088 Log 230313 Hiekel_Aspekte des Körperlichen in der Neuen Musik

Jörn Peter Hiekel und Institut für Neue Musik und Musikerziehung  Hauptarbeitstagung  Darmstadt: Body sounds : Aspekte des körperlichen in der Musik der Gegenwart, Main: Schott, 2017.

101 Logbuch 230426 Hiekel_Aspekte des Körperlichen (Fortsetzung)


70. Darmstädter Frühjahrstagung zum Thema «Body sounds. Aspekte des Körperlichen in Neuer Musik»
Um Aspekte des Körperlichen in Neuer Musik ging es bei der 70. Frühjahrstagung des Instituts für Neue Musik und Musik­erziehung in Darmstadt vom 30. März bis 2. April 2016. Unter dem Titel «Body sounds» galt es, gemeinsam darüber nachzudenken, in welcher Weise sich Aspekte des Körperlichen in Musik konkret artikulieren und welche Wege der Aufführung und des Erlebens dabei wesentlich sein können.
(zit.n. Neue Zeitschrift für Musik)

Inhaltsverzeichnis
Vorwort des Herausgebers
I. Körperkonzepte und Überschreitungen

Jörn Peter Hiekel: Über die «Wiederkehr des Körpers» in der Musik der vergangenen Jahrzehnte und in ihrer Wahrnehmung
Bernhard Waldenfels: Leibliches Musizieren
Stefan Drees: Von mixed media zum extended performer: Eine fragmentarische Geschichte medialer Erweiterungen des menschlichen Körpers
Wolfgang Lessing / Wolfgang Rüdiger: Neue Musik als Schlüsselkunst leib-körperlicher Erfahrungen
Lars Oberhaus: Klangkörper – Körperklang. Einsatzmöglichkeiten körperbezogener Neuer Musik im Unterricht
Gerhard Stäbler: CHANGE! – Eine Bratpfanne gehört ins Gepäck eines Komponisten. Eine Lese-Performance
Uwe Rasch: sounds: somatogen 114

II, Doppelporträt Nicolaus A. Huber und Heinz Holliger
Nicolaus A. Huber: Tradition – Anverwandlung – Auflösung. Körperliches und Rhythmus in eigenen Arbeiten
Der Körper ist nicht mein Thema. Heinz Holliger im Gespräch mit Wolfgang Rüdiger
Martin Zenck: Unvertretbarkeit des Körpers oder Embodiment? Zu den Hölderlin-Kompositionen von Heinz Holliger und Nicolaus A. Huber

III. Entfesselung und/oder Bändigung des Körpers
Wilfried Gruhn: Musikalische Gestik als Modus von Perzeption und Performanz
Körper – Musik –Performance, Sasha Waltz im Gespräch mit Christa Brüstle
Clemens Gadenstätter: Verstehen des Körpers des Klangs
Jennifer Walshe: Die «Neue Disziplin»
Pavlos Antoniadis: Körperliche Navigation mittels interaktiver Systeme in Brian Ferneyhoughs Klavierkomposition «Lemma-Icon-Epigram»
Robin Hoffmann: Ich komm‘ gleich runter und berühre! Heiße und kalte Körperversprechen in der Musik
Karolin Schmitt-Weidmann: Auf dem eigenen Körper. Aktive und passive Körperwahrnehmungen am Beispiel von Vinko Globokars «Corporel» und Robin Hoffmanns «An-Sprache»

 

087 Log 230313 Schreiben mit Stimmen
Update Forschungsprojekt

  • 1 chorisches Audioscoring
  • 2 Plattform für Logbuch
  • 3 Datenübertragung
  • 5 Themenfelder Schrift/Körper

1
chorisches Audioscoring
Ein Track 7 Kopfhörer

Audioarbeit

  • Volumenkurve mit Fader fahren und gleichzeitig aufzeichnen → Midi
  • Subtraktion zweier Audiotracks: Vorstellung von Auslöschung. Was genau passiert ist gänzlich von mir (Algorithmus) abhängig, Subtraktion in diesem Sinn gibt es nicht

Subtraktion

  • zwei Spuren übereinanderlegen, alles weitere = Editionsarbeit
  • Aufführungsrechte / Urheberrechte → eine neue Komposition
  • Aufnahme als Ergebnis der Forschung (= geschütztes Feld der Forschung, ausschliesslich im akademischen Bereich der Forschung, es gibt keine „Aufführungsrechte“ für Forschung)
  • Forschung muss publiziert werden können
  • Phil Minton: Doghnut in one hand
  • Vorschlag: Phil arbeitet mit Audioscoring zu Wolman (zu sich selber)….
  • → Idee/Konzept delegieren, nicht selber ausführen (Projektleiterin, Beobachterin)
  • Idee der Subtraktion transformieren (muss sich transformieren, denn Subtraktion gibt es nicht), man erfährt viel über das Ausgangsmaterial, inbesondere, wenn die Nachahmung scheitert.

Audioscoring räumlich

  • Audioscoringaufnahme im Schallzentrum bewegt und Audioscoring Ausganstrack fix im Stereobild

Zwei Revox

  • Archiv → an der Fellerstrasse
  • Dübendorf

Säge (Aufnahmen)
Im Antrag: mit moderner Studiotechnologie Erfahrung suchen / auch Hörerfahrung

  • Um die Tonbandgeschichte zu kontextualisieren
  • Animal Musical: Was Raum bedeutet, es gibt keine Durchsichtigkeit wie im Bild
  • Es gibt keine neutralen Aufnahmen (ohne Raum, trocken), auch im Studio nicht
  • Wahl der Mikrophone

2
Plattform für Logbuch und Materialien

  • eine in sich abgeschlossene Präsentation? → Keynote oder Powerpoint oder Google doc
  • Beide können mit Passwort geschützt werden
  • wer schriebt das Programm?
  • Freeform von Apple

Mail bez. Datenbanken HKB Interpretation und wordpress an die Institutsleitung
Tabelle ist kein gutes Ordnungssystem

  • = Pseudohierarchie
  • Worldpress ist Seiten-orientiert, ähnlich einem Buch, blättern
  • Worldpress kommt der Sache am nächsten

3
Daten übertragen

4
Themen: Schreiben/Schrift

  • Körper → Neue Musik goes popular Music

Thema vorwiegend im Bereich popular music research, bzw. feministische Musikwissenschaften
Adorno: „On popular music“
M gibt Kontext zu Adornos «on popular music»

