Small Inner Spaces VIII
to jest moja apteca
Mazovian Museum, Płock, Polen
19. Juli 2023

Ablauf
I Backstage

Stuhl zur Seite der Bühne
Plastiktasche zerknüllt, warten
Hosentasche mit Bluetooth Lautsprecher (on, ppp/Handy on)

II Auftritt
schräg, Mitte der Bühne, sich zum Publ. drehen

die Stöckelschuhe ausziehen, akurat schräg zum Bühnenrand platzieren

III Small Elevation

auf die Zehen stehen, wird der Atem hörbar
berühren hingegen die Fersen den Boden: Stille
Augen auf den Boden richten (stabiler Zehentand)

IV Schwebung
re Hand von Plastiksack lösen
langsam fallen lassen
mit einem zweiten Impuls Hand in Hosentasche (Steuerung des Vol)
Schwebung (Sinuston) abhängig von Raumakustik

V Taschen-Lunge
Übergang zu Stimme, kurz nach der Vorgabe der Geräusche der Plastiktasche
Tasche auf Boden stossen, bläht sich, dumpf wie eine Bassdrum

VI Megaphon

VII Apteca
Bühnenrand (sitzend): Apteca und Megaphon mit Loop
Lipsink der Polnischen Sätze/Audioscoring

VII Gespenst

Material:
Body, schwarze Hose, grüne Stöckelschuhe mit grauem Gaffertape geflickt, rot-blau-weiss gemusterte Tragtasche

Bluetoothlautsprecher (JBL Go 3), Smartphone (sweep), Megaphon, Schalldämpfer, Loop mit es1↓
K7 Gerät und K7 mit F↑, K7 präp. als Gespenst (kurze Beine)
Smartphone = Apteca (18 Sätze Polnisch, Sweep – on, mute, damit JBLautsprechern nicht ausschaltet)

Papier mit den Sätzen und Brille, kleiner Schraubenzieher und Pinzette (für Gespenst), Mikrophon und Mikständer für die stumme Ansprache des Gespensts

Dauer: 26`

Lipsink
Mit Small Inner Spaces VIII wird Audioscoring um eine Variante reicher: die Stimme der Übersetzungsapplication spricht vor und mit Lipsink wird daraus eine Ansprache auf Polnisch. Es werden 18 polnische Sätze nachgesprochen. Versuche akurater sprachlichen Artikulationen, feinhörig, jede Abweichung stört.

International Performance Art_Mazovian Museum, Płock, Polen_Programm_S.1
International Performance Art_Mazovian Museum, Płock, Polen_Programm_S.2
International Performance Art_Mazovian Museum, Płock, Polen_Programm_S.3
International Performance Art_Mazovian Museum, Płock, Polen_Programm_S.4
International Performance Art_Mazovian Museum, Płock, Polen_Programm_S.5
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Small Inner Spaces VII
Audioscoring/Redoing (Phil Minton)

Galerie 26 Chaises
Paris, 18. Mai 2023


Small Inner Spaces VII Audioscoring/Redoing Phil Minton, Foto©CorneliaCottiati

I Intro [00]
II Sinus [8]
III Membran/Kazoo [9]
IV Atmung/close mik/Kazoo [12]
V palatal/ch [16]
VI Audioscore/Phil Minton [17]
VII Autro [24]

Material:
Kazoo plugged
Verstärker
MP3Player in Jackentasche
Audioscore Phil Minton: A Doghnut In One Hand
Dough Song 2, 3, 5, 7, 10, 11
Drainage Mr Wilkins
Dauer: 26`

