (a.k.a. “Stony Point”), a place Cage called home for seventeen years (1954–71). There Cage developed a “hunger for nature,” wrote his widely read and influential book Silence (1961), and undertook some of his most significant musical projects.
    • Paul Wiliam, composer, New York
    • Christian Wolff
    • Sparse: Interview mit Christian Wolff
    • Cage, Earl Brown (GRM), Feldman
    • Cage: imaginary landscapes
  • Karlheinz Stockhausen
    (collants → um die 1000 Schnitte zu kleben…)
    realisiert 1952, publ. erst 1992
    Stockhausen: Konkrete Etüde
    Philippe Manoury : Stockhausen au-delà…

Schaeffer tries to find common ground (for GRM, IRCAM ed.all)
– common interest
– not only for music concrète

La première Décennie Internationale de la Musique Expérimentale du 8 au 18 juin 1953.
organisé par Le Groupe de Recherches de Musique Concrète (GRMC) sous la direction de Pierre Schaeffer

Carlos Palombini: PIERRE SCHAEFFER, 1953: TOWARDS AN EXPERIMENTAL MUSIC
Published 1 November 1993 in :
Art, Music & Letters
Abstract:
In 1953 the Groupe de Recherches de Musique Concrete de la Radiodiffusion-Television Fran;aise, presided over by Schaeffer, organized the First International Decade of Experimental Music, which took place at UNESCO in Paris between 8 and 18 June. ‚Vers une musique experimentale‘, a special issue of the Revue musicale edited by Schaeffer and devoted entirely to the event, was announced. The final proof, revised and approved by the authors and Albert Richard, editor of the periodical, was ready on 10 July 1953. Richard nevertheless decided to postpone its publication. Four years later, this issue was finally printed, with the addition of Richard’s explanations and excuses…

Kontext Recherche sur la voix
Faculté de Médecine de Paris
Clinique Oto-Rhino-Larynogogique
Cours International de Phonologie et de Phoniatrie
LA VOIX
2.-7.3. Paris 1953

Kontext Artist Movements
Fluxus

  • François Bayle war Teil des editorial boards eines Fluxus Magazin in NY
  • François Bayle : sa vie – Les coulisses de la création
  • FLUXUS: MAGAZINES, MANIFESTOS, by Clive Phillpot
    George Maciunas’ choice of the word Fluxus, in October 1960, as the title of a magazine for a projected Lithuanian Cultural Club in New York, was too good to let go when that circumstance evaporated. In little more than a year, by the end of 1961, he had mapped out the first six issues of a magazine, with himself as publisher and editor-in-chief, that was scheduled to appear in February 1962 and thereafter on a quarterly basis, to be titled Fluxus.
  • Moma: fluxus_editions, 2012

Lettrismus

  • Maurice Lemaître hatte Kontakt zu GRM
  • François Dufrêne hat mit Pierre Henry zusammengearbeitet → Granulomètrie, 1967

Ultra-Lettristen/Lettristen

Situationisten

  • tout est art
  • L’art insitu
  • Happing
  • Fluxus
  • Actionism
  • revolution de la vie pour l’art / literature

Nouveau Realistes
GRM fut la révolution de la musique, révolution de la création musicale

cinema experimental

 

040 Log 221220 Nicolas Debade
GRM: Inventions/Pierre Schaeffer

Meeting décember 20th 12. 22, 10h-12:15
15:00 Esther Ferrer, Tom Johnson und Maya Bösch
Dokumente vgl. OneDrive und schwarzes Notizbuch

 

Nicolas Debade
Komponist, Musiker, Mitglied der Groupe de Recherches Musicales (GRM) seit 2019, Auszüge aus dem Interview vom 20.12.2022, 10h-12:15, Studios GRM, Paris.
Weiterführendes Material unter 041 Log 221220 und 042 Log 221220