  • Adorno und Eisler im Exil in den USA
  • Kritische Theorie in den USA → problematisch Rezeption
  • Kultur und Vermarktung
  • Eisler kann den Leuten nicht erklären, was er macht
  • sich verdingen müssen→ als Filmmusikkomponist
  • Adorno ohne Einkommen, weder als Komponist und noch als Theoretiker
  • Zu «Neuen Musik» gibt es in den USA kein Pendant, an Stelle von NM: Marketing-Fragen
  • Versuche das Institut für Sozialforschung in NY aufzubauen sind gescheitert
  • Ende 2. Weltkrieg, von welcher Popularmusik in den USA ist die Rede?
  • Adorno spricht vom Jazz, aber nicht vom Jazz der 60ger Jahre
  • „on popular music“ hat zynische Züge
  • ABER: es alles ist noch viel extremer geworden, A. hat recht
  • BA-Arbeit zu feministischer POP Musik, zu Hyperpop und Hyperfem.
  • Alibifrauen: Kate Bush und Laurie Anderson, aber alles andere ist Business, bitter! Pop-Kultur Background vermittelt erst das Studium, dass es noch was anderes gibt

Body/Körper

  • Boom, vgl. Transkript Verlag → body turn
  • gleichzeitig Überbetonung und Negierung der Körperlichkeit
  • Techno: sich selbst wie eine Maschine behandeln
  • Grundlagen von Schreiben mit Stimmen:
    Brigitte Felderer: Dramaturgin und Kuratorin Der Ausstellung Phonorama, des Zentrums für Kunst und Medien ZKM. Karlsruhe, 2004
    Doris Kolesch, Sybille Krämer (Hrsg): Stimmen, Berlin, Suhrkamp 2006.
    Daniel Gethmann (Kulturwissenschaft): Übertragung der Stimme, Zürich, Diaphanes 1998.
    Vilém Flusser (1920–1991 Medienphilosoph und Kommunikationswissenschaftler): spricht bereits von einer telematischen Gesellschaft. Er kennt kein Internet, keinen Komputer, trotzdem (oder deswegen?) sind in seinen Texte die gesell.&kult. Zusammenhänge anschaulich nahegebracht
  • Theodor W. Adornos (1903–1969, Musikphilosophie, Soziologie) Schriften sozusagen aus hist. Distanz und gerade deshalb ist die Gegenwart darin fasslich
  • KI, Hypersexulisierung,
  • Lisa Akervall (Filmwissenschaft):
    Die Wahrheit von Autotune, in: Navigationen – Zeitschrift für Medien- und Kulturwissenschaften, 2015, S. 77-98.
    Autotune und künstliche Intelligenz, Stimmmodulationen in digitalen Medienökologien, Voice Control und Kontrollgesellschaften
    pdf/A: Zusammenfassung_Wahrheit von Autotune
  • Luigi Nono (1924–1990, italienischer Komponist)
    – Stichwort Wahrnehmung → Tragödie des Hörens
    – Nono gehört zur Antikriegsbewegung, arbeitet im Vorstand der Kommunistische Partei
    – Massimo Cacciari ist für die Texte und Emilio Vedova für das Bühnenbild verantwortlich)
    – Zusammenarbeit mit Hans-Peter Haller im Experimentalstudio der Heinrich-Strobel-Stiftung des Südwestfunks in Freiburg- (Mail M.): zu Prometeo – Tragödie des Hörens
    unterschiedliche Hörgewohnheit: bildlich deutenden und skandalös dialogisches Hörens
    – «Tragödie des Hörens» = Hören als Entziffern von Bedeutungen, als Zuordnung von Mustern
    – damit bleibt das schöpferische utopische Vermögen von Musik unentdeckt.
    – Nono und der «Kurator» seiner Libretti Massimo Cacciari arbeiten mit der modernsten Technologien zum Zwecke der Vervielfachung der Hörfähigkeit, zB. dem Experimentalstudio in Freiburg (Ringmodulatoren, Harmonizer (Audiocomputer), Vocoder; spezielle Quint-, Terz- und Sekundfilterbänke; Gates, Halaphon, Verzögerungsgeräte). Mit ihr hat Nono über Jahrzehnte gearbeitet.
    – Nono ist der Stimmkomponist des 20Jh., Fabbrica illuminata (1964)! Al grand Sole…
    – Nono ist heute selten zu hören, anspruchsvolle Hingabe ans Hören, Fragmente Stille an Diotima ist sehr leise, in der 4. Reihe hörst man nichts.
    – Hinhören, das wollte Nono…

Schreiben

  • → Schallplatten sind Grapheme
  • → Moholy Nagy: in Wachs schreiben, direkt, Ritzschrift als Kompositionsmethode
  • → Rilke: die Schädelnaht als Ritzschrift
  • Tonband→ statt Ritzen werden magnetische Teilchen umgepolt, die Information wird nicht mehr GESCHRIEBEN, weil sie nicht mehr geritzt wird.
  • Schallplatte (ritzen) und Tonband (Magnetismus) entstehen zeitgleich! Das läuft parallel. Tonband ist weit weg vom „Schreiben“
  • Kittler (Grammophon, Film, Schreibmaschine) lässt das Tonband aussen vor
  • Tonband ist Kriegstechnik, der Elektromagnetismus ist erschütterungsresistent (transportabler als die Schallplatte)
  • Nach 1907 mit der Erfindung der Verstärkerröhre werden Mikrophone gebaut, die Schallwellen zu Stromstärken umwandeln  Elektromagnetismus ist nicht weit weg
  • 1890 wurde dünner Draht magnetisiert…

Lit.
Nils Röller: «Marshall Macluhan und Vilém Flusser zur ‘Tragödie des Hören’», in Hans-Peter Schwarz (Hrsg): Zweites Zürcher Jahrbuch der Künste, Hochschule für Gestaltung und Kunst, Zürich, 2005.

Einführung zu Roland Roos Klangsintallation Rolywholyover, Juli 2005 als Klangarchipele im Raum verteilte Orchestergruppen

I McLuhan
Marshall McLuhan  (1911–1980, Kanada, Philosoph und Medientheoretiker, prägte Begriffe wie «Gutenberg Galaxis» (Ende des Buchzeitalters), globales Dorf, heisse und kalte Medien.

