085 Log 230311 Robin James

Robin James (*1978 writer, editor, philosopher, music scholar):
«Music and Feminism in the 21th Century» in: Music Research Annual 1, 2020, p. 1-25.
vgl. 084 Log 230304 fem.Musikwissenschaften

Anstelle von Persönlichkeiten aus der Musikwelt, Genres und musikalische Traditionen fokussiert James auf fünf Fragestellungen (James 2020:1)

  • 1 many kinds of music of many diffrent kinds of feminism, zwei Arten von Feminism, die die patriarchale Ordnung verschleiern oder sogar intensivieren.
    Postfeminism: sagt feminismus sei obsolet geworden
    Popular Feminism macht Feminismus in spektaulärer Weise sichtbar und damit zu einer Marketing-Strategie
  • 2 Prekarisierung der Arbeit
  • 3 trans studies und trans fem.
  • 4 digitale Technologien
  • 5 sexual assult and harassment

1
Popular and Postfeminismus
(James 2020:2)
Der liberale Feminismus bestärkt die patriarchale Ordnung

  • Fokussiert auf die individuelle ökonomische Situation und die sexuelle Ermächtigung weißer bourgeoiser Frauen
  • feministischen Anliegen sind erledigt, haben sich erfüllt, sind weitherum akzeptiert
  • zB Sheryl Sandberg: Lean in

Postfeminismus

  • feminismus ist passé, altmodisch, wenn nicht tabu
  • so gibt es zum Beispiel keine Publikationen zu explizit feministischen Arbeiten in den Vorzeige Fachzeitschriften wie zB Journal of the Society for American Music,

Lina Džuverović: (independant curator, London): «Twice Erased: The Silencing of Feminisms in Her Noise,» in: Women and Music: A Journal of Gender and Culture, vol. 20, 2016, p. 88-95.

  • Džuverović kuratorische Strategie ist es, das feministische Projekt „Her Noise“ nicht als solches zu kennzeichnen
  • Džuverović will über Fem. hinausgehen…
  • einzig in Zeitschriften der popular music gibt es Artikel die Feminismus im Titel tragen
  • popular music ist interdisziplinär und nicht auf Musikologie beschränkt

Susan Cook (Musikwissenschaftlerin, em. Prof. University of Wisonsin-Madison:  “‘R-E-S-P-E-C-T (Find Out What It Means to Me)’: Feminist Musicology and the Abject Popular.” Women and Music 5, 2001, p. 140–145): weist darauf hin, dass popular music in der Forschung als Nebenschauplatz gilt – wie/durch die in diesem Feld verhandelten Gegenstände: durch Feminisierung und was damit assoziiert wird: Oberflächlichkeit und Körperlichkeit (Verkörperung)

Popular Feminismus (James 2020:4)

Steht für die kulturweite Zirkulation und Umwerbung feministischer Themen in Zusammenhang mit Ökonomien der Sichtbarkeit. Popfeminismus vermarktet feministische Praktiken und Ideologien

  • Body-Positivity für  Seifenwerbung
  • Spektakel: um ethischen Konsum und persönliches Marketing
  • exklusives, individuelles Verhalten und verdeckt institutionelle und strukturelle Unterdrückung

Dabei sollte  Self-ownership im Zentrum stehen und nicht Objektivierung, um die Möglichkeit zur Transformation des Mangels in eine Resource (Resilienz)

Banet-Weiser verweist auf folgendes Beyoncé MTV Video:

  • empowerment songs
  • pop chart popular feminism
  • von Frauen wird empowerment (songs) erwartet, aber je länger je mehr, gibt es keine Gegenleistung dafür (reward) = Bruch zw. weibliche Selbstermächtigung und der reality der männlichen Dominanz
  • in der Musikkritik taucht Poptimism ein Jahrzehnt früher auf als in den Charts
  • in den 2000er Jahren gibt es zwei sich überlappende Trends: der Dritte-Welle-Fem (Wertschätzung des Entwerteten: Stricken, Selbermachen, die Girl-Welt als solche) und der allesfressende/-absorbierende Konsum
  • Poptimism = wenn versch. ausgeschlossene ID in die Musik rehabilitiert, eingeschlossen werden, so wird popular music feminisiert mit allen Stereotypen der Frauen und des Femininen: Oberflächlichkeit, body over mind, unzulängliche Beherrschung, Formelhaftigkeit

«Theodor Adorno associates pop music with stereotypical femininity and feminine bodies, and uses those associations as a primary justification—if not the justification—for his infamous arguments about its low status» (Robin James: The Conjectural Body: Gender, Race, and the Philosophy of Music. Lanham, MD: Lexington Books, 2010.) (James 2020:6)
vgl. 084 Log 230304 fem.Musikwissenschaften

Poptimism und der populäre Feminismus unterwerfen das progressive Potential feministischer Politik unter kapitalistische Forderungen. So zeigt Alyxandra Vesey: (“Playing in the Closet: Female Rock Musicians, Fashion, and Citational Feminism,” in: «Emergent Feminisms: Complicating a Postfeminist Media Culture», edited by Jessalynn Keller and Maureen E. Ryan, New York: Routledge, 2018, p.73–90.): dass in der Rockmusikbranche der Bezug / Konsum von Kleidermarken als feministische Praxis dargestellt wird («citational feminism») und gleichzeitig profitieren sie davon, um das eigene Image zu vermarkten.

populärer Feminismus ist Spektakel, es fehlen systematischen Aktionen + Kritik

Es geht darum feministische Methoden zu praktizieren, die uns helfen uns mit Musik und untereinander zu verbinden, Unterdrückung abzuschwächen, die vom populären Feminismus überdeckt, wenn nicht sogar befördert werden

Populärer Feminismus und Frauenhass gehen Hand in Hand


2
Precarization and Work
(James 2020:8)

die Musikbranche ist das Paradebeispiel für

  • Gig-economy
  • no job security
  • jazz und impro als Vorzeigeunternehmerschaft
  • Nukleus des Fordismus ist die single-incom Familie
  • Gilt auch für die Musikwissenschaften, Konferenzen durchzuführen heisst Gelegeheitsjobs anzubieten, das ist mindestens so wichtig, wie Netzwerke, Mentoring, Professionalisierung
  • Arbeit am Curriculum der MUWI wird nicht finanziert, MUWI bleibt der Tradition verhaftet

– Non-stop arbeiten, um zu Erfolg zu kommen (James 2020:9)

  • Arbeit ist ein gegendertes, rassisch geprägtes und eigentumsverhaftetes Tun
  • Es gibt eine post-work und antiwork Ästhetik
  • es geht darum gegen die Präkarisierung ankämpfen
  • nicht die Inklusion der Frauen in die Arbeitswelt ist das Ziel, sondern den Begriff der Arbeit als ein patriarchales, weisses, suprematist Regime abzuschaffen

3
Trans studies
Postfeminismus und popular feminismus sind patriachale Effkete

  • Trans studies ≠ Queer studies, beachte: trans-exclusion feminism (vgl. Michigan Womyn’s Music Festival schliesst Transfrauen aus)

MUWI in den trans studies (James 2020:10)

  • Insbesondere Stimme als ein Gender-Phänomen ist verschiedentlich im Fokus der trans feminist music studies
  • Stephan Pennington (Musicology, Prof. of Music, Tufts University)(1) und Alexandros Constansis (2) zu Vocaltechniken während der Transition.
  • FTM (Female-To-Male) singers, müssen während der Transition ihrer Stimme besondere Beachtung schenken, weil die Hormontherapie die Stimmbänder verändern. Die Vermännlichung vollzieht sich sehr schnell vollzieht, oft zu schnell für die Stimmbänder, die wachsen und hart werden, was für die vocal box(?) schlecht ist.
  • Dieselbe Technik wird verwendet um eine nicht-gegenderte Stimme zu entwickeln, „pass as their own gender“
  • diese Cis-Appropriation von trans Stimmen, zB Beyoncé „Formation“ mit samples der trans Künstlerin Big Freedia wird kritisiert
  • Traditionell steht Stimme als Metapher für die Person (personhood), ihre Handlungsmacht (agency)
  • es darum, die Stimme als Stimme zu hören, auch als sonic, acoustic manifestation of trans voices
  • die Stimme „verrät“ die Menschen, diese werden verletzlich und sind wegen ihrer Stimme Gewalt ausgesetzt.
  • Wichtig in trans studien: matter and materiality / Stoffe / Stofflichkeit / Materialhaftigkeit / Materalität
  • Dana Baitz (mit Karen Barad): bevorzugt Materialität → corporeal materiality vor texuality (Schriftlichkeit) und Diskurs, welche die queer feminist studies in den 90er Jahren dominieren → sich in den Körper investieren (3)

Baitz unterstreicht die Wichtigkeit kohärenter verkörperter Materialität (James 2020:11). LaMonda H. Stallings spricht dagegen von illusive flesh

  • LaMonda H. Stallings (4)
    spricht in ihrer Studie zu schwarz-feministischer Trans-Ästhetik, von der «centrality of the metaphysical to Black concepts and experiences of gender»: illusive flesh
  • Illusive flesh ist der philosophische Kontrapunkt zu Embodiment: „forms of life an being that exceed the biological“, vgl. Yoruba-beeinflusste Spiritualität.
  • „illusive flesh as af form of metaphysical gender“
  • Oyèrónké Oyéwùmí (*1957, Nigeria, Afrikanistin, Genderforscherin, lebt und arbeitet in den USA)
    In The Invention of Women (1997) argumentiert Oyèrónké Oyéwùmí, dass die westliche Philosophie, anders als die Yoruba Philosophie, somazentrisch sei und den Körper als Basis der persönlichen und sozialen Identität begreife.
    Der Westen unterscheide zwischen Körper (legale und moralische Personen) und Fleisch (nicht-Menschen)
  • Illusive flesh → Funk poetics (Stalling)