Audioscoring wurde als praxisorientierte Forschungsmethode zur Analyse von extended vocal technics entwickelt. Im Rahmen meiner Dissertation Audioscoring & leere Stimmen: praxisorientierte Stimmforschung zu lettristischen und ultra-lettristischen Stimmexperimenten wurden Stimmaufnahmen der Ultra-Lettristen untersucht, die direkt mit Mikrophon auf Tonband aufgezeichnet worden sind. Graphische Notationen oder Verschriftlichungen ausgehend vom phoetischen Alphabeth gibt es für die der ultralettirstischen Stücke nicht. Die durch und durch sprachentfremdeten ultra-lettristischen Artikulationen entzeihen sich auch der Verschriftlichung. Abgesehen davon, dass die Notation durch die Aufzeichnung hinfällig wurde, wurde auch nicht von einer erneuten Interpretation oder Wiederaufführung ausgegangen. Im Gegenteil, diese wurde unterbunden. Was bleibt sind die Aufnahmen, die Artikulationen werden nie je wieder ausgeführt. Wozu auch? Mit dem Tonband sind die (vorerst) einmaligen Ereignisse in geradezu unheimlicher Detailtreue wieder und wieder abrufbar, die Einmaligkeit wird unendlich wiederholbar.
Small Inner Spaces VII stand im Zeichen von Covid. Die online Präsentationen der Covid-Jahren waren noch allgegenwärtig. In bester Erinnerung als Mangel-Ereignisse, die brüchigen weil schlecht synchronisierbaren Interaktionen, die fehlende Körperpräsenz, die Miniaturisierung und Verflachung durch die Präsentation am Bildschirm. Instabile Internetverbindungen, Zeitverschiebungen in der Übertragung, kleinste aber höchst irritierende Delays waren an der Tagesordnung. Nach dem Ende der Pandemie hatte der geradezu virulente mediale Mangelcharakter dieser Onlinedarbietungen einen merkwürdig langen Nachhall. Schufen die Stimmen im Kopfhörer, die Artikulationen in unmittelbarer Nähe zum Ohr, die geteilten-ungeteilten Räume nicht einen eigenen medialen Zauber, aus dem man, sobald die ZOOM-Sitzungen vom Bildschirm verschwanden, wie benommen erwachte?
In Small Inner Spaces VII wird Audioscoring nicht als Methode der praxisorientierten Analyse historischer Stimmaufnahmen präsentiert, sondern findet zum ersten Mal eine Anwendung im Bereich zeitgenössischer, experimenteller Stimmen. Inspiriert von den Präsentationsformaten der Pandemie wird Audioscoring jenseits von Interpretation zu einer Option, partiturlose Werke zur Aufführung zu bringen. Aber, im Unterschied zum Reenactment, das im letzten Jahrzehnt grosse Beachtung gefunden hat, im Sinn eines Re-doing oder En-acting.
Meine Anfrage ging an Phil Minton (*1940), London, Vokalperformer und Pionier der Improvisierten Musik. Die Auswahl fiel auf die Stücke Dough Song und Drainage Mr Wilkins der LP A Doghnut In One Hand. Es handelt sich um die erste LP mit Stimmimprovisation in meiner Sammlung.

 

 

Small Inner Spaces VI
Animal Musical

«Insub.polytopies»
Bernex, Genf
2022/23

Christophe Berthet, ss
Cyrill Bondi, vibr
Raphael Ortis, voc
Rodolphe Loubatière, perc
Violetta Motta, flute
Dorothea Schürch concept, conducting
Dauer: 22:27

Animal Musical (Bandcamp)

112 Logbuch 230610_11 The Space_Human/Machine

Schwaderhof
230610
Tel A

  • Mik =vInstrument Verstärker ≠ Aufnahmemik
  • Megaphon
  • Säge
  • Kazoo
  • Sinus

20 Sitzplätze
50`

ZOOM Meeting S.
Material
Levin, McGilchrist, Watson  [60′]
McGilchrist: Welche Idee von „human“ ist im Spiel?

  • maschines like humans, humans like maschines
  • Begriff „mechanism“
  • Ist Komputer auch zu „cognition“ fähig, wenn ja, welchen Begriff von Kognition steckt dahinter?
  • Welche values/meanings sind mitgemeint
  • Sind die Begriffe: goodness, truth, beauty obsolet geworden?
  • “Nichts-Tun” ist wichtig – die Maschinen helfen uns nicht beim “Nichts-Tun”, im Gegenteil sie sind für die immer währende distraction verantwortlich
  • conciousness ist nicht nur Teil des Lebens, sondern des Universums?
  • Was aber auf jeden Fall mit „Leben“ einhergeht

→ responsivness
→ responsability (reverberation)
→ vulnerability / survival

Levin: es gibt verschiedene Arten von Intelligenz

  • Maschines are not like us
  • Embrace the possibilities
  • space of possible beings, hybrids, cyborgs

→ how to relate to them

  • Kategorien, wie etwas aussieht und woher es kommt sollten keine Rolle mehr spielen

Watson: Dinge haben einen “causual scale” / “causual depth”

  • zB Maschinen haben einen causal scale bezüglich Materialität: der Zweck der Maschine ist unabhängig vom Material, mit dem sie gebaut wurde
  • nicht so die Organismen. Organische Systeme filtern die Informationen bis in die molekulare Ebene, sie verbinden alle level
  • “causual depth” = KI sind deep learning systems

aber they are not connected all the way down like us, on the surface they look like us

McGilchrist: die Verwechslung ist gefährlich

  • We are not goal driven
  • Attraction / attracter driven
  • Organism: to understand the parts needs to understand the whole and for understanding the whole you need to understand the parts = paradox
  • Was ist Intelligenz?
  • Eine Maschine kennt keinen Kontext, kein Sterben, kein honoring
  • KI sind also nicht intelligent
  • Für den Begriff der Seele gibt es kein Synonym, keinen Ersatz

Watson: shared values
Levin: die Evolution hat das Monopol auf Kreativität und Erfindung nicht gepachtet

  • Begriff „active matter“

Levin, Rish  [9`/ starting at 44:57- 53:44]
this 9 minute segment reveals Levin’s motivational conflicts.