McLuhans «acoustic space»
– Zentral für Marshall McLuhans Medientheorie, im «elektrische Zeitalter» = Radio, TV
– es dreht sich nicht mehr länger alles um Printmedien
– acoustic spaces der Massenmedien Radio, TV

  • Mit welchen Konsequenzen für die Bildungslandschaft?
  • Im visuellen Raum der Printmedien verkümmern die anderen Sinne, nach McLuhan wird das Gleichgewicht wieder hergestellt.
  • Glenn Gould als McLuhaneske Figur
  • Der acoustic space ist richtungslos, grenzenlos, ohne Fokus, so McLuhan
  • konzentrisch (katholisch)
  • die räumliche Orientierung im Sinne von oben unten ist eine westliche, von der Schriftkultur hervorgebrachte Konstante, keine anthropologische Konstante

Sigfried Gideon (1888–1968 schweizter Architekturhistoriker)

  • 1954 in Kontatk mit McLuhan
  • Akustischer Raum ist überindividuell
  • Konzeptionierung des Raumes ist unbewusst, instinkt, erlaugt in den Kosmos des Höry einzudringen

McLuhan: Radio als Stammestrommel

  • seine medientheoretische Beschäftigung mit Räumen geht von elektronischen Medien aus
  • Sieht eine Zusammenhang zur Rezeption dieser Medien und der Oralität der Kulturlandschaft
  • Akustische Räume → Beziehungen
  • Quelle

II Vilém Flusser
Vilém Flusser (1920–1991, tschechisch-brasilianischer Medienphilosoph)

  • Komponieren als kybernetischer Prozess
  • Effekte generieren
  • Programmieren
  • In- und Output der „Black Box Körper»
  • Informationstheorie
  • Buber: dialogisches Leben → darum gibt es ein Bilderverbot: das Antlitz des anderen wird durch das Bild verstellt.
  • Telematik
  • Akustische Metaphern stehen für Offenbarungen

III Luigi Nono
Luigi Nono (1924–1990, italienischer Komponist)
Prometeo – Tragödie des Hörens
zwei unterschiedl. Hörgewohnheiten

  • bildlich deutend
  • skandalös dialogisch

warum spricht Nono von einer Tragödie des Hörens

  • weil zuviel gedeutet wird, entziffert, zugeordnet
  • er sucht die Vervielfachung der Hörfähigkeit
  • Prometheus bringt Feuer und Zahl

085 Log 230311 Robin James

Robin James (*1978 writer, editor, philosopher, music scholar):
«Music and Feminism in the 21th Century» in: Music Research Annual 1, 2020, p. 1-25.
vgl. 084 Log 230304 fem.Musikwissenschaften

Anstelle von Persönlichkeiten aus der Musikwelt, Genres und musikalische Traditionen fokussiert James auf fünf Fragestellungen (James 2020:1)

  • 1 many kinds of music of many diffrent kinds of feminism, zwei Arten von Feminism, die die patriarchale Ordnung verschleiern oder sogar intensivieren.
    Postfeminism: sagt feminismus sei obsolet geworden
    Popular Feminism macht Feminismus in spektaulärer Weise sichtbar und damit zu einer Marketing-Strategie
  • 2 Prekarisierung der Arbeit
  • 3 trans studies und trans fem.
  • 4 digitale Technologien
  • 5 sexual assult and harassment

1
Popular and Postfeminismus
(James 2020:2)
Der liberale Feminismus bestärkt die patriarchale Ordnung

  • Fokussiert auf die individuelle ökonomische Situation und die sexuelle Ermächtigung weißer bourgeoiser Frauen
  • feministischen Anliegen sind erledigt, haben sich erfüllt, sind weitherum akzeptiert
  • zB Sheryl Sandberg: Lean in

Postfeminismus

  • feminismus ist passé, altmodisch, wenn nicht tabu
  • so gibt es zum Beispiel keine Publikationen zu explizit feministischen Arbeiten in den Vorzeige Fachzeitschriften wie zB Journal of the Society for American Music,

Lina Džuverović: (independant curator, London): «Twice Erased: The Silencing of Feminisms in Her Noise,» in: Women and Music: A Journal of Gender and Culture, vol. 20, 2016, p. 88-95.

  • Džuverović kuratorische Strategie ist es, das feministische Projekt „Her Noise“ nicht als solches zu kennzeichnen
  • Džuverović will über Fem. hinausgehen…
  • einzig in Zeitschriften der popular music gibt es Artikel die Feminismus im Titel tragen
  • popular music ist interdisziplinär und nicht auf Musikologie beschränkt

Susan Cook (Musikwissenschaftlerin, em. Prof. University of Wisonsin-Madison:  “‘R-E-S-P-E-C-T (Find Out What It Means to Me)’: Feminist Musicology and the Abject Popular.” Women and Music 5, 2001, p. 140–145): weist darauf hin, dass popular music in der Forschung als Nebenschauplatz gilt – wie/durch die in diesem Feld verhandelten Gegenstände: durch Feminisierung und was damit assoziiert wird: Oberflächlichkeit und Körperlichkeit (Verkörperung)

Popular Feminismus (James 2020:4)

Steht für die kulturweite Zirkulation und Umwerbung feministischer Themen in Zusammenhang mit Ökonomien der Sichtbarkeit. Popfeminismus vermarktet feministische Praktiken und Ideologien

  • Body-Positivity für  Seifenwerbung
  • Spektakel: um ethischen Konsum und persönliches Marketing
  • exklusives, individuelles Verhalten und verdeckt institutionelle und strukturelle Unterdrückung

Dabei sollte  Self-ownership im Zentrum stehen und nicht Objektivierung, um die Möglichkeit zur Transformation des Mangels in eine Resource (Resilienz)

Banet-Weiser verweist auf folgendes Beyoncé MTV Video:

  • empowerment songs
  • pop chart popular feminism
  • von Frauen wird empowerment (songs) erwartet, aber je länger je mehr, gibt es keine Gegenleistung dafür (reward) = Bruch zw. weibliche Selbstermächtigung und der reality der männlichen Dominanz
  • in der Musikkritik taucht Poptimism ein Jahrzehnt früher auf als in den Charts
  • in den 2000er Jahren gibt es zwei sich überlappende Trends: der Dritte-Welle-Fem (Wertschätzung des Entwerteten: Stricken, Selbermachen, die Girl-Welt als solche) und der allesfressende/-absorbierende Konsum
  • Poptimism = wenn versch. ausgeschlossene ID in die Musik rehabilitiert, eingeschlossen werden, so wird popular music feminisiert mit allen Stereotypen der Frauen und des Femininen: Oberflächlichkeit, body over mind, unzulängliche Beherrschung, Formelhaftigkeit

