096 Log 230410 Archives sonores de la poésie

Abigail Lang, Michel Murat, Céline Pardo (dir) : Archives sonores de la poésie, les presses du reel, Dijon 2019.

→019 Log 221128 Bibliothèque des voix


Céline Pardo, Abigail Lang, Michel Murat : « Introduction : l’héritage sonore des poètes », in : Céline Pardo, Abigail Lang, Michel Murat (dir.), Archives sonores de la poésie, Les Presses du réel, Dijon, 2019, p. 9–18.

des enregistrements à l’archivage

  • Die Dokumente sont menacés d’oubli
  • Spuren drohen zu verschwinden / vergessen zu werden, vorallem die Aufnahmen
  • Charles Cros (Paléophon 1877) / Edison (Phonographen 1878)
  • viele Aufzeichnungen visavis der Masse der Poésie sonore
  • Unterscheide: Poésie sonore ← → sonore Archive der Poésie

Robert Browning (1889)
« L’enregistrement cristallise un changement d’époque, un passage de relais symbolique de la mémoire humaine à une nouvelle forme de mémoire externalisé, mais aussi de la poésie comptée-rimée, dont la fonction était originellement mnémotechnique, à une poésie du vers libre puis à une poésie entièrement libérée du vers. »
(Lang, Murat, Pardo (Hrsg) 2019: 10)
– als Rhythmus und Reim als Mémotechnik an Bedeutung verlieren, taucht ein « mémoire externalisé » auf.
– Laut Kittler und Bernstein haben die l’enreigstrements « nouvelles prosodies modernes » hervorgebracht.

In Frankreich gibt es seit 1913 ein Archive de la parole
Aber es findet keine entsprechende Rubrik auf Gallica oder l’ina
Marseille : cipM ist die Ausnahme
in Frankreich findet sich kein « archive sonore spécifique à la poésie »
vlg Artikel von Camille Bloomfield bez. Documenten und Archive

Frage der « oralisation de la poésie en France »
(Lang, Murat, Pardo (Hrsg) 2019: 11)
Diese Form von Poésie wird kaum erforscht
Im angelsächsischen Sprachraum ist das anders

  • Harvard Vocarium seit 1933 : als erstes → S.Elliot
  • Vocarium steht, wie der Name andeutet für : a collection of voice recordings for use as a study aid in the appreciation of literature → siehe Link zu pdf
  • Woodberry Poetry Room Harward I
  • Woodberry Poetry Room Harward II
  • Columbia, Standford u.a. folgten dem Beispiel
  • In der Library of Congress findet sich ein Rubrik « Archive of Recorded Poetry and Language »
  • Auch Ubu web (fondé par Kenneth Goldsmith 1996)
  • PennSound (cofondé 2005)

Versch. Formen von Archiven sind zu unterscheiden

  • Archives écrites (→ « le dilemme de l’archive écrite, entre conservation et circulation »)
  • Archive sonores (bandes magnétiques)
  • Archive digitales → online oft frei zugänglich, damit multipizieren sich die Orte der Aufbewahrung

Zur Gründung eines entsprechenden Archivs in Frankreich
→ 2016 Symposium in der Sorbonne « Le patrimoine sonore de la poésie »
Das Symposium, für das die Beiträge des vorliegenden Bandes geschrieben worden sind
→ Link

Céline Pardo:  La poésie hors du livre (1945-1965). Le poème à l’ère de la radio et du disque, Paris, Presses de l’Université Paris-Sorbonne, 2015.
«….Éluard, Tardieu, Soupault, Aragon, Pichette, Artaud, Prévert, mais aussi Garnier, Dufrêne, Heidsieck, Gherasim Luca, s’emparent de ces nouveaux moyens de diffusion et d’expression pour dire leurs textes, se mettre en scène, inventer de nouveaux rapports avec le public, de nouvelles formes d’écriture et de présence à l’œuvre. » zit n. Klappentext

OBVIL = observatoire de la vie littéraire
01-03 Juni gibt es ein Symposium zu Emmanuel Hocquard: la poésie mode d’empoi
2017 (fungiert unter actualités)
→ OBVIL (nach dem Vorbild von PennSound) ist in Vergessenheit geraten

Arches et recherche
Es gehe um « les lignes de la voix des grands auteurs » so Tardieu, der den Club d’essai in den 1960er Jahren leitete.
(Lang, Murat, Pardo (Hrsg) 2019: 12)
Auch eine Frage der Archivierung und der Erhaltung der Bestände

Was ist der Stand der Forschung in Frankreich ?

  • Georges Lote : L’Alexandrin français, d’après la phonétique expérimentale, Pairs, La Phalange, 1913
  • Robert de Souza 1912 : « les poètes ne savent pas se lire… »
  • So auch Pierre Roger Léon, 1971
  • Prado entwickelt eine Typologie der Diktion

Stand der Forschung in den USA

  • Michael Diavidson 1981 : l’Archive for New Poetry (University of San Diego) bildet die Grundlage für audio-critisism
  • Charles Bernstein : Close listening. Poetry and the performdes word.