Organization of the studio in the early days of GRM

  • ex. Studio à la rue de l’Université, etc.: plans, photos, correspondence
  • in which archive can the documents be found?
  • GRM radio broadcasts: Titel of the emissions, date of emission,
  • titel (keyword) of the documents (important for INAtheque and BnF)

networking in the early days:

  • how did the GRM connect with the BBC radiophonic workshop, the tape-music movement San Francisco? etc.
  • how did the GRM connect with the musique concrète vocale (support, collaborations)
  • how did the GRM relate to cultural movements in Paris: the Ultra-Lettrist, the situationist

le stage (workshop) of the GRM

  • how was the introduction to the studio work organised?
  • Beatriz Ferreyra’s «stage de trois mois»
  • documents, participants, notes
  • who were the students, how did they find to the GRM, who was attending the workshop?

Work in the studio

  • documents about the magnétophones, the morphogène, the phonogène
  • the morphogène, the phonogène are lost…!?
  • How many were built?
  • documents relating to the research of the „Traité“, of the solfège

concerning working with vocal sounds

  • what was the difference transforming vocal into „musical object“ compared to noises or instrumental sounds?
  • what was the challenge transforming the voice into a „musical object“?
  • was there a interest to explore respiratory sounds, body sounds
  • or was the body being avoided?
  • which voices? (the composers voices?)

Recording outside the studio

  • how may recordings have been made outside the studio?
  • See the discographie of Gil J Wolman Ultra-Lettriste (1929-1995, Paris):
    1950/51 „enregistrement chez M. Billaudot“
    1954 „enregistrement chez l’auteur“

 

GRM-Inventions

Solfège
Le Solfège wurde auf 3 LP veröffentlicht (1968)

Reedition mit Kassetten
der Schuber mit 3 CDs ist vergriffen

Traité des objets sonores
Arbeit am Traité des objets sonores beginnt 1966
published 1968

Pupitre de potentiomètre
pour la diffusion en espace (→ Fotos mit den Metallkreisen)
– crée par Jacques Poullin
= Vorläufer der diffusion spatial
utilisée pour la symphonie pour un homme seul
– video dirigé par la BBC: Schaeffer en action (gestellt)

Morphogène → Delay

Phonogène → Tonhöhenmanipulation (gestuft und gliss)

Tribandeau → Mix
– verwendet von Olivier Messiaen
– Timbres-Durées (1952 -1953)_Score

Video: Timbres Durées (1952)

Magnétophon à 8 pistes
vgl. WDR: Stockhausens études aux 1000 collants = Konkrete Etüde

221231 Schwaderhof
Phonogène, Morphogène verschwanden aus den Studios in die Korridore der GRM und später aus den Korridoren, wo sie auch im Weg standen. Die GRM musste umziehen, die Maschinen wurden entsorgt und

durch Komputer/Algorithmen ersetzt. Gliss und Delay werden nicht mehr mechanische durch höheren Druck/Spannung höhere Töne erzeugt (lässt der Druck nach (Zwerchfellspannung, Luftdruck, Länge des Rohrs?) werden die Töne tiefer. Auch das Echo als Reflexion im Raum, passé. Debade: wird eine Klaviertaste fortwährend neu angeschlagen, gilt diese Tonrepetition bereits als Loop? Wird eine Phrase wiederholt, ist das ein Loop? Ist Loop nicht zwingend die Wiederholung einer Aufgezeicheinnung? Loop das „unbeschwerte“, erinnerungslose, unendlich wiederholbare Abspielen einer Aufnahme durch eine Maschine → anders der Körper(Saiten/Zwerchfell) → Wiederholung führt zu Ermüdung

 


Pierre Schaeffer

 


Nachlass Pierre Schaeffer
Schaeffers Journal de Bord findet sich in seinem Nachlass in der
La collection de l’IMEC Schaeffer, Pierre (1910-1995)
in der Abbaye d’Ardenne
Nachlass Pierre Henry
Der Nachlass von Pierre Henry wird von der BnF verwaltet