109 Log 230528
Les Instants Chavirés
vgl 108 230529 Logbuch Paris

  • Die versteinerte Mine von Lango (Vorkonzert vor Otomo/Pitiokos)
  • Volumen
    • braucht keine Kraft
    • keinen Hustenanfall
    • keine Erschöpfung
    • Haltung / attitude

Länge und Lautstärke als eine auf das Physische/Body einwirkende Agency aus dem NICHTS

109 Log 230528
Entretien avec François Bayle

30.5.2023 31, Rue de la Harpe, Paris

François Bayle (né en 1932 à Tamatave à Madagascar) est un compositeur de musique concrète et électroacoustique. Il a étudié avec Olivier Messiaen, Pierre Schaeffer et Karl-Heinz Stockhausen. Des 1968 il a été membre du GRM (Groupe de Recherches Musicales) dont il a été le directeur de 1975 à 1997. Il est à l’origine des termes « acousmatique » et de l’invention de « l’acousmonium »

Entretien avec François Bayle 30.5.2023.pdf

Résumé
L’entretien avec le compositeur François Bayle déploie une réflexion solidement ancrée dans la théorie des médias sur l’écoute acousmatique, la perception sonore et les conditions épistémologiques de la musique électroacoustique. Au centre se trouve la situation acousmatique en tant que disposition perceptive spécifique, dans laquelle la séparation entre la source sonore et l’événement sonore n’est pas comprise comme un déficit, mais comme une condition productive d’une écoute intensifiée et non visuelle. Bayle décrit l’écoute acousmatique comme une forme de « vision intérieure », dans laquelle le corps de l’auditeur est intégré à un champ sonore spatialement et temporellement délimité de manière ouverte.

Un axe théorique essentiel de l’entretien porte sur le rôle des technologies d’enregistrement. Bayle interroge le statut de l’enregistrement sonore en tant que trace prétendument objective et souligne sa médialité constitutive : les dispositifs d’enregistrement ne produisent pas seulement des documents, mais transforment l’événement sonore lui-même. L’enregistrement apparaît ici comme un acte esthétique qui reconfigure la perception, la temporalité et la matérialité.

 

109 Log 230528 François Bayle

Begriffe, Unterschied zwischen perception auditiv / écoute
Gibt es verschiedene Ansätze bezüglich der Spatialisierung von Musik?
Wo wurde was produziert : Aufnahmeorte ?
Musée de l’Homme

230529
Michael Gerzon and Ambisonics at Oxford
https://intothesoundfield.music.ox.ac.uk/

DIFFUSIONS
1979 „Le crirythme et le mégapneume (contrefaible)” (15′00), Concert manifeste
[…]
1950 41*5 / 10 (3′20), enregistrement chez M. Billaudot, juin.
Vous ne pourrez rien pour l’homme seule (4′00), enr. chez M. Billaudot, novembre.
1951 Improvisation – mégapneumes (6′30), enr. chez M. Billaudot, mai.
1953 Vive l’Internationale (4′30), enr. chez l’auteur, 1e janvier.

Daniel Teruggi (*1952)
on acousmatic music
https://www.youtube.com/watch?v=ipUoRpVK32s

  • note (discrète seprate sounds) ^= sound object (intellectual tool, cassification system)
  • not all the sounds are proper for music only the musical objects (later abandoned)
  • Ferrari worked with soundscapes / Schaeffer was against it, you cannot use theses kind of sounds
  • Schaeffer hat die music concrète den Komponisten überlassen und sich…?
  • Bayle renamed the music concrète → acousmatic music

François Bayle (*1932)
Transkription des Notizheft
Zu unserem Forschungsprojekt Schreiben mit Stimmen

zu Fuss nach Place St.Michel
Touristisch, hier wohnen?!
Pain avec des rosines gekauft (Broiche) – als Mitbringsel
Bin zu pünktlich gewesen (!), habe am Gitter geklingelt, keine Bewegung
ein zweites Mal – vous êtes très à l’heure…, wenn das nicht heisst zu früh…
Ausgezeichnete Brioche
Frau Bayle hat in einer Flasche Wasser und 3 Gläser aufgetragen und sich entschuldigt, aber Wasser und Brioche gehen wunderbar zusammen. Auf der Terrasse, ein Lüftchen, die Stadt akusmatisch.
Was für ein Ort – erst noch kurz ein Blick ins Studio

Die Rue du Temple bis zur Seine die versch. Schwerpunkte des Gesprächs Revue passieren lassen – als Vorbereitung.