«Theodor Adorno associates pop music with stereotypical femininity and feminine bodies, and uses those associations as a primary justification—if not the justification—for his infamous arguments about its low status» (Robin James: The Conjectural Body: Gender, Race, and the Philosophy of Music. Lanham, MD: Lexington Books, 2010.) (James 2020:6)
vgl. 084 Log 230304 fem.Musikwissenschaften

Poptimism und der populäre Feminismus unterwerfen das progressive Potential feministischer Politik unter kapitalistische Forderungen. So zeigt Alyxandra Vesey: (“Playing in the Closet: Female Rock Musicians, Fashion, and Citational Feminism,” in: «Emergent Feminisms: Complicating a Postfeminist Media Culture», edited by Jessalynn Keller and Maureen E. Ryan, New York: Routledge, 2018, p.73–90.): dass in der Rockmusikbranche der Bezug / Konsum von Kleidermarken als feministische Praxis dargestellt wird («citational feminism») und gleichzeitig profitieren sie davon, um das eigene Image zu vermarkten.

populärer Feminismus ist Spektakel, es fehlen systematischen Aktionen + Kritik

Es geht darum feministische Methoden zu praktizieren, die uns helfen uns mit Musik und untereinander zu verbinden, Unterdrückung abzuschwächen, die vom populären Feminismus überdeckt, wenn nicht sogar befördert werden

Populärer Feminismus und Frauenhass gehen Hand in Hand


2
Precarization and Work
(James 2020:8)

die Musikbranche ist das Paradebeispiel für

  • Gig-economy
  • no job security
  • jazz und impro als Vorzeigeunternehmerschaft
  • Nukleus des Fordismus ist die single-incom Familie
  • Gilt auch für die Musikwissenschaften, Konferenzen durchzuführen heisst Gelegeheitsjobs anzubieten, das ist mindestens so wichtig, wie Netzwerke, Mentoring, Professionalisierung
  • Arbeit am Curriculum der MUWI wird nicht finanziert, MUWI bleibt der Tradition verhaftet

– Non-stop arbeiten, um zu Erfolg zu kommen (James 2020:9)

  • Arbeit ist ein gegendertes, rassisch geprägtes und eigentumsverhaftetes Tun
  • Es gibt eine post-work und antiwork Ästhetik
  • es geht darum gegen die Präkarisierung ankämpfen
  • nicht die Inklusion der Frauen in die Arbeitswelt ist das Ziel, sondern den Begriff der Arbeit als ein patriarchales, weisses, suprematist Regime abzuschaffen

3
Trans studies
Postfeminismus und popular feminismus sind patriachale Effkete

  • Trans studies ≠ Queer studies, beachte: trans-exclusion feminism (vgl. Michigan Womyn’s Music Festival schliesst Transfrauen aus)

MUWI in den trans studies (James 2020:10)

  • Insbesondere Stimme als ein Gender-Phänomen ist verschiedentlich im Fokus der trans feminist music studies
  • Stephan Pennington (Musicology, Prof. of Music, Tufts University)(1) und Alexandros Constansis (2) zu Vocaltechniken während der Transition.
  • FTM (Female-To-Male) singers, müssen während der Transition ihrer Stimme besondere Beachtung schenken, weil die Hormontherapie die Stimmbänder verändern. Die Vermännlichung vollzieht sich sehr schnell vollzieht, oft zu schnell für die Stimmbänder, die wachsen und hart werden, was für die vocal box(?) schlecht ist.
  • Dieselbe Technik wird verwendet um eine nicht-gegenderte Stimme zu entwickeln, „pass as their own gender“
  • diese Cis-Appropriation von trans Stimmen, zB Beyoncé „Formation“ mit samples der trans Künstlerin Big Freedia wird kritisiert
  • Traditionell steht Stimme als Metapher für die Person (personhood), ihre Handlungsmacht (agency)
  • es darum, die Stimme als Stimme zu hören, auch als sonic, acoustic manifestation of trans voices
  • die Stimme „verrät“ die Menschen, diese werden verletzlich und sind wegen ihrer Stimme Gewalt ausgesetzt.
  • Wichtig in trans studien: matter and materiality / Stoffe / Stofflichkeit / Materialhaftigkeit / Materalität
  • Dana Baitz (mit Karen Barad): bevorzugt Materialität → corporeal materiality vor texuality (Schriftlichkeit) und Diskurs, welche die queer feminist studies in den 90er Jahren dominieren → sich in den Körper investieren (3)

Baitz unterstreicht die Wichtigkeit kohärenter verkörperter Materialität (James 2020:11). LaMonda H. Stallings spricht dagegen von illusive flesh

  • LaMonda H. Stallings (4)
    spricht in ihrer Studie zu schwarz-feministischer Trans-Ästhetik, von der «centrality of the metaphysical to Black concepts and experiences of gender»: illusive flesh
  • Illusive flesh ist der philosophische Kontrapunkt zu Embodiment: „forms of life an being that exceed the biological“, vgl. Yoruba-beeinflusste Spiritualität.
  • „illusive flesh as af form of metaphysical gender“
  • Oyèrónké Oyéwùmí (*1957, Nigeria, Afrikanistin, Genderforscherin, lebt und arbeitet in den USA)
    In The Invention of Women (1997) argumentiert Oyèrónké Oyéwùmí, dass die westliche Philosophie, anders als die Yoruba Philosophie, somazentrisch sei und den Körper als Basis der persönlichen und sozialen Identität begreife.
    Der Westen unterscheide zwischen Körper (legale und moralische Personen) und Fleisch (nicht-Menschen)
  • Illusive flesh → Funk poetics (Stalling)

Der Mangel an Konsens steht für die ausführlichen Debatten über die zentrale Wichtigkeit medizinischer Transition in den trans Wissenschaften und trans Aktivismus, mit dem Hinweis, dass «medical understandings of gender» für viele nicht-weisse, nicht-westliche Menschen sind «culturally inappopropriate» sei und weiter, dass vor allem weisse Menschen die finanziellen Mittel hätten, um…

Wichtig ist Intersektionalität
Eine weitere Ausnahme-Stimme
Willmer Broadnax (1916 Houston, Texas – 1992, US Gospelsänger)
sonic femininity (James 2020:12)


4
Gender and Technology
Hopes/fears of new technology vergl. mit virgin/whore dichotomy

«So while patriarchy evolves with advancing technologies, it also shapes how those advances proceed and how we think, feel, and interact with those advances.» (James 2020:13)
so wie Musik gemacht und wird sie gehört
Gender and algorithmic systems in Music
Gendered presentation = gendered appearance (James 2020:13)