 


221223
GRM steht für objects sonores als autonome Klanggestalten
Stimmen keine eigene Kategorie
GRM : Enregistrements als Grundlage
IRCAM: live electronics, numérique

Vgl. Dissertation: Dorothea Schuerch_Audioscoring und Leere Stimmen (S.204) :
Der Begründer des Strukturalismus, der französische Ethnologe Claude Lévi-Strauss (1908–2009), verwendet den Ausdruck „privilegierte Kategorie von Geräuschen“ im Zusammenhang der Diskussion musikalischer Zeichensysteme. Er analysiert den Umgang mit Geräuschen in der Konkreten Musik, die diese in ein System von Differenzen einzubinden versuchen würden. Die Wahrnehmung der Geräusche, so Lévi-Strauss, werde dominiert durch den „gebieterischen Anspruch[], den eine privilegierte Kategorie von Geräuschen [] stellt: die der artikulierten Sprache“, zit. n. Claude Lévi-Strauss, Mythologica I. Das Rohe und das Gekochte (=suhrkamp).

Vgl. Dissertation: Dorothea Schuerch_Audioscoring und Leere Stimmen (S.216) :
Vergleiche auch die Ausführungen von Lévi-Strauss zu den alphabethischen und mathematischen physikalischen Verzifferungen. Grundsätzlich unterscheidet er zwei Artikulationsebenen: Eine erste kulturell verankerte Ebene der Zeichensysteme und eine zweite des Stils, der Sensibilität. Zeichensysteme mit nur einer Artikulationsebene „stolpern am Sinn vorbei“. Seiner Ansicht nach setzt Sprache die Interaktion der beiden Artikulationsebenen voraus (zit. n. Lévi-Strauss, Mythologica I, S. 41.) Nur der alteuropäische Alphabetismus ist in seinem Sinn ein Zeichensystem, nicht aber die aus den mathematisch-physikalischen Verzifferungen resultierenden Systeme. Zeichensysteme mit nur einer Ebene verfallen einer Utopie, ein Zeichensystem auf nur einer Artikulationsebene zu schaffen. „Wie tief auch der Abgrund sein mag, der konkrete und serielle Musik voneinander trennt, so stellt sich doch die Frage, ob sie, indem die eine an der Materie ansetzt, die andere an der Form, nicht der Utopie des Jahrhunderts verfallen, nämlich ein Zeichensystem auf nur einer Artikulationseben schaffen zu können“, zit. n. Lévi-Strauss, Mythologica I, S. 42.

 


221226
Schaeffer’s Netzwerk

  • grosses Netzwerk ausgehend vom studio d’essay
  • alle besuchten die rue de l’université
  • Debade BBC Radio Workshop nach einem Besuch bei Schaeffer gegründet

Schaeffer unterrichtete 1948-53 in Africa

  • Stichwort (De)kolonialisation
    Schaeffer hilft(?) unabhängige Radiostationen aufzubauen
  • politische Parteinahme?
  • Schaeffer ist ein homme d’académie, ein homme d’insitution
  • Schaeffer kehrt 1957/58 aus Afrika zurück und gründet die GRM
  • zu den ersten Studierenden (?) gehören: Luc Ferrari, Ivo Malec, Jacques Poullin, Pierre Henry (verlässt später das Studio, es gibt eine eigene sound library von Henry).
  • Bayle, Parmegiani, Carucchi, Ferrari, Xenakis, Mireille Chamass-Kyrou

Schaeffers travaille de recherche

  • Arivée du sons enregistré dans la musique
  • Traité + solfège des objects sonores
  • spielen Schaeffer’s Recherchen heute noch eine Rolle
  • die Recherche is still of interest, elle est redécouverte
  • → phenomenological aspect of listening
  • Documentation dieser Hör-Praxis

Schaeffer wird zum directeur de la recherche de l’ORETF befördert und verlässt die GRM