  1. Einstieg = Acousma
  2. Schreiben mit Stimmen
  3. Vorläufer / sillon fermé
  4. Le corps absent / le physique
  5. Les années 50

als Leitplanken tauglich
Begriff Instrument vertiefen
Instrumentalspiel als Inbegriff der Musik.
Anschauliche Musik, man begreift was vor sich geht.
Gesten der Musizy → Gestalt der Musik, was sich ändert, was irritiert, wenn die Gesten des Musizierens wegfallen
FB betont, dass alles was mit Performance zu tun hat (wie auch immer, ob freejzz, oder NM), das alles sur scène passiere
DAS sei anders in Bezug auf musique concrète.

Geschichte der Audio-Übertragungen
Übertragung der Aufführung von Hamlet vom Theater nach Hause
oder mit Proust – synchronisiert zu sein
Übertragung als „Schrift“, die synchronisiert

historischer medientechnische Kontext der musique concrète: wie hängt Film-Schnitt/ Film-Montage, Film-Technik – mit der musiqueconcrète zusammen?
Woher der Name musique concrète?
Warum wurde der Begriff musique acousmatique eingeführt?
Spricht man heute nur noch von elektro-akustischer Musik, werden die Begriffe synonym verwendet?

Transkription des Notizhefts ff

  • L’utilisation du magnétophone par les lettristes et ultra-lettristes est différente de celle des composity de musique concrète. Alors que les compositeurs travaillent avec la tête de lecture des magnétophones, les Ultra-Lettristes expérimentent avec la membrane du microphone – peut-on comparer cela ?
  • L’Ultra-Lettriste Dufrêne parle de la poésie physique – le corps est indispensable. Mais le corps est absent comme pour Pythagore – quel role joue ce myth ?
  • L’enregistrement comme écriture automatique – le magnétophone est un outil de preuve d’intégrité du temps…

Verbindung zwischen konkreter Musik und konkreter Poesie?
Ähnlichkeit im Namen Anlass zu Missverständnis.
Konkrete Musik steht für einen Kompositionsprozesses ohne symbolische Verschriftlichung, ein anschauliches, klingendes Komponieren. Konkrete Poesie meint eine Poesie der Einzel-Worte, des Wortmaterials, auch der typographischen Gestaltung, also eine Geste der Reduktion, des Wegfallens, des Ausräumens, konkret ist das was übrigbleibt, wenn…

Vous avez étudié à Darmstadt et avec Stockhausen, en 1958 vous êtes retourné au GRM
Comment dois-je me représenter la situation dans les années 1950 – est-il possible que Wolman a fait des enregistrements chez lui ? Qui est M. Billaudot ?
…

230601

  • Théâtro-Phone
  • Das Acousmonium eine religiöse Erfahrung (Audio-Verbundenheit mit der Umgebung – wie Orgel)
  • Was ist mit Oliveros und Gurdjieff?
  • CC hat sofort an Orgel gedacht (als Guidewitsch Orgel-Habituée)
  • Boulez: Architektur, Proprotionen
  • GRM: Écoute – Verbindung, Hingabe
  • écoute

 

 

108 Logbuch Beatriz Ferreyra
Auszüge aus den Interviews

  • Nein, sie hat arbeitet nicht nach Plan / Vorgaben
  • sieht Ideen Bilder, Farben, sie imaginiert Klänge
  • elektronische Sounds seien flach, sie verwendet keine elektronischen Klänge
  • Musique concrète vocale? Warum sich auf eine Klangwelt beschränken? BF interessieren sämtliche Klänge als Klänge
  • abstrakt? …Nein!… die Welt ist eine akustische Welt, sie höre ständig etwas (suggestiv: jetzt meine, dann wieder ihre Stimme)
  • nach dem Schaefferschen Solfège habe sie die Welt anders gehört
  • Die Stimme ist ein object sonore unter objects sonores, keine Sonderstellung