(Lang, Murat, Pardo (Hrsg) 2019: 15)

  • La dimension orale de la poésie
  • « La lecture à voix haute facilite l’accès »
  • Neue Beziehung zwischen son et sens
  • Soziologisch gesehen, so Bernstein, « se constitue dialogiquement par la reconnaissance dt l’échange au sein d’une communauté d’égaux » Bernstein distanziert sich von der romantischen Perspektive des Oralen als : « réspiration, la voix, la parole ».
  • Für Bernstein ist das Gedicht ein Ensemble von « performances textuelles et orales »
  • Close listening → close reading (new critisism, Ivor Armstron Richard, William Empson, vgl auch Derrida : Ulysses Grammophon)

Leseempfehlung : Roubaud : Dire la poésie

 


Daniel Kane : « Paul Blackburn et son magnétophone Wollensack », in : Céline Pardo, Abigail Lang, Michel Murat (dir.), Archives sonores de la poésie, Les Presses du réel, Dijon, 2019, p. 107-118.
Ausgangspunkt : die CD All Poets Welcome : the Lower East Side Poetry Scene in the 1960s, Berkley, University of California Press, 2003.

  • Athmosphäre der Lower East Side 1960
  • Fondatrice pour la poésie américaine
  • Wo : Les Deux Magots, Le Métro, Poetry Project de la Saint Marks Church
  • Interviews der AkteurInnen
  • was sie auszeichnet : « une tradition poétique centrée sur l’oralité »
  • Es handelt sich um Aufzeichnungen öffentlicher Lesungen und Gespräche, Radiosendungen

Recherche in den Archiven von Paul Blackburn in der Mandeville Special Collections Library der Universität von Kalifonien San Diegeo
(Kane 2019: 108)

 


Textmaterial im Archiv

095 Log 230405 CdG and Kosmocreation

10-12h CdG Skype
Vgl. Notizen 1-4
Wasser als Trope (Stilmittel, bildhafter Ausdruck) (1)

CdG
Zusammenarbeit mit Tomoco Sauvage
Festival Sonic Acts mit Waterbowls

  • recording water
  • resampling water
  • puls / polyrhythms
  • Eisblöcke, Tropfen, Kermaikschalen, Amplification

mit WSL an der Daylight Academy, Lausanne
Arbeit zu Feuer mit environmental geographer Jay Mistry, London

  • Feuer
  • wildfire
  • scales of fire

Wissen der Wissenschaft

  • Kunst ist Schattenreich dieses Wissens / Kompensation der Wissenschaft, aber ebenso wie diese infiltiert bez….
  • Bsp Begriffe Subjektivität (Kunst) – Objektivität (Wissenschaft) bedingen einander
  • Religiose Fragen hinter sich lassend

Kosmologie → besser Kosmocreation / Kosmogonie → teilhaben, matter, you are (t)here

  • CdG als Wissenschaftsphilosophin (vgl. Isabelle Stengers)
  • Feuer gibt viel zu lernen

Frage bez. Wissenschaft zur Sprache bringen (94 Logbuch 230401 → Monica Galiano)
Jargon der Wissenschaft steht für

  • Positivismus
  • Technologischer Fortschritt
  • Immer mehr Wissen, die Realität immer besser durchschauen, dabei!: wir wissen nicht mehr sondern ANDRERES / anders
  • Ein Wissen das funktioniert, Solange Herz, Spiritualität, Ästhetik “draussen” bleiben
  • Kunst / Kehrseite der Medallie → Problemtik der Produktivität, Vermarktung

MUSIK riesiges Wissensgebiet
Was (nicht) alles dazughört(e):

  • Astronomie
  • Altgebra, Geometrie
  • Verbindung von allem mit allem

daraus entsteht in der “Neuzeit” etwas wie eine akustische Welt

  • empirisch vermessbar
  • Ästhetik ist die Wissenschaft der Wahrnehmung
  • Wahrnehmung als solche hatte vor xxxx Jahren keinen eigenen Wert
  • Pythagoras hat nicht einfach etwas gehört, seine Wahrnehmung war eingebettet in eine Kosmologie (erst dann macht sie Sinn)
  • Musik zeigt, wie wir in der Welt sind und die Welt in uns

Wissensgeschichte
Invisible College versus dogmatisches Wissen (Kirche)

  • Kirche/dogmatisches Wissen ist kein spirituelles Wissen sondern entspring einem totalotären System (Dogma)
  • Das invisible College ist sozuagen der “Club der Wahrnehmung” um dagegen anzukämpfen
  • Wahrnehmung ist geframed: nur Nobel-Männer sind bei den Experimenten von Boyle gegenwärtig
  • post-lapsaische Verfasstheit des Menschen

Vgl. Kunst: Wahrnehmung ist Kunst, ist die Fähigkeit Relationen zu machen/verstehen/sehen

Pauline Oilveros Masterclasses
Oliveros-1: ‚Introduction and Background of Deep Listening‘
Oliveros-2: ‚Story of the Deep Listening Recording, 1988‘
Oliveros-3: ‚Hearing Listening and Movement with Energy Awareness‘