039 Log 221220 Jonathan Prager
la concrétude
le solfège de l’objet sonore [sos]

Jonathan Prager
Né à Lyon en 1972, technicien du son de formation, il aborde la composition aux conservatoires de Lyon avec Denis Dufour et Jean-Marc Duchenne puis de Villeurbanne avec Bernard Fort. Sa pièce Eau de Lune a remporté le prix “résidence” du Concours international de musique électroacoustique de Bourges en 1996. Il fait partie de l’équipe du festival Futura depuis sa création en 1993. Il fonde à Lyon en 1995 son studio de création Piscine à Tokyo (composition, graphisme, pré-mastering, sites Internet…). Depuis 1998, il est professeur adjoint à la classe d’acousmatique du CNR de Perpignan. Interprète titulaire de l’acousmonium Motus depuis 1995, il assure régulièrement la projection des musiques acousmatiques en concert. Il a joué plus de 200 œuvres du répertoire dont une trentaine de créations mondiales, des classiques de la musique concrète aux jeunes créateurs d’art acousmatique, sur divers dispositifs de projection du son parmi lesquels ceux de l’Ina-GRM (Paris), du GMVL (Lyon), de l’Imeb (Bourges), du Gmea (Albi), de Cidma (Paris), du Coream (Grenoble) et du studio Forum (Annecy). En janvier 2001, il a renouvelé son contrat à la tête de l’acousmonium Motus jusqu’en 2003-2004. Il a joué lors des festivals “Futura” (Crest), “Aujourd’hui Musiques” (Perpignan), “Corpi del suono” et “La Terra Fertile” (L’Aquila, Italie), “Synthèse” (Bourges), “Le Bruit de la Neige” (Annecy), “Explo-sitions” (Paris), “Licences”(Paris), “Rebonds” (Albi), “Why Note” (Dijon), “Festival international de musique de Besançon”, “Aye Aye festival” (Nancy), “Art et environnement” (Claret), “Sons et images” (Gentilly), ainsi que dans le cadre du “Cycle acousmatique” de l’Ina-GRM, des concerts “Acore” (Lyon), et de nombreux autres concerts en France. (2010)
Jonathan Prager: Facebook

20.12.202
Entretien
Chez Prune
14:30 – 18h30
Jonathan Prager arbeitet als Professor für Komposition elektroakustischer Musik und als Spazialiseur (projection, interpretation) de la musique concrète. Er sei als Ayatollah der Interpretation verschrien («Interpretation» ist im Zusammenhang mit musique concrète ein umstrittenes Konzept). Und er repariert alte Studiogeräte insbes. Studer. Eine Pilgerreise nach Regensdorf war geplant, aber die Firma sei verschwunden, aufgekauft, ein Mitarbeiter der Firma und Erbauer/Ingenieur hätte alle Geräte und Baupläne weggebracht (wohin?).

bezüglich Equipment seien GRM und Radio interessant
aber nicht bez. Stimme
denn alle Klänge/Sounds/objets sonores are equal
Stimm- / Körper-Geräusche werden nicht unterschieden
radikal nach Helmholz
der Anfang mache «objectiver l’écoute»
sehr oft fehle/une manque d’analyse
ein Instrument spielen zu können sei keine Voraussetzung

was ist mit cresc., fff, dim, sforzato, attaque, fermate?
was, wenn keiner dieser Begriffe geläufig ist?
JP: kein Problem, es sei sogar gut. So würde den neuen Begriffen (solfège des objets sonores) keine alten Konzepte im Weg stehen
«sortir de la cause», wegkommen von „la source» der Geräusche zu hören

Welche Schritte führen zur composition electro-acoustique?