Der Mangel an Konsens steht für die ausführlichen Debatten über die zentrale Wichtigkeit medizinischer Transition in den trans Wissenschaften und trans Aktivismus, mit dem Hinweis, dass «medical understandings of gender» für viele nicht-weisse, nicht-westliche Menschen sind «culturally inappopropriate» sei und weiter, dass vor allem weisse Menschen die finanziellen Mittel hätten, um…

Wichtig ist Intersektionalität
Eine weitere Ausnahme-Stimme
Willmer Broadnax (1916 Houston, Texas – 1992, US Gospelsänger)
sonic femininity (James 2020:12)


4
Gender and Technology
Hopes/fears of new technology vergl. mit virgin/whore dichotomy

«So while patriarchy evolves with advancing technologies, it also shapes how those advances proceed and how we think, feel, and interact with those advances.» (James 2020:13)
so wie Musik gemacht und wird sie gehört
Gender and algorithmic systems in Music
Gendered presentation = gendered appearance (James 2020:13)

  • Body’s anatomical sex, trans people werden der Irreführung bezichtigt
  • Allgorhythmen beurteilen das Benehmen (nicht mehr das Aussehen) – mit dem Aussehen das System übertölpeln, aber nicht mit dem Benimm, folglich ist das System noch restriktiver

Cyborg and cyber feminism (James 2020:14)
Laboria Cuboniks (Xenofeministisches Kollektiv ua. mit Helen Hester, Media- und Communications-Wissenschaftlerin, based in London) (5) betont die Entremdung (von der Natur?) des “new accelerationist-adjacent cyberfeminism “xenofeminism”. Auch Annie Goh (6) unterstreicht die problematischen Aspekte des Xenofeminismus, denn Cyborg und Cyberfeminismus seien dort stark, wo es darum geht das normative-weisse, cisheteromaskuline, able-bodied und anders privilegierte Verständnis von human mit anderen Vorstellungen zu besetzen. Entsprechende musikwissenschaftliche Untersuchungen in diesem Feld kommen von Nina Suns Eidsheim (Ph.D. in Musicology): (7) study of vocaloids:

  • Vocoder und Autotune brauchen die Stimme als Quelle, nicht so Vocaloids
  • Vocaloids werden trad. gendered repräsentiert
  • Vocaloids entsprechen den normativen Erwartungen
  • Computersoftware hat keinen wetware body
  • Vocaloids wetware bodies entsprechen der voice-to-body Korrespondenz

neue Ansätze (James 2020:15)

  • Arbeiten mit “poethical (material and decompositional)” content
    siehe Denise Ferreira da Silva (8) und neue Forschungen von Ashon T. Crawley (9) , Katherine McKittrick (*1970, academic, writer and editor) and Alexander Weheliye (10)
  • Mit Kunst das suprematistische, kapitalistische, koloniale System überwinden


5
Sexual assult and harassment

  • am Arbeitsplatz / der Weinsteineffekt
  • #MeToo mit Tendenz zu populärem Feminismus
  • grosses mediales Interesse, im Zentrum stehen Cis-Frauen
  • nur vorgeblich inklusive Sprache
  • verschleiert die Tatsachen, dass nicht-weisse Frauen dem grösseren Risiko ausgesetzt sind. zB bleibt R. Kelly 20 Jahre unbehelligt, weil seine Opfer schwarze Mädchen sind. (James 2020:16)

was ist mit Musik von z.B Michael Jackson (James 2020:17)
Es bleibe ein “uncomfortable place” (Ann Powers: “Before and After: What it’s Like Listening to Michael Jackson Now.”(11) ), denn die Täter sind ihrerseits Opfer rassistisch motivierter Medienkampagnen gegen sie,
verbindliche Auflagen in Clubs “how to party without assaulting or harassing women or non-binary people” (James 2020:18)

 


230329 ZOOM A
Robin James bezieht sich nicht auf Rollenkonzepte
es geht ihr um die Fähigkeiten und Potentiale der Frauen in diesem Feld
interessant: citational feminism

 

 

 

084 Log 230304 fem.Musikwissenschaften

Jennifer Walshe
arbeitet mit neuesten digi Tools, KI, Netzwerke, MaschinLearning
Fem. inbegriffen, (nur) Ehrensache
vgl. 119 Log 230619 Jennifer Walshe

Symposium: Musikwissenschaft – Feminismus – Kritik
Universität Paderborn und Hochschule für Musik Detmold
Die Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung findet vom 23. bis 26. September 2019 an der Universität Paderborn und der Hochschule für Musik Detmold statt. Die Hauptsymposien der Tagung orientieren sich an den Forschungsschwerpunkten des Instituts: […] „Musikwissenschaft – Feminismus – Kritik. Ein Generationenaustausch zum 25. Jubiläum der Fachgruppe Frauen- und Genderstudien“ (Leitung: Dr. Cornelia Bartsch, Sarah Schauberger, M.A.).

Ute Gerhard (*1939, Soziologin)
Feministische Rechtskritik und androzentrische Rechtsgeschichte
30` weiter

Eva Rieger (*1940 deutsche Musikwissenschaftlerin, Fokus: Sozialgeschichte der Frau in der Musik, musikwissenschaftl. Genderforschung)
Vortrag
Internationaler Arbeitskreis Frau und Musik e. V.
7. November 2019, Frankfurt

Robin James (*1978 writer, editor, philosopher, music scholar):
The conjectural body : gender, race, and the philosophy of music, Lanham, Md. : Lexington Books,  2010.
«On popular music in postcolonial theory — Conjectural histories, conjectural harmonies : on political and musical «nature» in Rousseau’s early writings — Conjecture and the impossible opera : from the thought specular to the society of the spectacle — «Smells like booty» : pop music and the logic of abjection — «My foot feels the need for rhythm» : Nietzsche and the feminized popular» (zit. n. Internet Archive)

«Grounded in continental philosophy, The Conjectural Body: Gender, Race, and the Philosophy of Music uses feminist, critical race, and postcolonial theories to examine music, race, and gender as discourses that emerge and evolve with one another.. In the first section, author Robin James asks why philosophers commonly use music to explain embodied social identity and inequality. She looks at late twentieth-century postcolonial theory, Rousseau’s early musical writings, and Kristeva’s reading of Mozart and Schoenberg to develop a theory of the conjectural body, arguing that this is the notion of embodiment that informs Western conceptions of raced, gendered, and resonating bodies. The second section addresses the ways in which norms about human bodily difference-such as gender and race-continue to ground serious and popular hierarchies well after twentieth and twenty-first century art and philosophy have deconstructed this binary. Reading Adorno’s work on popular music through Irigaray’s critique of commodification, James establishes and explains the feminization of popular music. She then locates this notion of the feminized popular in Nietzsche, and argues that he critiques Wagner by making an argument for the positive aesthetic (and epistemological) value of feminized popular music, such as Bizet and Italian opera. Following from Nietzsche, she argues that feminists ought and need to take the popular seriously, both as a domain of artistic and scholarly inquiry as well as a site of legitimate activism. The book concludes with an analysis of philosophy’s continued hostility toward feminism, real-life women, and popular culture. While the study of gender, race, and popular culture has become a fixture in many areas of the academy, philosophy and musicology continue to resist attempts to take these objects as objects of serious academic study.»
(zit. n. amazon)

 

 

 

 

 

 

082 Log 230221 Neimanis_Bodies of Water

Astrida Neimanis
feministische Kulturtheoretikerin und Associate Professor an der UBC Okanagan für Feminist Environmental Humanities.

«Ihr jüngstes Buch, »Bodies of Water: Posthuman Feminist Phenomenology«, erforscht die gemeinsame wässrige Konstitution menschlicher Körper und allen anderen Lebens auf dem Planeten als Ausgangspunkt für ein Überdenken von Umweltethik, Ästhetik und Gerechtigkeit. Oft im Dialog mit Künstlern und Kunstwerken, war ihre Arbeit kürzlich auf der Shanghai Biennale 2021, der Riga Biennale 2020 und der Lofoten Biennale 2019 zu sehen».
(zit. n. Sammlung&Archive, ZKM, Karlsruhe)

Astrida Neimanis: „Introduction: Figuring Bodies of Water“ in: Bodies of Water: Posthuman Feminist Phenomenology, London: Bloomsbury Academic 2016, 1-26.
1 Perspective of our bodies` as wet constitution (Neimanis 2016:1)
2 Kritik am westlichen humanist understandings of embodiment: „discrete and coherent individual subjects“, „fundamtentally autonomous“
Auf welchem Hintergrund entstanden „enlightment figures“?
Wer hat gegen die Dogmen der Kirche angeschrie(b)en?
(Neimanis 2016:2)
Leben aus dem Wasser: wie kommt es zur Zellbildung?
Evolution von Einzellern → Mehrzeller
3 Wasserkreislauf: „we have never been (only) human“
4 Wir sind Teil v. Tieren, Gemüse, Planetenkörpern (Neimanis 2016:3)
„challenge to the the three humanist understandings of corporeality: discrete individualism, anthorpocentrism an phallocentrism.“
5 „refiguring of our embodiment“ as a „mostly watery constitution“
„hydrocommons of wet relations“
6 Eine feministische Theorie der Subjektivität (Neimanis 2016:4)
„contemporary feminist and posthuman understandings of agential realism, transcorporeality, and queer temporalities“
7 Jamie Linton spricht von „global water“ – Neimanis von „Anthropocene water“

siehe:
Eduardo Kohn: How forests think, Towards an Anthropology Beyond the Human, University of California Press (2013)