  • Aufzeichnung von Sonic Acts
  • Schärft das Körperbewusstsein
  • CdG hat die Übungen mit Stud. gemacht → wieviel Energie im Raum generiert wird!
  • viel besser hören können
  • CdG wie lässt sich diese Energie chanelling?
  • wieviel Potenz
  • weg von der Sichtbarkeit, bzw. man schaut nach innen
  • keine Wahrnehmung, die sich auf Sichtbarkeit reduziert
  • nach den Übungen etwas wie Ehrfurcht zu spüren
  • CdG schlägt vor auf dem ersten Wort, das den Teilnehmy in den Sinn kommt die Energie auszusitzen/brüten (DAS-Stud Amsterdam sind im Stande mit den sexuellen Energien, die auftauchen umzugehen im Gegensatz zu den Fine und Sonific) / Sexualität kennt keinen gaze, ist queer, aktiv, kreativ, politisch

Starhawk als ecofeministin

  • contemporary witchcraft
  • channeling

094 Log 230401 Bridle, Galiano, Abram

26.3.23 Sternstunde Philosophie

James Bridle, die Welt neu sehen
Kognitionswissenschaften, Informatik, Autor, Artist
– versucht jenseits der Kategorie „Kategorie“ zu denken
– in den Zwischenräumen, zwischen den Disziplinen
– dem Internet aufgewachsen, Adoleszenz mit dem Internet: eine neue Form die Welt zu erforschen
→ neue Sichtweisen
heute lebt Bridle auf einer griechischen Insel nahe Albanien
→ Konflikte mit Erdölförderung vor Ort
die Firmen verwenden KI, um neue Förderorte auszumachen

ist KI intelligent, wenn es zerstörerisch ist?
– wie wird Intelligenz definiert?
– was verstehen wir unter Intelligenz?
– KI ist als künstliche Dummheit nicht künstliche Intelligenz, denn [9`] Intelligenz ist nützlich und produktiv, eher ein Verb, etwas Aktives, kein statisches Konzept, ein Geflecht von Beziehungen, formbar
– Stöcken-Intelligenz-Teste…!
– Intelligenz ist nicht nur eine Sache des Kopfs, sondern des Körpers, auch der Beziehungen unter Körpern
– Krebse, Bienen→ Schwarmintelligenz)

Co-Evolutionäre Prozesse
– Parallelität ohne sichtbaren Plan in beiden Welten entstehen Prozesse/Mustern, weil sie sich in vielfältiger Weise als erfolgreich erweisen. in Natur und Technik
– Bsp. allmähliches Gewahr-werden von Pilz-Netzwerken = Myzelien
– World-wide-web → Wood-wide-web: eine Welt von Netzwerken
– als Modelle, Netzwerkemodelle
– 90er Jahre war die damalige Netzwerkmathematik nicht ausreichend, um das Internet abzudecken → es brauchte eine neue Topologie für skalenfreie Netze….

Intelligenz
– [18`] Alle Lebewesen sind intelligent, auch Pflanzen
– Pflanzen reagieren auf Kaugeräusche, können also hören?
– Mancuso: die Intelligenz der Pflanzen
– Wie spricht man über diese Phänomene, ist es anthropomorphisierend von Intelligenz zu sprechen?
– Es sei nicht möglich die Perspektive der menschlichen Verkörperung abzustreifen – aber wie darüber sprechen? Auf keinen Fall „andere“ Intelligenzen leugnen, Intelligenz ist auch keine innere Eigenschaft, sie entwickelt sich… Die Frage ist nicht nach der Ähnlichkeit (mit dem Menschen), sondern danach, „wie es ist, du zu sein“

Kritik der Überinterpretation
– Welche Sprache innerhalb des vorherrschenden Wissenschaftssystem akzeptabel ist und welche nicht. Das bestehende System ist sehr aussagekräftig und erlaubt viel über die Welt zu verstehen. Aber es ist nicht die einzige Form die Welt zu verstehen.
– Interessant ist es auf unterschiedlichen Verständnisebenen entsprechende Vorstellungskonzepte zu entwickeln und so verschiedene Arten des Wissens zu verbinden  „multipe knowing at the same time“

Monica Galiano (Pflanzenwissenschaftlerin)
Führt nicht nur Pflanzenexperimente durch, sondern hat auch eine Praxis als Schamanin und spricht mit Pflanzengeistern, sie fühlt sich auf dem Scheiterhaufen brennen (wie Giordano Bruno)

Insert:
Mehr-als-menschliche-Welt des Philosophen David Abram
Bleisch → Abram war auch Schamane
Interview mit Abram:

  • interbreathing
  • “we life inside a breathing earth and not on its surface” (37:01)
  • quantum mechanics is the wrong name  there are no quantums (as fixed things) and no mechanics (as technological logic) (39’)
  • wisdom is everywhere, even on the tip of your nose (journey to a shaman as a western habit (43’)). Abram works as a table magician, travelling as a street magician in Europa, to Indonesien, ask to trade magics  Namen der Zauberer/Medizinmänner/Heiler/ whichdoctors ihre Aufgabe: dass die Boundaries/relations von allem mit allem nicht verloren gehen, heilen als Nebeneffekt
  • sense and sensory perception als medium, Perseption is malleable, veränderbar, shifting the senses verändert die Welt (50’)
  • era of humility (55’), humbling

Leseempfehlung des Hosts Jonathan F.B. Rose:
David Rothenberg: Why Birds Sing: A Journey Into the Mystery of Bird Song, u.a.