  • Enregistrements
  • après on les met ensemble, montage, mixage

JP verweist auf zwei verscheidene Zeitphänomene

  • temps réelle (real time)
  • temps décallé (verschoben)
  • → historische Begriffe

nach JP unterscheidet Schaeffer zwischen der musique concrète als einer Musik, die sich “assez vite” (in real time) entfaltet. Das sei was Schaeffer unter «konkret» verstanden habe. Im Vergleich zur musique abstraite, deren Realisation „verschobenen“ zu Zeit der Komposition zur Aufführung komme (sie muss nach einer Partitur erst noch eingeübt werden)
musique concrète = faire la musique en écoutant
nicht zu Verwechseln mit “Improvisation” parce que ce il n’y a pas l’intension de la composition

Lit.
L’interprétation acousmatique
Michel Chion: Guide de l’objet sonore

Begriffe von Schaeffer
La concrétude = prendre le son dans son charactère perceptif propres

je nach écoute wird unterschieden nach :

  • instruments / technicité
  • dB, Hz (scientifique)
  • perceptive (Schaeffer) / wie finden Eindrücke/Wahrnehmung zu Begriffe ?

Schaeffer spricht zB von der “masse du sons” ≠ Gewicht

  • simulacre (1948)

solfège de l’objet sonore

  • Vorläufer : was ist mit Walter Rutmann und sein film sans images: Weekend – eine konkrete Komposition
  • Schaeffer sei mit dem solfège de l’objet sonore sehr viel weiter gegangen

Pierre Schaeffer: l’objet sonore (1967)
Livre/CD: solfège de l’objet sonore, INA-GRM, Musidisc

Solfêge de l’object sonore avec Beatriz FerreyraGRM heute :

GRM heute:

  • auch im GRM wird mit protools gearbeitet, das sei Standart – was zeichnet die Möglichkeit im GRM zu arbeiten also aus ?
  • Morphogène, Phonogène, die hist. Equipment ist verloren oder weggeworfen worden, genau so wie die alten Komputer – was für ein Verlust!

Morphogène, Phonogène sind vgl. mit den aufkommenden, elektronischen Devices unhandliche Mamuttmaschinen. Sperrig. Reparaturanfällig. Heute eine Frage der Ingenieurskunst, des Instrumentenbaus mit Zeiteffekten, “Spannungeffekte” = Veränderung der Tonhöhen, (Spannung der Saiten, des Zwerchfells, der cordes Vocales…)

  • die disques du solfège sollten wieder herausgeben werden. Seit 2001 keine neue Edition mehr. Gutes Ansschauungsmaterial, interessant in der Form, Schaeffer, der alles erklärt..

implication / signes du corps dans la musique concrète = jouer le studio

  • les mondes et les ondes de Pierre Schaeffer = de faire le mixage, plutôt un travail solitarie
  • de petits / grands gestes / une certaine expressivité du corps
  • JP “danse” = vivre la musique, avec la lumière (spotlight) sur lui (am Mischpult)

4:50 …quel system d’écriture employez-vous?
PH: Aucun


Futura / GRM / GMEB / IRCAM / M&R musiques-recherches, Tape-music-movement → versch. Kontexte der Begriffe

Schreiben mit Stimmen – Mehrzahl
Dufrêne: Chopin sei sich nicht im Klaren, was er mit dem Körper mache. Der Körper als etwas Einzigartiges?, eine Einzelheit, eine gefühlte Einheit?, dessen Spuren nicht überschrieben werden sollten (Chopins exzessives Overdubbing)? Der Körper, der eine Stimme hat, die im enregistrement aufgezeichnet/registriert oder geschrieben wird. Welche Rolle spielt Psychoakustik? Stimmgeräusche, Interpretation der Geräusche als Körpergeräusche. Insbes. Atmungsgeräusche evozieren die menschl. Gestalt.

Auf die Klangfarbe/Gestalt fokussieren und von der Prod./Quelle abstrahieren.
Für Schaefer (wie Oliveros) steht das registrierende Alles-hören d. Mikrophon Modell.