Bodies of water (a genealogy of a figuration) 8–14
8 feministische Theoretiker*Innen

  • Elizabeth Grosz („materiality with incorporeals, potentials, latencies`“) mit Deleuze/Guattari (virtualities of matter + excess over matter) (Neimanis 2016:5)
    Grosz, Elizabeth (2012): „The Future of Feminist Theory: Dreams for New Knowledges ?“, in: H. Gunkel, C. Nigianni, and F. Soderback (eds), Undutiful Daughters: New Directions in Feminist Thought and Practice, New York: Palgrave Macmillan, 2012, p. 13–22.
    Grosz, Elizabeth (*1952 Sydney), Philosophie (→ Lacan, Derrida, Foucault, Irigaray, Deleuze, Gender, Zeitlichkeit, Darwin, Evolutionstheorie)
  • Neimanis bevorzugt „the posthuman feminist understanding of concepts as `figurations`“ und „figurations“ versteht sie als embodied concepts
  • Haraway spricht von „`material-semiotic` knots“ → conceptual power and worldliness
  • Braidotti „living maps“ → „acknowledging „concrete sitated historical positions“ “

9 „who are rethinking bodily matters beyon a humanist imagination“: Liste (Butler fehlt) (Neimanis 2016:6)
Neimanis bezieht sich aber auch auf Merleau-Ponty, Deleuze/Guattari und the French écriture féminine
10 écriture féminine = Luce Irigaray (*1930, belgisch-französische Feministin, Philosophin, Linguistin, Psychoanalytikerin und Kulturtheoretikerin) und Hélène Cixous (*1937, französische Philosophin, Schriftstellerin und Kritikerin)
Kritik an Irigaray (Neimanis 2016:7)
11 Neimanis Ziel: die Zshänge v. écritures féminines und dem ökologischen post-humanen feminismus aufzeigen (Neimanis 2016:8)
12 es gibt viele Feminismen: öko, queer, anticolonial, fem technoscience, black, colour (Neimanis 2016:9)
13 herausgefordert wird: „material implication of pregnancy, lactation and placental relations or though non-reprosexual theories of care, inherent technologization, political solidarity and social reproduction, an ecologically oriented posthuman theory of bodies draw from a deep well of inheritance
Feminist politics of citation (siehe: Gloria Wekker (*1950) gender studies) is about recognizing debts
14 Nemanis versteht sich selbst als “a posthuman feminist”

Posthuman feminism for the Anthropocene (15–21)
15 posthuman – transhuman – super-human (“working to complete the mind-body split” (Neimanis 2016:10)
Asberg und Braidotti argumentieren gegen den die “popular version of posthumanism that desires disembodiment and the overcoming of wordly bodily difference.” Aber weder technophob noch technophobisch (und dem Verständnis des Körper als einer essential dignity)
16 Genealogie des posthumanen feminismus
Feminismus war immer schon Anthropocentrismus und “unitary subj.” kritisch (also posthuman avant la lettre), gilt nicht für alle Positionen des posthuman turn
Zakiyyah Jackson warnt, dass das “beyond the human” zur Transzendenzfalle wird (Neimanis 2016:11)
17 Nemanis “connect to the many subjects of feminism” und versucht von allen zu lernen, die Politik der Citation ist ein vor und zurück
Es geht um eine zutiefst ethische Orientierung, um Beziehung
18 Eugene Stroermer und Paul Crutzen sprechen schon seit den 1980er Jahren von Anthropocene (Neimanis 2016:12ff)
20 die grösste “resistance to feminist modes of thinking”? = OOO
21 Kritik am “we” = Kritik am Universalismus
But: “I is hardly safer”
Robyn Wiegman (Literatur, Gender and Feminist Studies) „to inhabit the error, not to avoid it“
water = waters und nicht per se gesund, sondern auch toxische Wasser etc (Neimanis 2016:15)
Donna Haraway (*1944, amerikanische Feministin, Historikerin der Naturwissenschaften): When Species Meet, Minneapolis: University of Minnesota Press, 2007. → Man kann das Resultat nicht voraussagen (keine Teleologie), aber es gibt «the chance of getting on together with some grace» (Haraway, 2007:15)
Rosi Braidotti (*1954, italienische Philosophin und Feministin): Metamorphoses: Towards a Feminist Theory of Becoming, Cambridge: Polity Press, 2002: → «we are all in this together, but `we` are not all the same, nor are wo all `in this` the same way»

Living with the problem (22­–25)
22 certain resistance within feminism betreffend engagement/work on non-human worlds (Neimanis 2016:15)
23 Anne Phillips (*1950, politische Philosophie, Politikwissenschaften) mit Iris Marion Young (1949–2006, NY, Politikwissenschaften und Gender Studies) und Hannah Arendt (1906 Hannover – 1975 NY, jüdisch-deutsch-amerikanische politische Theoretikerin): Gefahr schwach zu werden bezüglich mensch-politischen Anliegen und struktureller Ungleichheiten – Braidotti auf der anderen Seite: posthumanism sei «effects on scientific and technological advances» und warnt vor der Gefahr vor lauter «vibrant matter» nichts mehr zu tun (Jane Bennett *1957, amerikanische Politikwissenschaftlerin und Philosophin).
Nemanis (mit Alaimo) orientiert sich in der «swirling landscape of uncertainty» (Neimanis 2016:16)
24 Scott (1997) hat «only paradoxes to offer»
Beachte: nach Haraway gibt es einen Zusammenhang zwischen «death of the subject» und dem Auftauchen rassistisch, kolonialisierter, gegendert unterdrückter Stimmen? (Neimanis 2016:18)
25 Neimanis kritisiert Grosz, die sich von Identitätspolitik und dem menschl. subj distanziert. Richtig sei Grosz darin, darüber hinausgehen zu wollen, aber nach Neimanis muss das innen heraus geschehen und nicht neu. Eher ein Reartikulieren und fitting together

zwischenzeitl. 2 x Chomsky zum Ukrainekrieg (1), (2)

Water is what we make it (26–27)
26 verändern was/wie wir über Wasser nachdenken
– Jamie Lintons (siehe Pkt 7): «modern water» ist mehr als die chemische Formel (diese ist selbst ein Produkt hegemonischer Ideen/Institutionen). Wasser ist alles, was mit Wasser zusammengeht (Verschmutzung, Umleitung, Austrocknung) (Neimanis 2016:19)
27 Neimanis stellt sich der Idee des modernen Wasser entgegen (?), weil es nicht darum geht, dass Wasser «da draussen» ist. Wasser ist, was wir machen PLUS – ade naiver Konstruktivismus – Wasser ist auch, was uns macht. (Neimanis 2016:20)

The possibility of posthuman phenomenology (28–
28 liquid situation 
Zygmunt Bauman (*1925–2017, polnisch-britischer soziologe und Philosoph): Liquid Love: On the Frailty of Human Bonds, Cambridge: Polity Press, 2003.
Irigaray, Luce: «The “Mechanics” of Fluids», in: This Sex Which Is Not One, trans. C. Porter and C. Burke, 1985
Neimanis unterscheidet sich in zwei Punkten: 1. Wasser ist nicht nur flüssig, wässeriges Milieu, vom Wasser lernen, 2. wie Wasser reist, transformiert sich (Neimanis 2016:22)
29 nautral-cultural, multispecific ethnographies und interdisciplinäre Fallstudien
30 Neimanis schlägt eine posthumane Phänomenologie vor (Neimanis 2016:23) Phänomenologie steht sometimes antithetisch zum posthumanen, materialistischen Verständnis von Materie, also ein Widerspruch zu Neimanis Selbstverständnis als posthumane feministin?
Körper posthuman verstehen mit Deleuze und Guattari


230224
Anruf Andrea: Lesestoff
Dazwischen: Deleuze/Guattari

Gilles Deleuze (1925–1995) französischer Philosoph
– Nicht Teil der Nachkrieg-Trends: Phänomenologie und Poststrukturalismus
– Freundschaft mit Michel Foucault → zs. Nietzsche Gesamtausgabe
– 1968 Dissertation: Differenz und Wiederholung_Spinoza und das Problem des Ausdrucks in der Philosophie
– Refl. der Studentenrevolte
– 970er zs mit Guattari (1930–1992): Kapitalismus und Schizophrenie I und II.
– Gilbert Simondon (1924–1989) französischer Philooph → Einfluss auf die Technikphilosophie von D.
– Kritik am Essentialismus (vgl. Spinoza, Nietzsche)
Was steht an dessen Stelle? Die Totalität von Allem