 


James Bridle, Künstler
Seamless transition (vgl. auch Sternstunde 53‘)
Barbara Bleisch: Technologie (KI) soll intelligent sein? wie auch Tiere und Pflanzen (das ginge ja noch)
Bridle: der Laptop ist aus toten Meerestieren zusammengesetzt und wird von Elektronen belebt…[42`] nichts was auf der Erde ist, ist von ihr getrennt..
Bridle: den Begriff “natürlich” nicht mehr verwenden, es gibt nichts keinen Naturzustand, der von irgendwas getrennt sein könnte – woher kommt der Begriff, 18Jh., es gibt keine Natur, von der man sich erheben kann, das System kennt kein Außen
Bridle: es gibt eine künstliche Intelligenz, weil Intelligenz nicht in einem Reagenzglas oder im Gehirn eingeschlossen gedacht werden kann, es ist ein Tun, etwas das Intelligenz produziert, es kann nicht künstlich sein, weil nichts künstlich ist. vor diesem Hintergrund gibt es auch keinen Fake – die Frage ist warum ist Intelligenz so wie sie ist, welche sind die Machtstrukturen, die Intelligenz fördern oder… [46`]
[54`] Es braucht keine neuen Berichte, was es braucht sind Agencies, Handlungsmächtigkeit, zB über die Anwendung von Softwarecodes

 

 

093 Log 230327 Renaissance 3.0
Ausstellung, ZKM, 2023

Renaissance 3.0
25.03. – So, 26.03.2023
Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe
→ Broschüre

«Die Kunst orientiert sich primär an den Dingen, die sich mit natürlichem Auge erfassen lassen, die Wissenschaft stieß dagegen schon seit dem 16. Jahrhundert mit Instrumenten zu bislang unzugänglichen »res invisibiles« des Mikrokosmos und des Makrokosmos vor. Heute arbeiten Künstler:innen im digitalen Zeitalter zunehmend mit denselben Werkzeugen, Methoden und Programmen wie die Wissenschaft. Dieser gemeinsame »Pool of Tools« weist auf den Beginn einer Verwissenschaftlichung der Kunst hin, wie sie die italienische Renaissance bereits zum Ziel hatte. Das ZKM | Karlsruhe widmet sich mit dem Forschungs- und Ausstellungsprojekt »Renaissance 3.0« den neuen Allianzen von Kunst und Wissenschaft im 21. Jahrhundert. Das Symposium ist Gastgeber renommierter Wissenschaftler:innen und Nobelpreisträger:innen aus Disziplinen wie der Quantenphysik, Biochemie, Medizin und Kunstgeschichte.» (zit. n. Renaissance 3.0)

Symposium | Tag 1 –Video
25.03.2025
00:00 Intro 04:30 Einführung von Moderator Wolfram Eilenberger 16:15 Tilmann Betsch »Science Matters!« 01:12:45 Uwe Spetzger »Mixed Reality in der modernen Gehirnchirurgie« 02:02:12 Pause 03:47:45 Christiane Nüsslein-Volhard »Schönheit der Tiere: Evolution biologischer Ästhetik« 04:47:22 Stefan Hell »Wie man eine naturwissenschaftliche Grenze überwindet…und was man daraus machen kann« 05:51:30 Adam Riess »Dark Energy and the Future of the Universe«

Symposium | Tag 2 – Video
00:00 Intro 08:56 Einführung von Moderator Michael Hübl 14:08 Gerald Bast »Wissen ist Macht? – Kreativität ist Macht!« 01:11:01 Pause 02:12:54 Siegfried Zielinski »Optik, Automaten- und Experimentalkultur in der ersten, arabisch-islamischen Renaissance« 03:12:57 Horst Bredekamp »Michelangelo und die Materialaktivität« 04:06:55 Bazon Brock »Theoretische Kunst – Formende Verkörperung des Geistes«

Sonntag, 26. März 2023

11:00 – 12:00 Uhr Bazon Brock Besucher:innenschule zur Ausstellung »Renaissance 3.0«
12:00 –
12:40 Uhr
Gerald Bast Wissen ist Macht? – Kreativität ist Macht!
14:00 –
14:40 Uhr
Siegfried Zielinski Optik, Automaten- und Experimentalkultur in der ersten, arabisch-islamischen Renaissance
15:00 –
15:40 Uhr
Horst Bredekamp Michelangelo und die Materialaktivität
16:00 –
16:40 Uhr
Bazon Brock Theoretische Kunst – Formende Verkörperung des Geistes

 

Siegfried Zielinski
Optik, Automaten- und Experimentalkultur in der frühen, arabisch-islamischen Renaissance

Einführung Michael Hübl
Zum Begriff der Renaissance: die karolingische Renaissance – zur Schriftkultur – Wissen um den Einfluss der arabischen Kultur auf die westliche Kultur des Mittelalters. Zur Person von Siegfried Zielinski Rektor der Kunsthochschule in Karlsruhe, zahlreiche Publ.: zur Archäologie der Medien