JP: es sei komplizierter
nicht nur ein Frequenzen-Hören, sondern zB “la masse” etc.
→ das begriffliche Repertoire vgl. Schaeffer
in seiner Recherche steht der Kontext der Klangfarbe, kontextbezogene Anschauung (Kontextualisieren und Verstehen in einem?) im Mittelpunkt.

 


Schreiben mit Stimme (Einzahl)
Der integere Körper. Den Körper durch/mit der Aufnahme nicht drangsalieren / bedrängen / integer lassen/Unversehrtheit des Körpers. Die Aufnahme weder rückwärts noch vorwärts noch übereinander kopieren. Vgl. 156 Log Schreiben mit Stimmen_Workshop → Stichwort: Gewalt (einschreiben, einritzen)

Zeitachse. Deren Manipulation das dokumentarische Material in eine x-beliebige Materialsammlung überführt. Wolman hat die Zeitachse nicht manipuliert, und Dufrêne? Chopin kannte keine Grenzen. Dufrêne kritisiert Chopin bezüglich der Überlagerungen

Begriff der Dokumentation
Inwiefern ist Dokumentation nur “vermeintlich” dokumentarisch? “Präsentation” immer auch “Repräsentation” = es gibt nur symbolische Verschriftlichungsprozesse. Es gibt keine pure Datenschriften? Das Setting schreibt mit…?

038 Log 221220 Jonathan Prager
Historique de la Spatialisation
Interprétation, le relevé
Festival Futura

221220 Treffen mit Jonathan Prager (*1972, Lyon)
«composer, teacher and one of the few performers trained in the spatialization of acousmatic works»
(zit. n. inner space: Jonathan Prager)
facebook: Jonathan Prager


Das Acousmonioum

  • L’acousmonium a été inventée par François Bayle 1972-73
  • Bayles Verdienst ist es, den Begriff geprägt zu haben, ABER
  • das Lautsprecher-Orchester gab’s bereits = system de diffusion   = un l’ensemble d’hautparleur
  • Tatsache ist, so JP, dass Bayle nach einem Konzertbesuch in Bourges in dem verschiedene Lautsprecher (mit versch. Klangcharakteristiken) zum Einsatz kamen, dieses
  • Art von Lautsprecher-Orchester zum Modell nimmt. Ausgangspunkt sind versch. Lautsprechertypen und eben gerade nicht alles dieselben Lautsprecher. In Bourges wird dieses Dispositiv Gmebaphone (auch cybernéphone) genannt. Clozier ist noch heute nicht gut auf das Acousmonium zu sprechen – mit der Namensgebung wird es Bayle’s Erfindung

Christian Clozier
Clozier : The Gmebaphone Concept and the Cybernéphone Instrument

1950: Standart-Disply 4 Lautsprecher und zwar li, re, ein Lautsprecher oben und einer vorne?

  • Salle Cocteau
  • Spatialisation braucht 25 Jahre um formalisiert zu werden
  • On fait ce qu’on peut avec peu ou beaucoup de material, das mehr oder weniger kohärent zu Einsatz kommt

JP arbeitet seit 1995 mit einem Repertoire unterschiedlichster Stücke

  • er spricht von “Interpretation”
  • Voraussetzung = Fähigkeit die Stücke zu analysieren
  • für die akusmatische Musik wichtig : Festival Futura 1993
  • Im Rahmen von futura hat JP des cours d’interpretation angeboten
  • festival futura (Wikipedia)
  • festival futura
  • 2019 une oeuvre trois fois interpreter

GRM verpflichten die Komponisten an die table de mixage

  • lange nicht alle Komponisten sind gute Spatialisten
  • Spatialisation ist ein eigener Beruf
  • JP trifft auf erbitterten Widerstand von Seiten der GRM
  • Ferreyra: l’interprête casse tout
  • Die Komponisten kennen das Stück aus dem Studio (qauadrophonisch), aber die Situation in der Salle de concert ist etwas ganz anderes, zahlreiche Lautsprecher im Raum verteilt, oben, unten, hinten vorne – damit muss man umgehen können