  • Nexus, Orte der Virtualitäten, Unvollkommenheit
  • Gegen Faschismus und Kapitalismus
  • Anti-Hegelianisch: nicht Dialektik, sondern Differenz
  • Dauer (Bergson) bringt Körperzeit hervor, der ohne Anstoß von außen Differenz hervorbringt
  • Begriffe sind nicht Ideen (Hegel), sondern entstehen an Bruchstellen zw. Gegenständen, diese ermöglichen Veränderung und Durchdringung
  • Affirmation (nicht Negation vgl. Hegel)
  • Anti-Oedipus (Kapitalismus und Schizophrenie Band I) = Kritik an Lacan und Freund und also der Psychoanalyse, die die kapitalistischen Unterdrückungsstrukturen (phallogischen Strukturen) aufrechterhält, wohingegen für Deleuze und Guattari das Unbewusste eine „Wunschmaschine“ ist, die nicht sprachlich strukturiert ist. Das Subjekt ist nicht durch Mangel geprägt, sondern durch den (positiven) Wunsch
  • Tausend Plateaus (Kapitalismus und Schizophrenie Band II) = radikale Kritik des Rationalismus (Hegel) – sie propagieren: Heterogenität, nomadische Wissenschaften, organlose Körper, Rhizom (Hypertext-Netzwerke)
  • Assoziative Schreibverfahren
  • Deleuze und Kino (Montageverfahren

 


230225 ZOOM mit Andrea
– mit posthum.feminism über embodiment nachdenken
– über die Rückkehr des Körpers in der Musik
– Figurationen, Assemblagen, material-semiotische knots
– Tonband-Werke mit Anzeichen / Messengers kommender Figurationen?
– Fluides in Bezug auf (Stimm-)Tonbandwerke

 


230306
Körper in d. MUWI
Grüny, Christian (Hrsg): „Auge und Hand – Ohr und Stimme? Künstlerisches Handeln als Artikulation der Sinnlichkeit“, in: Ränder der Darstellung – Leiblichkeit in den Künsten, S. 29-48,
«Christian Grüny nimmt Konrad Fiedlers These einer Artikulation der visuellen Welt durch die Malerei zum Ausgangspunkt, um nach einer analogen Bewegung im Falle der Musik zu fragen. Die malende Ausdrucksbewegung der Hand setzt für Fiedler die Gestaltung des Gesehenen im Auge fort und vollendet sie, und Entsprechendes könnte für Stimme und Ohr angenommen werden. Die Stimme als nicht mit sich zusammenfallende Reflexivität umschreibt eine Leiblichkeit, die mit dem späten Merleau-Ponty eher prozesshaft zu denken ist als im Sinne einer Entität. Die Musik müsste von hier aus als Artikulation ihrer eigenen Vorgeschichte, als Gestaltung elementarer kommunikativer und affektiv- kognitiver Formen verstanden werden und weniger als Vollendung der hörbaren Umgebung.» (Christian Grüny: «Einleitung» in: Ränder der Darstellung – Leiblichkeit in den Künsten, Velsbrück Wissenschaften, Weilerswist, 2015,
S. 7-16, hier S. 13)

Christian Grüny: Webseite
Grüny, Christian (Hrsg): „Auge und Hand – Ohr und Stimme? Künstlerisches Handeln als Artikulation der Sinnlichkeit“, in: Ränder der Darstellung – Leiblichkeit in den Künsten, Velsbrück Wissenschaften, Weilerswist, 2015, S. 29-48,
Christian Grüny: Kunst des Übergangs: philosophische Konstellationen zur Musik, Weilerswist: Velbrück Wissenschaft, 2014.
Christian Grüny: Die Schrift des Ephemeren: Konzepte musikalischer Notationen, Basel, Schwabe Verlag, 2015.
Jörn Peter Hiekel: Body sounds : Aspekte des körperlichen in der Musik der Gegenwart, Mainz : Schott, 2017.

 


Fortsetzung
Astrida Neimanis: „Introduction: Figuring Bodies of Water“ in: Bodies of Water: Posthuman Feminist Phenomenology, London: Bloomsbury Academic 2016, 30 –
30 posthuman.fem. bietet versch. interpermeating Zugänge zum Körper als ein biologischer, chemischer, technologischer, soziale, politischer und ethischer Körper – including bodies of water → vgl. Deleuze/Guattari und mit Husserl vom «Ding an sich» zum «Ding, wie es erfahren wird». (Neimanis 2016:24)
31 Für Neimanis ist es entscheidend (mit Merleau-Ponty) nicht einen Körper zu haben, sondern ein Körper zu sein. Zurück zu den Dingen selbst zu gehen, ist unausweichlich mit Verkörperung verbunden.
Neimanis fragt wie Körper die trad.Kategorien (Gebundenheit, Materialität, individuality und subjectivity) transgressieren. (Neimanis 2016:25)
32 Phänomenlogische Praxis ist für Neimanis: «deep description and knowledge-creation through an amplification of multimodal and posthuman embodiment
33 «bodies exceed these strictures, both conceptually and materially»
34 Dem Feminismus schuldet diese Sichtweise zusätzlich «situated knowledge» und eingestimmt «attunement to difference», das ist wichtig und mit Adrienne Rich’s politics of location verbunden

230330
Chapter 1
Embodying Water: Feminist Phenomenology for Posthuman Worlds
A posthuman politics of location
«We» sagen ist schwierig: «We are the watery world» (Neimanis 2016:27)
Wasser in der Mehrzahl, allein schon die versch. intra- und extracelluar fluids, vergl. mit den antiken Konzepte von schwarzer, gelber Galle, von Blut und Phlegma(?) (Neimanis 2016:28)
Wasser bildet pools and puddles «They seek conflunce.» (Neimanis 2016:29)
Frage: «what ‘a body’ is», ist eine Frage der «politics of location»: wo ist der Körper, wann, warum, wozu, dank wem?

MEMBRAN
immer wieder geht es um eine «feminist politics of citation: an acknowledgment of theoretical debts as an ethical practice» (Neimanis 2016:30)
Es geht darum, Körper zu sein (nicht zu haben), um «watery embodiment», um «a deep attentiveness to the ways in which I am embodied, and to how this corporeality matters in/as the world.»
zu dem, was die Phänomenologie «the natural attitude» nennt: es geht um die Frage gibt es etwas wie Bezug zu den Erscheinungen des everyday life, sozusagen eine unverstellte Sicht auf die Dinge a «natural attitude». Das kann heute nicht mehr möglich so formuliert werden. Zwar ist es nach wie vor wichtig zu wissen mit welchen Voraussetzungen/Annahmen man die Welt interpretiert, aber diese sind weit davon entfernt als «natural attitude» missverstanden zu werden. Neimanis: «we need a different kind of phenomenology – one that can divest itself from some of its implied and explicit humanist commitments» (Neimanis 2016:31)


230329 ZOOM mit Andrea
Wie hängt Neimanis mit Schreiben mit Stimmen zusammen?

  • Fähigkeiten und Potentiale der Frauen in diesem Feld
  • citational feminism
  • Zur Webseite: im Impressum müssen Hinweise zu Urheberrecht platziert werden
  • Wo ist die künstlerische Arbeit?, diese müsste auch sichtbar werden
  • nicht nur die Kategorie Logbuch
  • Logbuch ist Prozessarbeit
  • Künst. und Texte sind nicht prozesshaft

 

Milky ways: Tracing posthuman feminism
Zur Person von Adrienne Rich (1929 – 2012, amerikanische Feministin, Dichterin und Denkerin) und zu reproduktive politics und zu breastfeeding
Mehr von Toni Morrison (1931–2019, afro-amerikanische Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin) und Greta Gaard (*1960, Schriftstellerin, ökofeministische Aktivistin und Dokumentarfilmerin) (Neimanis 2016:32)
breastfeeding als Bsp für transcorporeality (Neimanis 2016:33)
Donna Haraway: natureculture (Neimanis 2016:34)
Wilson: unser verkörpertes Wissen ist ein organisches Wissen: ist digestively, neuronal, kulturell kennt keine «’originary demarcation’ between these kinds of orangic knowledges», es ist ein «co-worlding»: kollaborativ, emergent
denaturalization of the separation between matter and meaning
→ ist posthumanismus apolitisch?
→ eine Frage der «flachen Ethik», «flachen Ontologien»
environmental justice (Verschmutzung der Reservate durch General Motors) (Neimanis 2016:35)
Body burden (wie in der Nahrungskette die toxischen Substanzen weitergereicht werden) (Neimanis 2016:36)
«Posthuman feminism amplifies the politics of location that Rich and Lorde and others already elaborated»
Aber es geht über die Kategorien-Denken hinaus («women»), es geht zu spezifischen Körpern, lokalen, materialisierten Körpern und wiederum über diese hinaus in die post-kolonialistischen Verfassungen und Zeit(en) werden durcheinandergewirbelt.
Michelle Murphy: Distributed Reproduction, Chemical Violence, and Latency, in: «Life (Un)Ltd: Feminism, Bioscience, Race», S&F Online, The Scholar and Feminist Online, Issue 11.3 | Summer 2013. «`In temporal terms`, she writes, `latency names the wait for the effects of the past to arrive in the present…[it] names the wait for the effects of the past to arrive in the present… [it] names how the past becomes reactivated. Through latency the future is already altered`.» (Murphy 2013)
“For a posthuman feminism, embodiment is therefore not just about more biologically robust detail. It is about paying attention to the complication of scale, where a familiar deictics of `here` and `there`, `mine` and `ours`, even `local` and global`, or `now` and `then`, which might have once seemed relatively securable, are now queerly torqued. Time, place, and bodies are all caught in the warp and woof of planetary colonialities that are naturalcultural and diffracted, but still radicalized and gendered, all the same.” (Neimanis 2016:37)
Wir sind verantwortlich “for this `ever-changing landscape of continuous interplay, interaction, emergence, and risk`” (Zit. n. Stacy Alaimo: Bodily Natures: Science, Environment, and the Material Self, Bloomington: Indiana UP, 2010, p.21.
(Neimanis 2016:38)
“I am here, and now, and at least three billion years old, and already becoming something else.” (Neimanis 2016:39)
They [industrially produced chemicals] persist across generations, forward and back, while the transcorporel lineaments of accumulation and distribution mean there is no place or time of pure refuge.” (Neimanis 2016:40)