«Ursprung liegt immer vor dem Fall, vor dem Körper und vor der Zeit» → Foucault (Aufschichtungen vergangener Gegenwarten), ein einziger Ursprung für das Heute impliziert eine definite wissenschaftl. Wahrheit → Ursprungsdenken und Teleologie hängen eng zusammen, es existieren zwei(?) epistemischen Varianten der mit eschatologischen Gesten verbunden (die letzten Dinge denken → Eschatologie) Denkfiguren: Anfangs- und Ende-Denken, von den ersten und den letzten Dingen erzählen (Baudrillard, Kittler, Virilio, Flusser) – im Gegensatz dazu das genealogische Denken: disparate Herkünfte eines Phänomens betrachten, um einen dynamischen historischen Zusammenhang zu öffnen (den man Renaissance nennen könnte aber ev. auch cultura experimentalis) (Nietzsche, Weibel) – Nietzsche «sucht nicht nach dem einen Ursprung, aus dem sich alles heraus entwickelt haben soll, sondern sucht die disparaten Herkünfte», «Labyrinth vergangener Ereignisse», was hinter uns bildet genauso ein Möglichkeitsraum, wie das was vor uns liegt (Video 2h:18)

«technisch-ästhetische Phänomene werden im Rahmen eines Erkenntnisinteresses reflektiert», um die tiefen Zeiten des Mediendenken und Medienhandeln zu erforschen
Versuch einer Genealogie zur erweiterten Animation zeitbasierter techno-ästhetischer Objekte
2008 Gründung eine Institut for Southern Modernities (Istanbul, Neapel)

Begriff der Animation


Gott der Meta-Automat
Ibn al-Haytham: Optik, Licht, Theorie der visuellen Wahrnehmung, eine «Empfangstheorie» der Sehorgane (als Apparate), experimentelle Erfahrungen (versus einer «Sendetheorie» (von Gott gesendet)). Ibn al-Haytham wurde nur z.T. übersetzt (v. Friedrich Riesner 1579 ins Lateinische), bis heute unvollständig! Ibn al-Haytham ist der grösste aller Universalgelehrten, herausragender Naturphilosoph und Mathematiker. Er wollte die Welt durch Technik, durch Apparate verändern –  pragmatisch: «materiologisches Mediendenken» (Zielinski)

«Entwickelte Kultur des Experiments» (Zielinski): Ibn al-Haytham verbindet Theorie und Praxis, Hermeneutik, technisches Wissen und Poiesis als Kunst des Machens. In den Häusern/Tempeln des Wissens, interreligiös, versammeln sich Gelehrte aller Regionen und Herkünfte, generös gefördert. Bibliothek, Apparatebau, Observatorien → fortschrittliche arabisch-islamische Wissenskultur → Manual (üppig bebilderten und beschriebenen, Bau- und Gebrauchsanleitung, bei der Text- und Gebrauchsinformation spielerisch ineinandergreifen), kann als Hypertext verstanden werden.

092 Log 230327
Sprechmaschine

Amnesia Scanner – Live at Appleville – Video
– mehr als ein Mundöffnungsritual?
– Zungenbewegung ist keine zu erkennen
– Leben im Reagenzglas

Motormouth Robot KTR-2 – Video
– 1:04 der Roboter imitiert die Vokale (vorgesungen)
– Die Stimme des Roboters ist in der Klangfarbe und Tonhöhe der Stimme des Versuchsleiters nachgebildet (Ansatzrohr), auf der anderen Seite kopiert der Versuchsleiter das Timbre des Roboters

ROBOT MOUTH (inc head) – Video
– Ausser dem Quietschen der Federn kein Laut zu hören
– Mimik: Augenbewegung und Augenbrauen
– Stimmapparat ist keiner eingebaut

great sound?! (vgl Kommentare)
nicht mehr das neueste Modell…

 

091 Log 230320 Aufbau Datenbank

Kommentarspalte für Quellenangaben oder pdf
–       Grösse der Webseite (in GB), wieviel Speicher steht zur Verfügnung?
–       Domain kaufen
–       Suchfunktion
–       Verschiedene Keys, nicht alle sehen alles
–       öffentlich nur Liste der Logbucheinträge (=Inhaltsverzeichnis)
–       Peer ausschliessl. research // Freunde = alles

230403
Vgl. pdf 230329 Entwürfe für eine Frontseite und Logbuchseite w/s
–        Fehlt Logo von SNF
–        Einbettung in www.doch.ch als Verzeichnis_doch.ch
–        Upload auf Metanet
–        B. schlägt WordPress vor
–        Kostenpunkt
–        Schlagwortsuche auf sämtlichen Logbucheinträgen → Zettelkasten
Abklären d. Anbindung an HKB-Projektseite, grafische Gestaltung, Finanzierung, Betreuung
Geht Logbucheintrag ohne Keyword/Schlagwort verloren?
Jeder Logbucheintrag muss eingebunden sein
Einbindung kann auf mehr als einer Ebene erfolgen (viele Schlagworte)

230423
Empfehlung WordPress nicht Typo3
Beachte PerfBlog: Interviewführung!
–        reinspringen mit einer Frage, danach aufrollen
keine umständlichen Fragen, sondern knapp

230427
Wie wird «eingefüllt», sollte sich nicht von der Arbeit im Logbuch unterscheiden…
–        Notizen (Hauptspalte)
–        Randnotizen
–        Links
–        Highlight
–        Korrigieren
–        Kommentarspalte / Stichworte / Fotos

Material zu den Entwürfen im Archiv

088 Log 230313 Hiekel_Aspekte des Körperlichen in der Neuen Musik

Jörn Peter Hiekel und Institut für Neue Musik und Musikerziehung  Hauptarbeitstagung  Darmstadt: Body sounds : Aspekte des körperlichen in der Musik der Gegenwart, Main: Schott, 2017.