Setzt eine Interpretation eine Partitur voraus?
JP erarbeitet “un relevé”

  • graphique
  • manchmal auch textuell oder beides
  • chonometré
  • = à posteriori, noter ce qu’on entend

handelt es sich um eine «partition de diffusion»?
→ diffusionscore Denis Smalley (*1946)
JP vermeidet das Wort “Partitur” für diese Aufzeichnungen
Partitur steht für die Erarbeitung einer Notenschrift
das enregistrement sei die Partitur
das ist entscheidend

  • le relevé ist so objektiv wie möglich
  • faire des indications objectifs
  • il faut se preparer, ajouter des informations
  • il faut écouter l’oeuvre et jouer par cœur
  • La composition de l’écoute

→ vgl. Jonathan Prager : L’interpretation acousmatique.pdf
1970 gab es très peu de réflexion sur l’interpretation
seit 1990 ist die Lage bereits etwas besser

 


Begriff der Interpretation
Problematik der Interpretation: Interpretation abschaffen, Interprety überflüssig machen, keine Klagen vonwegen Unspielbarkeit mehr ertragen müssen, kein renitentes Verhalten bei Proben, ohne Interpret. → vollständige Autonomie der Komponisty
Enregistrement als Partitur / Schrift, dann kann/muss die Partitur interpretiertbar werden/sein

organizer l’acousmonium wird für jedes Stück und nicht umgekehrt das Stück auf das Acousmonium. Trotzdem muss es etwas wie eine “implantation universelle” geben, denn man kann nicht jedesmal umstellen.
Auch in Italien, oder in Japan wird mit dem acousmonium gespielt
Aber nicht in Deutschland

JP unterschiedet

  • écoute domestique
  • pièces radiophoniques
  • statische Stücke (Radique)
  • pièce / des oeuvres stereo → transmission au viavant, dann gibt es eine cohabitation
  • pieces multiphoniques: fixent le sons dans l’éspace, les hautparleurs sind ins Stück eingeschrieben, einkomponiert, es gibt keine Interpretation, comme au cinéma

 


Festival Futura
Denis Dufour
GRM→ festival Futura
Concerts en dehors des institutions
Le grand acousmonium Motus → mehr dazu im Link zum Festival (siehe oben)

Das Festival fait jouer les pieces historiques ­– continue de jouer l’acousmonium
JP wollte Stockhausens Hymnen aufführen, interpretieren
Stockhausen hat die Spatialisation zwar festgelegt, kannte das Acousmonium aber nicht
JP erhielt die Rechte nicht, Stockhausens Hymnen auf dem Acousmonium zu spielen, er hätte im Gegenteil dafür zahlen müssen, die Hymnen aufführen zu dürfen. JP interpretiert die Symphonie des alpes von Dieter Kaufman

 


221222
Futura / GRM / GMEB / IRCAM / M&R musiques-recherches, Tape-music-movement → versch. Kontexte der Begriffe

Schreiben mit Stimmen – Mehrzahl
Nach Dufrêne sei sich Chopin nicht im Klaren, was er mit dem Körper mache. Der Körper als etwas Einzigartiges?, eine Einzelheit, eine gefühlte Einheit?, dessen Spuren nicht überschrieben werden sollten (Chopins exzessives Overdubbing)? Der Körper, der eine STIMME HAT, die im enregistrement aufgezeichnet/registriert oder geschrieben wird. Welche Rolle spielt Psychoakustik? Stimmgeräusche, Interpretation der Geräusche als Körpergeräusche. Insbes. Atmungsgeräusche evozieren die menschl. Gestalt.

Auf die Klangfarbe/Gestalt fokussieren und von der Prod./Quelle abstrahieren.
Für Schaefer (wie Oliveros) steht das registrierende Alles-hören d. Mikrophon Modell.