  • Body’s anatomical sex, trans people werden der Irreführung bezichtigt
  • Allgorhythmen beurteilen das Benehmen (nicht mehr das Aussehen) – mit dem Aussehen das System übertölpeln, aber nicht mit dem Benimm, folglich ist das System noch restriktiver

Cyborg and cyber feminism (James 2020:14)
Laboria Cuboniks (Xenofeministisches Kollektiv ua. mit Helen Hester, Media- und Communications-Wissenschaftlerin, based in London) (5) betont die Entremdung (von der Natur?) des “new accelerationist-adjacent cyberfeminism “xenofeminism”. Auch Annie Goh (6) unterstreicht die problematischen Aspekte des Xenofeminismus, denn Cyborg und Cyberfeminismus seien dort stark, wo es darum geht das normative-weisse, cisheteromaskuline, able-bodied und anders privilegierte Verständnis von human mit anderen Vorstellungen zu besetzen. Entsprechende musikwissenschaftliche Untersuchungen in diesem Feld kommen von Nina Suns Eidsheim (Ph.D. in Musicology): (7) study of vocaloids:

  • Vocoder und Autotune brauchen die Stimme als Quelle, nicht so Vocaloids
  • Vocaloids werden trad. gendered repräsentiert
  • Vocaloids entsprechen den normativen Erwartungen
  • Computersoftware hat keinen wetware body
  • Vocaloids wetware bodies entsprechen der voice-to-body Korrespondenz

neue Ansätze (James 2020:15)

  • Arbeiten mit “poethical (material and decompositional)” content
    siehe Denise Ferreira da Silva (8) und neue Forschungen von Ashon T. Crawley (9) , Katherine McKittrick (*1970, academic, writer and editor) and Alexander Weheliye (10)
  • Mit Kunst das suprematistische, kapitalistische, koloniale System überwinden


5
Sexual assult and harassment

  • am Arbeitsplatz / der Weinsteineffekt
  • #MeToo mit Tendenz zu populärem Feminismus
  • grosses mediales Interesse, im Zentrum stehen Cis-Frauen
  • nur vorgeblich inklusive Sprache
  • verschleiert die Tatsachen, dass nicht-weisse Frauen dem grösseren Risiko ausgesetzt sind. zB bleibt R. Kelly 20 Jahre unbehelligt, weil seine Opfer schwarze Mädchen sind. (James 2020:16)

was ist mit Musik von z.B Michael Jackson (James 2020:17)
Es bleibe ein “uncomfortable place” (Ann Powers: “Before and After: What it’s Like Listening to Michael Jackson Now.”(11) ), denn die Täter sind ihrerseits Opfer rassistisch motivierter Medienkampagnen gegen sie,
verbindliche Auflagen in Clubs “how to party without assaulting or harassing women or non-binary people” (James 2020:18)

 


230329 ZOOM A
Robin James bezieht sich nicht auf Rollenkonzepte
es geht ihr um die Fähigkeiten und Potentiale der Frauen in diesem Feld
interessant: citational feminism

 

 

 

084 Log 230304 fem.Musikwissenschaften

Jennifer Walshe
arbeitet mit neuesten digi Tools, KI, Netzwerke, MaschinLearning
Fem. inbegriffen, (nur) Ehrensache
vgl. 119 Log 230619 Jennifer Walshe

Symposium: Musikwissenschaft – Feminismus – Kritik
Universität Paderborn und Hochschule für Musik Detmold
Die Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung findet vom 23. bis 26. September 2019 an der Universität Paderborn und der Hochschule für Musik Detmold statt. Die Hauptsymposien der Tagung orientieren sich an den Forschungsschwerpunkten des Instituts: […] „Musikwissenschaft – Feminismus – Kritik. Ein Generationenaustausch zum 25. Jubiläum der Fachgruppe Frauen- und Genderstudien“ (Leitung: Dr. Cornelia Bartsch, Sarah Schauberger, M.A.).

Ute Gerhard (*1939, Soziologin)
Feministische Rechtskritik und androzentrische Rechtsgeschichte
30` weiter

Eva Rieger (*1940 deutsche Musikwissenschaftlerin, Fokus: Sozialgeschichte der Frau in der Musik, musikwissenschaftl. Genderforschung)
Vortrag
Internationaler Arbeitskreis Frau und Musik e. V.
7. November 2019, Frankfurt

Robin James (*1978 writer, editor, philosopher, music scholar):
The conjectural body : gender, race, and the philosophy of music, Lanham, Md. : Lexington Books,  2010.
«On popular music in postcolonial theory — Conjectural histories, conjectural harmonies : on political and musical «nature» in Rousseau’s early writings — Conjecture and the impossible opera : from the thought specular to the society of the spectacle — «Smells like booty» : pop music and the logic of abjection — «My foot feels the need for rhythm» : Nietzsche and the feminized popular» (zit. n. Internet Archive)

«Grounded in continental philosophy, The Conjectural Body: Gender, Race, and the Philosophy of Music uses feminist, critical race, and postcolonial theories to examine music, race, and gender as discourses that emerge and evolve with one another.. In the first section, author Robin James asks why philosophers commonly use music to explain embodied social identity and inequality. She looks at late twentieth-century postcolonial theory, Rousseau’s early musical writings, and Kristeva’s reading of Mozart and Schoenberg to develop a theory of the conjectural body, arguing that this is the notion of embodiment that informs Western conceptions of raced, gendered, and resonating bodies. The second section addresses the ways in which norms about human bodily difference-such as gender and race-continue to ground serious and popular hierarchies well after twentieth and twenty-first century art and philosophy have deconstructed this binary. Reading Adorno’s work on popular music through Irigaray’s critique of commodification, James establishes and explains the feminization of popular music. She then locates this notion of the feminized popular in Nietzsche, and argues that he critiques Wagner by making an argument for the positive aesthetic (and epistemological) value of feminized popular music, such as Bizet and Italian opera. Following from Nietzsche, she argues that feminists ought and need to take the popular seriously, both as a domain of artistic and scholarly inquiry as well as a site of legitimate activism. The book concludes with an analysis of philosophy’s continued hostility toward feminism, real-life women, and popular culture. While the study of gender, race, and popular culture has become a fixture in many areas of the academy, philosophy and musicology continue to resist attempts to take these objects as objects of serious academic study.»
(zit. n. amazon)

 

 

 

 

 

 

083 Log 230224
des choses physiques_assemblage

035 Log 221217 Dufrêne_Artaud_Debord
Die abrufbare Einzigartigkeit setzt deren Multiplizität voraus

François Dufrêne et la poésie sonore
19.04.1973 France culture
«Artaud était beaucoup plus efficace pour employer un mot facile que un tas de gens qui font dans le mixage et dans le tripotage, […] Artaud sentait physiquement ce qu’il disait et tous ces gens-là sent assez peu les choses physiquement, sont des intellectuelles […] mais il est certain que tout mon effort porte sur le physique et sur la spontanéité et sur l’oublie de ma culture»

036 Log 221218 Sonntag Recherche (nicht veröffentlicht)
5:53 (KH)
dringen (Begriffe?) in die öffentliche Sphäre = politische Sphäre
—> aufgefordert/gezwungen sich dazu verhalten
„der Körper is chanelling“, Körper, Neuer Materialismus, Monic Witting, new agencies: dass es keine Seele jenseits der Materie gibt und dass Energie nicht vernichtet, sondern bloss transformiert werden kann.