How to think (about) a body of water:
Posthuman phenomenology between Merleau-Ponty and Deleuze
der Mensch – eine Hülle aus Haut (skin sac – Hautsack) (Neimanis 2016:41)
  • distributed
  • inherited
  • gestational
  • differentiated
  • transcorporeality
  • natureculture
  • amphimix
  • co-worlding
  • politics of location and collectivity
  • empodied concepts

Körperkonzepte

  • embodied
  • Körper aus Wasser versus bounded materiality/subjectivity

CdG → Husserl
Maurice Merleau-Ponty (1908–1961): Phenomeology of perception, 1962 – «Phänomenologie “a matter of describing, not of explaining or analyzing” (Merleau-Ponty, 1962:viii)

230424
«hope that phenomenology, as attunement, listening, and observation might somewhat temper all the language of agency and acting that infuses much new materialist writing, feminist and otherwise (for sometimes our bodies are quieter than all that)» (Neimanis 2016:42) (mit Phänomenologie der Sprache der Agencies und Actions etwas entgegenhalten)

weiterführende Lektüren nach Neimanis: Elizabeth Grosz (1994), Margrit Shildrick (1997), Gail Weiss (1999), Rosalind Diprose (2002), Lisa Guenther (2006), and Sara Ahmed (2000 ; 2006 ) (Neimanis 2016:43)
«This feminist phenomenological work articulates with the posthuman understandings of material, interconnected body-subjects I described earlier, traced through the work of Adrienne Rich and Audre Lorde into more contemporary thinkers such as Karen Barad, Elizabeth A. Wilson, Nancy Tuana, Mel Y. Chen, and Stacy Alaimo» (Neimanis 2016:43)

Merleau-Ponty
Renaud Barbaras: The being of the phenomenon: Merleau-Ponty’s ontology, 2004 Merleau-Ponty «offers a radical revision of the body’s ontological sense» (Barbaras 2004:xxiii f) […] a body that emerges from various debts and connections to other bodies, whereby bodies are always chiasmically entwined with the world. (Merleau-Pontys „body“ ist mit der Welt verwickelt.)
For Merleau-Ponty corporeal existence is central: going «back to the things themselves’ is necessarily an embodied undertaking […] the body is not something we ‘have’ (the body is not an object)» (Merleau-Ponty: Phenomeology of perception, 1962, p.198), but is rather something we inescapably are. We only have a world because we live as bodies that know the world as an extension of the body’s ways of being (‘we are in the world through our body’ (Merleau-Ponty 1962: p.203). Merleau-Ponty is thus not only a helpful source (Neimanis 2016:44) for developing a posthuman understanding of corporeality (= in der Welt-Sein → corporeality), but also offers a method for getting back to the body through the resources of our bodies and their various kinds of experiential knowledges.

Deleuze
«Deleuze’s work does not refuse a feminist politics of location, but neither does it do much to cultivate one. In Deleuzian rhizomatics, a ‘body’ is not defined by notions of liberal humanism but rather refers to any metastable entity that has a threshold of endurance, beyond which it ceases to be. Bodies are congeries of all kinds of physical, material, cultural, and semiotic forces, and how they become is more interesting than what they are. Deleuze is critical of the phenomenological tradition generally and Merleau-Ponty in particular for being too humanist, where meaning only emanates from a human vantage point. Immanence here can only ever be immanence to a subject. […] if consciousness is embodiment (Merleau-Ponty) and embodiment is more-than-human (Deleuze, feminist posthumanism, and – as I will argue – Merleau-Ponty), then we can also access and live a world that exceeds the bounds of a comfortably human-scaled experience» (Neimanis 2016:45)
(Deleuze Rhizom ist nicht anschlussfähig zu den politics of location).
«Deleuzian rhizomatics is critical of the metaphysical tradition of individualistic humanism, and of a human subject whose perspective is totalizing. Yet, Deleuze nonetheless acknowledges human subjectivity as one expression, or one capture, of bodies. In Deleuzian rhizomatics, a body is defined primarily by what it ‘can do’ and what can be done to it, while still maintaining the body’s metastability as a whole. Humans are humans because of what, in the most generalized sense, they can do, how they endure, and what it takes to kill them (or dissolve them, to be recomposed as something else). Another key to Deleuzian thinking on bodies is the fact that these thresholds are determined by myriad forces, which include the ‘molar’sedimenting processes of subjectivization. Molar subjects (or the body as a whole, the spatial or temporal aggregate) are forged from and stabilized by social, political, cultural, biological, physical, historical, and other kinds of flows.» (Neimanis 2016:46)
– Deleuze distanziert sich von MP
– Das Rhizomatische versus Metaphysik
– Menschsein → etwas aushalten, sogar umgebracht werden können
Gilles Deleuze, Felix Guattari: A Thousand Plateaus, trans. B . Massumi, Minneapolis: Minnesota University Press, 1987.
Bodies demand both processes of deterritorialization and reterritorialization (Delzeuze/Guattari 1987: 57–59, 211).
Body without Organs (BwO)

Deleuze‘ virtuality (Neimanis 2016:47)
Bodies, as in part virtual, are also extensive through time. Virtuality, in Deleuze’s terms, is that ‘indeterminate cloud’ that surrounds and coexists with actualized bodies.
Merleau-Ponty, the body has a tendency towards organization. […] various bodily modalities (Merleau-Ponty 1962 : 317) – cognitive, aff ective, motor, and perceptual. (Neimanis 2016:48)
watery embodiment is something we live, and as such, it is also something that can be accessed, amplified, and described. (Neimanis 2016:49)

Bsp indeterminate Cloud
Ch. hat A u.a. für ihren Abschluss nach Hamburg eingeladen ein Kunstwerk für sie zu machen

  • Flimmerhärchenprinzip
  • Flirt
  • Versprechen machen
  • Was schlägt ein, wer setzt die Versprechen um?
  • Potentialität
  • Theorie / Dramaturgie(?)/ Hintergrund ist wichtig

230615
How to think (as) a body of water: Access, amplify, describe! S.49–62.
Wie wässerig sind wir? (Neimanis 2016:49)
Angst → Das Subjekt verliert Kontrolle über: Tränen, Urin, Scheisse
Durst, Speichel (Neimanis 2016:50)
Merleau-Ponty und die «proximal distance of things» (Neimanis 2016:51)
Gibt es nach Merleau-Ponty eine phänomenologisch wirksame Distanz, um mit der Essenz der Dinge in Kontakt zu treten?
Neimanis denkt das räumlich veranschlagte Konzept in einer zeitlichen Dimension weiter, nur so gelingt das Tuning in eine more-than-human Welt

  • Stichwort: Synchronizitäten
  • Auch intergenereationality

Wasser existiert seit Billionen von Jahren (Neimanis 2016:52)

  • Masaru Emoto (Photograph)
  • Karen Barad: Meeting the Universe Halfway: Quantum Physics and the Entanglement of Matter and Meaning, Durham: Duke University Press, 2007
  • Elizabeth A. Povinelli: «Transgender Creeks and the Three Figures of Power in Late Liberalism», in: differences, 26(1): p.168–187.

question of the virtual (Deleuze) und seiner Aktualisierungen, als das Unbekannte, das mit der Verkörperung und dessen Potential zusammengeht (Neimanis 2016:53)

  • open-closed system such as water
  • nicht hadern mit der Deleuzsche Terminologie
  • es geht um gelebte Verkörperung
  • die human-Komfort-Zone ausdehnen, sowohl räuml. wie zeitl.
  • Entscheidend: embodied attunement

Herbert Spiegelberg (1904–1990, american Philosopher): The Phenomenological Movement, The Hague: Matinus Nijhoff, 1965 – „phenomenological intuiting“ (Neimanis 2016:54)
In der gelebten Erfahrung, concentrated on the thing, und doch kritisch

  • bodily hermeneutik
    Samuel Mallin: Art Line Thought, Dordrecht: Kluwer Academic Publishers, 1996

Diese Geschichten / proxy stories, human-scale perspectives (Neimanis 2016:55)

  • amplifiers, zB art!
  • sensitizers

wie geht das mit den Naturwissenschaften zs? (Neimanis 2016:56)

  • Naturwissenschaften als „syncretic assemblages of knowledge“
    Stacy Alaimo: Bodily Natures: Science, Environment, and the Material Self, Bloomington: Indiana UP, 2010, p.19.

Technologien und Wissenschaften in unserer sphere of experience beeinträchtigen unsere eigene körperliche Erfahrung, es braucht ein shifting (Neimanis 2016:59)

  • die Information aus diesen Bereichen amplify und extend the human-scale und rekonfigueriert was „embodiment“ heisst, hin zu einer posthuman corporeality.
  • Scientific accounts dehnen oder stauchen the human proximal relation

Alles in allem positiv gegenüber wissenschaftlichen Daten, denn auch sie sind das Resultat von Verkörperungsprozessen. (Neimanis 2016:6o), trotzdem ist Neimanis wissenschaftskritisch. Während Merleau-Ponty die Phänomenologie von der Empirik der Wissenschaft und ihrem Anspruch an absoluten und unambiguous truth unterscheiden will, kritisiert Neimanis deren falschen Objektivismus, ihr falsches Selbstverständnis als „neutrale“ Wissenschaften.