→ 101 Logbuch 230426 Hiekel_Aspekte des Körperlichen (Fortsetzung)


70. Darmstädter Frühjahrstagung zum Thema «Body sounds. Aspekte des Körperlichen in Neuer Musik»
Um Aspekte des Körperlichen in Neuer Musik ging es bei der 70. Frühjahrstagung des Instituts für Neue Musik und Musik­erziehung in Darmstadt vom 30. März bis 2. April 2016. Unter dem Titel «Body sounds» galt es, gemeinsam darüber nachzudenken, in welcher Weise sich Aspekte des Körperlichen in Musik konkret artikulieren und welche Wege der Aufführung und des Erlebens dabei wesentlich sein können.
(zit.n. Neue Zeitschrift für Musik)

Inhaltsverzeichnis
Vorwort des Herausgebers
I. Körperkonzepte und Überschreitungen

Jörn Peter Hiekel: Über die «Wiederkehr des Körpers» in der Musik der vergangenen Jahrzehnte und in ihrer Wahrnehmung
Bernhard Waldenfels: Leibliches Musizieren
Stefan Drees: Von mixed media zum extended performer: Eine fragmentarische Geschichte medialer Erweiterungen des menschlichen Körpers
Wolfgang Lessing / Wolfgang Rüdiger: Neue Musik als Schlüsselkunst leib-körperlicher Erfahrungen
Lars Oberhaus: Klangkörper – Körperklang. Einsatzmöglichkeiten körperbezogener Neuer Musik im Unterricht
Gerhard Stäbler: CHANGE! – Eine Bratpfanne gehört ins Gepäck eines Komponisten. Eine Lese-Performance
Uwe Rasch: sounds: somatogen 114

II, Doppelporträt Nicolaus A. Huber und Heinz Holliger
Nicolaus A. Huber: Tradition – Anverwandlung – Auflösung. Körperliches und Rhythmus in eigenen Arbeiten
Der Körper ist nicht mein Thema. Heinz Holliger im Gespräch mit Wolfgang Rüdiger
Martin Zenck: Unvertretbarkeit des Körpers oder Embodiment? Zu den Hölderlin-Kompositionen von Heinz Holliger und Nicolaus A. Huber

III. Entfesselung und/oder Bändigung des Körpers
Wilfried Gruhn: Musikalische Gestik als Modus von Perzeption und Performanz
Körper – Musik –Performance, Sasha Waltz im Gespräch mit Christa Brüstle
Clemens Gadenstätter: Verstehen des Körpers des Klangs
Jennifer Walshe: Die «Neue Disziplin»
Pavlos Antoniadis: Körperliche Navigation mittels interaktiver Systeme in Brian Ferneyhoughs Klavierkomposition «Lemma-Icon-Epigram»
Robin Hoffmann: Ich komm‘ gleich runter und berühre! Heiße und kalte Körperversprechen in der Musik
Karolin Schmitt-Weidmann: Auf dem eigenen Körper. Aktive und passive Körperwahrnehmungen am Beispiel von Vinko Globokars «Corporel» und Robin Hoffmanns «An-Sprache»

 

087 Log 230313 Schreiben mit Stimmen
Update Forschungsprojekt

  • 1 chorisches Audioscoring
  • 2 Plattform für Logbuch
  • 3 Datenübertragung
  • 5 Themenfelder Schrift/Körper

1
chorisches Audioscoring
Ein Track 7 Kopfhörer

Audioarbeit

  • Volumenkurve mit Fader fahren und gleichzeitig aufzeichnen → Midi
  • Subtraktion zweier Audiotracks: Vorstellung von Auslöschung. Was genau passiert ist gänzlich von mir (Algorithmus) abhängig, Subtraktion in diesem Sinn gibt es nicht

Subtraktion

  • zwei Spuren übereinanderlegen, alles weitere = Editionsarbeit
  • Aufführungsrechte / Urheberrechte → eine neue Komposition
  • Aufnahme als Ergebnis der Forschung (= geschütztes Feld der Forschung, ausschliesslich im akademischen Bereich der Forschung, es gibt keine „Aufführungsrechte“ für Forschung)
  • Forschung muss publiziert werden können
  • Phil Minton: Doghnut in one hand
  • Vorschlag: Phil arbeitet mit Audioscoring zu Wolman (zu sich selber)….
  • → Idee/Konzept delegieren, nicht selber ausführen (Projektleiterin, Beobachterin)
  • Idee der Subtraktion transformieren (muss sich transformieren, denn Subtraktion gibt es nicht), man erfährt viel über das Ausgangsmaterial, inbesondere, wenn die Nachahmung scheitert.