Logbuch → Sammlung, Daten, Archiv, Assemblage?
zum Begriff Assemblage:
Jane Bennett (*1957), US-amerikanische Politikwissenschaftlerin und Philosophin):Vibrant Matter: A Political Ecology of Things, Duke University Press, 2010
Bennett verwendet in Anlehnung an Gilles Deleuze und Félix Guattari den Begriff Assemblage im Sinne eines „ad hoc groupings of diverse elements, of vibrant materials of all sorts“.

078 Logbuch 230213
Mara Mills: künstliche Kehlköpfe

Mara Mills: „Medien und Prothesen. Über den künstlichen Kehlkopf und den Vocoder“, in: Hrsg. Daniel Gethmann: Klangmaschinen zwischen Experiment und Medientechnik, Bielefeld: transcript Verlag, 2010, S.127–152.


Stimmcodierung
Pedro the Voder spricht 1939  (Mills 2010:127)
AT&T Technologie überträgt ein rein synthetisches Sprachsignal
Die Sätze wurden aus einer Kombination von Lauten gebildet
Der Voder sieht aus wie eine Heimorgel und wird von einer Voderette gespielt (Mills 2010:128/29)

Voder
Considered the first electrical speech synthesizer, VODER (Voice Operation DEmonstratoR) was developed by Homer Dudley at Bell Labs and demonstrated at both the 1939 New York World’s Fair and the 1939 Golden Gate International Exposition. Difficult to use and difficult to operate, VODER nonetheless paved the way for future machine-generated speech.
Voderette
namenlos, «hörender» Blick, später sieht ihr die Kamera über die Schulter, die Voderette ohne Gesicht, nur die Hände sind noch zu sehen.

Der Voder als beispielhafte posthumane Technologie
Kay Dickinson„`Believe`?: vocoder, digitalized female indentity and camp“ in: Popoular Music 20, 3 (2001), (Mills 2010:129 und 333-347).

Vocoder
Sonja Diesterhöft: Meyer-Eppeler und der Vocoder, TU Berlin
WS 2003/04, Seminar Klanganalyse und -synthese.

Der Vocoder (VOicCoder) 1927 (Mills 2010:131)
Von Homer Dudley für die transatlantische Transmission von Signalen entwickelt

  • Geschichte der Sprechmaschinen und der künstlichen Kehlköpfe
  • Gesprochene Sprache hat eine eigene Materialität jenseits des Alphabets
  • Der Sprechakt gliedert sich in die Vorgänge im Kehlkopf und im Ansatzrohr
  • Bewegung der Sprechwerkzeuge = Modulationseffekte (Mills 2010:32)
  • Verfahren zur Simulation von laryngalen Schwingungen mittels elektronischer Schaltungen

Marshall McLuhan

  • Medien erweitern oder simulieren das menschliche Wesen
  • Prothetik oder Selbstamputation

Begriff der Prothese ist problematisch → Disability Studies (Mills 2010:133/50)

  • Denn es handelt sich nicht immer um eine „helfende“ Technik
  • Der wohltätige Ursprungsmythos ist problematisch
  • Schwer zu entscheiden, ob daraus Verletzungen oder eine Befreiung resultieren (Mills 2010:134)
  • Beachte die Etymologie der Wortes Prothese (S150)

John Durham Peters spricht von Medien als von psychotechnischen Praktiken, als angewandte Physiologie (→ „Helmholz und Edison. Zur Endlichkeit der Stimme“ in: Rauschen und Offenbarung)

 

Sprachmodelle und Modulation

  • die Übertragung von elektrischer Energie reicht nicht aus, um Kommunikation sicher zu stellen.
  • Signalverarbeitung wird eine eigene Disziplin (Mills 2010:135/40)

Hist. Kempelen u.a.

  • Bedeutung des Ansatzrohrs (Mills 2010:137)
  • Geschichte der Gehörlosenschulen: Abbé Charles-Michel de l’Épee de Paris
  • Auch Kratzenstein geht anscheinend von Wissen über Gehörlosigkeit aus! (1779) (Mills 2010:138)
  • Charles Wheatsstone 1837 (→ Formanten)
  • Helmholtz Stimmgabeln

 

Analogien elektronischer Instr. und Stimmorgane
Der Vocoder ist 1935 funktionstüchtig (Mills 2010:140)
→ Telephonstimme aus 10 Frequenzbändern
Alle wichtigsten Elemente des Vokalsystems besitzen elektronische Entsprechungen
Problematisch bleibt die Tonhöhe, die „Natürlichkeit“ der Stimme (Mills 2010:141)

Geschichte der künstlichen Kehlköpfe

  • Unabhängigkeit des Kehlkopfs von den Artikulatoren
  • Beginnt 1925 in den AT&T Labs
  • Im 19.Jh wird für die Stimmsynthese Rohrblätter aus Elfenbein, Horn, Silber und Bambus verwendet, das führt zu einem schrillen, piepsigen Klang (Mills 2010:142)
  • Modell von Mackenty, Riesz, Flecher, Lane, Wegel: Western-Electric 1-A, um 1929 und weitere Entwicklungen (Mills 2010:143-47)

Stimme / Metapher der Stummheit / Monotonie
Der Begriff der Stummheit (Mills 2010:148)
„Stumm war zu dieser Zeit ein umfassender Begriff, der sowohl auf Automaten wie auch auf Stummheit und „Dummheit“ der Menschen zu beziehen war. Wie im Falle des Begriffs „Speiseaufzug“ (engl. dumb-waiter) wurde das Wort auch „auf mechanische Vorrichtungen angewendet, die den Platz eines menschlichen Akteurs einnehmen.“
1944 war die Monotonie der mechanischen Stimmen das nachhaltigste Problem