Neimanis verweist auf Elizabeth A. Wilson: Gut Feminism, Durham: Duke University Press 2015. Wilson spricht sich für ein „rendering“ der Wissenschaften aus. (Neimanis 2016:61)

  • Donna Harraway: «Situated Knowledges: Th e Science Question in Feminism and the Privilege of Partial Perspective», in: Feminist Studies, 14 (3): 1988, p.575–599. → Alles Wissen ist mediated: „We only know the world through the mediation of prosthetics“ „This holds for all sensory apparatuses“ (Harraway 1988)
  • „‘things‘ are co–worldings“ (Harraway 1988)

Zusammenfassung
Der posthuman Phänomenologie liegen zwei Vorstellungen zu Grunde (Neimanis 2016:62)

  • Wahrnehmung ist mediated, „back to the things themselves“ geht nur prosthetisch
  • Nicht ohne embeddedness of bodies, the situatedness of the practitioner, Spuren der Verortung immer aufzeigen/aufzeichnen

„A feminist posthuman phenomenological method must insist on describing the (social, morphological, cultural, biological, structural, imaginative) conditions that enable certain experiences for some bodies, but foreclose others for other ones. To do so, we begin with our (situated, posthuman) bodies. Recall Rich’s imperative: begin with the material; describe the geography closest in. (Neimanis 2016:62)
Not only do we require the syncretic assemblages of science to find our posthuman phenomenological bearings, we also need to attune ourselves critically to the differences of bodies that together world our planetary hydrocommons. The kind of posthuman phenomenology I am advocating must be committed to feminist, but also anticolonial, anti-racist, queer, and crip futures. Even – especially – as our bodies molecularize and destratify, and defy and interrupt our sense of coherently bounded self, the flows of power and restratification are hardly washed away.“ (Neimanis 2016:62)

 

 

 

078 Logbuch 230213
Mara Mills: künstliche Kehlköpfe

Mara Mills: „Medien und Prothesen. Über den künstlichen Kehlkopf und den Vocoder“, in: Hrsg. Daniel Gethmann: Klangmaschinen zwischen Experiment und Medientechnik, Bielefeld: transcript Verlag, 2010, S.127–152.


Stimmcodierung
Pedro the Voder spricht 1939  (Mills 2010:127)
AT&T Technologie überträgt ein rein synthetisches Sprachsignal
Die Sätze wurden aus einer Kombination von Lauten gebildet
Der Voder sieht aus wie eine Heimorgel und wird von einer Voderette gespielt (Mills 2010:128/29)

Voder
Considered the first electrical speech synthesizer, VODER (Voice Operation DEmonstratoR) was developed by Homer Dudley at Bell Labs and demonstrated at both the 1939 New York World’s Fair and the 1939 Golden Gate International Exposition. Difficult to use and difficult to operate, VODER nonetheless paved the way for future machine-generated speech.
Voderette
namenlos, «hörender» Blick, später sieht ihr die Kamera über die Schulter, die Voderette ohne Gesicht, nur die Hände sind noch zu sehen.

Der Voder als beispielhafte posthumane Technologie
Kay Dickinson„`Believe`?: vocoder, digitalized female indentity and camp“ in: Popoular Music 20, 3 (2001), (Mills 2010:129 und 333-347).

Vocoder
Sonja Diesterhöft: Meyer-Eppeler und der Vocoder, TU Berlin
WS 2003/04, Seminar Klanganalyse und -synthese.

Der Vocoder (VOicCoder) 1927 (Mills 2010:131)
Von Homer Dudley für die transatlantische Transmission von Signalen entwickelt

  • Geschichte der Sprechmaschinen und der künstlichen Kehlköpfe
  • Gesprochene Sprache hat eine eigene Materialität jenseits des Alphabets
  • Der Sprechakt gliedert sich in die Vorgänge im Kehlkopf und im Ansatzrohr
  • Bewegung der Sprechwerkzeuge = Modulationseffekte (Mills 2010:32)
  • Verfahren zur Simulation von laryngalen Schwingungen mittels elektronischer Schaltungen

Marshall McLuhan

  • Medien erweitern oder simulieren das menschliche Wesen
  • Prothetik oder Selbstamputation

Begriff der Prothese ist problematisch → Disability Studies (Mills 2010:133/50)

  • Denn es handelt sich nicht immer um eine „helfende“ Technik
  • Der wohltätige Ursprungsmythos ist problematisch
  • Schwer zu entscheiden, ob daraus Verletzungen oder eine Befreiung resultieren (Mills 2010:134)
  • Beachte die Etymologie der Wortes Prothese (S150)

John Durham Peters spricht von Medien als von psychotechnischen Praktiken, als angewandte Physiologie (→ „Helmholz und Edison. Zur Endlichkeit der Stimme“ in: Rauschen und Offenbarung)

 

Sprachmodelle und Modulation

  • die Übertragung von elektrischer Energie reicht nicht aus, um Kommunikation sicher zu stellen.
  • Signalverarbeitung wird eine eigene Disziplin (Mills 2010:135/40)

Hist. Kempelen u.a.

  • Bedeutung des Ansatzrohrs (Mills 2010:137)
  • Geschichte der Gehörlosenschulen: Abbé Charles-Michel de l’Épee de Paris
  • Auch Kratzenstein geht anscheinend von Wissen über Gehörlosigkeit aus! (1779) (Mills 2010:138)
  • Charles Wheatsstone 1837 (→ Formanten)
  • Helmholtz Stimmgabeln

 

Analogien elektronischer Instr. und Stimmorgane
Der Vocoder ist 1935 funktionstüchtig (Mills 2010:140)
→ Telephonstimme aus 10 Frequenzbändern
Alle wichtigsten Elemente des Vokalsystems besitzen elektronische Entsprechungen
Problematisch bleibt die Tonhöhe, die „Natürlichkeit“ der Stimme (Mills 2010:141)

Geschichte der künstlichen Kehlköpfe

  • Unabhängigkeit des Kehlkopfs von den Artikulatoren
  • Beginnt 1925 in den AT&T Labs
  • Im 19.Jh wird für die Stimmsynthese Rohrblätter aus Elfenbein, Horn, Silber und Bambus verwendet, das führt zu einem schrillen, piepsigen Klang (Mills 2010:142)
  • Modell von Mackenty, Riesz, Flecher, Lane, Wegel: Western-Electric 1-A, um 1929 und weitere Entwicklungen (Mills 2010:143-47)

Stimme / Metapher der Stummheit / Monotonie
Der Begriff der Stummheit (Mills 2010:148)
„Stumm war zu dieser Zeit ein umfassender Begriff, der sowohl auf Automaten wie auch auf Stummheit und „Dummheit“ der Menschen zu beziehen war. Wie im Falle des Begriffs „Speiseaufzug“ (engl. dumb-waiter) wurde das Wort auch „auf mechanische Vorrichtungen angewendet, die den Platz eines menschlichen Akteurs einnehmen.“
1944 war die Monotonie der mechanischen Stimmen das nachhaltigste Problem

Ingenieure und Historiker der Kryptologie sprechen vom Vocoder als der ersten Anwendung der Pulse-Code-Modulation (PCM) (Mills 2010:149)
Der Vocoder enthält das Kernprinzip der Digitalisierung: die Übertragung von Parametern

  • Folge von Analogiebildungen der menschl. Stimme: erst sind es mechanische Modelle, gefolgt von elektronischen Oszillatoren und Filter, gefolgt von digitalen Codes
  • Die Materialisierung verläuft über die Trennung von Kehlkopf und Modulatoren, die Übertragung von Sprache auf Holz und Gummi zur digitalen „Beschreibung,“ um mit minimalsten Anforderungen gesprochene Sprache hervorzubringen (Mills 2010:150)

Die Vorstellung von „Körper“ wird in das digitale Signal eingebaut und produziert darum körperliche Effekte

Vgl. Kommentar von Dufrêne zu Chopin
Chopin zielt nicht auf die “körperlichen Effekte” (Übertragung) von Stimmaufanhmen im Gegensatz zu Dufrêne

 

075 Log 230124 Simone Rist

Prägend für Leben und Werk der in Frankreich geborenen Sängerin und Schauspielerin, Regisseurin und Autorin Simone Rist ist die Begegnung mit Pierre Schaeffer im Rahmen der GRM (Groupe de Recherches Musicales). Ihre Zusammenarbeiten mit den Komponisten Josef A. Riedl, Berio, Luigi Nono, Pierre Boulez und allen voran John Cage und Merce Cunningham begründeten ihre Karriere als Konzertsängerin Neuer Musik.