Audioscoring räumlich

  • Audioscoringaufnahme im Schallzentrum bewegt und Audioscoring Ausganstrack fix im Stereobild

Zwei Revox

  • Archiv → an der Fellerstrasse
  • Dübendorf

Säge (Aufnahmen)
Im Antrag: mit moderner Studiotechnologie Erfahrung suchen / auch Hörerfahrung

  • Um die Tonbandgeschichte zu kontextualisieren
  • Animal Musical: Was Raum bedeutet, es gibt keine Durchsichtigkeit wie im Bild
  • Es gibt keine neutralen Aufnahmen (ohne Raum, trocken), auch im Studio nicht
  • Wahl der Mikrophone

2
Plattform für Logbuch und Materialien

  • eine in sich abgeschlossene Präsentation? → Keynote oder Powerpoint oder Google doc
  • Beide können mit Passwort geschützt werden
  • wer schriebt das Programm?
  • Freeform von Apple

Mail bez. Datenbanken HKB Interpretation und wordpress an die Institutsleitung
Tabelle ist kein gutes Ordnungssystem

  • = Pseudohierarchie
  • Worldpress ist Seiten-orientiert, ähnlich einem Buch, blättern
  • Worldpress kommt der Sache am nächsten

3
Daten übertragen

4
Themen: Schreiben/Schrift

  • Körper → Neue Musik goes popular Music

Thema vorwiegend im Bereich popular music research, bzw. feministische Musikwissenschaften
Adorno: „On popular music“
M gibt Kontext zu Adornos «on popular music»

  • Adorno und Eisler im Exil in den USA
  • Kritische Theorie in den USA → problematisch Rezeption
  • Kultur und Vermarktung
  • Eisler kann den Leuten nicht erklären, was er macht
  • sich verdingen müssen→ als Filmmusikkomponist
  • Adorno ohne Einkommen, weder als Komponist und noch als Theoretiker
  • Zu «Neuen Musik» gibt es in den USA kein Pendant, an Stelle von NM: Marketing-Fragen
  • Versuche das Institut für Sozialforschung in NY aufzubauen sind gescheitert
  • Ende 2. Weltkrieg, von welcher Popularmusik in den USA ist die Rede?
  • Adorno spricht vom Jazz, aber nicht vom Jazz der 60ger Jahre
  • „on popular music“ hat zynische Züge
  • ABER: es alles ist noch viel extremer geworden, A. hat recht
  • BA-Arbeit zu feministischer POP Musik, zu Hyperpop und Hyperfem.
  • Alibifrauen: Kate Bush und Laurie Anderson, aber alles andere ist Business, bitter! Pop-Kultur Background vermittelt erst das Studium, dass es noch was anderes gibt

Body/Körper

  • Boom, vgl. Transkript Verlag → body turn
  • gleichzeitig Überbetonung und Negierung der Körperlichkeit
  • Techno: sich selbst wie eine Maschine behandeln
  • Grundlagen von Schreiben mit Stimmen:
    Brigitte Felderer: Dramaturgin und Kuratorin Der Ausstellung Phonorama, des Zentrums für Kunst und Medien ZKM. Karlsruhe, 2004
    Doris Kolesch, Sybille Krämer (Hrsg): Stimmen, Berlin, Suhrkamp 2006.
    Daniel Gethmann (Kulturwissenschaft): Übertragung der Stimme, Zürich, Diaphanes 1998.
    Vilém Flusser (1920–1991 Medienphilosoph und Kommunikationswissenschaftler): spricht bereits von einer telematischen Gesellschaft. Er kennt kein Internet, keinen Komputer, trotzdem (oder deswegen?) sind in seinen Texte die gesell.&kult. Zusammenhänge anschaulich nahegebracht
  • Theodor W. Adornos (1903–1969, Musikphilosophie, Soziologie) Schriften sozusagen aus hist. Distanz und gerade deshalb ist die Gegenwart darin fasslich
  • KI, Hypersexulisierung,
  • Lisa Akervall (Filmwissenschaft):
    Die Wahrheit von Autotune, in: Navigationen – Zeitschrift für Medien- und Kulturwissenschaften, 2015, S. 77-98.
    Autotune und künstliche Intelligenz, Stimmmodulationen in digitalen Medienökologien, Voice Control und Kontrollgesellschaften
    pdf/A: Zusammenfassung_Wahrheit von Autotune
  • Luigi Nono (1924–1990, italienischer Komponist)
    – Stichwort Wahrnehmung → Tragödie des Hörens
    – Nono gehört zur Antikriegsbewegung, arbeitet im Vorstand der Kommunistische Partei
    – Massimo Cacciari ist für die Texte und Emilio Vedova für das Bühnenbild verantwortlich)
    – Zusammenarbeit mit Hans-Peter Haller im Experimentalstudio der Heinrich-Strobel-Stiftung des Südwestfunks in Freiburg- (Mail M.): zu Prometeo – Tragödie des Hörens
    –
    unterschiedliche Hörgewohnheit: bildlich deutenden und skandalös dialogisches Hörens
    – «Tragödie des Hörens» = Hören als Entziffern von Bedeutungen, als Zuordnung von Mustern
    – damit bleibt das schöpferische utopische Vermögen von Musik unentdeckt.
    – Nono und der «Kurator» seiner Libretti Massimo Cacciari arbeiten mit der modernsten Technologien zum Zwecke der Vervielfachung der Hörfähigkeit, zB. dem Experimentalstudio in Freiburg (Ringmodulatoren, Harmonizer (Audiocomputer), Vocoder; spezielle Quint-, Terz- und Sekundfilterbänke; Gates, Halaphon, Verzögerungsgeräte). Mit ihr hat Nono über Jahrzehnte gearbeitet.
    – Nono ist der Stimmkomponist des 20Jh., Fabbrica illuminata (1964)! Al grand Sole…
    – Nono ist heute selten zu hören, anspruchsvolle Hingabe ans Hören, Fragmente Stille an Diotima ist sehr leise, in der 4. Reihe hörst man nichts.
    – Hinhören, das wollte Nono…