Ingenieure und Historiker der Kryptologie sprechen vom Vocoder als der ersten Anwendung der Pulse-Code-Modulation (PCM) (Mills 2010:149)
Der Vocoder enthält das Kernprinzip der Digitalisierung: die Übertragung von Parametern

  • Folge von Analogiebildungen der menschl. Stimme: erst sind es mechanische Modelle, gefolgt von elektronischen Oszillatoren und Filter, gefolgt von digitalen Codes
  • Die Materialisierung verläuft über die Trennung von Kehlkopf und Modulatoren, die Übertragung von Sprache auf Holz und Gummi zur digitalen „Beschreibung,“ um mit minimalsten Anforderungen gesprochene Sprache hervorzubringen (Mills 2010:150)

Die Vorstellung von „Körper“ wird in das digitale Signal eingebaut und produziert darum körperliche Effekte

Vgl. Kommentar von Dufrêne zu Chopin
Chopin zielt nicht auf die “körperlichen Effekte” (Übertragung) von Stimmaufanhmen im Gegensatz zu Dufrêne

 

037 Log 221220
musique concrète: Fokus Stimme

221220 Treffen mit Jonathan Prager (*1972, Lyon)
«composer, teacher and one of the few performers trained in the spatialization of acousmatic works»
(zit. n. inner space: Jonathan Prager)
facebook: Jonathan Prager

Pierre Henry: Apocalypse du Jean
Lu par un acteur (moderateur de la radio?), voix très pose, la voix parfait
Pierre Henry : Messe de Liverpool avec Jacques Spagna
Pierre Henry: INA: Messe de Liverpool
voix comme matériel: brut, plutôt des sons vocaux
Maurice Béjard → Messe pour le temps present (1967) ≠ Messe pour Liverpool (1967-70)
le KKKK du Kyrie éleison mit violoncelle und tiefe Stimme (=3stimmig)
Kyrie:

  • lesion, chri, son, elisonel, christri, stechri (Silben-Komp)
  • Strohbass: kyrie élison + Cello + Silben (mehrstimmig)
  • Konkrete Poesie + Instr // Stimme overdub (Chorische Einzel-Stimme)

Gloria
Vorsänger / Skandierte Lautfolge
franz.-latenische Lautlichkeit
chorischer Sprechgesang im Hintergrund
hang-artiges Instr. / Klavier
Sanctus
Solostimme (sprechen + Singsang (Schluss))
Silben: benenen, sanan, santus, [oh]
überartikuliert, laut
Saiten-Impulse, Saiten-Arpegg. und gezupft
Schreiben mit Stimme → Aufzeichnung, weiter nichts
erst Stimme, dann dazu improvisiert (Klavierkorpus)
Partiur?, was ist notiert und was nicht?
Agnus Dei
4-5 Stimmig gestaffelt, räumlich
Hall, Silbensprache, Repetitionenen → gestottert, laut
Cymbales, re/li und Solo-Silbensprache, später Echo-Sprechchor
Mehr(ein)stimmig-monotones Lamento und Gliss
Communion
mit Radiogeräusch, Liegeton Orgel ev. auch Stimme
stark elektronsisch verfremdet
insges. elektronisch
Tonband wird als Kompositionswerkzeug eingesetzt, Stimmen experimentieren mit Sprache und mit Overdubro. Studiogemässer Einsatz des Mikrophons


Michel Chion
La temptation de St. Antoine (nach Flaubert)
avec la voix de Pierre Schaeffer
zu 80% unbearbeitet = premier plan und humour


Parmigiani & Bayle

La divine comédie


Luc Ferrari
beaucoup des sons de la vie et la voix
plus “realiste”
pris sur le vif, comm pour un reportage, “pas prepare”

 

026 Log 221206

Treffen mit Micha, Mathieu
Forschungsmittwoch
Gäste
Tabelle mit den Materialien und Verfahren mit Inhaltsangaben der Stücke von Wüthrich
→ Wüthrich als Vorläufer des New Conceptualism?

mutor_Unit 7_New Conceptualism
mit einem Text von Johannes Kreidler
Synopsis
Concept-art was established in the 1960s as a practice and label. It is ‘idea art’ – central to it are mental concepts, framings, which can be realised in various ways. (And thus the essence of framing itself always becomes a topic.) Think of the open form of Marcel Duchamp’s readymade, the infinite possibilities of performing John Cage’s silent piece 4:33, etc., all the way to today’s meme culture on the internet. Despite the media-nonspecificity that mental concepts first have, and the multi-mediality in which they are then implemented, conceptual art first became paradigmatic in the visual arts, while in music (as well as in theater and literature) only found its way extensively in the new millennium – the ‘new conceptualism’. The latter is due to the added possibilities of the digital. But if the conceptual now encompasses all the arts, everything actually becomes multimedia art. The question then arises as to what specifically still constitutes >music< or what can constitute it in the future. Conceptual thinking in the arts has posed and continues to pose exciting challenges.

 

Mail
Vernissage «On Observing the Printing. Dokumentation lithographischer Druckprozesse»
Practice Theory

Verfahren der Dokumentation entwickeln
Prozess der Ausstellung zeigen
Entdigitalisiert (subversive Praxis)

Material turn
Materialität nicht zweitrangig, hat eine grundlegende Bedeutung!

Beobachter des Beobachtens
Wissen in Maschine sedimentiert
Gespräche sind Sprachhandlungen
ethnographische Werkstatt / ethnographische Aufzeichnungen
digitale Werkstatt
Prozessvokabular

 

 

 

 

026 Log 221206
Collaborative Aesthetics_
Global Sound Art

– Kollaborationen im Bereich Global(!) Sound Art
→ vlg. Oliveros: Music as a community enterprise
– Musik geht über Musik hinaus
– Engagement, soziales Wissen

 


Forschungs-Mittwoch #143
Collaborative Aesthetics in Global Sound Art
Darstellung von kollaborativen Konstellationen an drei exemplarischen Feldern.
07.12.2022, 17.30–19.00 Uhr – HKB, Multifunktionsraum, Schwabstrasse 10, 3018 Bern

In den zeitgenössischen Künsten finden sich zahlreiche kollaborative Konstellationen. Das Forschungsprojekt «Collaborative Aesthetics in Global Sound Art» befasst sich exemplarisch mit verschiedenen Formen der Zusammenarbeit in globaler Klangkunst. Untersuchungsobjekte sind transnationale Musikkollektive und aktivistische Webradios sowie schweizerische Kulturdiplomatie in Südafrika. Grundlage ist die Annahme, dass kollaborative Kunstformen oft über das ästhetische Objekt hinausgehen und breitere Formen des Engagements umfassen. Wie etwa auf der Documenta 15 zu erleben war, verschiebt sich die künstlerische Produktion mitunter hin zu aufwändiger Recherche und einer Förderung von sozialem Wissen. Welche Formen dies annehmen kann, ob und wie es sich produktiv machen lässt, wird am Forschungs-Mittwoch diskutiert.