JP: es sei komplizierter
nicht nur ein Frequenzen-Hören, sondern zB “la masse” etc.
→ das begriffliche Repertoire vgl. Schaeffer
in seiner Recherche steht der Kontext der Klangfarbe, kontextbezogene Anschauung (Kontextualisieren und Verstehen in einem?) im Mittelpunkt.

 


Schreiben mit Stimme (Einzahl)
Der integere Körper. Den Körper durch/mit der Aufnahme nicht drangsalieren / bedrängen / integer lassen/Unversehrtheit des Körpers. Die Aufnahme weder rückwärts noch vorwärts noch übereinander kopieren. Vgl. 156 Log Schreiben mit Stimmen_Workshop → Stichwort: Gewalt (einschreiben, einritzen)

Zeitachse. Deren Manipulation das dokumentarische Material in eine x-beliebige Materialsammlung überführt. Wolman hat die Zeitachse nicht manipuliert, und Dufrêne? Chopin kannte keine Grenzen. Dufrêne kritisiert Chopin bezüglich der Überlagerungen

Begriff der Dokumentation
Inwiefern ist Dokumentation nur “vermeintlich” dokumentarisch? “Präsentation” immer auch “Repräsentation” = es gibt nur symbolische Verschriftlichungsprozesse. Es gibt keine pure Datenschriften? Das Setting schreibt mit…?

037 Log 221220
musique concrète: Fokus Stimme

221220 Treffen mit Jonathan Prager (*1972, Lyon)
«composer, teacher and one of the few performers trained in the spatialization of acousmatic works»
(zit. n. inner space: Jonathan Prager)
facebook: Jonathan Prager

Pierre Henry: Apocalypse du Jean
Lu par un acteur (moderateur de la radio?), voix très pose, la voix parfait
Pierre Henry : Messe de Liverpool avec Jacques Spagna
Pierre Henry: INA: Messe de Liverpool
voix comme matériel: brut, plutôt des sons vocaux
Maurice Béjard → Messe pour le temps present (1967) ≠ Messe pour Liverpool (1967-70)
le KKKK du Kyrie éleison mit violoncelle und tiefe Stimme (=3stimmig)
Kyrie:

  • lesion, chri, son, elisonel, christri, stechri (Silben-Komp)
  • Strohbass: kyrie élison + Cello + Silben (mehrstimmig)
  • Konkrete Poesie + Instr // Stimme overdub (Chorische Einzel-Stimme)

Gloria
Vorsänger / Skandierte Lautfolge
franz.-latenische Lautlichkeit
chorischer Sprechgesang im Hintergrund
hang-artiges Instr. / Klavier
Sanctus
Solostimme (sprechen + Singsang (Schluss))
Silben: benenen, sanan, santus, [oh]
überartikuliert, laut
Saiten-Impulse, Saiten-Arpegg. und gezupft
Schreiben mit Stimme → Aufzeichnung, weiter nichts
erst Stimme, dann dazu improvisiert (Klavierkorpus)
Partiur?, was ist notiert und was nicht?
Agnus Dei
4-5 Stimmig gestaffelt, räumlich
Hall, Silbensprache, Repetitionenen → gestottert, laut
Cymbales, re/li und Solo-Silbensprache, später Echo-Sprechchor
Mehr(ein)stimmig-monotones Lamento und Gliss
Communion
mit Radiogeräusch, Liegeton Orgel ev. auch Stimme
stark elektronsisch verfremdet
insges. elektronisch
Tonband wird als Kompositionswerkzeug eingesetzt, Stimmen experimentieren mit Sprache und mit Overdubro. Studiogemässer Einsatz des Mikrophons


Michel Chion
La temptation de St. Antoine (nach Flaubert)
avec la voix de Pierre Schaeffer
zu 80% unbearbeitet = premier plan und humour


Parmigiani & Bayle

La divine comédie


Luc Ferrari
beaucoup des sons de la vie et la voix
plus “realiste”
pris sur le vif, comm pour un reportage, “pas prepare”