Schreiben

  • → Schallplatten sind Grapheme
  • → Moholy Nagy: in Wachs schreiben, direkt, Ritzschrift als Kompositionsmethode
  • → Rilke: die Schädelnaht als Ritzschrift
  • Tonband→ statt Ritzen werden magnetische Teilchen umgepolt, die Information wird nicht mehr GESCHRIEBEN, weil sie nicht mehr geritzt wird.
  • Schallplatte (ritzen) und Tonband (Magnetismus) entstehen zeitgleich! Das läuft parallel. Tonband ist weit weg vom „Schreiben“
  • Kittler (Grammophon, Film, Schreibmaschine) lässt das Tonband aussen vor
  • Tonband ist Kriegstechnik, der Elektromagnetismus ist erschütterungsresistent (transportabler als die Schallplatte)
  • Nach 1907 mit der Erfindung der Verstärkerröhre werden Mikrophone gebaut, die Schallwellen zu Stromstärken umwandeln  Elektromagnetismus ist nicht weit weg
  • 1890 wurde dünner Draht magnetisiert…

Lit.
Nils Röller: «Marshall Macluhan und Vilém Flusser zur ‘Tragödie des Hören’», in Hans-Peter Schwarz (Hrsg): Zweites Zürcher Jahrbuch der Künste, Hochschule für Gestaltung und Kunst, Zürich, 2005.

Einführung zu Roland Roos Klangsintallation Rolywholyover, Juli 2005 als Klangarchipele im Raum verteilte Orchestergruppen

I McLuhan
Marshall McLuhan  (1911–1980, Kanada, Philosoph und Medientheoretiker, prägte Begriffe wie «Gutenberg Galaxis» (Ende des Buchzeitalters), globales Dorf, heisse und kalte Medien.

McLuhans «acoustic space»
– Zentral für Marshall McLuhans Medientheorie, im «elektrische Zeitalter» = Radio, TV
– es dreht sich nicht mehr länger alles um Printmedien
– acoustic spaces der Massenmedien Radio, TV

  • Mit welchen Konsequenzen für die Bildungslandschaft?
  • Im visuellen Raum der Printmedien verkümmern die anderen Sinne, nach McLuhan wird das Gleichgewicht wieder hergestellt.
  • Glenn Gould als McLuhaneske Figur
  • Der acoustic space ist richtungslos, grenzenlos, ohne Fokus, so McLuhan
  • konzentrisch (katholisch)
  • die räumliche Orientierung im Sinne von oben unten ist eine westliche, von der Schriftkultur hervorgebrachte Konstante, keine anthropologische Konstante

Sigfried Gideon (1888–1968 schweizter Architekturhistoriker)

  • 1954 in Kontatk mit McLuhan
  • Akustischer Raum ist überindividuell
  • Konzeptionierung des Raumes ist unbewusst, instinkt, erlaugt in den Kosmos des Höry einzudringen

McLuhan: Radio als Stammestrommel

  • seine medientheoretische Beschäftigung mit Räumen geht von elektronischen Medien aus
  • Sieht eine Zusammenhang zur Rezeption dieser Medien und der Oralität der Kulturlandschaft
  • Akustische Räume → Beziehungen
  • Quelle

II Vilém Flusser
Vilém Flusser (1920–1991, tschechisch-brasilianischer Medienphilosoph)

  • Komponieren als kybernetischer Prozess
  • Effekte generieren
  • Programmieren
  • In- und Output der „Black Box Körper»
  • Informationstheorie
  • Buber: dialogisches Leben → darum gibt es ein Bilderverbot: das Antlitz des anderen wird durch das Bild verstellt.
  • Telematik
  • Akustische Metaphern stehen für Offenbarungen

III Luigi Nono
Luigi Nono (1924–1990, italienischer Komponist)
Prometeo – Tragödie des Hörens
zwei unterschiedl. Hörgewohnheiten

  • bildlich deutend
  • skandalös dialogisch

warum spricht Nono von einer Tragödie des Hörens

  • weil zuviel gedeutet wird, entziffert, zugeordnet
  • er sucht die Vervielfachung der Hörfähigkeit
  • Prometheus bringt Feuer und Zahl

086 Log 230309 Kazoo

«The bazooka, it may be added, can be made at home.  Two pieces of gas pipe, one tin funnel, a little axle grease and a lot of perseverance, Sergt. Robert Burn says, equal one bazooka». (Jensen Brown, Mai 2017)

«The similarities are no accident.  Both “bazooka” and “kazoo” appear to share a common, related root word – “bazoo.”  To blow or toot one’s “bazoo” was idiomatic slang similar to the modern expression, “toot one’s own horn,” and the word “bazoo” standing alone was slang for any type of wind instrument, especially when played loudly or annoyingly». (Jensen Brown, Mai 2017)

Kazoo (Membranonophon) ← → Vuvuzela (Blasinstr.)