Worldcat
Neue Musik Zeitung:
Rückblende: Vor 50 Jahren – 1971/01: Cage gibt das Komponieren auf
Mehr Sprachen, mehr Theater: Simone Rist

ZHDK-MIZ
Riedl
Galeriegeschoss: YT_16919
Untergeschoss: YS_1102
Ferreyra
Galeriegeschoss; YT_17034
PURA online
FERREYRA, B.: Rios del sueno / Medisances / L’Orvietan / Vivencias / Cantos de antes (La riviere des oiseaux) (Ferreyra)

 

Merci beaucoup pour vos bons vœux pour la nouvelle année, une bonne et heureuse année à vous aussi.
Suite à votre remarque, je me suis adressé à Radio Frankfurt pour demander des enregistrements de vous. J’espère avoir des nouvelles bientôt. Vous serez peut-être intéressée de savoir que de nombreux enregistrements de vous sont répertoriés sous ce lien :
Worldcat

[…]

Auf Empfehlung von Simone Rist geht eine Anfrage Radio Frankfurt
Radio Frankfurt Kontakt
keine Antwort

Weiterführende Links
029 Log 221208_230306 Entretien avec Simone Rist
108 Log 230824 Entretien avec Beatriz Ferreyra

 

 

74 Log 230123
History of Listening
Ana-Maria Ochoa Gautier

Gautier, Ana-Maria Ochoa: Aurality. Listening and Knowledge in Ninetenth-Century Colombia, Duke University Press, Durham and London, 2014
auf Empfehlung von CdG

– intellectual history of listening
– different “new” technologies that existed prior to the invention of the phonograph (Gitelman 1999, 2006), the trace left by different genres of inscription on the work of music making (Szendy 2008; Johnson 1995)

  • critical work on the philosophical grammar of vocality and writing (Derrida [1974] 1997; Cavarero 2005; Cournut 1974)
  • the study of discourses and practices of the aural in fields such as physiology and acoustics that surrounded the invention of sound machines (Sterne 2003; Brady 1999; Steege 2012), and how specific historical periods prior to the emergence of mechanical sound reproduction sounded (Smith 2004; Rath 2003; Corbin 1998)
  • This recent “auditory turn” in critical theory is giving rise today to the increased formalization of sound studies (Sterne 2012a).
  • For Peter Szendy, the “critical force of listening” has often been “restrained and denied” (2008, 34).

(Ochoa 2014:21f.)

– This book builds on such work but inverts the emphasis on the relation between the written text and the mouth (implied by the idea of the oral) by exploring how the uses of the ear in relation to the voice imbued the technology of writing with the traces and excesses of the acoustic.

Szendy, Peter. 2007. Sur écoute: Esthétique de l’espionnage. Paris: Minuit.
Szendy, Peter. 2008. Listen: A History of Our Ears. New York: Fordham University Press.
Szendy, Peter. 2009. “The Auditory Re- turn (the Point of Listening).” Paper presented at the conference Thinking Hearing, The Auditory Turn in the Humanities, Butler School of Music, University of Texas, October 2–4.

034 Log 221214 Anne Käthi Wehrli
Publikationsformate

Anne Käthi Wehrli, b. 1978 in Aarau (CH), lives and works in Zurich (CH)

Anne Käthi Wehrli is a pharmacist, performer, draftswoman and makes fanzines, installations and radio.  She has been involved in the DIY scene since the 1990s, produces numerous fanzines alone or together with friends and artists and gives fanzine and radio workshops. Her works combine different media and objects to complex yet light-footed confrontations with topics such as housewives, female sexuality, curiosity, chemistry, conflicts, cafés, bakeries, post offices, offices, freedom, public space, exuberance, surveillance, dust and data.
Anne Käthi Wehrli studied pharmacy and simultaneously founded the DIY publishing house Catalina TM. Since 2006 she has been making radio broadcasts on Radio LoRa 97.5 MHz. In 2016 the book «In den Lebensmitteln drin geht es zu und her wie in einer Stadt» was published by Corner College Press, which collects texts and drawings from 1993 to 2016. (zit n. PARTOUT)

Anne Käthi Wehrli: Mach’s, Frida Magazin, 2022
Anne Käthi Wehrli, Les Complices, Zürich, 2012
Anne Käthi Wehrli: Love, Nieves, 2004

 

 

 

031 Log desirable past
221210_11 Sa/So

cahiers d’études de la rtf, n° 27-28, « situation de la recherche », paris, flammarion, 1960.

221210 desirable past

I
Lektionen
in Musik, SR / BF weil ich keine Ahnung hätte
Geräusche und jetzt Musik
SR haut auf den Tisch: so!!

ihr Werdegang, beide SR, BF
nicht der Rede wert
nichts Besonderes
Neugierde, rasche Auffassungsgabe
Interesse für Neue Musik – selbstverständlich
Beatriz: ein Wunder, dass sie zur Musik fand
aber nicht ihr Verdienst
mais NOOOON!

how to bringe yourself zum Verschwinden
by saying: this was selbstverständlich, nothing special,
nothing to talk about

IV die T-Lektion
etwas wollen, aber pacato
pacatezza nicht calma
Leichtigkeit und engagement
etwas zu seinem Ding machen
Ehrgeiz durch striktes Nicht-üben unterminieren
Blattspielen bringt Spielglück, Bewunderung
Risiko bringt Aufregung – ohne Kalkül

V
wie es war bei SR zu klingeln und unverhofft eine junge Stimme in der Gegensprechanlage zu hören? Es wird mir nicht geöffnet. Ein zweites Mal. Die Eingangtüre summt, der Lift fährt in den 5. Stock, wie in einem Verlies sind alle Türen fest verschlossen und alle sehen gleich aus, keine Namensschilder.
Mit etwas Überwindung: an einer x beliebigen Türe klingeln
Eine junge Haushilfe macht auf: sie wisse von nichts
SR schlafe, hätte sich über Magenschmerzen beklagt
sei mit Bett, könne mich nicht empfangen
sie würde SR auf keinen Fall wecken wollen
…ach so, verstehe – ich könnte später wiederkommen?
da sei sie bestimmt schon weg
sie würde mich nicht empfangen
…verstehe, wann sie nach Hause gehen würde?
…ev könnte ich noch einmal vorbeischauen?
…wie lange sie noch bleiben würde?
in einer ¾ Stunde
… (krame das Konfekt aus der Tasche) für SR!
ist aber nett…
Stunden zuvor am Telephon – SR: ich hätte Glück, sie habe Zeit, gleich heute Nachmittag um 15:30 und hier der Code für die erste Türe ect., jetzt Magenkrämpfe.
Es ist unheimlich einer Unbekannten die Türe zu öffnen um sie im Wohnzimmer zu empfangen. SR lebt alleine. Ich gebe der Haushaltshilfe einen Zettel mit meiner Telephonnummer und mit Grüssen von BF und erkläre ihr, dass ich nach einem Spaziergang noch einmal vorbeischauen würde.
Um 16:30 sitzt SR am Tisch im Salon und trinkt Tee. Keine Anzeichen von Verstimmung. Sie freut sich auf das Gespräch mit mir. In eine Aufnahme könne sie erst einwilligen, wenn sie wisse, um was es gehe. Und zum Schluss: sie müsse den Text sehen, bevor ich etwas veröffentliche.

T: sie hätte sich verscheuchen lassen
das hätte ich gut gemacht

 

221211
Stattspiel: erst Elke Erb, dann Zizek, dann Inger Christensen
Why Do We Enjoy Feeling Ashamed?
16` obsessed with undisturbed appearances (Stalinismus, nichts durften während der Paraden daneben gehen (Terror und Obsession)
wenn etwas, das alle im Verborgenen wissen öffentlich zur Sprache kommt,
schämen sich trotzdem alle → Lacan: the agency of appearences (the big Other)
31` zu cancel culture

 

029 221208_230306
Entretien avec Simone Rist

8.12.2022, Rue Pierre Larousse, Paris

Simone Rist, née en 1931 à St. Etienne, est une soprano colorature. Elle a vécu et travaillé en France et en Allemagne, et ses concerts l’ont conduite dans toute l’Europe et en Amérique. Après ses études au Conservatoire de Paris dans les années 1960, elle a rejoint le Groupe de Recherche Musical dirigé par Pierre Schaeffer. Elle a eu l’occasion d’interpréter de nombreuses oeuvres de compositeurs renommés tels que John Cage, Pierre Boulez et Luigi Nono.

Entretien avec Simone Rist.pdf

Résumé
L’entretien avec la soprano Simone Rist peut être lu comme une source particulièrement éclairante du point de vue de la théorie des médias sur les pratiques précoces de la musique concrète, dans lesquelles la voix, les technologies d’enregistrement et les conditions institutionnelles de production sont étroitement imbriquées, et où l’histoire de la musique concrète apparaît comme le résultat de pratiques médiatiques encadrées par des institutions. À partir de la formation de Rist au Conservatoire de Paris et de son activité au sein du Groupe de Recherche Musicale (GRM) sous la direction de Pierre Schaeffer, il devient manifeste que la voix, dans le contexte de la musique électroacoustique, se déplace d’un rôle de support expressif de la signification musicale vers celui d’un objet sonore techniquement isolable et transformable, une unité produite médiatiquement au sens de l’objet sonore. La bande magnétique n’y fonctionne pas comme un simple support de stockage neutre, mais comme un dispositif actif qui détache les événements sonores de leur contexte d’origine et ouvre de nouveaux accès épistémiques à l’écoute. Cette perspective entre en résonance avec la théorie de l’écoute acousmatique de Michel Chion, dans la mesure où la séparation du son et de sa source visible engendre une situation d’écoute imaginative et spatialement délimitée de manière ouverte, dans laquelle la voix perd son ancrage référentiel.
Rist décrit ses débuts au GRM en tant qu’assistante de production et aborde également les conditions sociales et genrées de ces contextes de travail, en particulier en ce qui concerne les rapports de pouvoir au sein du fonctionnement du studio.