Poetologie von BR : Klangstrukturen/-morphologien, die die Klänge verbinden:
« Ce qui m’intéressait, c’était de rassembler le violon, le son du piano, le cri d’un oiseau, le chien, la voiture, etc., en tant que langage, en tant que morphologie, et d’explorer comment ils fonctionnaient dans l’espace. Que ce soit un chien, un piano, une batterie ou une lettre, il peut y avoir quelque chose en commun, quelque chose qui les relie. Ce n’est pas l’instrument de musique, l’oiseau ou la voiture en soi qui est important, mais plutôt les sons et la manière dont ces trois éléments peuvent être combinés et interagir ensemble, peu importe que ce soit une voiture, un son ou une voix. »

  • Musik ist nicht mehr länger ein Feld à part
  • Keine eigene Welt, keine Modellwelt
  • Musik beansprucht nicht mehr länger einen Sonderstatus in der auditiven Welt

« … mais la musique ne se trouve pas dans les visualisations de leur ordinateur, mais dans ce qu’on entend. Il est nécessaire de fermer les yeux, d’écouter et de composer en ayant les yeux fermés. »

  • Mit geschlossenen Augen komponieren, ohne Plan, eines ergibt das andere

Sendung WDR, BF:
Jeder Klang für sich ist nicht sehr interessant – aber wenn man die alle in gewisser Weise kombiniert, ist das ein Wunder! Wenn Sie also jeden einzelnen Klang betrachten, dann sind das sehr einfache Klänge, nicht sonderlich interessant. Es ist die Kombinatorik, die es macht! (die Kombination/Verbindung ist entscheiden)

Netzwerk:

Entretiens avec Beatriz Ferreyra (pdf)

Abstract
Das Interview mit der Komponistin Beatriz Ferreyra bietet eine medien- und wahrnehmungstheoretisch Perspektive auf die musique concrète seit den 1960er Jahren. Ferreyra beschreibt ihre Arbeit am Groupe de Recherche Musicale (GRM) nicht primär als kompositorische Tätigkeit im traditionellen Sinne, sondern als Medienpraxis. Im Anschluss an Pierre Schaeffers Konzept des objet sonore wird die Stimme – ebenso wie Alltags-, Tier- oder Maschinengeräusche – als gleichrangiges klangliches Objekt behandelt, dessen Bedeutung nicht aus seiner Herkunft, sondern aus seiner Morphologie, Bewegung und räumlichen Wirkung hervorgeht. Die Arbeit mit objets sonores, wird bei Ferreyra jedoch explizit als apparative Praxis verstanden: Klang existiert nur insofern, als er gespeichert, geschnitten, wiederholt und räumlich verteilt werden kann. Wahrnehmung folgt damit nicht intentioneller Bedeutung, sondern der Logik des Mediums.
Ferreyra betont dabei die Notwendigkeit einer geschulten, nicht-visuellen Hörpraxis, die Klang jenseits semantischer oder instrumentaler Zuschreibungen erfasst, im Sinne von Michel Chions akusmatischen Hörens. Die Rede ist von einer Hörsituation, in der die Trennung von Klang und Quelle technisch erzwungen wird, Sichtbarkeit wird systematisch ausgeschaltet; das Ohr operiert innerhalb einer medial erzeugten Realität. Die Trennung von Klang und Ursache wird als produktive Bedingung einer intensivierten, imaginativen Wahrnehmung verstanden. Für Ferreyra geht Komposition nicht aus abstrakter Planung hervor, sondern aus unmittelbarer `konkreten` Wahrnehmung und manueller Interaktion mit dem Tonband.

Weiterführende Links
003 Log 221029/30 Acousma Festival Konzert mit Beatriz Ferreyra
005 Log 221105 Beatriz Ferreyra_QO2 workspace, Brussels, 2019
006 Log 221106 Musicque Concrète_Morphology_Typology_Theorie
008 Log 221108 Beatriz Ferreyra_frühe Werke
017 Log 221128 Interview-Fragen Beatriz Ferreyra
108 Log 230824 Entretiens avec Beatriz Ferreyra
108_2 Logbuch Beatriz Ferreyra_Interviews

 

107 Logbuch 230520
Stimme versus absolute Musik

Pöllmann, Rainer: Die Musik hinter den Worten. Die Stimme in der zeitgenössischen Musik. Hofheim: Wolke Verlag, 2015.

  • Oppositionsstellung Stimme ← →Absolute (autonome) Musik
  • Stimme und Existenzialismus
  • Keine Stimme ist neutral: Barthes
  • Fazit: zwei Nachkriegsavantgarden eine mit Stimmen und eine ohne Stimme
  • Komponisten und Kompositionen f. Stimme
  • Begriff des Nicht-Sängers (Diedrichsen)

Text im Archiv