Referierende:
Gilles Aubry
Nadine Schildhauer
Andi Schoon

Host:
Priska Gisler, Institut Praktiken und Theorien der Künste

 

 

020 Log 221128/29
Henri Chopin_sculpter le son

Recherche in der Galerie Enseigne des Oudin

Enseigne des Oudin
4 rue Martel, 75010
Cour 3, Porte E, Sous-sol
Tel : +33 0 1 42 71 83 65
E-mail : contact@enseignedesoudin.com

Marie Chamant, artiste
Laurence Moulinier, collectionneuse
Alain Oudin, architecte-urbaniste-galeriste

 


Henri Chopin
Aufnahmestudios:
– Fylkingen, Sverige Radio
– Tangente, WestEnde Recordings

Henri Chopin: Signs, ruby editions, 1949-56.
Henri Chopin, les portes ouveres ouvertement, montigny, voix éditions, france 2001.
Voix editions, 35, rue de la Victoire, 57950 Montigny
 “Plaçant le corps, la vie avant TOUT, je voulais me mettre à l’endroit, au-delà des artifices et des coutumes.” (Chopin 2001:39)
« François [Dufrêne], reste fidèle au Lettrisme, me semblait pas avoir acquis les pouvoirs magnétiques […] » (Chopin 2001:124).
Schreiben mit Stimmen → Technischer Rider (Chopin 2001:122f)

 


Technischer Rider (Chopin 2001:122f)

 

Henri Chopin: J’ose! Défier, Archivio F. Conz, Verona, 2000.
Sculpter le son
« L’example le plus évident de tel ré-emploi est bien ce radio-robot de 1988, contemporain donc du placard rustique : trois vieux postes de radio, émergent de leur préhistoire (les années quarante) collés et vissés comme le sont dans nos mémoires les fragments de notre passé, en une superposition absurde et provocante. Ça ne veut rien dire, semble-t-il. Pourtant, justement ça veut (dire), ça manifeste, avec une sorte d’éclatant humour noir, une incoercible volonté. Ce qui tient lieu des paroles impossibles, c’est la force même de ce bruit intérieur.

A partir de la précision d’un morceau de réel, Chopin fabrique du fortuit. Ce réel, il l’emprunte aux produits de l’électronique sonore, la plus complexe, sans doute, et la moins immédiatement saisissable, de nos technologies. Le montage manuel, dont il les refaçonne les transmue en création à la fois bricolées et, aux sens étymologiques du terme, parfaite, c’est-à-dire entièrement accomplies.

Sur les formes visibles des sculptures sonores s’articulent les traces d’une vocalité évascente. Toujours, en effet leur structure comporte une ou plusieurs bandes magnétiques ; et celles-ci, souvenir et indice d’un autre univers, sont le fruit d’une genèse antérieure, ainsi intégrée à l’œuvre nouvelle. Chopin utilise en effet dans ce but les chutes de ses audio-poèmes et, dans le montage qu’il en fait, les laisse flotter afin de leur conserver fictivement leur capacité sonore.

L’auteur m’explique : « J’enregistre ma voix, pour des durées variables, parfois longues, au magnéto, sur une seule piste. C’est là l’exploration vocale avec, en direct, des superstitions, surimpressions, échos, réverbération, des effets de distance (tout près du microphone, ou à un mètre ou plus). Ainsi, pour une pièce qui, dans son état définitif, fera dix minutes, je peux enregistrer jusqu’à vingt minutes de sons vocaux. Ensuite, j’écoute le résultat, parfois jusqu’à trente fois afin de m’e imprégner. J’enregistre alors une seconde piste, sans casque de repère ni écoute de la première, ce qui fait une stéréo réelle, non mécanique, sur deux pistes semblables mais de durées différentes. J’écoute ensuite plusieurs fois l’ensemble avant de faire le montage final. A force d’écouter je perçois des défauts techniques, des longueurs, des contradictions gênant de bon déroulement du tout. Je retire alors, élimine ce qui est superflu, mais conserve les bandes coupées, que je nomme les bandes sensibles. Celles-ci deviendront des éléments de sculpture. L’expression de bandes sensibles rappelle qu’elles sont enregistrées, et qu’en laboratoire en pourrait les entendre ».

C’est en 1959 que Chopin réalisa les premières expériences de ce genre, avec une instrumentation encore archaïque. Le développement des techniques permit celui de cette forme neuve d’art, qui profita de l’appui de la maison Ingatestone, et celui de Francesco Conz : à ce dernier Chopin dut les incitations qui l’amenèrent à réaliser une trentaine de ces œuvres. […] »


GALERIE ENSEIGNES DES OUDIN
Mail von AO. zum Konflikt von Altagor und den Lettristen)
“Schreiben mit Stimmen” → zeitgenössische Formen der Oralität
zB vgl. Mail bez. Altagor
– L’ORALITE d’Altagor
– Nicht LA METAPOESIE stehe im Zentrum sondern seine
– Parole transformelle: ein lettristischer Begriff?
– Seine parole transformelle ist spontaner als die Metapoesie
– Die Konflikte gehen auf Grames no2 ­– 1958, p.7 & Schématisme no 48 – 1998, pp.94-97 zurück

Foto: von Chopin
– J’ose – défier-, Archivo F. Conz, Verona
– Les portes ouvertes ouvertement

Richard Meier
Voix editions 35, rue de la Victoire, 57950 Montigny
S.39 / S.122 / S.122


Besuch von Alain Snyers in der Galerie Oudin
Lesung in der Librérie
A la lucarne des Ecrivains
115, rue de l’ourcq

Fragen zu Studio/Equipment
Jean-Pierre Bobillot à Grenoble
– À Lyon, ateliers collectives
– Très lèger comme logiciel
– mixer voix directs et enregistrements
– Session 5-8 personnes

Patrick du Bost → Écrites studio
– Des poetes qui viennent→ une petite salle
– Projet individuelle parfois des duo
– Soirées restitution pieces de 3-4 minutes

lectures action (art plastique) → lecture poètes
die Welt der Poeten langweilt ihn
fremd, Spott (n. Snyers?)