 

Auszüge:
Nach ihrem Studium Gesangsstudium (Koloratursopran) am Konservatorium in Paris arbeitet Simone Rist als Assistenin im GRM unter der Leitung von Pierre Schaeffer. Wer hat Zugang zur musique concrète? : « C’est une question d’ouverture de l’esprit, on l’a ou on ne l’a pas. » Sie findet immer die Mittel eine Partitur umzusetzen. Einzige Voraussetzung die Musik muss interessant sein. « J’ai toujours considéré que c’était difficile, mais qu’il fallait travailler. » Sie arbeitet gleichzeitig an einem Repertoir mit klassicher Musik : « je chantais dans les concerts à la radio, des concerts de musique classique. Donc ça n’avait rien à voir avec Pierre Schaeffer. » Keinen Widerspruch für sie zwischen Alter und Neuer Musik «comment est-ce que je peux faire les deux ? parce que c’est tous les deux, c’est de la musique. » Es war eine aufregende Zeit : « C’était le début de la musique électronique, c’était le début de la musique avec les disques […], des appareils avec plusieurs étages, pour pouvoir faire des choses à plusieurs voies. C’était passionnant parce que c’était une découverte. Ça n’avait jamais été fait. Et ça, c’étaient les inventions de Schaeffer. » Sie vertritt die GRM in Montréal (Kanada): « comme je parlais de l’anglais, ils m’ont envoyé là-bas pour représenter la France et la musique contemporaine en France ». Sie sang zahlreiche Uraufführungen von John Cage in Frankreich, des öftern zusammen mit Cathy Berberian. Cage hat ihr und Cathy Berberian sein Song Book Vol II (solos for voice 59-92) gewidmet. (12)

weiterführendes Material
Institut national de l’audiovisuel (INA): Simone Rist (Katalog)
Lieu de recherche
075 Log 230124 Simone Rist

Spezifische Angaben zum Aufenthalt von Simone Rist in Kanada fehlen
The Canadian Encyclopedia: Electroacoustic Music
Computer music is the application of digital technology to musical activity, such as computer-assisted composition, digital sound synthesis and, most recently, live performance with digital synthesizers using the MIDI (Musical Instrument Digital Interface) communications scheme. Computer music differs from other forms by using programs or software to control the process, and by representing sound as a series of numbers called samples. Some early computer-music systems in Canada were developed by Ken Pulfer of the National Research Council in 1969, Gustav Ciamaga and William Buxton at the University of Toronto, and Barry Truax at Simon Fraser University.

Since the mid-1980s, electroacoustic music production has increasingly utilized commercially produced hardware and software, including digital synthesizers and samplers controlled by the Musical Instrument Digital Interface (MIDI), communication protocol, and personal computers (PCs) equipped with sound cards and specialized software for assembling, processing and mixing sounds. Concert performance of elctroacoustic music may involve any of these devices interacting with live performers and visual elements, with the music projected into the space via multiple loudspeakers, a technique called sound diffusion. CD distribution of this type of music is generally on independent or private labels, Canadian examples being Empreintes Digitales in Montréal and Cambridge Street Records in Vancouver, who publish this music exclusively.

Electroacoustic techniques are used for both commercial and artistic types of music, the former usually associated with multi-track recording studios, and the latter with university and private studios as well as national radio networks in Europe. The first Canadian studios were established at the University of Toronto (1959) by Myron Schaeffer and at McGill University (1964) by Istvan Anhalt, and now are found in almost every university music faculty. Hugh Le Caine of the NRC was the most significant pioneer of electronic music in Canada through his design and construction of many specialized devices for composers and performers, including the first synthesizer, the Sackbut, in 1945.

Apart from universities, electroacoustic music is promoted in many Canadian centres by groups such as the Association pour la création et la recherche Électroacoustiques du Québec (ACREQ) in Montréal, the Music Gallery and Canadian Electronic Ensemble (CEE) in Toronto, Vancouver New Music and the Western Front Lodge in Vancouver, as well as by numerous composers, performers, the CBC and community radio stations. In 1986, a national association called the Canadian Electroacoustic Community (CEC) was formed to promote this music via festivals, a newsletter, recordings and the Internet. The International Computer Music Association (ICMA) has held three of its annual conferences in Canada, at Simon Fraser University in 1985, at McGill in 1991 and at the Banff Centre in 1995, and Canadian composers are frequent recipients of international awards. Today, electroacoustic music, despite the public’s lack of familiarity with its artistic forms, is an important aspect of musical life.

New Music: from Canada’s first electronic music studio to today’s New Music Festival
Posted by Tyler Greenleaf
January 17, 2019

Marcel Duchamp and John Cage «Reunion»
by Macauley Peterson

 

 

 

026 Log 221206 Susana Jiménez Carmona_écoute mutuelle

REFLEXIO 2022 | 2
Conférence
SUSANA JIMÉNEZ CARMONA
18h30 à l’Université Paris 8

Lieu de recherche

SUSANA JIMÉNEZ CARMONA
« Ici, les voix sont nombreuses »Cette conférence abordera trois travaux qui portent sur des lieux à la fois très particuliers et très génériques pour réfléchir sur la façon dont nous écoutons et nous nous rapportons aux lieux que nous habitons et à la multitude de voix humaines et non-humaines qui les composent. Ces travaux sont Una calle (Une rue, 2017), Esta no es mi casa (Cette maison n’est pas la mienne, 2021) et Lana negra (Laine noire, 2022). Le premier est un travail collaboratif de Cuidadoras de sonidos (un duo composé d’Anouk Devillé et Susana Jimenez Carmona) qui tente de souligner les liens intimes entre la Cañada Real Galiana (le plus grand campement irrégulier d’Europe, situé à la périphérie de Madrid) et la rue la plus centrale et emblématique de la ville, la Gran Vía. Esta no es mi casa est un travail réalisé en collaboration avec des membres du groupe de femmes migrantes et travailleuses domestiques Territorio Doméstico qui interroge ce qui fait d’une maison notre maison pour problématiser ce qu’on croit être le plus évident. Lana negra cherche des manières d’écouter, de prêter attention à la façon dont les non-humains avec lesquels nous cohabitons ont fait et font des territoires et des villes. Il essaie de le faire en accompagnant l’un des troupeaux de moutons qui vivent encore dans la ville de Cordoue. Ces travaux nous permettront de réfléchir sur les écoutes mutuelles, sur les complexités inépuisables des pratiques collaboratives, sur la cohabitation au-delà de l’humain, sur la politique des singularités et sur la singularité du public, sur la nécessité d’explorer d’autres manières d’habiter et d’écouter, sur la position du rôle de l’artiste et sur le sens d’envisager tout cela en faisant des arts sonores.

Susana Jiménez Carmona est artiste sonore et chercheuse. Docteure en Sciences Humaines et de la Culture, diplômée en Philosophie et musicienne, elle est professeure dans le Master en Arts Sonores de l’Université de Barcelone. Elle fait partie de Cuidadoras de sonidos et El paseo de Jane, a collaboré et collabore avec différents artistes et collectifs tels que Malú Cayetano, Silvia Zayas, Minty Donald, Nick Millar, Territorio Doméstico, Plata Lugar ou CAR Inland. Son travail a été montré dans des espaces tels que Museo Reina Sofía, Matadero Madrid, CaixaForum, CentroCentro, RNE, les festivals internationaux Creatures (Séville), Frinje (Madrid) et Tsonami (Valparaíso), etc.

 

Kommentar (BnF 221217)
Vortrag v. Susanna Jiménez Carmon, perfektes Französisch
vorgelesen, monoton, kein Bezug
Auswahl ihrer Projekte: Schaf mit Mikrophon (=Übergriff?/Schafhören?).
die Studierenden anerkennen die guten Absichten
auch bez. der Intervention von SJC in den Favelas vor den Toren Madrids?, die zu beforschen heutzutage ein MUST sei, so SJC (+Eingeständnis, dass sich nichts ändert für die Leute, die dort leben müssen – im Gegenteil…?).
20 Studierende seien dankbar, dass die Heizung läuft, so der Seminarleiter

Les Instants Chavirez zeichnen mitverantwortlich für Reflexio-Serie

  • Impro und Reflex. als neues Veranstaltungsformat
  • die Locations (concert/conférence) liegen denkbar weit auseinander
  • nicht dasselbe Publ.?
  • wie wird werden diese Veranstaltung zusammengeführt?
  • die Conférence von S. ist vgl. einem Seminar
  • Titel vielversprechend: Ici, les voix sont nombreuses
    .
  • Begriff der écoutes mutuelles
  • inhabiting the listening, practices of listening
  • Konzepte von écoute als écoute mutuelle
  • vgl. Écoute reduite (GRM)
  • vgl. Écoute élargie (HKB)
  • vgl. Deep listening (Oliveros)
  • → Ethym. hören, hearing, listening entendre, écouter
    .
  • Schriftkonzepte
  • Écriture automatique
  • Signalschriften (Adorno: inhuman), Datenschriften
  • Phonetische Schrift
  • Aufzeichnen
  • „automatic writing“ → Anfänge? Surrealisten interessieren sich für den état d’ésprit, das Unter/Un-Bewusste, die Dali-Welt?, bunt, Traum, schliesslich harmlos? hervorragend gemalt – mit dem automatic writings der Keruacs ed.all (?) hingegen  kommt einzig wahre?, auszukotzende, verlotterte, drogenabhängige, triebhafte Wesen zum Vorschein